Heft 
(1.1.2019) 05
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ZWISCHEN ACHT UND NEUN GETRÄNKE ZUM HALBEN PREIS

Ein Jahr Studentenpub in Potsdam

Der Blue-Jeans-Song aus Ulrich Plenzdorfs StückDie neuen Leiden des jungen W. kommt unwillkürlich in den Sinn, betritt man den Studentenpub in der Potsdamer Breite (n) Straße 1 ganz in der Nähe des Filmmuseums. Wer sich also einen Überblick über neuere und ältere Jeansproduktionen verschaffen will, der braucht keine Boutique zu besuchen, sondern kann sein Informationsbedürfnis dort stillen. Der Blick ist in die­sem Falle weniger auf die Beine der jungen Leute, als vielmehr an die Decke zu rich­ten, wo die beliebten HosenHalt fanden. Als Gegenleistung für ein Freibier trennte sich mancher vom guten oder bereits etwas altersschwachen Stück. Auf jeden Fall entstand schon eine beträchtliche Sammlung.

Der Studentenpub in der Breite(n) Straße feierte kürzlich einjähriges Bestehen. Durch Studierende selbst betrieben, lädt er täglich zu Bier und Gesprächen ein. Foto: Rüffert

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Gleichzeitig erfolgt an der Südseite des Bahnhofes der Neubau des Bahnsteiges. Die dafür notwendigen Mittel stammen aus dem Etat für die VerkehrsprojekteDeut­sche Einheit.

Bereits praktiziert wird seit kurzem eine neue Busverbindung zwischen Bahnhof Gnebnitzsee und Babelsberg Nord. Die Dringlichkeit hierfür hatte sich aus dem Wegfall des O-Busses, aber auch aus der verstärkten Umsiedlung von Mitarbeitern der wirtschafts- und sozialwissenschaftli­chen sowie der juristischen Fakultät in das Gelände am Park Babelsberg ergeben. Unter den Studenten herrscht mitunter im­mer noch Skepsis. Martin Weiss vom Stu­dentenrat dazu:Die Busse müssen die Babelsberger Innenstadt passieren. Staus auf der Rudolf-Breitscheid-Straße bleiben dabei nicht aus. Die Fahrten könnten dem­nach zur Geduldsprobe werden.

Eine Perspektive bekommt das ökolo­gischste aller Verkehrsmittel - das Fahrrad. Die Rekultivierung des Radweges in der vom Neuen Palais nach Golm führenden Lindenallee beispielsweise verläuft termin­gerecht. 800 Meter der gesamten Piste sind bereits befahrbar, für weitere 500 Meter existiert der Unterbau. Die im Einsatz be­findlichen sechs ABM-Kräfte möchten be­reits im Oktober das Vorhaben abschließen. Prof. Dr. Ernst Schmeer, Direktor des Insti­tuts für Berufspädagogik/Berufliche Fach­richtungen Elektro- und Metalltechnik der Hochschule, strebt weiterhin die Nutzung alternativer Energien bei der Verwirkli­chung des universitären Verkehrskonzeptes an. Schließlich verfolgt er die Idee der In­betriebnahme dreier Solar-Busse mit der Absicht der Vernetzung allerfeile der Alma mater. Um diesem Ziel näher zu kommen, sitzen am 26. Juni 1995 Vertreter der Univer­sität, zuständiger Ministerien, der Wirt­schaft und voraussichtlich auch der Stadt an einem Tisch. Sie alle wollen dann die künf­tige Vorgehensweise gemeinsam beraten, Im Vorfeld dessen wurden allerdings er­neut Zweifel an der Finanzierbarkeit des Unterfangens laut. Diese schnell auszuräu­men dürfte im Interesse der Uni-Angehöri- gen und Studenten liegen.

Sie, und insbesondere ihre Gäste, bemän­geln seit längerem die immer noch fehlen­de Ausschilderung des Universitätskom­plexes II, Golms Bürgermeister Siegfried Seidel zeigt Verständnis für die Kritik, ver­weist jedoch auf Verantwortungsträger: Wir führen Gespräche dazu mit dem Tiefbau­amt Werder und dem zuständigen Verkehrs­amt des Kreises Potsdam -Mittelmark. Die­se Institutionen müssen letztlich für die Auf­stellung der Heinweistafeln sorgen. Derzeit freilich scheinen die vorbereitenden ver­waltungstechnischen Abläufe sehr zeitauf­wendig zu sein. PG.

Pub kommt aus dem Englischen und be­deutet soviel wie Kneipe. Der manchmal etwas negative Beigeschmack bei der Er­wähnung solcher Gaststätten ist im Zusam­menhang mitPub ä la Pub" getrost zu ver­gessen.

Damit die Clubräume des ehemaligen Insti­tutes für Lehrerbildung nicht verwaisen, zeigten Studierende der Universität Pots­dam Initiative und Engagement. Vor einem Jahr, am 1, Juni 1994, eröffneten sie nach intensiven Renovierungsarbeiten, die sie selbst ausführten, ihren Club. Bürokrati­sche Hürden waren vorher selbstverständ­lich in nicht geringem Umfang zu nehmen. Für die vom Studentenwerk gemieteten Räume zahlen diePub-Betreiber nur die Betriebskosten.

Geldgeber mußten jedoch für die Finanzie­rung der Stühle, Tische und vor allen Din­gen der Theke gefunden werden. Der Inha­ber eines Getränkevertriebs bot Hilfe an. Das vorgeschossene Geld wird über die Einnahmen zurückgezahlt, erzählt der im achten Semester Sport und Geographie studierende Mario Heiber. Er gehört zu je­nen 16 Mitgliedern des eingetragenen Ver­einsIncorruptus, die jeweils drei- bis fünf­mal monatlich dafür garantieren, daß im Pub alles zur Zufriedenheit der Gäste läuft. Dieser große Einsatz eines jeden ist erfor­

derlich, weil das Haus täglich von 20.00 bis 1.00 Uhr offensteht. Zu studentenfreund­lichen Preisen werden sowohl verschiede­ne Getränke als auch Kleinigkeiten zum Essen, wie Folienkartoffeln oder Camem­bert, angeboten. Zwischen 20.00 und 21,00 Uhr, in derhappy hour, können als beson­derer Service Bier, alkoholfreie und Mixge­tränke zum halben Preis genossen werden. Geraucht werden darf übrigens im 55 Plät­ze umfassendenGastraum nicht.

Astrid Schmidt hat ihr Mathematik/Physik- Studium fast beendet und ist oft am Uesen zu finden. Ihr Motiv dafür ist nicht das da­bei zu verdienende Geld, es fließt ohnehin eher zäh. Sie schätzt die Erlebnisse in der Gemeinschaft und die Abwechslung vom Studienalltag. Wir haben alles selbst einge­richtet und sehr viel Arbeit dabei investiert. Das schweißt zusammen.

Die Unbestechlichen" wünschen sich nicht nur von ihren Kommilitonen noch häufige­ren Besuch. Schlechte Busverbindungen und Bequemlichkeit seien die Ursachen für die in Golm und Am Neuen Palais Wohnen­den, abends dort zu bleiben. Nicht nur Astrid Schmidt würde sich sehr freuen, wenn ab und zu auch Lehrkräfte den Weg in die Breite Straße fänden. Leichter könne doch der Kontakt zu den Studierenden kaum hergestellt werden. B.E.

PUTZ 5/95

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