Heft 
(1.1.2019) 05
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Polymere und Kolloide

Polymere sind Substanzen mit sehr großen Molekülen, in denen das Einzelmolekül tausendmal so groß ist wie innormalen Molekülen". Beispiele fürnormale Moleküle sind Bestandteile des Benzins oder das Wasser­molekül H20, das aus drei Atomen besteht. Ein Polymer wie Cellulose kommt dagegen auf zehn- bis hundert­tausend Atome in einem Molekül, Zu diesen makromolekularen Substanzen gehören u.a. Kunststoffe, Elaste und Fasern.

Als kolloide Systeme bezeichnet man einen flüssigen Träger und dann fein verteilte Partikel, die so klein sind, daß ihre Eigenschaften im wesentlichen Umfang von der Oberfläche her bestimmt werden. Als Beispiele sei­en hier Naturprodukte wie die Milch genannt. Das Kochen eines Puddings ist ein Vorgang der angewandten Kolloidchemie. Aber es gibt auch solche fein verteilten Stoffsysteme im festen Zustand oder im gasförmigen Zustand. Im festen Zustand und somit in die Rubrikfeste Kolloide" würde alles, was sich in der Ackerkrume abspielt, hineingehören, also die ganzen I ragen des Festhaltens von Substanzen im Erdboden, Düng­ungsprobleme. Es gibt sehr enge Verbindungen zwischen Kolloidchemie und Polymerchemie dahingehend, daß diese riesengroßen Moleküle der makromolekularen Chemie einfach von ihrer Größe her schon eine Art Kolloidpartikel darstellen, die, wenn man sie in Wasser auflöst oder suspendiert, die Eigenschaft kolloider Sy­steme zeigen. Hier gehört dann alles dazu, was mit Farben und Anstrichstoffen zu tun hat, es gehören die che­mischen Hilfsmittel für Wasseraufbereitung und Schlammentwässerung dazu, die gesamte Membranforschung, angefangen von der aktuellen Frage der Öl-Wasser-Trennung, etwa jetzt in den aufgelassenen sowjetischen Militärmederlassungen, bis hin zur künstlichen Niere.

MIT DEMSTUDENTENEXPRESS" ZUM HÖRSAAL

Überqueren der Gleise in Griebnitzsee nun wirklich lebensgefährlich

Die Signale für eine bessere verkehrstechnische Anbindung der drei großen Potsda­mer Universitätskomplexe stehen auf Grün. Ab 17. Dezember 1995, so versicherte kürz­lich Hans Leister von der Deutschen Bahn-AG in einem Pressegespräch, fahre im 1- Stunden-fhkt einStudentenexpress. Der aus Nauen kommende Zug halte an den Sta­tionen Griebnitzsee, Potsdam-Stadt, Charlottenhof, Potsdam-Wildpark und Golm. Bei entsprechender Auslastung gäbe es sogar die Variante einer Verdichtung des Fahrab­standes auf 30 Minuten. Frühestens könne dies allerdings 1997 geschehen. Leister warnte in jenem Zusammenhang eindringlich vor dem weiteren Betreten der Bahngleise in Griebnitzsee. Der Grund: Mit dem Fahrplanwechsel am 28. Mai95 frequentiert nun in kurzen Intervallen der rund 100 km/h schnelle Regionalexpress von Berlin-Zoo über Wannsee-Potsdam-Brandenburg nach Magdeburg die Strecke.Damit erhöht sich das Risiko für alle Sünder' erheblich, so der Verkehrsexperte.

Ob per Rad oder Bahn, die Verbindung zwischen den einzelnen Potsdamer Universitätskomplexen soll zum Ende dieses Jahres deutlich besser funktionieren. Foto: Tribukeit

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gebaut habe und das mit ein wesentliches Argument für die Gründung des Max- Planck-Instituts für Kolloidforschung dar­stellte. Wichtig bei der Überführung des In­stituts in neue Formen war mir stets Konti­nuität, auch im personellen Bereich, So konnten trotz einer strikten fachlichen Evaluierung über 300 - und somit fast alle - Mitarbeiter übernommen werden.

PUTZ; In welchen Instituten arbeiten diese Mitarbeiter heute?

Philipp: In einem Fraunhoferinstitut, einem Max-Planck-Institut, einem Institut der Geesthacht GmbH (GKSS) der Außenstel­le eines weiteren Fhaunhoferinstituts und in WIP- Gruppen an der Potsdamer Universi­tät, die noch in Tfeltow tätig sind.

PUTZ: Nun erstrecken sich die gemeinsa­men Arbeiten zwischen dem Forschungs­zentrum Tfeltow und der Universität Pots­dam im Bereich der Polymerchemie ja nicht nur auf die von Ihnen schon erwähnten WIP- Gruppen, Worin besteht die Zusammenar­beit denn noch?

Philipp: Es gibt bereits seit langem Arbeits­kontakte sowohl zur Potsdamer Chemie wie zur Physik von den Polymeren her. Dies geschah mehr auf Arbeitsebene, weil von der sehr stark auf das sowjetische Vorbild hm orientierten Akademieleitung in den letzten Jahren eine Zusammenarbeit mit den Hochschulen nicht sehr gewünscht wurde. Wir haben sie so unter der Hand trotzdem praktiziert. Offiziell konnten wir das Ganze erst richtig zum Tragen bringen ab 1990. Es kam zu gemeinsamen Diskus­sionen um die Erage des künftigen Potsda­mer Profils, in denen sich als unikaler Schwerpunkt hier in der' ganzen For­schungslandschaft eine starke Betonung der Polymere einschließlich der polymeren Naturstoffe und der Polymerkolloidik - zu- geschmtten auf die speziellen Belange des Landes Brandenburg - herauskristallisier­te. Auch für die hier vertretenen Er­nährungswissenschaften ist die Kolloid- und Polymerchemie eine der Grundlagen. Die fachliche und personelle Zusammenar­beit ist sehr konstruktiv und ermöglicht ein klares Profil der Chemiker in Potsdam und Tfeltow. Zu nennen wären da auch die Inter­disziplinären Zentren der Universität Pots­dam, z.B. das für die Biopolymere, in dem direkt Fachleute aus Tfeltow offiziell mitar- beiten. Dies wird auch in dem Zentrum für dünne organische und biochemische Schichten so praktiziert, in dem sich viele Chemiker und Physiker von Tfeltow mit en­gagieren. Wir praktizieren also eine ganz konkrete Zusammenarbeit, in die auch Stu­dierende mit einbezogen werden.

PUTZ: Prof. Philipp, vielen Dank für das Gespräch, das auch einen Auftakt zur Vor­stellung weiterer außeruniversitärer Koope­rationspartner der Universität Potsdam bil­den sollte.

Die Alternative zum illegalen Überqueren der Schienen besteht gegenwärtig in einem etwa ein Kilometer langen Umweg, der von den Universitätsgebäuden zum eigentlich nahe gelegenen Bahnhof führt. Die direkte Verbindung beider Einrichtungen fehlt bis­lang. Ein eigens herzurichtender Fußgän­

gertunnel soll das Problem lösen. Dessen Fertigstellung läßt jedoch auf sich warten. Noch stehen nicht einmal die Bautermine fest. Zum Ende des Jahres wollen die Auf­traggeber, das Land Brandenburg und die Stadt Potsdam, dennoch den Löwenanteil der Arbeiten bewältigt sehen.

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