Heft 
(1.1.2019) 04
Einzelbild herunterladen

NEUE FORM DER AUSBILDUNG ERFOLGREICH

Am Forschungsstandort Tfeltow fand kürz­lich das dritte ProjektlaborDünne Organi­sche Schichten" statt. Diese von der gleich­namigen Forschungsgruppe des Instituts für Festkörperphysik der Universität Pots­dam organisierte neue Form der Ausbil­dung besteht aus inhaltlich aufeinander ab­gestimmten Vorlesungen, Praktika und Se­minaren. Das Programm des Kurses umfaß­te Lehrveranstaltungen, in denen sich der interdisziplinäre Charakter der Erforschung ultradünner organischer Schichten wider­spiegelte. Neben den Ausführungen zur Synthese organischer und polymerer Mole­küle wurden Vorträge zur Filmpräparation, zur Strukturmodellierung und Strukturana­lytik von ultradünnen Schichten und zu de­ren Applikation angeboten. Dabei kam es darauf an, nicht nur neueste Kenntnisse über Schichtherstellung und -Charakterisie­rung zu vermitteln, sondern auch Fertigkei­ten im Umgang mit hochmodernen Geräten zu trainieren. Die vorgestellten eigenen Ar­beiten ließen auch erkennen, daß man in Tbltow angetreten ist, um im nationalen wie internationalen Maßstab an vorderster Front dabei zu sein, wenn es um die Entwicklung der Tbchniken und Werkstoffe des 21. Jahr­hunderts geht.

Die zwanzig Teilnehmer des Kurses, Physik­studenten und Doktoranden der Universität Potsdam, der Humboldt-Universität zu Ber­lin, der Universität Leipzig, der Universität Jena und des Deutschen Institutes für Er­nährungsforschung in Potsdam/Rehbrücke, werden mit den in Ibltow erworbenen Spe­zialkenntnissen die Diplom- und Promo­tionsarbeiten weiterführen, die in ihren In­stituten bearbeitet werden. Sie haben mit dem Zertifikat über die erfolgreiche Tbil- nahme und den hier erworbenen Spezial­kenntnissen auch das Angebot der Tfeltow- er Forscher im Gepäck, zur Lösung konkre­ter wissenschaftlicher Fragestellungen auf dem Gebiet der dünnen organischen Schichten zu kooperieren und die kennen­gelernten Forschungsgeräte und Techniken zu nutzen. Die Teilnehmer an dem von Di­plomphysiker Jürgen Reiche vorbereiteten und durchgeführten Kurs zeigten sich be­eindruckt von den experimentellen Mög­lichkeiten und der schöpferischen Atmo­sphäre, die sie in den Tteltower Laboratori­en antrafen. Besonderes Interesse fanden die Ausführungen zu den applikationsorien­tierten Arbeiten am Institut für Festkörper­physik, zu denen die Entwicklung von Sen­soren, von Elektronenstrahl-Nanoresists, die Modifizierung von Membranen für die Gastrennung und die Erforschung von mo­lekularen Schaltprozessen für die Daten­speicher der Zukunft gehören.

Dr. Burkhard Schulz

AUF DEM CAMPUS AUFGESCHNAPPT

Unwissende: Wie ich aus gewöhnlich un­gewöhnlich gut informierten Kreisen erfuhr, wollen Sie, Herr Professor Sternchen, ein außergewöhnliches, innovatives Projekt... Prof. Steinchen: Ja, ich habe sehr viel zu tun, und ich habe auch nicht die Zeit und die Mitarbeiter...

Unwissende: Sie wollen ...

Prof. Steinchen: Ja, ich wollte, wenn mir die Gremienarbeit und die verschiedenen Sit­zungen und das Ministerium... Unwissende: Wenn wir nun noch einmal.,, Prof. Steinchen: Ja, noch einmal diese ab­gelehnte Studienordnung in ihrer vierten Fassung...

Unwissende: Wenn wir auf Ihr Projekt zu sprechen kommen könnten...

Prof. Steinchen: Ja, wenn! Aber was hält mich nicht alles davon ab: diese neuerliche, allzu kurze Terminsetzung durch das Deka­nat, ich soll da praktisch bis vorgestern... Unwissende: Sie planen also etwas ganz Praktisches, Sie wollen ein Zeichen set­zen..,

Prof. Steinchen: Liebe, gnädige Frau, Wis­senschaft will, wenn man sie nur ließe, nicht nur erforschen, sondern auch gestalten. Aber dazu kommt man ja nicht! Unwissende: Und was wollen Sie nun ge­stalten?

