KONTINUITÄT UND WEITERENTWICKLUNG DES PROFILS DER POTSDAMER CHEMIE
Prof. Dr. Philipp über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Polymerchemie
Innerhalb der Chemie an der Potsdamer Universität stellen die Kolloid- und Polymerforschung einen klaren fachlichen Schwerpunkt dar. Allerdings basiert dieser Schwerpunkt nicht ausschließlich auf Konzeptionen aus der Gründungszeit der Hochschule. Er ist vielmehr auch historisch gewachsen in der Form, daß die Chemiker der früheren Pädagogischen Hochschule Potsdam mit dem ehemaligen Tel- tower Institut für Polymerchemie der Akademie der Wissenschaften zusammengearbeitet haben; zwar nicht so eng, wie sie das gerne wollten - denn dies wurde offiziell nicht gewünscht -, doch fand immerhin ein kontinuierlicher Austausch über Jahrzehnte hinweg statt. Daran knüpfte man 1991 bei der Neugründung der Universität an, und genau das zeichnet die Potsdamer Chemie heute auch neben dem fachlichen Schwerpunkt aus: Ihre Mitarbeiter unterhalten rege Kooperationen mit außeruniversitären Forschungsinstituten, z.B. mit dem neugegründeten Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung und dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung. Die gemeinsamen Planungen gehen so weit, daß am Standort Golm der Universität ein gemeinsames naturwissenschaftliches Forschungszentrum vorgesehen ist, das einen noch intensiveren Austausch in Forschung und Lehre ermöglichen soll. Daß es überhaupt so weit kommen konnte, ist neben den Planungsgremien für die Hochschule vor allem einem Mann zu verdanken: Prof. Dr. Burkart Philipp, dem früheren Vorsitzenden der Chemischen Gesellschaft der DDR, ausgezeichnet mit dem „Staudinger-Preis“ und dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Warum das so ist und wie Prof. Philipp die Zusammenarbeit heute beurteilt, können Sie nachfolgendem, von Myriam Honig geführtem Interview entnehmen.
Ein Zeitzeuge der Entwicklung der Chemie in Potsdam und Heltow ist Prof. Dr. Burkhart Philipp. Foto: privat
mes. Dazu gehören z. B. das Astrophysi- kalische Institut Potsdam, das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und das Al- fred-Wegener-Institut.
In enger Absprache mit dem Fach Physik haben sich die Wissenschaftler auch in die Lehre eingebracht. Das betrifft Grund- und Spezialvorlesungen, ein Spezialseminar für das gesamte Fach Physik, die Seminarreihe der Arbeitsgruppe und die Kolloguiums- reihe des Interdisziplinären Zentrums. Es gibt Diplomanden und Doktoranden, eine Fülle von nationalen und internationalen Arbeitskontakten, Konferenzen und Workshops sowie diverse Drittmittelprojekte. Also alles bestens? Es steht außer Zweifel, daß zum derzeitigen materiellen und wissenschaftlichen Stand der Arbeitsgruppe zahlreiche Institutionen und Personen im In- und Ausland beigetragen haben. Doch die entscheidende Hürde muß im nächsten Jahr noch genommen werden. „Im Unterschied zu vielen anderen wissenschaftlichen Einrichtungen, die seit 1990 in Ostdeutschland gegründet bzw. übernommen wurden“, so Prof. J. Kurths, „ist aus heutiger Sicht ein massiver Stellenabbau in der Arbeitsgruppe zu erwarten. Das hätte einen substantiellen Verlust an Interdisziplinarität zur Folge. Dies wäre um so schmerzlicher, als die nichtlineare Dynamik ein Gebiet ist, das sich erst im Anfangsstadium befindet und zunehmend an Bedeutung gewinnt.Es soll zudem als Schwerpunkt die Profilbildung der Universität Potsdam mit prägen...“ De.
