Heft 
(1.1.2019) 04
Einzelbild herunterladen

FÜR DIE UMWELT SENSIBILISIEREN

Eine Bilanz zum Zentrum für Umweltwissenschaften

Der Weltklimagipfel ist vorbei. Vielleicht ist hier und da ein verstärkter Erklärungs­bedarf entstanden angesichts von CO 2 - Ausstoß, saurem Regen, von Luft- und Wasserkreisläufen, von Ozonloch und Treibhauseffekt. Obwohl häufig vom Zu­spätkommen die Rede ist, sollte von Er­klären und Aufklären nicht gelassen wer­den. Kleine Schritte sind es auch, auf die die Universität Potsdam mit ihrem Ange­bot der Umweltbildung setzt, das sich insbesondere an Lehramtskandidaten al­ler Fächer richtet.

Bereits in der Gründungsphase der Univer­sität war man für diese Fragen offen, als entschieden wurde, ein interdisziplinäres Zentrum für Umweltwissenschaften in den Rapieren zu verankern. Als Hauptaufgaben dieses Zentrums definierte der Gründungs­senat Angebote von fächerübergreifender Lehre, Spezialstudien mit besonderer Be­rücksichtigung der postgradualen Qualifi­zierung sowie Umweltbildung über den Kreis der Studierenden hinaus. Forschungs­aufgaben des Zentrums, die in Kooperation mit Einrichtungen der Universität selbst, des Landes sowie auf nationaler und inter­nationaler Ebene angestrebt werden, soll­ten sich vor allem an den Schwerpunkten der Umweltforschung im Lande Branden­burg orientieren. Mit zum Aufgabenkatalog sollte eine breite Öffentlichkeitsarbeit, ein­schließlich Serviceleistungen und Beratung für die Universität und das Land, gehören. Inzwischen sind mehr als drei Jahre vergan­gen, das Zentrum für Umweltwissen­schaften existiert und arbeitet in erster Li­nie im Bereich der Umweltbildung. Es hat versucht, den Aufgaben im Rahmen seiner Personalausstattung und der üblichen Pro­bleme einer Aufbauphase gerecht zu wer­den. Erste Ergebnisse erlauben eine Bilanz. Mit zehn Semesterwochenstunden, die über mehrere Semester hinweg absolviert werden können, ist das Modul Umwelt­bildung für Lehramtsstudenten aller Fächer gedacht. Die Lehrveranstaltungen sollen dazu befähigen, daß Lehrer in ihrer späte­ren Arbeit Aufgaben der Umweltbildung als fachübergreifende Aufgabe sehen und ent­sprechend vermitteln. In diesem Sinne an­gelegt sind die Vorlesungen und Seminare zu Umweltproblemen, zur Alltags-Ökologie und zur Umweiterziehung, ein pädagogisch oientierter Projektunterricht sowie Praktika und Exkursionen. Das Modul wird als Zu­satzqualifikation angeboten. Die Resonanz unter den Studierenden ist (noch) zöger­lich; mitunter besteht die Befürchtung, daß das Vorwissen nicht ausreiche. Zugleich wird aber die Chance gesehen, eine attrak­tive Zusatzausbildung zu erhalten.

Im Rahmen von Postgradualstudien hat sich das Zentrum in zwei Richtungen engagiert: von 1991-1993 absolvierten 27 Lehrer ein postgraduales StudiumUmwelterzie­hung" , vor einem Semester begann ein Auf­baustudium, dessen TMnehmer zumeist außerhalb der Schule umwelterzieherisch tätig sind. In 300 Stunden werden die Schwerpunkte Umwelterziehung, Grundla­gen der Ökologie, angewandter Natur­schutz und Umweltschutzpraxis, Rechts­fragen, Umweltberatung und Kommunika­tionstraining behandelt, Zur. Ausbildung gehören Geländepraktika in unterschiedli­chen Ökosystemen und Exkursionen. Un­geklärt ist leider bis heute die Wertigkeit des Abschlusses. Prof. Dr. Klaus-Peter Berndt vom Zentrum sieht einen tragfähi­gen Lösungsansatz z. B. imSchulbeauf­tragten für ökologische Bildung, wie man ihn in Sachsen-Anhalt findet.

