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(1.1.2019) 05
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DIE KRAFT IN IHM

Der Maler Thomas Kahlau bei Studierenden zu Gast

Im Kindesalter träumte er davon, zur See zu fahren oder als Landwirt in einer Genos­senschaft zu arbeiten. Es kam anders. Nach einem folgenschweren Unfall ist heute die Malerei der wichtigste Bestandteil im Leben des jetzt 34jährigen Thomas Kahlau. Daß er seine künstlerische Tätigkeit mit dem Mund ausüben muß, will er bei der Betrach­tung seiner Werke unberücksichtigt wissen, dennentscheidend ist das Produkt, nicht wie es entstand. Anläßlich der bundesweiten AktionswocheGegen die Diskriminie­rung von Menschen mit Behinderung war der Künstler Anfang Mai Gast imlesecafe der Uni. Eingeladen hatten ihn die Interessengruppe Studierende mit und ohne Behin­derung sowie die Zentrale Studienberatung.

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Eigene Arbeiten brachte der Maler Thomas Kahlau mit, als ersieh kürzlich imlesecafe" den Eiragen der Studierenden zu seinem Leben und seiner künstlerischen Tätigkeit stellte. Foto: TEibukeit

Zunächst sei die Malerei für ihn Beschäfti­gungstherapie gewesen. Später begann er, anPinsel und Farbe wie an Freunde zu glauben und ihnen zu vertrauen. Endlich hatte ich ein Medium gefunden, dem ich mein Innerstes anvertrauen konnte. Hier konnte ich mich ausleben..., den angestau­ten Frust und Schmerz ableiten und mich - so wie ich bin - verwirklichen. Auf diese Weise sei er in die Lage versetzt, seine Si­tuation und seinen unbeweglichen Körper zu akzeptieren. Mittlerweile kann der Ma­ler auf Personalausstellungen nicht nur in seiner Heimatstadt Potsdam, sondern ebenso in Chemnitz, Berlin, Essen, Bonn, Hannover, Rostock und anderen Städten verweisen. Zu seinen bevorzugten Motiven gehören Landschaften, immer wieder Bäu­me und Gebäude. Seine nähere Umge­bung, der Babelsberger Park, inspiriert ihn stets aufs neue. Aber auch Industrieland­schaften und Figürliches regen ihn zur künstlerischen Umsetzung an. Thomas Kahlau bringt seine Ideen zumeist auf grob gekörntes Papier mit einer Mischtechnik, die Aquarell- wie Ölfarbe und Acryl mitein­ander verbindet. Das Charaktenstische sei­ner Ausdrucksweise formuliert die Kunsthi­storikerin Dr. Wally Poltiniak so:.er sucht

die Bewegung der Farbe, betont sie, um der Bildhaut jene gewisse Expressivität anzu- verwandeln. Es entstanden bisher ca. 1000

Bilder, teilweise beeinflußt durch die japa­nische Malerei, den Romantiker Caspar David Friedrich oder den Expressionisten Vincent van Gogh.

Heute, zehn Jahre nach seinem Unfall, be­zeichnet Thomas Kahlau 1986 als ein Schlüsseljahr für sein Leben, denn nach einem Sonderstudium der japanischen Sprache erhielt er die Berufszulassung als Sprachmittler. Seit dieser Zeit erfährt er die für ihn so hilfreiche künstlerische Beratung durch den Maler und Grafiker Herbert Sander. Damit begann auch die professio­nelle Beschäftigung mit der Malerei. Und nicht zuletzt erhielt der junge Mann damals ein begehrtes und hart erarbeitetes Stipen­dium der Vereinigung der Mund- und Fuß- malenden Künstler in aller Welt e.V mit Sitz im Fürstentum Liechtenstein, dessen Mit­glied er seit kurzem sogar ist. Nach der Zu­kunft befragt, versichert er, sich ständig weiterentwickeln zu wollen.Ich lege mich nicht fest, will Dinge ausprobieren, bei­spielsweise mit anderen Techniken und neuen Motiven. Stillstand bedeutet für mich,daß ich eines Thges nicht mehr arbei­te."

Die Kraft in mir" ist der Titel des authenti­schen Berichts von Thomas Kahlau, der 1992 in Buchform erschien. Bei der Begeg­nung mit ihm wird diese Kraft spürbar.

B.E.

Volksinitiative gegen das Verkehrsprojekt 17

In den vergangenen Monaten wurden auch Mitarbeiter und Studierende der Universi­tät Potsdam gebeten, sich mit ihrer Unter­schrift an der Aktion Völksinitiative gegen das Verkehrsprojekt 17 Deutsche Einheit - Kein Wasserstraßenausbau in Branden­burg! zu beteiligen. Wer nicht bereits Ge­naueres wußte, konnte dabei in einen Zwie­spalt kommen: Einerseits gibt es den Wunsch mitzuhelfen, einen kostenaufwen­digen und vielleicht schädlichen Eingnff in die heimische Natur zu verhindern, ande­rerseits kamen möglicherweise auch Zwei­fel auf, ob man sich mit seiner Unterschrift nicht am Ende gegen eine gute Sache wen­den könnte: den Ausbau einer billigen und umweltfreundlichen Transportart, den Gü­tertransport auf den binnenländischen Was­serstraßen. Das Bundesverkehrsministeri­um charakterisiert das Projekt 17 wie folgt: Ausbau der Wasserstraßen-West-Ost-Ver­bindung vom Raum Hannover nach Berlin für Motorgüterschiffe von 110 m Länge bzw. Schubverbände mit 185 m Länge, 11,4 m Breite und 2,8 m Abladetiefe; Kosten (ge­schätzt) 4.000 Millionen DM. Dieses Vorha­ben ist nicht so unproblematisch, wie die Befürworter des Wasserstraßenausbaus Glauben machen wollen. Daß sich der Flußausbau absolut nicht nur zum Segen des Menschen auswirkt, wird an den kata­strophalen Überschwemmungen von Mis­sissippi und Missouri der letzten Jahre in den USA, aber auch im Westen Deutsch­lands, insbesondere am Rhein und seinen Nebenflüssen, deutlich. Durch den Ausbau der Flüsse als Wasserstraßen für den Güter­transport mit Binnenschiffen sind insbeson­dere die früher vorhandenen ausgedehnten Überflutungsflächen im Umland der Flüsse verlorengegangen. Im Rahmen des geplan­ten Wasserstraßenausbaus ist beabsichtigt, die Havel zwischen Berlin und Branden­burg auf eine Wassertiefe von 4 m auszu­bauen und einige noch vorhandene Mäan­der so zu begradigen, daß Schiffe der oben genannten Größenordnung sie bequemer durchfahren können. Von den Befürwortern wird behauptet, daß der Ausbau nur vor­übergehend einen geringfügigen ,Wasser­mehrbedarf zur Folge hätte, sonst aber keine nachteiligen Beeinflussungen des Umlandes auftreten würden. Zwar lassen sich die Folgen des Ausbaus bisher nicht in allen Einzelheiten absehen, aber Gutes ist davon mit absoluter Sicherheit nicht zu er­warten. Insbesondere ist mit einem starken Absinken des Grundwasserstandes zu rechnen. Beispielsweise sank der Grund­wasserstand am Oberrhein bei Breisach als Folge der Ausbaumaßnahmen um 7 m ab. Voraussichtlich würde die Profilerweiterung und Vertiefung der Havel zwischen Ketzin

PUTZ 5/95

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