Heft 
(1.1.2019) 05
Einzelbild herunterladen

SPASS AM LERNEN DURCH SELBSTÄNDIGE TÄTIGKEIT

Prof. Dr. Joachim Lompscher hielt seine Antrittsvorlesung

Auch scheinbar Langweiliges wie die Grammatik kann für Schüler und Lehrer interessant sein, wenn es zum Gegen­stand eigener Tätigkeit wird. Davon ist Joachim Lompscher, Professor für Schul­pädagogik/Psychologische Didaktik und Direktor des Interdisziplinären Zentrums für Lem- und Lehrforschung, überzeugt.

Ende April 1995 beschäftigte er sich des­halb in seiner Antrittsvorlesung mit dem Thema:Aufsteigen vom Abstrakten zum Konkreten - und wie weiter? Psycholo­gisch-didaktische Probleme und Per­spektiven.

Den theoretischen Hintergrund für die Überlegungen des Wissenschaftlers bildet das Tätigkeitskonzept, das die Lernenden als Subjekte eigener Tätigkeit betrachtet.

Daraus ergebe sich die Notwendigkeit, die Spezifik und Regulationsstruktur sowie die individuellen Bedingungen der Entstehung und Entwicklung der Lerntätigkeit aufzu­decken, zu analysieren und in Experimen­ten zu untersuchen. In der Auseinanderset­zung mit Lehrstrategien, die die Lernenden mehr oder weniger als Objekte-pädagogi- scher Maßnahmen behandeln und den Lern- und Lehrprozeß vorrangig Stoff- und lehrerzentriert gestalten, suchten Joachim Lompscher und seine Mitarbeiter nach Al­ternativen. Dabei gelangten sie zu dem, was sie als Tätigkeits- und Ausbildungs­strategie bezeichnen.Sie orientiert auf die zur Aneignung erforderliche Tätigkeit und

STAATSSEKRETÄRE AUF DEM PRÜFSTAND

im Falle Berlins und Brandenburgs nicht möglich gewesen. Dieser künstlich produ­zierten Situation soll nun durch die dezen­trale Konzentration, mit der man Investoren auch jenseits des Berliner Rings in Städte wie Brandenburg oder Eberswalde locken möchte, entgegengewirkt werden. Bei­spielsweise, so Linde, durch ein Verkehrs­konzept mit starken Regionalbahnzügen oder finanzielle Anreize, Daß es dabei ebenfalls noch mas'sive Probleme zu bewäl­tigen gelte, verschwieg der Referent nicht: So habe Berlin u.a. noch rund 35.000 Mitar­beiter zu viel in seiner Verwaltung beschäf­tigt. Eine Alternative zur Flision, die Berlins Überlastung und Brandenburgs Unter­auslastung verhindern könnte, sieht Jürgen Linde trotzdem nicht. Um der zahlreichen, fusionsbedingten Probleme dennoch leich­ter Herr werden zu können, forderte er die Universitäten und speziell die Wirtschafts­und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Potsdam jedenfalls zu einer in­tensiveren Begleitung und Beratung der Politiker und Verwaltungen Hg.

Entwicklungen und Perspektiven des Wirtschaftsraumes Berlin-Brandenburg heißt eine von der Wirtschafts- und Sozi­alwissenschaftlichen Fakultät organisier­te Ringvorlesung, deren Referentenliste ausschließlich aus Staatssekretären des Landes Brandenburg besteht. Den Auftakt dieser Veranstaltungsreihe bestritt der Chef der Staatskanzlei, Dr. Jürgen Linde.

Dadurch hatten die Zuhörer die Chance, aktuelle Einschätzungen von einem der Architekten des Berlin-Brandenburgischen Staatsvertrages zu erfahren. In den Mittel­punkt seiner Ausführungen stellte Linde das Prinzip der sogenannten dezentralen Konzentration, um zu erläutern, wie notwen­dig eine Füsion vonBär und Adler" sei. So hätten 40 Jahre der künstlichen Trennung von Berlin und Brandenburg eine beispiel­los stark strukturierte Großstadt mit 3,5 Millionen Einwohnern und ein ebenso bei­spiellos schwach strukturiertes Umland mit 2,5 Millionen Einwohnern hervorgebracht. Eine normale Urbanisierung dahingehend,

Nahm Stellung zur Berlin-Brandenburgischen Fusion: der Chef der brandenburgischen Staatskanzlei, Dr. Jürgen Linde. Foto: Rüffert

daß sich Entwicklungs- und Investitions­ströme aus der Stadt auch in die umliegen­den Regionen zu verlagern pflegen, wäre

deren systematische Ausbildung, wobei das Aufsteigen vom Abstrakten zum Kon­kreten dabei eine Vanante ist." Die Abstrak­tion bilde nicht den eigentlichen Beginn des Lernprozesses, sondern ein Zwischener­gebnis, das in relativ frühen Phasen des An­eignungsprozesses erreicht werden soll, um im weiteren Lern- und Erkenntnis­prozeß als Mittel des tieferen Eindringens in den Lerngegenstand, der geistigen Durchdringung des Konkreten mit Hilfe des Abtrakten, zum Einsatz zu gelangen. Der Vortragende schlußfolgerte, daß Lernende entsprechend ihrer Altersstufe zunehmend dazu befähigt würden, Tiefenstrukturen auf­zudecken und somit theoretisches Denken zu entwickeln.Sie lernen unter diesen Be­dingungen, Erkenntnisse zu gewinnen, Wissen anzueignen und neue Anforderun­gen zu beherrschen - weniger aus Grün­den der Selbstbestätigung, als vielmehr aus Interesse an der jeweiligen Sache und Tä­tigkeit."

Der Wissenschaftler verwies auch darauf, daß es sich bei der FormulierungAufstei­gen vom Abstrakten zum Konkreten um eine verkürzte Darstellung handle. Der Pro­zeß vollziehe sich viel komplizierter, vom Konkreten zum Abstrakten und vom Ab­strakten zum Konkreten voranschreitend. Dabei gehe es um eine spezifische Abstrak­tion, die nur durch eigene Aktivität gewon­nen werden könne und auf das Wesen des entsprechenden Gegenstandes gerichtet

sei. Da die Fra­gen der Lern- und Lehrfor­schung ange­sichts gegen­wärtiger Ent­wicklungen von großer gesell­schaftlicher Re­levanz und Bri­sanz seien, wür­den neue Zu­gänge und Lö­sungen ge­braucht, die in­terdisziplinäres und komplexes Herangehen er­fordern.Damit beispielsweise die Wechselbeziehungen zwischen Lern- und Lehrstrategien, zwi­schen den subjektiven Voraussetzungen und Aneignungsweisen sowie den Bedin­gungen ihrer Förderung und Entwicklung weiter wissenschaftlich vertieft werden kön­nen, ist das Zusammenwirken verschiede­ner Disziplinen und das Zusammenführen unterschiedlicher Sichtweisen und Forschungsstrategien unabdingbar, erläu­terte Joachim Lompscher das zukünftige Vorgehen. Damit würde auch ein Beitrag zur Realisierung des Potsdamer Modells der Lehrerbildung geleistet. B.E.

Prof. Dr. Joachim Lomp­scher widmete sich Ab­straktem und Konkretem in seiner Antrittsvorlesung.

Foto: Tribukeit

Seite 8

PUTZ 5/95