Heft 
(1.1.2019) 05
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überwiegend in Golm untergebrachten Phi­losophischen Disziplinen an das Neue Pa­lais umziehen könnten.

Nachdem auch der Staatssekretär im Bun­desministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Ttechnologie, Dr. Fritz Schau­mann, dafür plädiert hatte, diese Entwick­lung wie geplant vonstatten gehen zu las­sen, gelang es dem Minister für Wissen­schaft, Forschung und Kultur, Steffen Rei­che, die Befürchtungen zu zerstreuen. Rei­che betonte, daß er die Planungen nicht als gefährdet ansehen würde:Das Land Bran­denburg ist sich seiner Verantwortung sehr wohl bewußt und betrachtet die Notwendig­keit einer Verzahnung von MPG und den Naturwissenschaften der Potsdamer Uni­versität ebenfalls als unerläßlich. Der Wis­senschaftsminister sagte im Namen des Landes zu, das dazu notwendige Verfü­gungsgebäude in Golm zu bauen. Die Jahresscheiben, in denen dies geschehen soll, ließ er bei der Eröffnung der drei MPG- Institute Anfang Mai dieses Jahres zunächst noch offen; doch war mittlerweile von ihm zu erfahren, daß für den 25. Hochschulbau- Rahmenplan bereits drei Bauabschnitte für die Verfügungsgebäude angemeldet sind. Demnach soll der 1. Bauabschnitt 1997 be­ginnen und 2001 bezugsfertig sein, der 2. Bauabschnitt von 1998 bis 2003 dauern und der 3. Bauabschnitt von 2000 bis ebenfalls 2003. Der 1. Bauabschnitt werde derzeit vom MWFK mitallerhöchster Priorität betrieben. Bei der Festveranstaltung schloß Steffen Reiche mit den Worten:Wir wollen uns der Erwartungen der Max-Planck-Ge­sellschaft würdig erweisen.

Bis jetzt sind die drei neueröffneten Institu­te an unterschiedlichen Orten provisorisch untergebracht. Das MPI für molekulare Pflanzenphysiologie sitzt in einem eigens für den Übergang errichteten Container­laborgebäude in Golm, das MPI für Gravi­tationsphysik am Schlaatz in Potsdam und das MPI für Kolloid- und Grenzflächen­forschung in Teltow. Allen drei Instituten wurde von ihrem Präsidenten, Prof. Dr. Hans E Zacher, ausgezeichnete Qualität be­scheinigt. So beschäftigt das MPI für Kollo­id- und Grenzflächenforschung derzeit 147 Mitarbeiter (Direktor ist Prof. Dr. Markus Antonietti), deren Forschungsobjekt Syste­me sind, die aus Kolloiden (also kleinen TMchen mit Abmessungen zwischen eini­gen millionstel Millimetern und mehreren tausendstel Millimetern) aufgebaut sind. Diese Systeme besitzen völlig neuartige Eigenschaften, die weder denen der in ih­nen enthaltenen Moleküle noch denen ma­kroskopischer Festkörper entsprechen. We­gen ihres großen Oberfläche-Völumen-Ver- hältnisses werden diese Eigenschaften wesentlich durch die Oberfläche der Kollo­ide geprägt, weshalb auch die Grenz­flächenforschung ein integraler Bestandteil

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der Kolloidwissenschaft ist.

Das MPI für Gravitationsphysik - auch Al- bert-Einstein-Institut genannt - befindet sich aktuell noch in der Aufbauphase und wird von Prof. Dr. Jürgen Ehlers geleitet. Mit der Gründung dieses Institutes soll die Grundlagenforschung auf einem in Deutschland bisher nur vereinzelt vertrete­nen Gebiet der Physik gestärkt und konzen­triert werden. Als Forschungsthemen sind u.a. vorgesehen die Untersuchung von Ei­genschaften der Lösungen Einsteinscher Gravitationsfeldgleichungen unter ver­schiedenen Bedingungen, wozu auch Fra­gen nach der Entstehung von Neutronen­sternen, Schwarzen Löchern oder soge­nannten nackten Singularitäten bei Kollaps­vorgängen gehören; es soll die Gravitati­onstheorie beobachtet und dabei vor allem die Theorie der Gravitationswellen ange­wandt werden (in enger Zusammenarbeit

mit dem MPI für Quantenoptik in Gar­ching); und auch das Feld der Quanten- theone und Gravitation soll einen Schwer­punkt darstellen.

