NEUE FORM DER AUSBILDUNG ERFOLGREICH
Am Forschungsstandort Tfeltow fand kürzlich das dritte Projektlabor „Dünne Organische Schichten" statt. Diese von der gleichnamigen Forschungsgruppe des Instituts für Festkörperphysik der Universität Potsdam organisierte neue Form der Ausbildung besteht aus inhaltlich aufeinander abgestimmten Vorlesungen, Praktika und Seminaren. Das Programm des Kurses umfaßte Lehrveranstaltungen, in denen sich der interdisziplinäre Charakter der Erforschung ultradünner organischer Schichten widerspiegelte. Neben den Ausführungen zur Synthese organischer und polymerer Moleküle wurden Vorträge zur Filmpräparation, zur Strukturmodellierung und Strukturanalytik von ultradünnen Schichten und zu deren Applikation angeboten. Dabei kam es darauf an, nicht nur neueste Kenntnisse über Schichtherstellung und -Charakterisierung zu vermitteln, sondern auch Fertigkeiten im Umgang mit hochmodernen Geräten zu trainieren. Die vorgestellten eigenen Arbeiten ließen auch erkennen, daß man in Tbltow angetreten ist, um im nationalen wie internationalen Maßstab an vorderster Front dabei zu sein, wenn es um die Entwicklung der Tbchniken und Werkstoffe des 21. Jahrhunderts geht.
Die zwanzig Teilnehmer des Kurses, Physikstudenten und Doktoranden der Universität Potsdam, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Universität Leipzig, der Universität Jena und des Deutschen Institutes für Ernährungsforschung in Potsdam/Rehbrücke, werden mit den in Ibltow erworbenen Spezialkenntnissen die Diplom- und Promotionsarbeiten weiterführen, die in ihren Instituten bearbeitet werden. Sie haben mit dem Zertifikat über die erfolgreiche Tbil- nahme und den hier erworbenen Spezialkenntnissen auch das Angebot der Tfeltow- er Forscher im Gepäck, zur Lösung konkreter wissenschaftlicher Fragestellungen auf dem Gebiet der dünnen organischen Schichten zu kooperieren und die kennengelernten Forschungsgeräte und Techniken zu nutzen. Die Teilnehmer an dem von Diplomphysiker Jürgen Reiche vorbereiteten und durchgeführten Kurs zeigten sich beeindruckt von den experimentellen Möglichkeiten und der schöpferischen Atmosphäre, die sie in den Tteltower Laboratorien antrafen. Besonderes Interesse fanden die Ausführungen zu den applikationsorientierten Arbeiten am Institut für Festkörperphysik, zu denen die Entwicklung von Sensoren, von Elektronenstrahl-Nanoresists, die Modifizierung von Membranen für die Gastrennung und die Erforschung von molekularen Schaltprozessen für die Datenspeicher der Zukunft gehören.
Dr. Burkhard Schulz
AUF DEM CAMPUS AUFGESCHNAPPT
Unwissende: Wie ich aus gewöhnlich ungewöhnlich gut informierten Kreisen erfuhr, wollen Sie, Herr Professor Sternchen, ein außergewöhnliches, innovatives Projekt... Prof. Steinchen: Ja, ich habe sehr viel zu tun, und ich habe auch nicht die Zeit und die Mitarbeiter...
Unwissende: Sie wollen ...
Prof. Steinchen: Ja, ich wollte, wenn mir die Gremienarbeit und die verschiedenen Sitzungen und das Ministerium... Unwissende: Wenn wir nun noch einmal.,, Prof. Steinchen: Ja, noch einmal diese abgelehnte Studienordnung in ihrer vierten Fassung...
Unwissende: Wenn wir auf Ihr Projekt zu sprechen kommen könnten...
Prof. Steinchen: Ja, wenn! Aber was hält mich nicht alles davon ab: diese neuerliche, allzu kurze Terminsetzung durch das Dekanat, ich soll da praktisch bis vorgestern... Unwissende: Sie planen also etwas ganz Praktisches, Sie wollen ein Zeichen setzen..,
Prof. Steinchen: Liebe, gnädige Frau, Wissenschaft will, wenn man sie nur ließe, nicht nur erforschen, sondern auch gestalten. Aber dazu kommt man ja nicht! Unwissende: Und was wollen Sie nun gestalten?
