den gesamten Tügungsrhythmus ein? Badtke: Eine solche vor allem für Sportmediziner geeignete Konferenz gibt es jährlich. Im Zwei-Jahres-Rhythmus hingegen statten wir in Potsdam eine internationale wissenschaftliche Veranstaltung aus. Schwerpunktmäßig geht es dabei um den Bewegungsapparat und ihn betreffende Forschungsergebnisse hinsichtlich der Verhinderung von Störungen und Erkrankungen an ihm. Gewonnene Forschungsresultate werden hier dem Fachpublikum nicht nur unterbreitet, vielmehr bekommen die
Grözinger ließ sich in seinen Überlegungen von der Intention leiten, Zusammenhänge zwischen Sprache und Zugehörigkeit aufzuzeigen. Obwohl gerade das Hebräische über lange Zeiten „die Funktion der Umgangssprache einer mehr oder weniger geschlossenen Gruppe" nicht erfüllte, hat diese Sprache hinsichtlich der Zusammen- gehöngkeit Beachtliches geleistet. Wie war das möglich?
Grözinger korrigierte zunächst die offenbar lange Zeit vorherrschende wissenschaftliche Meinung vom Ausgestorbensein des Hebräischen. Häufig seien die Juden mehrsprachig gewesen, und ihre Kultur lebte oft in anderer Sprache fort, so im Arabischen, Spanischen oder Jiddischen. Die lange Zeit, in der das Hebräische nicht die Muttersprache war, endete mit den ostjüdischen Aufklärern und endgültig mit der Gründung des Staates Israel. Die große persönlich- keitsstiftende Kraft des Hebräischen stehe außer Drage und resultiere in erster Linie aus seiner Rolle, „heilige Sprache zu sein. Das Sprechen der hebräischen Sprache ist ein religiöser, das ewige Leben verbürgender Akt“ und stifte insofern Identität für die Gruppe und den einzelnen. Bis zur Zeit der Assimilation - in religiösen Kreisen noch heute - vermittelte sich dieser Akt über das Lernen der Tora, womit in der Familie begonnen wird, wenn das Kind zu sprechen beginnt. Grözinger berichtete, daß der rheinische Sefer Hasidim, das „Buch der Frommen“, aus dem 13. Jahrhundert für die Unterweisung der Jungen Hebräisch zwingend vorschrieb, für die Mädchen indessen jede ihnen verständliche Sprache erlaubte. Der enge Zusammenhang zwischen Religion und dieser Sprache habe sich bis heute erhalten: An jüdischen Schulen sei sie integraler Bestandteil des Religionsunterrichts - an deutschen Universitäten dagegen kön-
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Wissenschaftler auch die Möglichkeit, diese an neuen Geräten ebenfalls zu demonstrieren. Die dazugehörigen Workshops dienen dann dem Vertrautmachen mit der Bedienung der Untersuchungssysteme. Selbstverständlich bieten wir des weiteren kleinere Weiterbildungsmaßnahmen an. PUTZ: Ist eine solche internationale Arbeitstagung nicht gerade zu Ende gegangen?
Badtke: Ja. Vom 9.-11. Juni 1995 trafen sich Spezialisten aus aller Welt, um gemeinsam zu beraten. So kamen beispielsweise Gäste
ne man z. B. katholische Theologie studieren, ohne des Hebräischen mächtig zu sein. Über die Religion hat die hebräische Sprache identitätsstiftend gewirkt, selbst in Zeiten, da sie als gesprochene Sprache nicht existierte. Einzelne Wörter und Floskeln allerdings blieben immer erhalten. Grözm- ger sprach davon, „daß hebräische Schlüsselwörter in fremde Sprachen gelangten. An diesen Spuren erkennen sich Juden untereinander, wie deren Nichtbeherrschen auf einen Außenstehenden verweist.“ Daß es zu keinem Aufgehen in fremden Sprachen gekommen ist, begründete der Religionswissenschaftler mit dem Fakt, daß die hebräische Sprache nach dem Verständnis der jüdischen Religion die Sprache Gottes ist, mit der er die Welt erschaffen habe, der Gebrauch des Hebräischen ist religiös gebotene imitatio dei. Eine zweite Erklärung resultiert aus dem jüdischen Ideal der Mehrsprachigkeit (von Moses wird erzählt, daß er in siebzig Sprachen zu Hause gewesen sei). Vor dem Türmbau sprachen alle Völker die eine Sprache, die zukünftig wieder angestrebt werde.“ Dieser ursprüngliche Zusammenhang sei es auch, der das Lesen der Tora in allen Sprachen rechtfertige.
