ZWISCHEN ACHT UND NEUN GETRÄNKE ZUM HALBEN PREIS
Ein Jahr Studentenpub in Potsdam
Der Blue-Jeans-Song aus Ulrich Plenzdorfs Stück „Die neuen Leiden des jungen W.“ kommt unwillkürlich in den Sinn, betritt man den Studentenpub in der Potsdamer Breite (n) Straße 1 ganz in der Nähe des Filmmuseums. Wer sich also einen Überblick über neuere und ältere Jeansproduktionen verschaffen will, der braucht keine Boutique zu besuchen, sondern kann sein Informationsbedürfnis dort stillen. Der Blick ist in diesem Falle weniger auf die Beine der jungen Leute, als vielmehr an die Decke zu richten, wo die beliebten Hosen „Halt“ fanden. Als Gegenleistung für ein Freibier trennte sich mancher vom guten oder bereits etwas altersschwachen Stück. Auf jeden Fall entstand schon eine beträchtliche Sammlung.
Der Studentenpub in der Breite(n) Straße feierte kürzlich einjähriges Bestehen. Durch Studierende selbst betrieben, lädt er täglich zu Bier und Gesprächen ein. Foto: Rüffert
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Gleichzeitig erfolgt an der Südseite des Bahnhofes der Neubau des Bahnsteiges. Die dafür notwendigen Mittel stammen aus dem Etat für die Verkehrsprojekte „Deutsche Einheit“.
Bereits praktiziert wird seit kurzem eine neue Busverbindung zwischen Bahnhof Gnebnitzsee und Babelsberg Nord. Die Dringlichkeit hierfür hatte sich aus dem Wegfall des O-Busses, aber auch aus der verstärkten Umsiedlung von Mitarbeitern der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen sowie der juristischen Fakultät in das Gelände am Park Babelsberg ergeben. Unter den Studenten herrscht mitunter immer noch Skepsis. Martin Weiss vom Studentenrat dazu: „Die Busse müssen die Babelsberger Innenstadt passieren. Staus auf der Rudolf-Breitscheid-Straße bleiben dabei nicht aus. Die Fahrten könnten demnach zur Geduldsprobe werden.“
Eine Perspektive bekommt das ökologischste aller Verkehrsmittel - das Fahrrad. Die Rekultivierung des Radweges in der vom Neuen Palais nach Golm führenden Lindenallee beispielsweise verläuft termingerecht. 800 Meter der gesamten Piste sind bereits befahrbar, für weitere 500 Meter existiert der Unterbau. Die im Einsatz befindlichen sechs ABM-Kräfte möchten bereits im Oktober das Vorhaben abschließen. Prof. Dr. Ernst Schmeer, Direktor des Instituts für Berufspädagogik/Berufliche Fachrichtungen Elektro- und Metalltechnik der Hochschule, strebt weiterhin die Nutzung alternativer Energien bei der Verwirklichung des universitären Verkehrskonzeptes an. Schließlich verfolgt er die Idee der Inbetriebnahme dreier Solar-Busse mit der Absicht der Vernetzung aller “feile der Alma mater. Um diesem Ziel näher zu kommen, sitzen am 26. Juni 1995 Vertreter der Universität, zuständiger Ministerien, der Wirtschaft und voraussichtlich auch der Stadt an einem Tisch. Sie alle wollen dann die künftige Vorgehensweise gemeinsam beraten, Im Vorfeld dessen wurden allerdings erneut Zweifel an der Finanzierbarkeit des Unterfangens laut. Diese schnell auszuräumen dürfte im Interesse der Uni-Angehöri- gen und Studenten liegen.
Sie, und insbesondere ihre Gäste, bemängeln seit längerem die immer noch fehlende Ausschilderung des Universitätskomplexes II, Golms Bürgermeister Siegfried Seidel zeigt Verständnis für die Kritik, verweist jedoch auf Verantwortungsträger: Wir führen Gespräche dazu mit dem Tiefbauamt Werder und dem zuständigen Verkehrsamt des Kreises Potsdam -Mittelmark. Diese Institutionen müssen letztlich für die Aufstellung der Heinweistafeln sorgen. Derzeit freilich scheinen die vorbereitenden verwaltungstechnischen Abläufe sehr zeitaufwendig zu sein.“ PG.
Pub kommt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie Kneipe. Der manchmal etwas negative Beigeschmack bei der Erwähnung solcher Gaststätten ist im Zusammenhang mit „Pub ä la Pub" getrost zu vergessen.
Damit die Clubräume des ehemaligen Institutes für Lehrerbildung nicht verwaisen, zeigten Studierende der Universität Potsdam Initiative und Engagement. Vor einem Jahr, am 1, Juni 1994, eröffneten sie nach intensiven Renovierungsarbeiten, die sie selbst ausführten, ihren Club. Bürokratische Hürden waren vorher selbstverständlich in nicht geringem Umfang zu nehmen. Für die vom Studentenwerk gemieteten Räume zahlen die „Pub-Betreiber“ nur die Betriebskosten.
Geldgeber mußten jedoch für die Finanzierung der Stühle, Tische und vor allen Dingen der Theke gefunden werden. Der Inhaber eines Getränkevertriebs bot Hilfe an. „Das vorgeschossene Geld wird über die Einnahmen zurückgezahlt“, erzählt der im achten Semester Sport und Geographie studierende Mario Heiber. Er gehört zu jenen 16 Mitgliedern des eingetragenen Vereins „Incorruptus“, die jeweils drei- bis fünfmal monatlich dafür garantieren, daß im Pub alles zur Zufriedenheit der Gäste läuft. Dieser große Einsatz eines jeden ist erfor
derlich, weil das Haus täglich von 20.00 bis 1.00 Uhr offensteht. Zu studentenfreundlichen Preisen werden sowohl verschiedene Getränke als auch Kleinigkeiten zum Essen, wie Folienkartoffeln oder Camembert, angeboten. Zwischen 20.00 und 21,00 Uhr, in der „happy hour“, können als besonderer Service Bier, alkoholfreie und Mixgetränke zum halben Preis genossen werden. Geraucht werden darf übrigens im 55 Plätze umfassenden „Gastraum“ nicht.
Astrid Schmidt hat ihr Mathematik/Physik- Studium fast beendet und ist oft am Uesen zu finden. Ihr Motiv dafür ist nicht das dabei zu verdienende Geld, es fließt ohnehin eher zäh. Sie schätzt die Erlebnisse in der Gemeinschaft und die Abwechslung vom Studienalltag. Wir haben alles selbst eingerichtet und sehr viel Arbeit dabei investiert. Das schweißt zusammen.“
„Die Unbestechlichen" wünschen sich nicht nur von ihren Kommilitonen noch häufigeren Besuch. Schlechte Busverbindungen und Bequemlichkeit seien die Ursachen für die in Golm und Am Neuen Palais Wohnenden, abends dort zu bleiben. Nicht nur Astrid Schmidt würde sich sehr freuen, wenn ab und zu auch Lehrkräfte den Weg in die Breite Straße fänden. Leichter könne doch der Kontakt zu den Studierenden kaum hergestellt werden. B.E.
PUTZ 5/95
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