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(1.1.2019) 06
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UMGANG MIT ALLTÄGLICHER GEWALT

Zur 5. Tagung der Fachgruppe Sozialpsychologie an der Universität

Die diesjährige Tagung der Fachgruppe Sozialpsychologie innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Psychologie fand vom 22. bis 24. Juni 1995 an der Universität Potsdam statt und wurde von der Abteilung Sozialpsychologie des Instituts für Psychologie un­ter der Leitung von Prof. Dr. Barbara Krähe organisiert. Ziel der im Zweijahres-Rhyth- mus stattfindenden Fachgruppentagungen ist es, ein Forum für die Darstellung und Dis­kussion aktueller Forschung innerhalb der deutschsprachigen Sozialpsychologie zu bieten, auf dem neben bereits etablierten Wissenschaftlern auch jüngeren Sozialpsy­chologen die Möglichkeit zur Präsentation ihrer Arbeiten geboten wird.

Nach Münster, Bielefeld, Mannheim und Bern fand die Tägung erstmals an einer Uni­versität in den neuen Bundesländern statt. Nicht zuletzt der Attraktivität des Standorts Potsdam ist es zuzuschreiben, daß sowohl die Zahl der angemeldeten Beiträge als auch die Zahl der Teilnehmer im Vergleich zu den früheren Tägungen drastisch in die Höhe geschnellt ist. Insgesamt nahmen über 150 Kolleginnen und Kollegen teil und konnten aus einem Programm mit 90 Beiträ­gen in 13 Arbeitsgruppen auswählen. Die Themen der Arbeitsgruppen (z. B.Sozia­le Kategonsierung,Selbstkonzept und Identität,Färtnerschaft undGruppen­forschung' 1 ) spiegeln die gesamte Band­breite der aktuellen Forschungsaktivitäten innerhalb der Sozialpsychologie wider. Gleichzeitig konnten die Tbilnehmer im Rahmen einer Posterausstellung einen Ein­blick in die Arbeit der an der Universität Potsdam tätigen Psychologen gewinnen. Im Mittelpunkt der Tägung stand eine Podi­umsdiskussion zum ThemaUmgang mit alltäglicher Gewalt: Kein Thema für die So- zialpsychologie?, in der unter Leitung von Prof. Ulrich Wagner (Marburg) Praktiker aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern und Wissenschaftler zusammenkamen. Ziel die­ser Veranstaltung war es, den geforderten, aber kaum geführten Dialog zwischen For­schern und Praktikern im Hinblick auf die Erklärung und den Abbau aggressiven Ver­haltens in unterschiedlichen Lebensberei­chen anzustoßen. Hierzu wurden unter­schiedliche wissenschaftliche Erklärungs­ansätze, wie etwa die These des zunehmen­den Werteverfalls oder der Ansatz des Imitationslernens durch Medieneinflüsse im Hinblick auf ihre Tragfähigkeit zum Ver­ständnis alltäglicher Gewalt beleuchtet.

030/6946070

Banddurchsagen Tag + Nacht!

Die Entspannung vom dicht gedrängten Tägungsprogramm fiel aufgrund des Wet­ters nicht ganz so idyllisch aus, wie erhofft. Dennoch haben der Begrüßungsabend im Potsdamer Drachenhaus und der Gesell­schaftsabend in der Bäkemühle in Klein­machnow sicher dazu beigetragen, daß es viele der auswärtigen Gäste bald wieder nach Potsdam ziehen wird. za.

In seinem Referat wies der Präsident des Arbeitslosenverbandes, Dr. Klaus Grehn, darauf hin, daß sich die Lage der Arbeits­losen durch die Erhöhung der Lebenshal­tungskosten sowie durch die Kürzung der Lohnersatzleistungen in ganz Europa deut­lich verschlechtere. Ein Stellenzuwachs auf dem ersten, dem regulären Arbeitsmarkt, so Grehn, sei dringend erforderlich. Dr. Rolf Schmachtenberg (Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen) erläuter­te die Politik der Brandenburgischen Lan­desregierung, die in innovativer Weise Be­schäftigungspolitik in der Zuständigkeit aller Ministerien, nicht nur des Sozialmini­steriums, sieht und alle Entscheidungen von der Finanz- über die Wirtschaftspolitik, dem Städtebau, der Umweltpolitik bis zur Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik künftig auf- ihre Beschäftigungswirkungen hm überprü­fen wird.

Schwerpunktthemen im weiteren Verlauf der Tägung waren neben dem ausführlich erörterten Verhältnis von Lohn- und Be- schäftigungspolitik neue Arbeitszeitmodel- le, die zum Tbil Kostenentlastungen der Be­triebe, zum Teil Beschäftigungswachstum versprechen, die Frauenarbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern, deren Entwick­lung seit der Wiedervereinigung ein­schließlich der Anpassungsprobleme und Bewältigungsversuche der Frauen, Migrationsprobleme auf dem Arbeitsmarkt, wie zum Beispiel die gestiegene Nachfra-

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Prof, Dr. Barbara Krähe und ihren Mitarbeitern aus dem Institut für Psychologie gelang es, über 150 Kolleginnen und Kollegen zur 5. Tägung der Fachgruppe Sozialpsychologie nach Potsdam zu locken. Foto: Tribukeit

ge nach Arbeitsplätzen durch Übersiedler und Arbeitsmigranten sowie Gerechtig- keitsziele und -prinzipien, die zur Legitima­tion des Sozialstaates gebraucht werden. In der Diskussion über die Bewertung von Gerechtigkeitsprinzipien wurde vor allem das vielfach benutzte Prinzip der Besitz­standswahrung in Frage gestellt, das die bestehenden Lohneinkommen von Arbeits­platzbesitzern, Rentenansprüche, Einkom­mensdifferenzen, die regionalen Unter­schiede im Wohlstand und vieles andere mehr verteidigt. Dieses Festhalten an Be­sitzständen überlagert andere Gerechtig­keitsprinzipien. Auf dem Arbeitsmarkt ist z. B. das sogenannte Insider-Outsider-Pro- blem seit langem bekannt: Wenn in Tärif- vereinbarungen die Ansprüche der Arbeits­platzbesitzer (Insider) dominieren, die In­teressen der Arbeitslosen und Arbeitsu­chenden (Outsider) kein Gewicht erlangen, stellt, dies ein Gerechtigkeitsproblem dar. Auch die Fhage, welche Anteile des erarbei­teten Wohlstandes auf die Renten für die ältere Bevölkerung, welche Anteile auf die Kinder und Jugendlichen und die Familien­förderung verwandt werden sollen, birgt Gerechtigkeitsprobleme in sich. Bei der Be­wertung regionaler Wohlstandsdifferenzen ist es nicht anders. Daher schien den Tteil- nehmern des Symposiums eine grundsätz­liche Auseinandersetzung mit dem heute dominanten Prinzip der Besitzstandswah­rung überfällig. ad.

PUTZ 6/95

GERECHTIGKEITSPROBLEME DER ARBEITSLOSIGKEIT

Gerechtigkeitsprobleme der Arbeitslosigkeit standen im Juni auf der Tagesordnung des 2. Symposiums des Zentrums für Gerechtigkeitsforschung. Dazu eingeladend wa­ren Experten aus Wissenschaft und Politik, um beschäftigungswirksame Maßnahmen im Hinblick auf Kosten, Effizienz und Gerechtigkeit der Verteilung von Arbeit, ein­schließlich der Maßnahmekosten, zu erörtern.

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