Prof. Steinchen: Eine Mauer! Unwissende: Eine Mauer?

Prof. Steinchen: Ja, eine Mauer! Unwissende: Sind dazu nicht Bauarbeiter... Prof. Steinchen: Nun, es ist natürlich ein interdisziplinäres Projekt, das die Fach­grenzen transzendieren...

Unwissende : Derartige Zentren gibt es an unserer Hochschule schon mehrere, Was ist das Besondere an Ihrem...

Prof. Steinchen: Liebe, gnädige Frau, wir werden, wenn Sie mich nicht wieder unter­brächen und die Verwaltung der Schlösser und Gärten nicht ständig neue Einwände vorbrächte, oder besser gesagt, wir wollen, falls uns das Rektorat nicht erneut einen Strich...

Unwissende: ...

Prof. Steinchen: Die Erfolgschancen sind praktisch gleich Null...

Unwissende: Bitte, Herr Steinlein, die Chancen wofür?

Prof. Steinchen: Wenn Sie mich nur einmal ausreden ließen...!

Unwissende: Dann?

Prof. Steinchen: ... werden wir eine Klage­mauer...

Unwissende: Eine Klagemauer?

Prof. Steinchen: Ja, eine Klagemauer, falls dieser Ministerialdirigent nicht wieder.,. Unwissende: Spielen Sie damit auf das Zerrbild des jammernden...

Prof. Steinchen: Nein, nein, darum geht es gar nicht, wir sind doch Wissenschaftler,

auch wenn man uns ständig daran hindert... Unwissende: Das weiß ich ja inzwischen, aber wer wird oder soll nun an dieser Mau­er...

Prof. Steinchen: ... klagen?

Unwissende: Die, die ihre Stelle verloren... Prof. Steinchen: Nein, natürlich nicht; da müßte schon eine andere Mauer her; es geht natürlich um die, die eine Stelle erhal­ten oder behalten haben; klagen können doch nur die, die etwas haben. Unwissende: Was denn haben?

Prof. Steinchen: Nun, zu wenig haben: zu wenig Geld, zu wenig Zeit, zu wenig Freihei­ten, zu wenig Erlasse, oder zuviel: zuviel Zeit, zuviel Freiheiten, zu viele Erlasse, daß sie schon gar nicht mehr wissen, was sie sollen oder können oder wollen oder nicht wollen,.,

Unwissende: Wird sich daran etwas durch eine Klagemauer ändern?

Prof. Steinchen: Nein, natürlich nicht! Aber das Klagen und die Klagen können sich hier konzentrieren, bündeln, focussieren; es wird vielleicht sogar zu Synergieeffekten kommen! Das werden wir zu evaluieren haben, wofür wir vermutlich wieder nicht die erforderlichen Stellen...

Unwissende: Und?

Prof. Steinchen: Nun, durch diese Focus- sierung und Verdichtung, also die Effekti­vierung all dieser berechtigten Klagen, könnte man die Gremienarbeit, diverse Sit­zungen, Tblephongespräche und akute Meinungsäußerungen versuchsweise kla­gefrei halten, so daß es auch dort zu Effektivierungen kommen könnte. Unwissende: Wird man dieses Projekt Kla­gemauer auch außerhalb der Universität Potsdam richtig verstehen oder könnten vielleicht Mißverständnisse...

Prof. Steinchen: Nun als Wissenschaftler darf man sich nicht - anders als das viel­leicht in der Politik üblich ist... Unwissende: Ja, aber...

Prof. Steinchen: ... das Projekt ist innovativ, ein Pilotprojekt, das - ähnlich dem Potsda­mer Modell - bundesweit Aufsehen... Unwissende: Wie steht es mit der Finanzie­rung der Potsdamer Mauer?

Prof. Steinchen: Hier stehen wir noch vor einer Sisyphosaufgabe, für die uns leider die Zeit und das Geld und die Mitarbeiter fehlen, zumal die Hochschulleitung und das Ministerium für die Erlaßlage und die LPO und die Rahmenprüfungsordnung... Unwissende: Herr Professor Steinchen, ich danke Ihnen für dieses Gespräch, und daß Sie die Zeit gefunden haben, mir Ihr Projekt vorzustellen.

Prof. Steinchen: Wenn nur wenigstens die Hochschulpresse diese Dinge korrekt und vollständig...

PUTZ 4/95

Seite 11