Förderung von Patentanmeldungen
Die Anzahl der Patentanmeldungen ist ein Indikator der Innovationsfähigkeit von Unternehmen und der Volkswirtschaft. Im Land Brandenburg lassen die Patentaktivitäten noch sehr zu wünschen übrig. Um diesen Zustand zu verbessern, hat der brandenburgische Minister für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie, Dr. Burkhard Dreher, nun Maßnahmen zur Förderung von Patentanmeldungen eingeleitet. Demnach stehen jetzt 50 000 DM zur Verfügung, mit denen Anmeldungen aus dem Hochschulbereich mit je 2 500 DM unterstützt werden. Die Anträge aus der Universität Potsdam sollen über ihre Transferstelle PITT an die T.IN.A. geleitet werden. Ferner soll die Anmeldung von Patenten im Rahmen der Tbchnologieförderung künftig finanziell unterstützt werden. Die Bestätigung der entsprechenden Richtlinie steht nach Dreher unmittelbar bevor.
An einer Förderung ihrer Patentanmeldung Interessierte können sich an den Potsdamer Informations- und Technologie-Transfer (PITT), Tel. 0331/977-1119; 03328/46539 oder 46412 wenden. PF.
PUTZ: Prof. Philipp, die Kolloid- und Polymerchemie in Potsdam/Tbltow hängen eng mit Ihrer Person und Ihrem Wirkungsort Tbltow zusammen. Könnten Sie Ihre dortigen Funktionen vor und nach der Wende kurz skizzieren?
Philipp: Meine beruflichen Beziehungen zur Polymerchemie im Raum Potsdam-Tbl- tow sind recht vielfältig: So war ich von 1969-1981 Direktor des Instituts für Polymerchemie der damaligen Akademie der Wissenschaften. Allerdings wurde ich dann nicht wieder berufen, wie man so schön sagte. Gleichwohl war ich im gleichen Institut Bereichsleiter bis Ende 1985 und wurde dann offiziell invalidisiert aufgrund eines objektiv vorhandenen Augenleidens. Letzten Endes geschah dies mehr unter äußerem Druck, nachdem man mir in einer internen Kaderakte bescheinigt hatte, daß ich für Leitungsaufgaben nicht geeignet sei. As danach freier Mitarbeiter hatte ich allerdings weiterhin die Möglichkeit, wissenschaftlich am Institut zu arbeiten, bevor ich 1989 im Dezember bei der ersten freien Wahl eines wissenschaftlichen Rates als Vorsitzender gewählt, und dann, wenige läge später, auf Wunsch der Belegschaft gebeten wurde, wieder die Leitung des Instituts zu übernehmen. Ziemlich genau an meinem 65. Geburtstag habe ich dann per 1. Februar 1990 noch einmal die Leitung
des Instituts übernommen für zwei Jahre. In dieser Zeit führten wir eine grundlegende Umstrukturierung des Instituts durch. Mit Unterstützung des wissenschaftlichen Rates und eines neugeschaffenen Leitungsteams haben wir die Umgestaltung dahingehend vorgenommen, daß wir das sehr breite Aufgabengebiet teilten. Wir haben also von vornherein auf Aufteilung gesetzt und das auch dem Wissenschaftsrat im Rahmen der Evaluierung so vorgeschlagen. Das ist akzeptiert worden, und auf diese Weiso sind ab 1992 eine Reihe neuer Institute entstanden. Das erste war das FFaunhoferinstitut für Angewandte Polymerforschung, das zuletzt gegründete das Max- Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung. Beim Aufbau dieser neuen Institute war ich aktiv mit dabei, in Tbltow vor Ort in leitender Fünktion bis Sommer 1993. Unter dem Dach des Max-Planck-In- stituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung bringe ich nun noch wissenschaftliche Vorhaben zum Abschluß. Meine Arbeitsgebiete waren und sind die Chemie und partiell auch die Physik der Polymere, spezielle Abeitsgebiete bilden die Celluloseforschung, die jetzt in das Fraunhoferinstitut übergegangen ist, und die Gesamtproblematik der Polyelektrolyte. Dahinter verbirgt sich ein Gebiet, das ich in den 70er Jahren im damaligen Akademieinstitut auf-
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