NATIONALE IDENTITÄT - KULTURELLE VIELFALT
Ein deutsch-australischer Dialog in der Form eines Symposiums
MP
deutsch?
Der deutsche Gründungsdirektor des Australien-Zentrums der Universität Potsdam, Prof. Dr. Wilhelm Bürklin aus der Wirtschafts- und Sozialwis-senschaftlichen Fakultät, Margaret Adamson, australische Generalkonsulin, Barbara John, Ausländerbeauftragte des Senates von Berlin, und Prof. Dr. Gerhard Skills, Vorsitzender der Gesellschaft für Australienstudien (v.l.n.r.). Foto: Tribukeit
Das Interdisziplinäre Zentrum für Australienforschung der Universität Potsdam hat gemeinsam mit der Gesellschaft für Australienstudien e.V vom 23. bis zum 25. Juni 1995 ein Symposium zum Thema „Nationale Identität - Kulturelle Vielfalt. Ein deutsch-australischer Dialog“ veranstaltet. Im Mittelpunkt stand der Komplex des Multikulturalismus im Vergleich seiner verschiedenen Ausprägungen in Deutschland und Australien.
Aufschlußreiches bot der Eröffnungsvor- trag von Barbara John, Ausländerbeauftragte des Senats von Berlin. Ihre Fragen „Was ist Deutsch?' 1 ; ,Was ist Multikulturalität?"; „Bedeutet Multikulturalität ein Üben religiöser Toleranz oder auch zunehmende Assimilation von Ausländern?“ haben das Symposium in seinem Verlauf geprägt. So konnte Barbara John Beispiele aus dem Bemühen ihrer Behörde verdeutlichen, Multikulturalität erleb- und begreifbar zu machen. Ihre Vision ist eine Stadtgesellschaft, in die alle Bürger, gleich welcher Nationalität, Vertrauen haben und in der auch noch so verschiedenen Kulturen Raum gegeben wird. Uri Themal, Direktor des Bureaus of Ethnie Affairs in Brisbane/Australien, verdeutlichte in seinem Beitrag das Grundproblem: .Wenn man Menschen, die nicht gleich sind, gleich behandelt, schafft man neue Ungleichheiten. Dennoch bedeutet eine multikulturelle Gesellschaft nicht nur eine Ansammlung verschiedener Leute, diese Betrachtung wäre zu oberflächlich. Multikulturalismus ist in Australien offizielle Politik im Sinne eines kulturellen Pluralismus. Nach Themal könne Multikulturalität nur eine Antipode zum Assimilationsmodell sein, welches er gern mit der Metapher eines Orchesters umschreibt: „In einem Orchester dürfe eine Triangel nur mitspielen, wenn sie denn eine Geige werde."
Alle folgenden Beiträge gaben jeweils einen Aufriß der Forschungsergebnisse aus verschiedenen Wissenschaftsdiziplinen, so der Sprachforschung, der Musik, der Literatur, der Architektur, des Films, der Medien und der Tounsmuswirtschaft. George Dreyfus, australischer Komponist, führte den Teilnehmern in einem musikalischen Vortrag vor Augen, welche Potenz die Musik zur Verbreitung von Multikulturalität beitragen kann und wie diese in den verschiedenen Stücken widergespiegelt wird.
Prof. Dr. Karl-Heinz Meier-Braun aus der Ausländerredaktion des Süddeutschen Rundfunks (SDR) stellte in zehn komparativen Thesen besonders deutlich Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Migrationspolitik sowie der erlebbaren Multikul
turalität heraus, resümierte jedoch, daß die Bundesrepublik in vielen Bereichen von Australien lernen könne. Besonders hinsichtlich der Verfahren zum Erwerb der Staatsbürgerschaft, der Medienverantwortung und des politischen Disputs zwischen den großen demokratischen Parteien zur Migrationsfrage sei Australien ein positives Beispiel. Es ist an dieser Stelle nicht möglich, alle Beiträge entsprechend zu würdigen. Alle verbindet jedoch die Erkenntnis: Multikultu-ralismus ist ein fester Bestandteil der australischen Gesellschaft, der bewußt
Mit „Perspektiven Feministischer Wissenschaft“ befaßte sich Anfang Juni ein interdisziplinärer Workshop an der Universität Potsdam. Geladen hatte Prof. Dr. Irene Dölling, die den Lehrstuhl für Frauenforschung an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät innehat, in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Romanistische Literaturwissenschaft und dem Gleichstellungsreferat.
Das Anliegen des Workshops war schon mit seinem Titel bezeichnet. „Perspektiven" meinte zweierlei: Zum einen sollte Rrauen- forschung als konzeptioneller Ansatz, der aus der heutigen Wissenschaftslandschaft nicht mehr wegzudenken ist, deutlich sichtbar gemacht, zum anderen in kritischer Bestandsaufnahme und Selbstreflexion über Aussichten zukünftiger Feministischer Wissenschaft diskutiert werden. Die etwa 50 Tbilnehmerinnen bildeten ein sehr gemischtes Publikum: Berlinerinnen, Bran-
gelebt und erfahren wird.
Das Schlußpanel bekräftigte noch einmal die Multikulturalität der australischen Gesellschaft. Sie ist als Gesellschaftsmodell anerkannt, wenngleich Raum für Verbesserungen geboten wird, besonders hinsichtlich der Einbeziehung nicht nur der Immigranten, sondern auch der Aborigines und der Abwehr von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Bezogen auf Deutschland könne dies heißen, daß die Anwendung des australischen Modells in adaptierter Form auch hier möglich wäre, Rico Janke
denburgennnen, Studentinnen, Wissen- schaftlerinnen, Praktikerinnen, Politikerinnen, Gäste aus dem Ausland, Dr. Theresa Wobbe (Berlin) beschrieb unter dem Titel „Umbrüche: Traditionslinien, thematische Felder und theoretische Motive der deutschen Frauenforschung" drei Phasen der deutschen FYauenforschung: jene im ersten Drittel dieses Jahrhunderts, die in den 60er sowie in den 80er Jahren.
Für die gegenwärtige Situation stellte sie eine Ausdifferenzierung feministischer Diskurse fest, die die Frauenforschung auf eine neue Stufe
FRAUENFORSCHUNG - BESTANDSAUFNAHME UND SELBSTREFLEXION
Königin Nofretete (1375-1358 v. Chr.) galt zu allen Zeiten als Schönheitsideal.
Foto: zg.
PUTZ 6/95
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