FÜR DIE UMWELT SENSIBILISIEREN
Eine Bilanz zum Zentrum für Umweltwissenschaften
Der Weltklimagipfel ist vorbei. Vielleicht ist hier und da ein verstärkter Erklärungsbedarf entstanden angesichts von CO 2 - Ausstoß, saurem Regen, von Luft- und Wasserkreisläufen, von Ozonloch und Treibhauseffekt. Obwohl häufig vom Zuspätkommen die Rede ist, sollte von Erklären und Aufklären nicht gelassen werden. Kleine Schritte sind es auch, auf die die Universität Potsdam mit ihrem Angebot der Umweltbildung setzt, das sich insbesondere an Lehramtskandidaten aller Fächer richtet.
Bereits in der Gründungsphase der Universität war man für diese Fragen offen, als entschieden wurde, ein interdisziplinäres Zentrum für Umweltwissenschaften in den Rapieren zu verankern. Als Hauptaufgaben dieses Zentrums definierte der Gründungssenat Angebote von fächerübergreifender Lehre, Spezialstudien mit besonderer Berücksichtigung der postgradualen Qualifizierung sowie Umweltbildung über den Kreis der Studierenden hinaus. Forschungsaufgaben des Zentrums, die in Kooperation mit Einrichtungen der Universität selbst, des Landes sowie auf nationaler und internationaler Ebene angestrebt werden, sollten sich vor allem an den Schwerpunkten der Umweltforschung im Lande Brandenburg orientieren. Mit zum Aufgabenkatalog sollte eine breite Öffentlichkeitsarbeit, einschließlich Serviceleistungen und Beratung für die Universität und das Land, gehören. Inzwischen sind mehr als drei Jahre vergangen, das Zentrum für Umweltwissenschaften existiert und arbeitet in erster Linie im Bereich der Umweltbildung. Es hat versucht, den Aufgaben im Rahmen seiner Personalausstattung und der üblichen Probleme einer Aufbauphase gerecht zu werden. Erste Ergebnisse erlauben eine Bilanz. Mit zehn Semesterwochenstunden, die über mehrere Semester hinweg absolviert werden können, ist das Modul Umweltbildung für Lehramtsstudenten aller Fächer gedacht. Die Lehrveranstaltungen sollen dazu befähigen, daß Lehrer in ihrer späteren Arbeit Aufgaben der Umweltbildung als fachübergreifende Aufgabe sehen und entsprechend vermitteln. In diesem Sinne angelegt sind die Vorlesungen und Seminare zu Umweltproblemen, zur Alltags-Ökologie und zur Umweiterziehung, ein pädagogisch oientierter Projektunterricht sowie Praktika und Exkursionen. Das Modul wird als Zusatzqualifikation angeboten. Die Resonanz unter den Studierenden ist (noch) zögerlich; mitunter besteht die Befürchtung, daß das Vorwissen nicht ausreiche. Zugleich wird aber die Chance gesehen, eine attraktive Zusatzausbildung zu erhalten.
Im Rahmen von Postgradualstudien hat sich das Zentrum in zwei Richtungen engagiert: von 1991-1993 absolvierten 27 Lehrer ein postgraduales Studium „Umwelterziehung" , vor einem Semester begann ein Aufbaustudium, dessen TMnehmer zumeist außerhalb der Schule umwelterzieherisch tätig sind. In 300 Stunden werden die Schwerpunkte Umwelterziehung, Grundlagen der Ökologie, angewandter Naturschutz und Umweltschutzpraxis, Rechtsfragen, Umweltberatung und Kommunikationstraining behandelt, Zur. Ausbildung gehören Geländepraktika in unterschiedlichen Ökosystemen und Exkursionen. Ungeklärt ist leider bis heute die Wertigkeit des Abschlusses. Prof. Dr. Klaus-Peter Berndt vom Zentrum sieht einen tragfähigen Lösungsansatz z. B. im „Schulbeauftragten für ökologische Bildung“, wie man ihn in Sachsen-Anhalt findet.
