ROMANTIKER IN DIE REALITÄT HOLEN
Erste literaturwissenschaftliche bohemistische Konferenz an der Uni
HANNOVER '95
Johann Ludwig Tieck und E.T.A. Hoffmann sind nicht nur für Eingeweihte auch im Ausland bekannte Namen deutscher Romantiker. Der tschechische Romantiker und Nationaldichter Karel Hynek Mächa (1810-1836) ist dagegen bis heute weder in noch außerhalb seiner Heimat mit der ihm gebührenden Aufmerksamkeit bedacht worden. Verschiedene Aspekte seines Werkes bildeten daher den Mittelpunkt der kürzlich vom Institut für Slavistik, Abteilung Westslavische Literaturen und Kulturen durchgeführten ersten literaturwissenschaftlichen bohemistischen Konferenz mit intemationationaler Beteiligung.
,yVü wollten damit die poetische Qualität dieses tschechischen Dichters, der sogar in Deutschland wenig bekannt ist, stärker ins Bewußtsein rücken und würdigen“, erläutert Natascha Drubek-Meyer das Anliegen der von Prof. Dr. Herta Schmid initiierten Tagung, Auch bei den tschechischen Literaturwissenschaftlern wird der Romantiker heute in der Forschung kaum beachtet. Wichtige Studien stammen bereits aus den 30er Jahren unseres Jahrhunderts. Als ebenso notwendig angesehen werde es, die in Potsdam neu eingerichtete und personell gut ausgestattete Westslavistik in der internationalen Bohemistik bekannt zu machen und die Kontakte zwischen den deutschen Fachkollegen herzustellen. Denn an der Universität Potsdam etabliert sich ein großer Bereich der Studien, in deren Zentrum Literatur, Sprache, Theater und Film des Nachbarlandes stehen. Die dort Arbeitenden haben sich zum Ziel gesetzt, „die bahnbrechenden Theorien der Ästhetik und Semiotik des Prager Strukturalismus, also jener Richtung der Literaturwissenschaft, die die Struktur der Sprache untersucht, aufzugreifen und zu erweitern“.
Die europäische Dimension des Schaffens von Mächa war dann auch einer der Schwerpunkte der Konferenz, so beispielsweise bei der Darstellung von intertextu- ellen Bezügen des Dichters zu Clemens
KAREL HYNEK MÄCHA (1836) aus: Der Mai
Ein später Abend - der erste Mai - ein Abendmai - der Liebe Zeit.
Die Turteltaube lockt von weit zur Liebe, dort im Kiefernhain.
Von Liebe flüstern leise Moose Leid log der Baum im Blütenschwall, von Liebe singt die Nachtigall, und duftet auch der Hauch der Rose. Der See, im Schattensaum geronnen, rauscht tief nur in geheimem Weh, das Ufer schlingt sich um den See; und andrer Welten helle Sonnen begegnen in azurnen Bahnen der Liebe Tränen flammend Fahnen.
(Die Studentinnen Astrid Krüger und Daniela Rohde übersetzten diesen Gedichttext gemeinsam mit Natascha Drubek-Meyer vom Institut für Slavistik.)
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Dem tschechischen Romantiker Karel Hynek Mächa widmete sich ein Symposium an der Uni.
Abb.: zg.
Brentano oder Novalis. Ein weiterer Aspekt, die Beziehung Mächas zur Malerei, wurde in mehreren Referaten intensiver beleuchtet. Weiterhin unternahmen die Experten den Versuch, die sich in den Werken des Schriftstellers widerspiegelnden Motive in die romantische Philosophie und Politik einzuordnen. Eine Reihe von Beiträgen bezog sich auf sein 1836 entstandenes Hauptwerk, die Verserzählung „Der Mai“.
Die Slavisten der Uni konnten einen der prominentesten Vertreter des tschechischen Strukturalismus, Prof. Miroslav Öer- venka aus Prag, und Prof. Vladimir Macura, Direktor des Institutes für tschechische Literatur der Akademie der Wissenschaften, begrüßen. Die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern beider Länder ist also in Gang gesetzt. Die im zweijährigen Rhythmus geplanten Symposien in Potsdam sollen nicht nur der Forschung, sondern ebenso der Lehre Impulse verleihen. „Auch damit möchten wir einen Beitrag dazu leisten, die Bohemistik aus ihrem theoretischen Schlaf zu wecken, denn im Gegensatz zu anderen slavistischen Bereichen ist sie noch etwas isoliert“, konstatiert Natascha Drubek-Meyer. Gedacht ist gleichfalls an eine „Ttichechisch-Brandenburgische Gesellschaft für Bohemistik“, die ein Forum für die Zusammenarbeit von deutsch- und tschechischsprachigen Experten bieten soll. B.E.
Der Potsdamer Informations- und Tbchno- logie-Transfer (PITT) der Universität organisierte auch in diesem Jahr wieder die Messepräsentation sowie zwei Fahrten von Wissenschaftlern zur Hannover Messe, die diesmal insbesondere im Institut für Informatik und im Institut für Berufspädagogik/ Elektro- und Metalltechnik auf großes Interesse stießen. Schwerpunktthemen der diesjährigen größten Industriemesse der Welt vom 3. bis 8. April 1995 waren, gewissermaßen in Ergänzung zur parallel laufenden Klimakonferenz in Berlin, erneuerbare Energien, Recycling und Energieeinsparung. Insgesamt etwa 7000 Aussteller präsentierten ihre neuesten Produkte und Entwicklungen in 24 Hallen und auf Freiflächen. Besonders erfreulich war die Teilnahme von 70 Brandenburger Unternehmen, von denen sich immerhin 31 auf einem eigenen Stand vorstellten. Allein diese Zahlen lassen erahnen, daß der Fachbesucher gezwungen war, sein Interessengebiet auszuwählen, um die Zeit auf der Messe effektiv zu nutzen.
Im Bereich Energie- und Umwelttechnik gab es erstmals eine gemeinsame Ausstellungsfläche der am geschlossenen Recycling-Kreislauf „Automobil“ beteiligten Firmen. Ein besonderer Streitpunkt in diesem Kreislauf, in dem nicht mehr nur die Wiederverwertung von Stoßfängern und Kühlergittern, sondern auch von Katalysatoren (man denke nur an Stoffe wie Platin und Rhodium) möglich ist, ist die Einbettung der Kfz-Betriebe in das Entsorgungskonzept. Ein weiterer Anziehungspunkt in Hannover war die Ausstellungshalle für Forschung und Technologie. Hier waren auf dem Gemeinschaftsstand des Landes Brandenburg auch Dr. Achim Liers vom Institut für Informatik (Bestimmung und Bewertung der Produktqualität - Elektroenergie) und Dr. Detlef Gietzel vom Institut für Berufspädagogik (Solarenergie) vertreten. Da sich zahlreiche Universitäten und Fachhochschulen in dieser Halle präsentierten, war die Hannover Messe auch eine wertvolle Fundgrube für Studenten. Ein Besuch der Industriemesse lohnt allemal - im April 1996 auf ein Neues. A.B.
030/6946070
• Banddurchsagen Tag + Nacht!
rar
Seite 7
PUTZ 4/95