Heft 
(1.1.2019) 05
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KONTINUITÄT UND WEITERENTWICKLUNG DES PROFILS DER POTSDAMER CHEMIE

Prof. Dr. Philipp über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Polymerchemie

Innerhalb der Chemie an der Potsdamer Universität stellen die Kolloid- und Polymerforschung einen klaren fachlichen Schwerpunkt dar. Allerdings basiert dieser Schwerpunkt nicht ausschließlich auf Konzeptionen aus der Gründungs­zeit der Hochschule. Er ist vielmehr auch historisch ge­wachsen in der Form, daß die Chemiker der früheren Päd­agogischen Hochschule Potsdam mit dem ehemaligen Tel- tower Institut für Polymerchemie der Akademie der Wissen­schaften zusammengearbeitet haben; zwar nicht so eng, wie sie das gerne wollten - denn dies wurde offiziell nicht gewünscht -, doch fand immerhin ein kontinuierlicher Aus­tausch über Jahrzehnte hinweg statt. Daran knüpfte man 1991 bei der Neugründung der Universität an, und genau das zeichnet die Potsdamer Chemie heute auch neben dem fachlichen Schwerpunkt aus: Ihre Mitarbeiter unterhalten rege Kooperationen mit außeruniversitären Forschungsin­stituten, z.B. mit dem neugegründeten Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung und dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung. Die gemeinsamen Planungen gehen so weit, daß am Standort Golm der Universität ein gemeinsames naturwissenschaftliches Forschungszentrum vorge­sehen ist, das einen noch intensiveren Austausch in Forschung und Lehre ermöglichen soll. Daß es überhaupt so weit kommen konnte, ist neben den Planungsgremien für die Hochschule vor allem einem Mann zu verdanken: Prof. Dr. Burkart Philipp, dem frühe­ren Vorsitzenden der Chemischen Gesellschaft der DDR, ausgezeichnet mit dem Staudinger-Preis und dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Warum das so ist und wie Prof. Philipp die Zusammenarbeit heute beurteilt, können Sie nachfolgendem, von Myriam Honig geführtem Interview entnehmen.

Ein Zeitzeuge der Entwick­lung der Chemie in Potsdam und Heltow ist Prof. Dr. Burk­hart Philipp. Foto: privat

mes. Dazu gehören z. B. das Astrophysi- kalische Institut Potsdam, das Potsdam-In­stitut für Klimafolgenforschung und das Al- fred-Wegener-Institut.

In enger Absprache mit dem Fach Physik haben sich die Wissenschaftler auch in die Lehre eingebracht. Das betrifft Grund- und Spezialvorlesungen, ein Spezialseminar für das gesamte Fach Physik, die Seminarreihe der Arbeitsgruppe und die Kolloguiums- reihe des Interdisziplinären Zentrums. Es gibt Diplomanden und Doktoranden, eine Fülle von nationalen und internationalen Arbeitskontakten, Konferenzen und Work­shops sowie diverse Drittmittelprojekte. Also alles bestens? Es steht außer Zweifel, daß zum derzeitigen materiellen und wis­senschaftlichen Stand der Arbeitsgruppe zahlreiche Institutionen und Personen im In- und Ausland beigetragen haben. Doch die entscheidende Hürde muß im nächsten Jahr noch genommen werden.Im Unter­schied zu vielen anderen wissenschaftli­chen Einrichtungen, die seit 1990 in Ost­deutschland gegründet bzw. übernommen wurden, so Prof. J. Kurths,ist aus heutiger Sicht ein massiver Stellenabbau in der Ar­beitsgruppe zu erwarten. Das hätte einen substantiellen Verlust an Interdisziplinarität zur Folge. Dies wäre um so schmerzlicher, als die nichtlineare Dynamik ein Gebiet ist, das sich erst im Anfangsstadium befindet und zunehmend an Bedeutung gewinnt.Es soll zudem als Schwerpunkt die Profil­bildung der Universität Potsdam mit prä­gen... De.