Das MPI für molekulare Pflanzenphysiolo­gie schließlich wird von Prof. Dr. Lothar Willmitzer geleitet und verfügt derzeit über 40 Mitarbeiter. Auch hier soll eine Lücke im Bereich der deutschen Grundlagenfor­schung geschlossen werden: Während die Pflanzengenetik überall große Fortschritte macht, existieren parallel dazu wissen­schaftliche Defizite bei der Pflanzenphysio­logie und -biochemie. Durch die Etablie­rung einer bislang nicht existierenden Dis­ziplin - der molekularen Pflanzenphysiolo­gie - möchte man einen neuen Ansatz zur Lösung klassischer pflanzenphysiologi- scher Probleme, wie z.B. die Biochemie pflanzlicher Signalstoffe und der anorgani­schen Pflanzenernährung, erproben. Hg.

ZUSAMMENARBEIT IM BLOCKHAUS BESIEGELT

Kooperationsvertrag mit dem Einstein Forum unterzeichnet

Weil Albert Einsteinnicht in einem kalten Klotz aus Beton, Glas und Stahl wohnen wollte, ließ er sich 1929 in Caputh am Templiner See auf einem Waldgrundstück ein Holzhaus bauen. Aber nur bis zum Herbst 1932 konnte derNaturmensch in dieser Idylle leben und arbeiten, dann mußte er über Antwerpen in die USA emigrieren. Das Blockhaus in brauner Naturfarbe mit französischen Fenstern war nun Ende April 1995 der Ort, an dem das Einstein Forum und die Universität Potsdam einen Kooperations­vertrag unterschrieben.

Ende 1992 wurde das Einstein Forum in Potsdam mit dem Ziel gegründet, die inter­nationale Zusammenarbeit durch den Ge­dankenaustausch von Natur- und Geistes­wissenschaftlern zu befördern. Seit dieser Zeit besteht ein enger Kontakt zur Potsda­mer Alma mater, der schon mit der ersten Tägung des Forums .Variationen des Chaos. Eine theoretische Herausforderung an die Geistes- und Naturwissenschaften" 1993

Drei Jahre lebte und arbeitete Albert Einstein in diesem wenig pompösen Holzhaus in Caputh, Dort besuchten ihn so berühmte Zeitgenossen wie Max von Laue, Käthe Kollwitz, Heinrich Mann, Stefan Zweig oder Anna Seghers.

Foto: Rüffert

einsetzte. Weiteres wie das Kolloquium über Komplexitäten 1994 führte Dr. Gary Smith, Direktor des Forums, an, Gemein­schaftsveranstaltungen mit der Max- Planck-Arbeitsgruppe für Nichtlineare Dy­namik, den Instituten für Allgemeine Sprachwissenschaft und für Physik sowie dem Zentrum für Kognitive Studien und dem InnovationskollegFormale Modelle kognitiver Komplexität fanden mehrmals im Jahr statt. Gerade zu Ende ging die in­ternationale Thgung des Forums mit dem Zentrum für Kognitive Studien und dem

Der Rektor der Universität Potsdam, Prof Dr. Rolf Mitzner (links), und der Direktor des Ein­stein Forums, Dr. Gary Smith (rechts), stellten kürzlich die bereits seit 1993 bestehende Zusammenarbeit beider Einrichtungen auf eine Vertragsgrundlage. Foto: Rüffert

PUTZ 5/95