Grözinger charakterisierte abschließend das für Juden so typische „Zwischen den Sprachen", indem er Franz Rosenzweig zitierte: Während also jedes andere Volk mit der ihm eigenen Sprache eins ist und ihm die Sprache im Munde verdorrt, wenn es aufhört Volk zu sein, wächst das jüdische Volk mit den Sprachen, die es spricht, nie mehr ganz zusammen... Die eigene Sprache aber ist seit unvordenklicher Zeit nicht mehr die Sprache des täglichen Lebens, und dennoch ... alles andere als eine tote Sprache. Sie ist nicht tote, sondern, wie das Volk sie selbst nennt, 'heilige' Sprache. De.
aus Belgien, Israel, Tschechien, Kanada. Sie alle verständigten sich zum Problem: „Komplexe Bewegungsanalyse; Schwerpunktthema Wirbelsäule“. Daran schloß sich ein Zwei-Täge-Fortbildungskurs „Applied Kinesology “ an. Der Kanadier Hans W Boehnke bestritt mit seinen Referaten und unterstützenden Veranschaulichungen dabei den Löwenanteil. Er richtete sich in seinen Äußerungen vorwiegend an chirothera- peutisch und krankengymnastisch orientierte medizinische Berufsgruppen.
PUTZ: Vielen Dank für das Gespräch.
AUS DEM SENAT BERICHTET
In seiner 19. Sitzung am 27. April 1995 hat sich der Senat der Universität u. a. mit folgenden Themen befaßt bzw. folgende Beschlüsse gefaßt: Zunächst berichtete der Rektor, Prof. Dr. Rolf Mitzner, über die Ergebnisse einer Besprechung von Vertretern des Rektorates und der Dekane bei dem Staatssekretär des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK), Prof. Dr. Friedrich Buttler. In dieser Besprechung wurden für die Universität Potsdam 243 Professoren als Zwischenausbaustufe vereinbart sowie die Zusage gegeben, daß das MWFK von der Hochschule eine Liste erhalten würde, aus der hervorginge, um welche Professorenstellen es sich dabei handeln würde. „Mit dieser Festschreibung", so der Rektor, „möchte Staatssekretär Buttler dann auch in die Verhandlungen mit Berlin eintreten."
Darüber hinaus konnte der Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs, Prof. Dr. Gerhard Kempter, informieren, daß die Universität Potsdam nun zur Wahlstelle der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ernannt wurde und daher künftig die Wahl der DFG-Gutachter auch durch Mitglieder der Potsdamer Universität erfolgen sollte.
Auf Antrag des Dekans der Mathematisch- Naturwissenschaftlichen Fakultät, Prof. Dr. Helmut Mikelskis, unterstützte der Senat eine von dessen Fakultät formulierte Resolution zur derzeitigen räumlichen Situation an der Universität. Sie lautet: „Die derzeitige Situation und der planmäßige Ausbau der Universität Potsdam erfordern zwingend eine beschleunigte Realisierung der ersten Ausbaustufe der Verfügungsbauten für die Naturwissenschaften in Golm bis zum Jahre 1998. Eine Bestätigung des von der Universität Potsdam vorgelegten Raumkonzeptes noch in diesem Jahr ist deshalb dringend geboten." Im Anschluß informierten der Prorektor für Lehre und Studium, Prof. Dr. Manfred Görtemaker, und der Geschäftsführer des Vereins zur Weiterqualifizierung brandenburgischer Lehrerinnen und Lehrer, Peter Wolters, über die Start-
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SPRACHE ALS IDENTITÄTSSTIFTER
Die Sprache Gottes und des Volkes Israel
Im zu Ende gehenden Sommersemester boten Wissenschaftler verschiedenster Institute der Universität Potsdam im Rahmen des Studienganges Jüdische Studien eine Ringvorlesung unter dem Motto „Sprache und Identität“ an. Die Eröffnungsvorlesung wurde von Prof. Dr. Karl E. Grözinger gehalten, der als Religionswissenschaftler das Thema „Das Hebräische und die Juden“ gewählt hatte.