Im Januar 1992 begann am Zentrum - gemeinsam mit dem Weiterbildungszentrum der Pädagogischen Hochschule Magdeburg - das Modellprojekt „Umweltschutz für Bildung und Hauswirtschaft“ der Bund- Länder-Kommission. Dieses Drittmittelprojekt mit einer Laufzeit bis Mitte 1994 wurde als berufsbegleitendes kombiniertes Präsenz- und Fernstudium für Lehrer und Hauswirtschafter durchgeführt. Vermittelt wurden vorrangig natur- und sozialwissenschaftliche Inhalte des Umweltschutzes. Zu den Teilnehmern gehörten Lehrer verschiedener Fächer an allgemeinbildenden Schulen, einige Lehrer aus berufsbildenden Schulen mit dem Berufsbild Ernährung und Hauswirtschaft sowie Mitarbeiter freier Bildungsträger und Organisationen.
Die Absolventen beider Studiengänge begrüßten den interdisziplinären Charakter des Angebots sowie die Ausgewogenheit zwischen den theoretischen und praktischen Anteilen. Allerdings bleibt auch hier wieder offen, welche offizielle Anerkennung das Studium erfährt. Neben den üblichen konzeptionellen und auswertenden Arbeiten, die Drittmittelprojekte erfordern, wurden mehr als zwanzig Studienmaterialien geschaffen.
Seit längerem arbeiten die Mitarbeiter des Zentrums daran, den Erfahrungs- und Erlebnisraum Wald, eines der wichtigsten komplexen Ökosysteme, für die multimediale Umweltbildung aufzubereiten. Wie Prof. Dr. Berndt erklärte, „wird die nachhaltige Verbesserung der ökologischen Gesamtsituation entscheidend über eine wirksame Weitergabe und Umsetzung bereits vorhandener Wissenspotentiale gefördert. Dabei wird großer Wert auf die Einbeziehung affektiver und ethischer Komponenten
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Seit Menschengedenken gilt der Baum als Symbol des Lebens. Unzählige Dichter haben ihn besungen und machten ihn literaturfähig, berühmten Malern und Fotografen diente er als Vorlage, kaum ein Kinderlandschaftsbild, das ohne Baum auskommt. Ohne Bäume gäbe es kein ökologisches Gleichgewicht und könnte man sich die Welt nur schlecht vorstellen. Ein entsprechend großer Stellenwert wird dem Erfahrungs- und Erlebnisraum Wald auch in der Umweltbildung und -erziehung eingeräumt.
Foto: Rüffert
gelegt, so daß letztlich Einstellungs- und Verhaltensänderungen sowie Handlungsbereitschaft entwickelt werden. Mit Hilfe eines menügesteuerten Multimedia-Systems mit Hypertext können die unterschiedlichen Zielgruppen einschließlich der Multiplikatoren mit spezifischen Informationen versorgt werden. Unter Ausnutzung der Alltagsgewohnheiten Fernsehen, Computer und Video soll so ein zusätzlicher Zugang zum Naturerleben geschaffen werden.“
Die Angebote zur Umwelterziehung und -bildung an der Universität Potsdam finden auch außerhalb der Hochschule Beachtung. So schätzte beispielsweise Günther Eulefeld vom Institut für Pädagogik der Naturwissenschaften an der Universität Kiel auf der ATEE-Konferenz 1994 in Prag ein: „Der politische Umbruch in der früheren DDR hat in den Hochschulen Ostdeutschlands eine neue Situation geschaffen. In dieser offenen Situation ist der Ruf nach Berücksichtigung der Umwelt erziehung an einigen Universitäten auf fruchtbaren Boden gefallen. Ein besonders konsequentes Modell wird in Potsdam entwickelt, das allerdings wegen seines Angebotscharakters nur einen Tbil der Lehramtsstudenten errreichen wird.“ - In Vorbereitung zum Wintersemester 1995/96 ist ein Magisterstudiengang für das Nebenfach Umweltwissenschaften, der einen größeren Kreis von Studierenden erreichen könnte. De.
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PUTZ 4/95