Förderung von Patentanmeldungen

Die Anzahl der Patentanmeldungen ist ein Indikator der Innovationsfähigkeit von Un­ternehmen und der Volkswirtschaft. Im Land Brandenburg lassen die Patentaktivi­täten noch sehr zu wünschen übrig. Um diesen Zustand zu verbessern, hat der brandenburgische Minister für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie, Dr. Burkhard Dreher, nun Maßnahmen zur Förderung von Patentanmeldungen eingeleitet. Dem­nach stehen jetzt 50 000 DM zur Verfügung, mit denen Anmeldungen aus dem Hoch­schulbereich mit je 2 500 DM unterstützt werden. Die Anträge aus der Universität Potsdam sollen über ihre Transferstelle PITT an die T.IN.A. geleitet werden. Ferner soll die Anmeldung von Patenten im Rah­men der Tbchnologieförderung künftig fi­nanziell unterstützt werden. Die Bestätigung der entsprechenden Richtlinie steht nach Dreher unmittelbar bevor.

An einer Förderung ihrer Patentanmel­dung Interessierte können sich an den Potsdamer Informations- und Technolo­gie-Transfer (PITT), Tel. 0331/977-1119; 03328/46539 oder 46412 wenden. PF.

PUTZ: Prof. Philipp, die Kolloid- und Poly­merchemie in Potsdam/Tbltow hängen eng mit Ihrer Person und Ihrem Wirkungsort Tbltow zusammen. Könnten Sie Ihre dorti­gen Funktionen vor und nach der Wende kurz skizzieren?

Philipp: Meine beruflichen Beziehungen zur Polymerchemie im Raum Potsdam-Tbl- tow sind recht vielfältig: So war ich von 1969-1981 Direktor des Instituts für Polymer­chemie der damaligen Akademie der Wis­senschaften. Allerdings wurde ich dann nicht wieder berufen, wie man so schön sagte. Gleichwohl war ich im gleichen In­stitut Bereichsleiter bis Ende 1985 und wur­de dann offiziell invalidisiert aufgrund eines objektiv vorhandenen Augenleidens. Letz­ten Endes geschah dies mehr unter äuße­rem Druck, nachdem man mir in einer in­ternen Kaderakte bescheinigt hatte, daß ich für Leitungsaufgaben nicht geeignet sei. As danach freier Mitarbeiter hatte ich aller­dings weiterhin die Möglichkeit, wissen­schaftlich am Institut zu arbeiten, bevor ich 1989 im Dezember bei der ersten freien Wahl eines wissenschaftlichen Rates als Vorsitzender gewählt, und dann, wenige läge später, auf Wunsch der Belegschaft gebeten wurde, wieder die Leitung des In­stituts zu übernehmen. Ziemlich genau an meinem 65. Geburtstag habe ich dann per 1. Februar 1990 noch einmal die Leitung

des Instituts übernommen für zwei Jahre. In dieser Zeit führten wir eine grundlegende Umstrukturierung des Instituts durch. Mit Unterstützung des wissenschaftlichen Ra­tes und eines neugeschaffenen Leitungs­teams haben wir die Umgestaltung dahin­gehend vorgenommen, daß wir das sehr breite Aufgabengebiet teilten. Wir haben also von vornherein auf Aufteilung gesetzt und das auch dem Wissenschaftsrat im Rahmen der Evaluierung so vorgeschla­gen. Das ist akzeptiert worden, und auf die­se Weiso sind ab 1992 eine Reihe neuer In­stitute entstanden. Das erste war das FFaunhoferinstitut für Angewandte Polymer­forschung, das zuletzt gegründete das Max- Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflä­chenforschung. Beim Aufbau dieser neuen Institute war ich aktiv mit dabei, in Tbltow vor Ort in leitender Fünktion bis Sommer 1993. Unter dem Dach des Max-Planck-In- stituts für Kolloid- und Grenzflächenfor­schung bringe ich nun noch wissenschaft­liche Vorhaben zum Abschluß. Meine Ar­beitsgebiete waren und sind die Chemie und partiell auch die Physik der Polymere, spezielle Abeitsgebiete bilden die Cellu­loseforschung, die jetzt in das Fraunhofer­institut übergegangen ist, und die Gesamt­problematik der Polyelektrolyte. Dahinter verbirgt sich ein Gebiet, das ich in den 70er Jahren im damaligen Akademieinstitut auf-

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