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(1.1.2019) 06
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NATIONALE IDENTITÄT - KULTURELLE VIELFALT

Ein deutsch-australischer Dialog in der Form eines Symposiums

MP

deutsch?

Der deutsche Gründungsdirektor des Australien-Zentrums der Universität Potsdam, Prof. Dr. Wilhelm Bürklin aus der Wirtschafts- und Sozialwis-senschaftlichen Fakultät, Margaret Adamson, australische Generalkonsulin, Barbara John, Ausländerbeauftragte des Senates von Berlin, und Prof. Dr. Gerhard Skills, Vorsitzender der Gesellschaft für Australienstudien (v.l.n.r.). Foto: Tribukeit

Das Interdisziplinäre Zentrum für Austra­lienforschung der Universität Potsdam hat gemeinsam mit der Gesellschaft für Au­stralienstudien e.V vom 23. bis zum 25. Juni 1995 ein Symposium zum Thema Nationale Identität - Kulturelle Vielfalt. Ein deutsch-australischer Dialog veran­staltet. Im Mittelpunkt stand der Komplex des Multikulturalismus im Vergleich sei­ner verschiedenen Ausprägungen in Deutschland und Australien.

Aufschlußreiches bot der Eröffnungsvor- trag von Barbara John, Ausländerbeauftrag­te des Senats von Berlin. Ihre FragenWas ist Deutsch?' 1 ; ,Was ist Multikulturalität?"; Bedeutet Multikulturalität ein Üben religiö­ser Toleranz oder auch zunehmende Assi­milation von Ausländern? haben das Sym­posium in seinem Verlauf geprägt. So konn­te Barbara John Beispiele aus dem Bemü­hen ihrer Behörde verdeutlichen, Multikul­turalität erleb- und begreifbar zu machen. Ihre Vision ist eine Stadtgesellschaft, in die alle Bürger, gleich welcher Nationalität, Ver­trauen haben und in der auch noch so ver­schiedenen Kulturen Raum gegeben wird. Uri Themal, Direktor des Bureaus of Ethnie Affairs in Brisbane/Australien, verdeutlichte in seinem Beitrag das Grundproblem: .Wenn man Menschen, die nicht gleich sind, gleich behandelt, schafft man neue Ungleichheiten. Dennoch bedeutet eine multikulturelle Gesellschaft nicht nur eine Ansammlung verschiedener Leute, diese Betrachtung wäre zu oberflächlich. Multi­kulturalismus ist in Australien offizielle Po­litik im Sinne eines kulturellen Pluralismus. Nach Themal könne Multikulturalität nur eine Antipode zum Assimilationsmodell sein, welches er gern mit der Metapher ei­nes Orchesters umschreibt:In einem Or­chester dürfe eine Triangel nur mitspielen, wenn sie denn eine Geige werde."

Alle folgenden Beiträge gaben jeweils ei­nen Aufriß der Forschungsergebnisse aus verschiedenen Wissenschaftsdiziplinen, so der Sprachforschung, der Musik, der Lite­ratur, der Architektur, des Films, der Medi­en und der Tounsmuswirtschaft. George Dreyfus, australischer Komponist, führte den Teilnehmern in einem musikalischen Vortrag vor Augen, welche Potenz die Mu­sik zur Verbreitung von Multikulturalität bei­tragen kann und wie diese in den verschie­denen Stücken widergespiegelt wird.

Prof. Dr. Karl-Heinz Meier-Braun aus der Ausländerredaktion des Süddeutschen Rundfunks (SDR) stellte in zehn kompara­tiven Thesen besonders deutlich Gemein­samkeiten und Unterschiede der Migra­tionspolitik sowie der erlebbaren Multikul­

turalität heraus, resümierte jedoch, daß die Bundesrepublik in vielen Bereichen von Au­stralien lernen könne. Besonders hinsicht­lich der Verfahren zum Erwerb der Staats­bürgerschaft, der Medienverantwortung und des politischen Disputs zwischen den gro­ßen demokratischen Parteien zur Migrations­frage sei Australien ein positives Beispiel. Es ist an dieser Stelle nicht möglich, alle Beiträge entsprechend zu würdigen. Alle verbindet jedoch die Erkenntnis: Multikultu-ralismus ist ein fester Bestandteil der australischen Gesellschaft, der bewußt

MitPerspektiven Feministischer Wissen­schaft befaßte sich Anfang Juni ein inter­disziplinärer Workshop an der Universität Potsdam. Geladen hatte Prof. Dr. Irene Dölling, die den Lehrstuhl für Frauen­forschung an der Wirtschafts- und Sozial­wissenschaftlichen Fakultät innehat, in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Romanistische Literaturwissenschaft und dem Gleichstellungsreferat.

Das Anliegen des Workshops war schon mit seinem Titel bezeichnet.Perspektiven" meinte zweierlei: Zum einen sollte Rrauen- forschung als konzeptioneller Ansatz, der aus der heutigen Wissenschaftslandschaft nicht mehr wegzudenken ist, deutlich sicht­bar gemacht, zum anderen in kritischer Bestandsaufnahme und Selbstreflexion über Aussichten zukünftiger Feministischer Wissenschaft diskutiert werden. Die etwa 50 Tbilnehmerinnen bildeten ein sehr ge­mischtes Publikum: Berlinerinnen, Bran-

gelebt und erfahren wird.

Das Schlußpanel bekräftigte noch einmal die Multikulturalität der australischen Ge­sellschaft. Sie ist als Gesellschaftsmodell anerkannt, wenngleich Raum für Verbesse­rungen geboten wird, besonders hinsicht­lich der Einbeziehung nicht nur der Immi­granten, sondern auch der Aborigines und der Abwehr von Rassismus und Fremden­feindlichkeit. Bezogen auf Deutschland könne dies heißen, daß die Anwendung des australischen Modells in adaptierter Form auch hier möglich wäre, Rico Janke

denburgennnen, Studentinnen, Wissen- schaftlerinnen, Praktikerinnen, Politikerin­nen, Gäste aus dem Ausland, Dr. Theresa Wobbe (Berlin) beschrieb unter dem Titel Umbrüche: Traditionslinien, thematische Felder und theoretische Motive der deut­schen Frauenforschung" drei Phasen der deutschen FYauenforschung: jene im ersten Drittel dieses Jahrhunderts, die in den 60er sowie in den 80er Jahren.

Für die gegen­wärtige Situati­on stellte sie eine Ausdiffe­renzierung fe­ministischer Diskurse fest, die die Frauen­forschung auf eine neue Stufe

FRAUENFORSCHUNG - BESTANDSAUFNAHME UND SELBSTREFLEXION

Königin Nofretete (1375-1358 v. Chr.) galt zu allen Zeiten als Schönheitsideal.

Foto: zg.

PUTZ 6/95

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