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(1.1.2019) 05
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VERGLEICHEN OHNE ANZUGLEICHEN STARTPHASE

Zur Antrittsvorlesung Professor Dr. Hans Oswalds ERFOLGREICH BEENDET

Seine Antrittsvorlesung zurJugend in Ost- und Westdeutschland hielt kürzlich Prof. Interesse am Sonderprogramm

Dr. Hans Oswald vor Studenten, Mitarbeitern und Gästen des Instituts für Pädagogik Weiterbildung steigt weiter an

der Universität Potsdam.

Den Auftakt dabei bildete gleich eine Mar­ginalie, die eigentlich keine ist: Der Hinweis nämlich auf die oft einseitig verlaufende Gegenüberstellung. Dazu Oswald resümie­rend:Das Mißliche an allen Ost-West-Ver- gleichen besteht darin, daß gelegentlich explizit, fast immer aber implizit die eine Seite des Vergleichs als Maß- stab genommen wird, der Osten wird am Westen ge­messen, und immer wieder erscheint dabei der Osten als defizitär." Der Tbpos vom Mo­dernitätsrückstand mache heute fragwürdigerweise im Alltag wie in der Wissenschaft die Runde. Die westliche Meßlatte jedoch sei beim Ver­gleich von Fähigkeiten, Ein­stellungen, Handlungsmus­tern und Gefühlslagen unan­gemessen. Wertung war folg­lich seine Sache nicht. Im Gegenteil. Er warnte:Wir müssen uns... keineswegs vergleichen, um uns anzügli­chen. Vielmehr plädierte der Pädagoge für ein gegenseiti­ges Verstehen.

Zunächst aber wies der Red­ner auf Gemeinsames: Über die Jugend werde bereits seit der Antike geschimpft - und das mit immer wiederkehrenden Vor­würfen. Eine Ausnahme bilde da die Zeit der einstigen DDR. Hier spielte gerade die­se Generation eine besondere Rolle. Sie wurde herausgehoben und hofiert, bekam eine gesellschafts- und ideologiestützende Funktion. Man gab ihr Vertrauen und Verant­wortung, verschwieg allerdings die Exi­stenz von Randgruppen. Mit der Wende kam nun der Bruch. Der privilegierte Status ging verloren. Die bislang eher unterdrück­te Kritik trat auch hier ungehemmt hervor. Großen Wert legte der Vortragende auf die Darstellung methodischer Probleme des Herangehens an Ost-West-Jugendverglei- che. Hier bestehe nach seiner Meinung ein großer Handlungsbedarf. Der Grund: Noch immer stellten Mittelwerte übliche Färame- ter dar. Gerade sie aber enthielten Unzu­länglichkeiten. So gäbe es nicht selten ei­nen bei der Interpretation unterschlagenen Überschneidungsbereich. Die Suche nach geeigneteren Untersuchungsinstrumenten und -verfahren müsse daher mit der Reali­sierung neuer Forschungsvorhaben einher­gehen. Dennoch präsentierte der Hoch­schullehrer natürlich einige Analyseergeb­

nisse. Stellvertretend hierfür sei das Bei­spiel der Zukunftsonentierung genannt. Die Mehrheit der befragten Jugendlichen aus Ost und West beurteilte demnach die ge­sellschaftliche Zukunft eher pessimistisch. Im Gegensatz dazu sahen die Probanden die persönlichen Entwicklungschancen durchaus optimistisch. Die jeweiligen Einschätzungen wiesen nur gennge Nuancen auf, wobei sich die jungen Leute aus den neuen Bundes­ländern etwas zurückhalten­der in bezug auf die eigene Perspektive zeigten.

Den Wissenschaftlern bleibt weiter die Aufgabe einer um­fassenden Aufarbeitung ju­gendlicher Befindlichkeiten. Prof. Oswald abschließend hierzu:Das zielt auf ein For­schungsprogramm aller­höchsten Schwierigkeitsgra­des, bei dem wir aufgerufen sind, die Theorien und Me­thoden unterschiedlicher Dis­ziplinen zu verbinden, kei­neswegs sollten wir dies den Psychologen oder Pädago­gen oder Soziologen alleine überlassen. Vielleicht, können wir hier in Potsdam einige Schritte gehen, hoffent­lich... in enger Zusammenarbeit mit den Universitäten und Forschungseinrichtungen Berlins. EG.

