Heft 
(1.1.2019) 05
Einzelbild herunterladen

OBST" NICHT IM PLURAL EINSETZBAR

Das WIP-ProjektLernerwörterbuch der deutschen Sprache"

Zahlreiche Wissenschaftler aus Einrich­tungen der Akademie der Wissenschaften erhielten nach deren Auflösung eine För­derung im Rahmen des Wissenschaftier- Integrationsprogramms (WIP), das Teil der Hochschulemeuerung in den neuen Bundesländern ist. Zu den Zielen der Er­neuerung gehört die Rückführung der Forschung an die Universitäten. In der PUTZ stellen wir in loser Folge WlP-Pro- jekte vor, hier die GruppeLemerwörter- buch der deutschen Sprache. Sie ist beim Institut für Germanistik, Lehrstuhl für deutsche Sprache der Gegenwart, angesiedelt und wird von Dr. Günter Kempcke geleitet.

Es gibt zahlreiche Lexika. Aber Wörterbuch ist nicht Wörterbuch. Ausländer haben bei­spielsweise andere Nachschlagebedürf- nisse als Muttersprachler. Durch Tfests fan­den Wissenschaftler heraus, daß ausländi­sche Wörterbuchbenutzer vor allem an Aus­spracheangaben, an semantischen, also die Bedeutung betreffenden, Informationen und an Wissen über die inhaltliche Kombi­nierbarkeit sprachlicher Einheiten, insbe­sondere aber an Wissen über Redewen­dungen und an Kenntnissen grammatischer Regeln, interessiert sind. Muttersprachler, Menschen, die von klein auf ihre Sprache gelernt haben, wünschen dagegen vorwie­gend semantische Informationen und Kenntnisse über die Vereinbarkeit von Wör­tern. Dem sollten spezifische Publikationen Rechnung tragen, und das rechtfertigte auch die Inangriffnahme eines weiteren le- xikographischen Projektes.Es führte zur Forderung nach ausländerspezifischen Wörterbüchern, nach einem Lernerwörter­buch der deutschen Sprache", so Günter Kempcke.

Bei der Erarbeitung der Konzeption dafür waren Antworten beispielsweise auf folgen­de FLagen zu finden: Wer soll Benutzer des Wörterbuches sein? Welche Schwerpunk­te sind hinsichtlich des Stichwortumfanges und der Auswahl der Informationsdaten zu setzen? Welche Strategien sind anzuwen­den, um dem Benutzer bei der Überwin­dung seiner Sprachschwierigkeiten zu hel­fen?Wir entschieden uns als Haupt­adressaten für den fortgeschrittenen Lerner der deutschen Sprache unterschiedlicher Herkunftsländer, bei dem gewisse gram­matische und semantische Grundkenntnis­se vorauszusetzen sind", erläuterte der Ger­manist das Ergebnis der Überlegungen zu diesem Vorhaben.

Das 1989 von der Universität Potsdam über­nommene Projekt wurde bereits 1988 im damaligen Zentralinstitut für Sprachwissen­schaft der Akademie der Wissenschaften der DDR initiiert. Die inzwischen noch drei

sich [ 1 (Rcflcxivpron. der 3. Pers. Sg. u. PI. u. von Sie, man; steht auch beim Infinitiv rcfl. Verben; Dat. u. Akk.) 1. (Sg. u. PI.) / weist auf das Subj. zurück/ 1.1. (Akk.) er, sie, das Kind bat verletzt; sie haben verletzt; ha­ben Sie verletzt?; er hat nicht nur über sie, sondern auch über ~ (selbst) nachgedacht; sie stellten die Koffer neben ~; die Mutter drückte den jungen an ~; (als fester Bestand­teil des Verbs) er, sie, das Mädchen freute ~ über das Geschenk; die Kinder schämten mar. muß ja mit dir schämen!; schämen

