VERGLEICHEN OHNE ANZUGLEICHEN STARTPHASE
Zur Antrittsvorlesung Professor Dr. Hans Oswalds ERFOLGREICH BEENDET
Seine Antrittsvorlesung zur „Jugend in Ost- und Westdeutschland“ hielt kürzlich Prof. Interesse am Sonderprogramm
Dr. Hans Oswald vor Studenten, Mitarbeitern und Gästen des Instituts für Pädagogik Weiterbildung steigt weiter an
der Universität Potsdam.
Den Auftakt dabei bildete gleich eine Marginalie, die eigentlich keine ist: Der Hinweis nämlich auf die oft einseitig verlaufende Gegenüberstellung. Dazu Oswald resümierend: „Das Mißliche an allen Ost-West-Ver- gleichen besteht darin, daß gelegentlich explizit, fast immer aber implizit die eine Seite des Vergleichs als Maß- stab genommen wird, der Osten wird am Westen gemessen, und immer wieder erscheint dabei der Osten als defizitär." Der Tbpos vom Modernitätsrückstand mache heute fragwürdigerweise im Alltag wie in der Wissenschaft die Runde. Die westliche Meßlatte jedoch sei beim Vergleich von Fähigkeiten, Einstellungen, Handlungsmustern und Gefühlslagen unangemessen. Wertung war folglich seine Sache nicht. Im Gegenteil. Er warnte: „Wir müssen uns... keineswegs vergleichen, um uns anzüglichen.“ Vielmehr plädierte der Pädagoge für ein gegenseitiges Verstehen.
Zunächst aber wies der Redner auf Gemeinsames: Über die Jugend werde bereits seit der Antike geschimpft - und das mit immer wiederkehrenden Vorwürfen. Eine Ausnahme bilde da die Zeit der einstigen DDR. Hier spielte gerade diese Generation eine besondere Rolle. Sie wurde herausgehoben und hofiert, bekam eine gesellschafts- und ideologiestützende Funktion. Man gab ihr Vertrauen und Verantwortung, verschwieg allerdings die Existenz von Randgruppen. Mit der Wende kam nun der Bruch. Der privilegierte Status ging verloren. Die bislang eher unterdrückte Kritik trat auch hier ungehemmt hervor. Großen Wert legte der Vortragende auf die Darstellung methodischer Probleme des Herangehens an Ost-West-Jugendverglei- che. Hier bestehe nach seiner Meinung ein großer Handlungsbedarf. Der Grund: Noch immer stellten Mittelwerte übliche Färame- ter dar. Gerade sie aber enthielten Unzulänglichkeiten. So gäbe es nicht selten einen bei der Interpretation unterschlagenen Überschneidungsbereich. Die Suche nach geeigneteren Untersuchungsinstrumenten und -verfahren müsse daher mit der Realisierung neuer Forschungsvorhaben einhergehen. Dennoch präsentierte der Hochschullehrer natürlich einige Analyseergeb
nisse. Stellvertretend hierfür sei das Beispiel der Zukunftsonentierung genannt. Die Mehrheit der befragten Jugendlichen aus Ost und West beurteilte demnach die gesellschaftliche Zukunft eher pessimistisch. Im Gegensatz dazu sahen die Probanden die persönlichen Entwicklungschancen durchaus optimistisch. Die jeweiligen Einschätzungen wiesen nur gennge Nuancen auf, wobei sich die jungen Leute aus den neuen Bundesländern etwas zurückhaltender in bezug auf die eigene Perspektive zeigten.
Den Wissenschaftlern bleibt weiter die Aufgabe einer umfassenden Aufarbeitung jugendlicher Befindlichkeiten. Prof. Oswald abschließend hierzu: „Das zielt auf ein Forschungsprogramm allerhöchsten Schwierigkeitsgrades, bei dem wir aufgerufen sind, die Theorien und Methoden unterschiedlicher Disziplinen zu verbinden, keineswegs sollten wir dies den Psychologen oder Pädagogen oder Soziologen alleine überlassen. Vielleicht, können wir hier in Potsdam einige Schritte gehen, hoffentlich... in enger Zusammenarbeit mit den Universitäten und Forschungseinrichtungen Berlins.“ EG.