Austausch gefördert

Vor einiger Zeit wurde von Prof. Dr. Dieter Vfegner und den Mitarbeitern seines Lehr­stuhls für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Organisation und Personal­wesen an der Universität eine Tägung des Arbeitskreises .Wissenschaft und Praxis der Deutschen Gesellschaft für Personal­führung e.V Düsseldorf durchgeführt, Der in Fachkreisen einschlägig bekannten Insti­tution gehören Hochschulprofessoren so­wie Personalvorstände und hochrangige Personalleiter an. Sie dient u.a. dem Aus­tausch zwischen Wissenschaft und Praxis, der in Arbeitskreisen und Erfahrungs- gruppen-Treffen gefördert wird. Zu einem solchen Arbeitskreis hatten sich 35 interes­sierte Tbilnehmer in Potsdam zusammen­gefunden. Eines der dabei behandelten Themen bildete der interorganisationeile Austausch von qualitativen und quantitati­ven Prozeßbeschreibungen in personal­wirtschaftlichen Funktionsfeldern. zg.

Seit dem 14. November letzten Jahres ist der Verein zur Weiterqualifizierung bran- denburgischer Lehrerinnen und Lehrer in das Vereinsregister des Potsdamer Amts­gerichtes eingetragen. Nun konnte auf der ersten Mitgliederversammlung auch ein erster Erfahrungsbericht über die Ar­beit des Vereins vorgelegt werden. Aus diesem Bericht geht hervor, daß der bis­her erbrachte organisatorische Kraftakt, den Mangel an ausgebildeten Lehrkräf­ten in den Fächern Englisch, französisch, Politische Bildung, Wirtschaftswissen­schaften, Kunst, Musik und sonderpäda­gogischen sowie beruflichen Fachrich­tungen mittel- und langfristig zu beheben, erfolgreich war. So ist es den in das Son­derprogramm eingebundenen Fünk- tionsträgem des Ministeriums für Bil­dung, Jugend und Sport, des Ministeri­ums für Wissenschaft, Forschung und Kul­tur und der Universität Potsdam gelun­gen, mit einem Minimum an administrati­vem Aufwand (sieben Festangestellten) ein zeitlich befristetes Studienangebot für zunächst rund 700 brandenburgische Lehrerinnen und Lehrer auf die Beine zu stellen.

Die Fortführung und Weiterentwicklung des Sonderprogramms ist nun abgesichert, die Finanzierung des Studiums sichergestellt. Dies erscheint vor dem Hintergrund des Bedarfes in Brandenburg auch unerläßlich zu sein: sind doch 1994/95 in den Schulen des Landes ca, 4.350 Lehrkräfte in den ge­nannten Mangelfächern beschäftigt. Da sich derzeit bereits rund 1.350 Lehrkräfte in der Weiterbildung befinden, müssen folg­lich noch an die 3.000 weitere Lehrkräfte im Rahmen des Sonderprogramms ein ent­sprechendes Studium absolvieren. Be­darfsprognosen entsprechend, soll das in dem Zeitraum von 1994 bis 2000 gesche­hen.

Die Startphase im Winterhalbjahr 1994/95 lief mit rund 700 Studienanfängern bereits planmäßig ab; für 1995 wurde nun - um den errechneten Bedarf auch decken zu können -mit ca. 1.250 Anwärtern gerechnet, 1996 soll es mit 950 Anfängern weitergehen. Der bisherige Zulauf von Bewerbungen für das im Oktober dieses Jahres beginnende neue Studienjahr entspricht diesen Erwartungen: so haben sich zunächst 1.752 an der Weiter­bildung interessierte Lehrerinnen und Leh­rer angemeldet, von denen jetzt nach aus­führlichen Studienberatungsgesprächen 1,063 Positiv-Empfehlungen an die einzel­nen Schulämter verschickt werden konn­ten. Geht man von dieser Zahl aus und zählt

Prof. Dr. Hans Oswald beklei­det den Lehrstuhl für Allge­meine Pädagogik, Erzie- hungs- und Sozialisations- theorie am Institut für Päda­gogik der Universität Potsdam und leitet gleichzeitig das Zentrum für Jugend- und Sozialisationsforschung der Einrichtung. Foto: Archiv

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