1.2. (Dat.; vorw. bei Verben, die außerdem ein Akk.obj. haben) er, sie hat das Rauchen abgewohnt; damit haben sie nicht nur dir, sondern auch ~ (selbst) geschadet; er zweifelt an; (sieb kann wegfallen) er hat einen Atlas gekauft; (als fester Bestandteil des Verbs) sie haben das nur eingebildet; etw. einbilden 2. (Pb; rez.) 2.1. (Akk.) .ein­ander (1.1): sie haben geküßt; (als fester Bestandteil des Verbs) die Geschwister vertra­gen gut (miteinander); haben Sie gut ver­standen:f; gut verstehen 2.2. (Dat.) einan­der (1.2)*: sie tuollen (gegenseitig) helfen 3. (in Sätzen, in denen das Vb. in der 3. Pers. steht) 3.1. (Sg.; in Satzkonstruktiunen mit un- pers. Subj. es u. mit einer modalen u. einer lokalen od. temporalen Adv.best.) in dieser Bibliothek arbeitet es gut, läßt es gut ar­beiten (,in dieser Bibliothek kann man gut ar­beiten, kann gut gearbeitet werden') 3.2. (Sg. u. PI.; mit einer modalen Angabe) diese Apfel­sinen schälen ~ schlecht, lassen schlecht schälen (diese Apfelsinen kann man schlecht schälen, können schlecht geschält werden')

3.3. (Sg. u. PI.) der Schlüssel wird ~ schon finden (wird gefunden werden')

sich" ist eines von ca. 17 000 der m alphabeti­scher Reihenfolge m das 1996 m Druck gehende Lernerwörterbuch der deutschen Sprache aufgenommenen Stichwörter. Deutlich erkenn­bar ist an diesem Beispiel, welche grammati­schen Kriterien bei der Erarbeitung Berück­sichtigung fanden.

wissenschaftlichen Mitarbeiter stehen in einer jahrzehntelangen Tradition gegen- wartssprachlicher lexikographischer For­schung. Unter ihrer Leitung entstanden mehrbändige Wörterbücher.

Das neue Nachschlagewerk wird 17 000 Stichwörter umfassen. Im Vergleich zu den sonst üblichen ca. 100 000 ist das eine ge­ringe Anzahl. Wir entschieden uns ganz bewußt für eine kleine Makro-, aber eine große Mikrostruktur 11 , begründete der Pro­jektleiter das Vorgehen. Die einzelnen Be- gnffe werden sehr ausführlich dargestellt, die stilistischen, grammatischen und se­mantischen Gebrauchsbedingungen ver­deutlicht. So erfährt der Benutzer, daß Obst nicht im Plural einsetzbar ist, daß Anmut" weniger im Alltag, als vielmehr im Literarischen Verwendung findet oder blond nur im Zusammenhang mit Haar gebräuchlich ist. Um die Zugänge zum Sprachsystem zu eröffnen, sind im Wörter­buch drei Aufgaben zu realisieren. Es er­folgt die Angabe der sprachlichen Normen und Gebrauchsregeln, das Hineinführen in das Sprachsystem, d.h. die Erwähnung von Verwandtem, um den Wortschatz erweitern

und die Regeln erlernen zu können. Ausge­hend vom Grundwortschatz finden die von Herkunft, Geschichte und Grundbedeu­tung (etymologisch) selbständigen Wörter, wie z.B.(kursiv) Kopf, gehen (kursiv Ende) oder (kursiv) stehen (kursiv Ende) , Ein­gang. Dazu werden wichtige Ableitungen wie (kursiv) tnnken-Trunk-Trank-Tnnker (kursiv Ende) sowie einige wenige zusam­mengesetzte Wörter gestellt. Da es bei vie­len Begriffen für den Ausländer trotz großer sprachlicher Bemühungen schwer ist, die Bedeutungserklärungen zu verstehen, ent­hält das künftige Buch etwa 500 Stnchzeich- nungen, die die Identifikation erleichtern sollen. Damit aber auch die richtige Aus­sprache erlernt werden kann, ergänzen Angaben zur Lautumschrift den Ttext des jeweilgen Stichworts.

1996 soll dasLernerwörterbuch der deut­schen Sprache in Druck gehen. Die an diesem Projekt beteiligten Wissenschaftler sind davon überzeugt, daß ihr Werk sowohl seiner Rolle im Unterricht Deutsch als Fremdsprache gerecht werden als auch, daß es für die sprachliche Integration aus­ländischer Bürger in Deutschland sowie für die wachsende Rolle der deutschen Spra­che in einem vereinten Europa von Bedeu­tung sein wird. B.E.

Euro Lloyd Reisebüro

Skandinavien pur:

8-Tage Hotelrundreise Norwegen ab/an Kiel pro Person ab DM 480,-

Kurztrip Göteborg 3 Tage ab/an Kiel

pro Person ab DM 189,

Ferienhäuser in Schweden incl. Seereise ab/an Kiel pro Woche ab DM 721 ,-

Gutenbergstraße 17 14467 Potsdam Tel. 0331/270 02 80 Fax 0331/280 02 40

PUTZ 5/95

Seite 17