Prof. Steinchen: Eine Mauer! Unwissende: Eine Mauer?
Prof. Steinchen: Ja, eine Mauer! Unwissende: Sind dazu nicht Bauarbeiter... Prof. Steinchen: Nun, es ist natürlich ein interdisziplinäres Projekt, das die Fachgrenzen transzendieren...
Unwissende : Derartige Zentren gibt es an unserer Hochschule schon mehrere, Was ist das Besondere an Ihrem...
Prof. Steinchen: Liebe, gnädige Frau, wir werden, wenn Sie mich nicht wieder unterbrächen und die Verwaltung der Schlösser und Gärten nicht ständig neue Einwände vorbrächte, oder besser gesagt, wir wollen, falls uns das Rektorat nicht erneut einen Strich...
Unwissende: ...
Prof. Steinchen: Die Erfolgschancen sind praktisch gleich Null...
Unwissende: Bitte, Herr Steinlein, die Chancen wofür?
Prof. Steinchen: Wenn Sie mich nur einmal ausreden ließen...!
Unwissende: Dann?
Prof. Steinchen: ... werden wir eine Klagemauer...
Unwissende: Eine Klagemauer?
Prof. Steinchen: Ja, eine Klagemauer, falls dieser Ministerialdirigent nicht wieder.,. Unwissende: Spielen Sie damit auf das Zerrbild des jammernden...
Prof. Steinchen: Nein, nein, darum geht es gar nicht, wir sind doch Wissenschaftler,
auch wenn man uns ständig daran hindert... Unwissende: Das weiß ich ja inzwischen, aber wer wird oder soll nun an dieser Mauer...
Prof. Steinchen: ... klagen?
Unwissende: Die, die ihre Stelle verloren... Prof. Steinchen: Nein, natürlich nicht; da müßte schon eine andere Mauer her; es geht natürlich um die, die eine Stelle erhalten oder behalten haben; klagen können doch nur die, die etwas haben. Unwissende: Was denn haben?
Prof. Steinchen: Nun, zu wenig haben: zu wenig Geld, zu wenig Zeit, zu wenig Freiheiten, zu wenig Erlasse, oder zuviel: zuviel Zeit, zuviel Freiheiten, zu viele Erlasse, daß sie schon gar nicht mehr wissen, was sie sollen oder können oder wollen oder nicht wollen,.,
Unwissende: Wird sich daran etwas durch eine Klagemauer ändern?
Prof. Steinchen: Nein, natürlich nicht! Aber das Klagen und die Klagen können sich hier konzentrieren, bündeln, focussieren; es wird vielleicht sogar zu Synergieeffekten kommen! Das werden wir zu evaluieren haben, wofür wir vermutlich wieder nicht die erforderlichen Stellen...
Unwissende: Und?
Prof. Steinchen: Nun, durch diese Focus- sierung und Verdichtung, also die Effektivierung all dieser berechtigten Klagen, könnte man die Gremienarbeit, diverse Sitzungen, Tblephongespräche und akute Meinungsäußerungen versuchsweise klagefrei halten, so daß es auch dort zu Effektivierungen kommen könnte. Unwissende: Wird man dieses Projekt Klagemauer auch außerhalb der Universität Potsdam richtig verstehen oder könnten vielleicht Mißverständnisse...
Prof. Steinchen: Nun als Wissenschaftler darf man sich nicht - anders als das vielleicht in der Politik üblich ist... Unwissende: Ja, aber...
Prof. Steinchen: ... das Projekt ist innovativ, ein Pilotprojekt, das - ähnlich dem Potsdamer Modell - bundesweit Aufsehen... Unwissende: Wie steht es mit der Finanzierung der Potsdamer Mauer?
Prof. Steinchen: Hier stehen wir noch vor einer Sisyphosaufgabe, für die uns leider die Zeit und das Geld und die Mitarbeiter fehlen, zumal die Hochschulleitung und das Ministerium für die Erlaßlage und die LPO und die Rahmenprüfungsordnung... Unwissende: Herr Professor Steinchen, ich danke Ihnen für dieses Gespräch, und daß Sie die Zeit gefunden haben, mir Ihr Projekt vorzustellen.
Prof. Steinchen: Wenn nur wenigstens die Hochschulpresse diese Dinge korrekt und vollständig...
PUTZ 4/95
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