überwiegend in Golm untergebrachten Philosophischen Disziplinen an das Neue Palais umziehen könnten.
Nachdem auch der Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Ttechnologie, Dr. Fritz Schaumann, dafür plädiert hatte, diese Entwicklung wie geplant vonstatten gehen zu lassen, gelang es dem Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Steffen Reiche, die Befürchtungen zu zerstreuen. Reiche betonte, daß er die Planungen nicht als gefährdet ansehen würde: „Das Land Brandenburg ist sich seiner Verantwortung sehr wohl bewußt und betrachtet die Notwendigkeit einer Verzahnung von MPG und den Naturwissenschaften der Potsdamer Universität ebenfalls als unerläßlich.“ Der Wissenschaftsminister sagte im Namen des Landes zu, das dazu notwendige Verfügungsgebäude in Golm zu bauen. Die Jahresscheiben, in denen dies geschehen soll, ließ er bei der Eröffnung der drei MPG- Institute Anfang Mai dieses Jahres zunächst noch offen; doch war mittlerweile von ihm zu erfahren, daß für den 25. Hochschulbau- Rahmenplan bereits drei Bauabschnitte für die Verfügungsgebäude angemeldet sind. Demnach soll der 1. Bauabschnitt 1997 beginnen und 2001 bezugsfertig sein, der 2. Bauabschnitt von 1998 bis 2003 dauern und der 3. Bauabschnitt von 2000 bis ebenfalls 2003. Der 1. Bauabschnitt werde derzeit vom MWFK mit „allerhöchster Priorität“ betrieben. Bei der Festveranstaltung schloß Steffen Reiche mit den Worten: „Wir wollen uns der Erwartungen der Max-Planck-Gesellschaft würdig erweisen.“
Bis jetzt sind die drei neueröffneten Institute an unterschiedlichen Orten provisorisch untergebracht. Das MPI für molekulare Pflanzenphysiologie sitzt in einem eigens für den Übergang errichteten Containerlaborgebäude in Golm, das MPI für Gravitationsphysik am Schlaatz in Potsdam und das MPI für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Teltow. Allen drei Instituten wurde von ihrem Präsidenten, Prof. Dr. Hans E Zacher, ausgezeichnete Qualität bescheinigt. So beschäftigt das MPI für Kolloid- und Grenzflächenforschung derzeit 147 Mitarbeiter (Direktor ist Prof. Dr. Markus Antonietti), deren Forschungsobjekt Systeme sind, die aus Kolloiden (also kleinen TMchen mit Abmessungen zwischen einigen millionstel Millimetern und mehreren tausendstel Millimetern) aufgebaut sind. Diese Systeme besitzen völlig neuartige Eigenschaften, die weder denen der in ihnen enthaltenen Moleküle noch denen makroskopischer Festkörper entsprechen. Wegen ihres großen Oberfläche-Völumen-Ver- hältnisses werden diese Eigenschaften wesentlich durch die Oberfläche der Kolloide geprägt, weshalb auch die Grenzflächenforschung ein integraler Bestandteil
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der Kolloidwissenschaft ist.
Das MPI für Gravitationsphysik - auch Al- bert-Einstein-Institut genannt - befindet sich aktuell noch in der Aufbauphase und wird von Prof. Dr. Jürgen Ehlers geleitet. Mit der Gründung dieses Institutes soll die Grundlagenforschung auf einem in Deutschland bisher nur vereinzelt vertretenen Gebiet der Physik gestärkt und konzentriert werden. Als Forschungsthemen sind u.a. vorgesehen die Untersuchung von Eigenschaften der Lösungen Einsteinscher Gravitationsfeldgleichungen unter verschiedenen Bedingungen, wozu auch Fragen nach der Entstehung von Neutronensternen, Schwarzen Löchern oder sogenannten nackten Singularitäten bei Kollapsvorgängen gehören; es soll die Gravitationstheorie beobachtet und dabei vor allem die Theorie der Gravitationswellen angewandt werden (in enger Zusammenarbeit
mit dem MPI für Quantenoptik in Garching); und auch das Feld der Quanten- theone und Gravitation soll einen Schwerpunkt darstellen.
Das MPI für molekulare Pflanzenphysiologie schließlich wird von Prof. Dr. Lothar Willmitzer geleitet und verfügt derzeit über 40 Mitarbeiter. Auch hier soll eine Lücke im Bereich der deutschen Grundlagenforschung geschlossen werden: Während die Pflanzengenetik überall große Fortschritte macht, existieren parallel dazu wissenschaftliche Defizite bei der Pflanzenphysiologie und -biochemie. Durch die Etablierung einer bislang nicht existierenden Disziplin - der molekularen Pflanzenphysiologie - möchte man einen neuen Ansatz zur Lösung klassischer pflanzenphysiologi- scher Probleme, wie z.B. die Biochemie pflanzlicher Signalstoffe und der anorganischen Pflanzenernährung, erproben. Hg.
ZUSAMMENARBEIT IM BLOCKHAUS BESIEGELT
Kooperationsvertrag mit dem Einstein Forum unterzeichnet
Weil Albert Einstein „nicht in einem kalten Klotz aus Beton, Glas und Stahl wohnen“ wollte, ließ er sich 1929 in Caputh am Templiner See auf einem Waldgrundstück ein Holzhaus bauen. Aber nur bis zum Herbst 1932 konnte der „Naturmensch“ in dieser Idylle leben und arbeiten, dann mußte er über Antwerpen in die USA emigrieren. Das Blockhaus in brauner Naturfarbe mit französischen Fenstern war nun Ende April 1995 der Ort, an dem das Einstein Forum und die Universität Potsdam einen Kooperationsvertrag unterschrieben.
Ende 1992 wurde das Einstein Forum in Potsdam mit dem Ziel gegründet, die internationale Zusammenarbeit durch den Gedankenaustausch von Natur- und Geisteswissenschaftlern zu befördern. Seit dieser Zeit besteht ein enger Kontakt zur Potsdamer Alma mater, der schon mit der ersten Tägung des Forums .Variationen des Chaos. Eine theoretische Herausforderung an die Geistes- und Naturwissenschaften" 1993
Drei Jahre lebte und arbeitete Albert Einstein in diesem wenig pompösen Holzhaus in Caputh, Dort besuchten ihn so berühmte Zeitgenossen wie Max von Laue, Käthe Kollwitz, Heinrich Mann, Stefan Zweig oder Anna Seghers.
Foto: Rüffert
einsetzte. Weiteres wie das Kolloquium über Komplexitäten 1994 führte Dr. Gary Smith, Direktor des Forums, an, Gemeinschaftsveranstaltungen mit der Max- Planck-Arbeitsgruppe für Nichtlineare Dynamik, den Instituten für Allgemeine Sprachwissenschaft und für Physik sowie dem Zentrum für Kognitive Studien und dem Innovationskolleg „Formale Modelle kognitiver Komplexität“ fanden mehrmals im Jahr statt. Gerade zu Ende ging die internationale Thgung des Forums mit dem Zentrum für Kognitive Studien und dem
Der Rektor der Universität Potsdam, Prof Dr. Rolf Mitzner (links), und der Direktor des Einstein Forums, Dr. Gary Smith (rechts), stellten kürzlich die bereits seit 1993 bestehende Zusammenarbeit beider Einrichtungen auf eine Vertragsgrundlage. Foto: Rüffert
PUTZ 5/95