Austausch gefördert
Vor einiger Zeit wurde von Prof. Dr. Dieter Vfegner und den Mitarbeitern seines Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Organisation und Personalwesen an der Universität eine Tägung des Arbeitskreises .Wissenschaft und Praxis“ der Deutschen Gesellschaft für Personalführung e.V Düsseldorf durchgeführt, Der in Fachkreisen einschlägig bekannten Institution gehören Hochschulprofessoren sowie Personalvorstände und hochrangige Personalleiter an. Sie dient u.a. dem Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis, der in Arbeitskreisen und Erfahrungs- gruppen-Treffen gefördert wird. Zu einem solchen Arbeitskreis hatten sich 35 interessierte Tbilnehmer in Potsdam zusammengefunden. Eines der dabei behandelten Themen bildete der interorganisationeile Austausch von qualitativen und quantitativen Prozeßbeschreibungen in personalwirtschaftlichen Funktionsfeldern. zg.
Seit dem 14. November letzten Jahres ist der Verein zur Weiterqualifizierung bran- denburgischer Lehrerinnen und Lehrer in das Vereinsregister des Potsdamer Amtsgerichtes eingetragen. Nun konnte auf der ersten Mitgliederversammlung auch ein erster Erfahrungsbericht über die Arbeit des Vereins vorgelegt werden. Aus diesem Bericht geht hervor, daß der bisher erbrachte organisatorische Kraftakt, den Mangel an ausgebildeten Lehrkräften in den Fächern Englisch, französisch, Politische Bildung, Wirtschaftswissenschaften, Kunst, Musik und sonderpädagogischen sowie beruflichen Fachrichtungen mittel- und langfristig zu beheben, erfolgreich war. So ist es den in das Sonderprogramm eingebundenen Fünk- tionsträgem des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport, des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur und der Universität Potsdam gelungen, mit einem Minimum an administrativem Aufwand (sieben Festangestellten) ein zeitlich befristetes Studienangebot für zunächst rund 700 brandenburgische Lehrerinnen und Lehrer auf die Beine zu stellen.
Die Fortführung und Weiterentwicklung des Sonderprogramms ist nun abgesichert, die Finanzierung des Studiums sichergestellt. Dies erscheint vor dem Hintergrund des Bedarfes in Brandenburg auch unerläßlich zu sein: sind doch 1994/95 in den Schulen des Landes ca, 4.350 Lehrkräfte in den genannten Mangelfächern beschäftigt. Da sich derzeit bereits rund 1.350 Lehrkräfte in der Weiterbildung befinden, müssen folglich noch an die 3.000 weitere Lehrkräfte im Rahmen des Sonderprogramms ein entsprechendes Studium absolvieren. Bedarfsprognosen entsprechend, soll das in dem Zeitraum von 1994 bis 2000 geschehen.
Die Startphase im Winterhalbjahr 1994/95 lief mit rund 700 Studienanfängern bereits planmäßig ab; für 1995 wurde nun - um den errechneten Bedarf auch decken zu können -mit ca. 1.250 Anwärtern gerechnet, 1996 soll es mit 950 Anfängern weitergehen. Der bisherige Zulauf von Bewerbungen für das im Oktober dieses Jahres beginnende neue Studienjahr entspricht diesen Erwartungen: so haben sich zunächst 1.752 an der Weiterbildung interessierte Lehrerinnen und Lehrer angemeldet, von denen jetzt nach ausführlichen Studienberatungsgesprächen 1,063 Positiv-Empfehlungen an die einzelnen Schulämter verschickt werden konnten. Geht man von dieser Zahl aus und zählt
Prof. Dr. Hans Oswald bekleidet den Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik, Erzie- hungs- und Sozialisations- theorie am Institut für Pädagogik der Universität Potsdam und leitet gleichzeitig das Zentrum für Jugend- und Sozialisationsforschung der Einrichtung. Foto: Archiv
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