DIE KRAFT IN IHM
Der Maler Thomas Kahlau bei Studierenden zu Gast
Im Kindesalter träumte er davon, zur See zu fahren oder als Landwirt in einer Genossenschaft zu arbeiten. Es kam anders. Nach einem folgenschweren Unfall ist heute die Malerei der wichtigste Bestandteil im Leben des jetzt 34jährigen Thomas Kahlau. Daß er seine künstlerische Tätigkeit mit dem Mund ausüben muß, will er bei der Betrachtung seiner Werke unberücksichtigt wissen, denn „entscheidend ist das Produkt, nicht wie es entstand“. Anläßlich der bundesweiten Aktionswoche „Gegen die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung“ war der Künstler Anfang Mai Gast im „lesecafe“ der Uni. Eingeladen hatten ihn die Interessengruppe Studierende mit und ohne Behinderung sowie die Zentrale Studienberatung.
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Eigene Arbeiten brachte der Maler Thomas Kahlau mit, als ersieh kürzlich im „lesecafe" den Eiragen der Studierenden zu seinem Leben und seiner künstlerischen Tätigkeit stellte. Foto: TEibukeit
Zunächst sei die Malerei für ihn Beschäftigungstherapie gewesen. Später begann er, an „Pinsel und Farbe wie an Freunde zu glauben und ihnen zu vertrauen. Endlich hatte ich ein Medium gefunden, dem ich mein Innerstes anvertrauen konnte. Hier konnte ich mich ausleben..., den angestauten Frust und Schmerz ableiten und mich - so wie ich bin - verwirklichen.“ Auf diese Weise sei er in die Lage versetzt, seine Situation und seinen unbeweglichen Körper zu akzeptieren. Mittlerweile kann der Maler auf Personalausstellungen nicht nur in seiner Heimatstadt Potsdam, sondern ebenso in Chemnitz, Berlin, Essen, Bonn, Hannover, Rostock und anderen Städten verweisen. Zu seinen bevorzugten Motiven gehören Landschaften, immer wieder Bäume und Gebäude. Seine nähere Umgebung, der Babelsberger Park, inspiriert ihn stets aufs neue. Aber auch Industrielandschaften und Figürliches regen ihn zur künstlerischen Umsetzung an. Thomas Kahlau bringt seine Ideen zumeist auf grob gekörntes Papier mit einer Mischtechnik, die Aquarell- wie Ölfarbe und Acryl miteinander verbindet. Das Charaktenstische seiner Ausdrucksweise formuliert die Kunsthistorikerin Dr. Wally Poltiniak so:.er sucht
die Bewegung der Farbe, betont sie, um der Bildhaut jene gewisse Expressivität anzu- verwandeln“. Es entstanden bisher ca. 1000
Bilder, teilweise beeinflußt durch die japanische Malerei, den Romantiker Caspar David Friedrich oder den Expressionisten Vincent van Gogh.
Heute, zehn Jahre nach seinem Unfall, bezeichnet Thomas Kahlau 1986 als ein Schlüsseljahr für sein Leben, denn nach einem Sonderstudium der japanischen Sprache erhielt er die Berufszulassung als Sprachmittler. Seit dieser Zeit erfährt er die für ihn so hilfreiche künstlerische Beratung durch den Maler und Grafiker Herbert Sander. Damit begann auch die professionelle Beschäftigung mit der Malerei. Und nicht zuletzt erhielt der junge Mann damals ein begehrtes und hart erarbeitetes Stipendium der Vereinigung der Mund- und Fuß- malenden Künstler in aller Welt e.V mit Sitz im Fürstentum Liechtenstein, dessen Mitglied er seit kurzem sogar ist. Nach der Zukunft befragt, versichert er, sich ständig weiterentwickeln zu wollen. „Ich lege mich nicht fest, will Dinge ausprobieren, beispielsweise mit anderen Techniken und neuen Motiven. Stillstand bedeutet für mich,daß ich eines Thges nicht mehr arbeite."
„Die Kraft in mir" ist der Titel des authentischen Berichts von Thomas Kahlau, der 1992 in Buchform erschien. Bei der Begegnung mit ihm wird diese Kraft spürbar.
B.E.
Volksinitiative gegen das Verkehrsprojekt 17
In den vergangenen Monaten wurden auch Mitarbeiter und Studierende der Universität Potsdam gebeten, sich mit ihrer Unterschrift an der Aktion Völksinitiative gegen das Verkehrsprojekt 17 Deutsche Einheit - Kein Wasserstraßenausbau in Brandenburg!“ zu beteiligen. Wer nicht bereits Genaueres wußte, konnte dabei in einen Zwiespalt kommen: Einerseits gibt es den Wunsch mitzuhelfen, einen kostenaufwendigen und vielleicht schädlichen Eingnff in die heimische Natur zu verhindern, andererseits kamen möglicherweise auch Zweifel auf, ob man sich mit seiner Unterschrift nicht am Ende gegen eine gute Sache wenden könnte: den Ausbau einer billigen und umweltfreundlichen Transportart, den Gütertransport auf den binnenländischen Wasserstraßen. Das Bundesverkehrsministerium charakterisiert das Projekt 17 wie folgt: „Ausbau der Wasserstraßen-West-Ost-Verbindung vom Raum Hannover nach Berlin für Motorgüterschiffe von 110 m Länge bzw. Schubverbände mit 185 m Länge, 11,4 m Breite und 2,8 m Abladetiefe; Kosten (geschätzt) 4.000 Millionen DM“. Dieses Vorhaben ist nicht so unproblematisch, wie die Befürworter des Wasserstraßenausbaus Glauben machen wollen. Daß sich der Flußausbau absolut nicht nur zum Segen des Menschen auswirkt, wird an den katastrophalen Überschwemmungen von Mississippi und Missouri der letzten Jahre in den USA, aber auch im Westen Deutschlands, insbesondere am Rhein und seinen Nebenflüssen, deutlich. Durch den Ausbau der Flüsse als Wasserstraßen für den Gütertransport mit Binnenschiffen sind insbesondere die früher vorhandenen ausgedehnten Überflutungsflächen im Umland der Flüsse verlorengegangen. Im Rahmen des geplanten Wasserstraßenausbaus ist beabsichtigt, die Havel zwischen Berlin und Brandenburg auf eine Wassertiefe von 4 m auszubauen und einige noch vorhandene Mäander so zu begradigen, daß Schiffe der oben genannten Größenordnung sie bequemer durchfahren können. Von den Befürwortern wird behauptet, daß der Ausbau nur vorübergehend einen geringfügigen ,Wassermehrbedarf “ zur Folge hätte, sonst aber keine nachteiligen Beeinflussungen des Umlandes auftreten würden. Zwar lassen sich die Folgen des Ausbaus bisher nicht in allen Einzelheiten absehen, aber Gutes ist davon mit absoluter Sicherheit nicht zu erwarten. Insbesondere ist mit einem starken Absinken des Grundwasserstandes zu rechnen. Beispielsweise sank der Grundwasserstand am Oberrhein bei Breisach als Folge der Ausbaumaßnahmen um 7 m ab. Voraussichtlich würde die Profilerweiterung und Vertiefung der Havel zwischen Ketzin
PUTZ 5/95
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