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(1.1.2019) 04
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WO, WENN NICHT IN POTSDAM?

Forschungsschwerpunkt Europäische Aufklärung kooperiert mit der Universität

Drei Dinge würden im Brandenburgischen nie ausgehen: der sprichwörtliche märki­sche Sand, Fontane- und Friedrich-Zitate, so der Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Steffen Reiche, bei der Eröffnung des neuen Hauses des Forschungs­schwerpunktes Europäische Aufklärung in Potsdam. Was Friedrich II. betrifft, lieferte das aus diesem Anlaß Ende Februar 1995 durchgeführte Kolloquium einen Beweis dafür. Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen näherten sich dem ThemaFriedrich II. und die europäische Aufklärung. War es doch der Preußenkönig, der sich für Religi­onsfreiheit, Toleranz und Menschenrechte einsetzte, die Justiz von der Verwaltung trennte, das Recht vereinfachte und das Strafrecht humanisierte.

Neben dem Forschungsschwerpunkt Zeit­historische Studien (vgl. PUTZ 16/94) ist nun also auch jener der Europäischen Auf­klärung in Potsdam präsent. Nach dem Umzug aus Berlin wurde die restaurierte Siemens-Villa in der Gregor-Mendel-Straße zum neuen Domizil. Ein ebenso geräumi­ges wie repräsentatives Gebäude. Der Weg dorthin war durchaus nicht immer eben. So gründete die Max-Planck-Gesellschaft auf Bitte des Wissenschaftsrates zum 1. Ja­nuar 1992 sieben geisteswissenschaftliche Forschungsschwerpunkte. Das Ziel be­stand darin, Potentiale zu erhalten und gleichzeitig der außeruniversitären For­schung, verbunden mit universitätsnahen Organisationsformen, Entwicklungschan­cen in der deutschen Wissenschaftsland­schaft einzuräumen. Bis Ende 1995 wird die Drägerschaft noch durch die Max-Planck- Gesellschaft fortgesetzt, dann soll die Über­führung in dauerhafte Strukturen abge­schlossen sein. Auch für den Forschungs­schwerpunkt Europäische Aufklärung ver­abschiedete der Wissenschaftsrat im No­vember 1994 Empfehlungen zur Gründung eines Zentrums aus seinem Potential. Die Finanzierungsmodalitäten müssen jedoch der Bund und das Land Brandenburg noch endgültig regeln. Klar ist, daß das Land ein Drittel der Ausstattung trägt, Minister Rei­che versicherte schon jetzt: Wir können uns nun zügig ans Gründen machen. Denn für den Jahreshaushalt 1996 würde die Deut­

sche Forschungsgemeinschaft (DFG) als Hauptfinanzier Mittel über ihre Antrags­verfahren bereitstellen. Bereits bis Mitte 1995 sollen nach internationaler Begutach­tung ein Leiter und bis Mitte 1996 ein Leitungskollegium berufen sein.

Wie die anderen auch, setzt sich der Forschungsschwerpunkt Europäische Auf­klärung aus mehrfach positiv evaluierten Mitarbeitern, in diesem Falle des Projektes zur 18. Jahrhundert-Forschung der ehema­ligen Akademie der Wissenschaften zusam­men. Aufgrund des Gegenstandes arbeiten Romanisten, Philosophiehistoriker, Germa­nisten, Slavisten, Neuzeithistoriker und Kunsthistoriker sowohl aus den neuen, aber ebenso aus den alten Bundesländern inter­disziplinär an europäischen Themen aus deutscher Perspektive. Der Kommissari­sche Leiter, Prof, Dr. Martin Fontius, und seine fünfzehn Kollegen freuen sich dar­über, daß mit demForschungsschwer­punkt für Deutschland ein Forschungsge­biet erstmalig institutioneile Trägerschaft erlangt, das für die kulturhistorische und geistesgeschichtliche Selbstvergewisse­rung über die Werthorizonte, Rationalitäts- muster und Verfassungsgeschichte des heutigen Europa von besonderer Bedeu­tung ist". Es gäbe in der Bundesrepublik keinen geeigneteren Standort für diesen Gegenstand als in der unmittelbaren Nähe Sanssoucis.

Im Mittelpunkt der Forschung stehen sol­

In Anwesenheit des Ministers für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Steffen Reiche (links), eröffnete Prof. Dr. Martin Fontius das erste Kolloquium im neuen Hause.

Foto: Tribukeit

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Friedrich II. und die europäische Aufklärung gehört zum Themenkreis des Forschungs­schwerpunktes.

Stahlstich (urp 1840) Rosmäsler nach L. Eltzholz

che Projekte wie:Der Berlin-Brandenbur­ger Raum als Zentrum aufklärerischer Kom­munikation in Europa,Philosophische Grundpositionen der Aufklärung,Ikono- graphische Programme der Aufklärung, Politisch-emanzipatonsche Aufklärungs­publizistik sowieAufklärung in Ost­europa. In Verbindung damit befassen sich viele Mitarbeiter zugleich mit Editionsvor­haben wie dem Briefwechsel zwischen Humboldt und Rauch oder der Leibniz- Studientextausgabe.

Das Land Brandenburg und die Universität Potsdam haben sich zu einem sehr frühen Zeitpunkt, Ende 1992, für die Ansiedlung des Forschungsschwerpunktes in Potsdam ausgesprochen. Die wesentlich im 18. Jahr­hundert geprägten regionalen Traditionen sind zweifellos ein wichtiges Argument da­für. Wir sind sehr froh, hier zu sein, weil wir neben den guten Arbeitsmöglichkeiten und der Aufgeschlossenheit von Ministerium und Universität in der Nähe der hervorra­genden Archivbestände in Berlin geblieben sind, was sehr wichtig ist, erläuterte die Koordinatorin des Schwerpunktes, Dr. Cor­nelia Buschmann.

Bereits seit dem Frühjahr 1993 gibt es eine gemeinsame Kolloquienreihe von For­schungsschwerpunkt und Universität zum umfangreichen Komplex der europäischen Geistesepoche des 17. und 18. Jahrhun­derts. Für die Bearbeitung der osteuropäi­schen Aufklärung, insbesondere Polen be­treffend, will sich Prof. Dr. Luise Schorn- Schütte, Inhaberin des Lehrstuhls Neuere Allgemeine Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Frühen Neuzeit, ein- setzen. Zwei Habilitationsschriften, die Mit­arbeiter ihres Bereiches anfertigen, wid­men sich direkt der Aufklärungsforschung,

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PUTZ 4/95