Im Januar 1992 begann am Zentrum - ge­meinsam mit dem Weiterbildungszentrum der Pädagogischen Hochschule Magde­burg - das ModellprojektUmweltschutz für Bildung und Hauswirtschaft der Bund- Länder-Kommission. Dieses Drittmittelpro­jekt mit einer Laufzeit bis Mitte 1994 wurde als berufsbegleitendes kombiniertes Prä­senz- und Fernstudium für Lehrer und Hauswirtschafter durchgeführt. Vermittelt wurden vorrangig natur- und sozialwissen­schaftliche Inhalte des Umweltschutzes. Zu den Teilnehmern gehörten Lehrer verschie­dener Fächer an allgemeinbildenden Schu­len, einige Lehrer aus berufsbildenden Schulen mit dem Berufsbild Ernährung und Hauswirtschaft sowie Mitarbeiter freier Bildungsträger und Organisationen.

Die Absolventen beider Studiengänge be­grüßten den interdisziplinären Charakter des Angebots sowie die Ausgewogenheit zwischen den theoretischen und prakti­schen Anteilen. Allerdings bleibt auch hier wieder offen, welche offizielle Anerkennung das Studium erfährt. Neben den üblichen konzeptionellen und auswertenden Arbei­ten, die Drittmittelprojekte erfordern, wur­den mehr als zwanzig Studienmaterialien geschaffen.

Seit längerem arbeiten die Mitarbeiter des Zentrums daran, den Erfahrungs- und Er­lebnisraum Wald, eines der wichtigsten komplexen Ökosysteme, für die multime­diale Umweltbildung aufzubereiten. Wie Prof. Dr. Berndt erklärte,wird die nachhal­tige Verbesserung der ökologischen Ge­samtsituation entscheidend über eine wirk­same Weitergabe und Umsetzung bereits vorhandener Wissenspotentiale gefördert. Dabei wird großer Wert auf die Einbezie­hung affektiver und ethischer Komponenten

ÄfeÄf

mmmM

Seit Menschengedenken gilt der Baum als Sym­bol des Lebens. Unzählige Dichter haben ihn besungen und machten ihn literaturfähig, be­rühmten Malern und Fotografen diente er als Vorlage, kaum ein Kinderlandschaftsbild, das ohne Baum auskommt. Ohne Bäume gäbe es kein ökologisches Gleichgewicht und könnte man sich die Welt nur schlecht vorstellen. Ein entsprechend großer Stellenwert wird dem Er­fahrungs- und Erlebnisraum Wald auch in der Umweltbildung und -erziehung eingeräumt.

Foto: Rüffert

gelegt, so daß letztlich Einstellungs- und Verhaltensänderungen sowie Handlungs­bereitschaft entwickelt werden. Mit Hilfe eines menügesteuerten Multimedia-Sy­stems mit Hypertext können die unter­schiedlichen Zielgruppen einschließlich der Multiplikatoren mit spezifischen Infor­mationen versorgt werden. Unter Ausnut­zung der Alltagsgewohnheiten Fernsehen, Computer und Video soll so ein zusätzlicher Zugang zum Naturerleben geschaffen wer­den.

Die Angebote zur Umwelterziehung und -bildung an der Universität Potsdam finden auch außerhalb der Hochschule Beach­tung. So schätzte beispielsweise Günther Eulefeld vom Institut für Pädagogik der Na­turwissenschaften an der Universität Kiel auf der ATEE-Konferenz 1994 in Prag ein: Der politische Umbruch in der früheren DDR hat in den Hochschulen Ostdeutsch­lands eine neue Situation geschaffen. In dieser offenen Situation ist der Ruf nach Be­rücksichtigung der Umwelt erziehung an ei­nigen Universitäten auf fruchtbaren Boden gefallen. Ein besonders konsequentes Modell wird in Potsdam entwickelt, das al­lerdings wegen seines Angebotscharakters nur einen Tbil der Lehramtsstudenten errreichen wird. - In Vorbereitung zum Wintersemester 1995/96 ist ein Magister­studiengang für das Nebenfach Umwelt­wissenschaften, der einen größeren Kreis von Studierenden erreichen könnte. De.

Seite 6

PUTZ 4/95