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(1.1.2019) 04
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ANSTÖSSE FÜR DEN BERLIN-BRANDENBURGER RAUM

Prof. Dr. Eberhard Stölting zum Sprecher des Verbundes für Sozialanthropologie gewählt

Markttreiben ermöglicht immer auch vielfältige Kommunikation. Man stelle sich vor, der Würstchenverkäufer wäre kein Handeltreibender, sondern Sozialwissenschaftler. Zugegebenermaßen etwas ungewöhnlich, aber das muß nicht nur ein Gedanken­experiment sein. Denn unter diesen Bedingungen läßt es sich besonders gut und un­kompliziertüber Gott und die Welt reden. Und genau das liefert umfangreiches Ma­terial für die sozialanthropologische Forschung.

so dem europäischen Bürgertum in der Aufklärung und der Geistlichkeit in der ita­lienischen Aufklärung. Die Historiker der Universität haben darüber hinaus einer Mitarbeiterin des Forschungsschwerpunk­tes einen Lehrauftrag übergeben. Auf die­se Weise wird begonnen, auch die Zusam­menarbeit im Bereich der Lehre zu vollzie­hen. Mit dem Sommersemester bieten sie eine Lehrveranstaltung zurEuropäischen Aufklärung an.

Auch die Romanistin Prof. Dr. Gerda Häßler, seit ihrer Berufung 1993 an die Universität Potsdam Inhaberin des Lehrstuhls Lingui­stik und Angewandte Sprachwissenschaft, fühlt sich der Aufklärungsforschung ver­pflichtet. Innerhalb der beiden Philosophi­schen Fakultäten sei es Konsens, Bezüge zu diesem Wissenschaftsgebiet herzustellen. Die bereits in der Planungsphase interdis­ziplinär angelegten Projekte würden eine Kooperation ermöglichen, wie sie im rein universitären Rahmen nicht oder nur sehr schwer realisierbar sei. Im Wintersemester 1995/96 wird innerhalb der Romanistik eine Vorlesungsreihe mit dem Schwerpunkt Auf­klärung offeriert.Durch die Bündelung sowohl der verschiedenen romanischen Literaturen als auch der Sprachwissen­schaft wollen wir Interessen wecken, be­schrieb Gerda Häßler das Anliegen. Steffen Reiche erwartet und hofft gleich­falls, daß die WissenschaftlerEinfluß und Auswirkungen auf die Ausbildung von Leh­rern und damit auf die von Schülern bekom­men . An die Mitarbeiter des Forschungs­schwerpunktes gerichtet, sagte er:Mit Ih­rer Arbeit leisten Sie em Stück Standortbe­stimmung und Orientierung gerade in einer Zeit des Umbruchs, der Transformation und der Neuorientierung, auf die wir nicht ver­zichten können". B .E.

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Nach dem Umzug aus Berlin haben die Mitar­beiter des Forschungsschwerpunktes Europäi­sche Aufklärung ihr neues Domizil in der Pots­damer Gregor-Mendel-Straße gefunden.

Foto: Tribukeit

Einer von jenen, der sich an der Potsdamer Universität neben der Geschichte der So­ziologie und anderem mit diesem Bereich, also dem intensiven Befragen von Personen zu unterschiedlichsten Themenkreisen, be­faßt, ist Prof. Dr. Erhard Stölting. Dem Inha­ber des Lehrstuhls für Allgemeine Soziolo­gie in der Wirtschafts- und Sozialwissen­schaftlichen Fakultät geht es dabei nicht um große quantitative Übersichten oder Reprä­

sentativerhebungen, sondern um punktuell gründliches Interviewen und Beobachten. Auf der Basis von historischem und struk­turellem Wissen gilt es, daraus Schlüsse zu ziehen, Mit Hilfe all dessen lassen sich bei­spielsweise Veränderungsprozesse von In­dustriegesellschaften in den Ländern West- und Osteuropas unter sozialanthropologi­scher Sicht näher beleuchten. Dieses Anlie­gen intensiver verfolgend, gründeten Ende vergangenen Jahres Wissenschaftler meh­rerer Einrichtungen am Centre Marc Bloch in Berlin den Verbund für die Sozial­anthropologie von Industriegesellschaften. Bereits seit Jahrzehnten in den angelsäch­sischen Ländern und in Frankreich erprob­te Ansätze wollen die Initiatoren des Ver­bundes verstärkt in Deutschland zur Gel­tung bringen. Für die Forschung insbeson­dere im Berlin-Brandenburger Raum sollen so wesentliche Anstöße gegeben und gleichzeitig Zeichen für die zu verstärken­de Kooperation zwischen sozialwissen- schafthchen Institutionen beider Länder gesetzt werden. Gründungsmitglieder des

Verbundes sind Akademiker der drei Berli­ner Universitäten, der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder, des Wissen­schaftszentrums Berlin, des Wissenschafts­kollegs Berlin, des Centre Marc Bloch und der Universität Potsdam. Als ihren Sprecher wählten sie Prof. Dr. Erhard Stölting. Seme Aufgabe besteht nicht zuletzt dann, sich bei der Brandenburger Regierung um finanzi­elle Mittel zu bemühen. Vorlesungsreihen,

Seminare und Sommerschulen gehören ebenso zu den Vorhaben wie die Erstellung eines Stipendienprogramms für Nach­wuchswissenschaftler. Ein internationaler Beirat wählt jeweils die Stipendiaten aus. Eine Feldforschungssommerschule in Ja­blonec vereinte bereits im Sommer 1994 junge Wissenschaftler. In derStadt des Glases übten sie sich im Umgang mit Ver­fahren der qualitativen Sozialforschung bei Befragungen zur Kommunalpolitik und -Verwaltung, zur jüngsten Geschichte wie zu konkreten Lebensumständen,

Odessa ist in diesem Jahr der Austragungs­ort der Sommerschule, die nach dem Wunsch Erhard Stöltings nicht die letzte sein und dann auch unter Beteiligung Pots­damer Studierender stattfinden möge. Die Aktivitäten des Verbundes unterstützt der Wissenschaftler im Rahmen seiner For­schungsprojekte, die sich u.a. mit Verwal­tungskulturen, gemeinsam mit russischen Kollegen bearbeitet, und der Wahrnehmung von Wandlungsprozessen in Kleinmachnow beschäftigen sollen. B.E.

Für Gespräche und Beobachtungen bieten sich dem Soziologen auch auf dem Markt am Potsdamer Bassinplatz günstige Gelegenheiten. Foto: Tribukeit

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PUTZ 4/95

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