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(1.1.2019) 06
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Prof. Dr. Herbert Döring Foto: TYibukeit

übrigen Parlamenten Westeuropas bis hm zur Souveränität des Parlaments, das über seine eigene Tagesordnung befindet, in

den Niederlanden. Mit Hilfe von Streu­diagrammen illustrierte der Redner die Be­stätigung seiner Ausgangsthese, wonach das parlamentarische Verfahren selbst zum Motor der Gesetzesinflation werden kann. Als weitere Gründe der Vermehrung der Gesetze seien Industrialisierung, die Not­wendigkeit der politischen Regulierung wissenschaftlicher Erfindungen wie Atom­kraft und Gentechnologie, die Ausdehnung der Sozialpolitik zu nennen. Dies alles füh­re zu der Feststellung, daß die Rationalisie­rung des parlamentarischen Verfahrens und Gesetzesinflation in einem umgekehr­ten Zusammenhang stehen. Vertiefende Einblicke in diese Thematik gewährt eine soeben in Druck gegangene Publikation.

B.E.

TECHNOLOGIE DES NÄCHSTEN JAHRZEHNTS VORBEREITEN

Die funktionalisierten Grenzflächen und dünnen Schichten sind nicht nur ein Schwer­punkt der Forschung in der experimentellen Physik, sondern ebenso ein zentrales For­schungsgebiet an der Universität Potsdam. Deshalb habe man auch 1993 das Inter­disziplinäre ForschungszentrumDünne Organische und Biochemische Schichten gegründet, in dem Wissenschaftler verschiedener Forschungseinrichtungen der Län­der Berlin und Brandenburg Zusammenwirken, so dessen Leiter Prof. Dr. Ludwig Brehmer. Bereits 1992 lud das Institut für Festkörperphysik der Potsdamer Hochschu­le, dessen Leiter der Wissenschaftler ebenfalls ist, zum 1. Potsdamer Workshop mit dieser Thematik ein. Der zweite folgte Ende Mai 1995 und hatte bereits den Charak­ter einer nationalen Tagung.

Gemeinsam vom Institut und den außeruniversitären Forschungsein­richtungen Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung Berlin, dem Fraun-hoferinstitut für Angewandte Polymerforschung Tfel- tow, dem Großforschungszen-trum Geesthacht GmbH, Institut für Che­mie Tfeltow, der Potsdamer Informa­tors- und Ttechnologie-Ttansfer/ Tfechnologie- und Innovations-Bera­tungsstelle sowie dem Zentrum für Dünne Organische und Biochemi­sche Schichten veranstaltet, widmeten sich die 150 Tfeilnehmer in Vorträgen und Poster­beiträgen dem ThemaFünktionalisierte Dünne Organische Schichten und Grenz­flächen". Das Anliegen bestand darin, so Ludwig Brehmer,die weitere Miniaturisie­rung von Bauelementen und Prozessen, die kleinere Abmessungen als die gegenwärti­ge Mikroelektronik haben, voranzutreiben. Dazu stellten die Fachleute neue Methoden und Erkenntnisse der Schichtherstellung und -beschreibung vor. Ein breites An­wendungsfeld dafür biete die Mikrosenso­rik. Die Forschungen sollen auch einen Bei­trag dazu leisten, die Tfechnologie des näch­sten Jahrzehnts mit vorzubereiten.

Eine Besonderheit des von Landtagspräsi­dent Dr. Herbert Knoblich eröffneten drei­tägigen Workshops bestand darin, daß den

Yvette Kaminorz und Ulf Hopfner von der Uni­versität Potsdam fungierten als Chairmen beim Doktorandentag des 2. Potsdamer Workshops Fünktionalisierte Dünne Organische Schichten und Grenzflächen. Foto: TYibukeit

Nachwuchswissenschaftlern mit einem Doktorandentag ein breiter Raum für die Präsentation ihrer Forschungsergebnisse zur Verfügung gestellt wurde.

Daniela Daute und Andreas Helms vom In­stitut für Festkörperphysik konnten wie ihr Kollege aus Mainz sogar einen Preis für ihre wissenschaftlichen Leistungen in Empfang nehmen. Der Dekan der Mathematisch-Na­turwissenschaftlichen Fakultät, Prof. Dr. Hel­mut Mikelskis, brachte seine Hoffnung auf die Fortsetzung dieser Neuerung zum Aus­druck, weilhier die Zukunft der For­schungsgebiete liegt. B.E.

IM DISNEYLAND ANGEKOMMEN?

Die von Rainer Rosenberg geäußerten Gedanken, daß man die Ergebnisse ei­ner ideologisierenden Literaturge­schichtsschreibung nicht mehr gebrau­chen könne, sind alles andere als wert­neutral; sie spiegeln sich in gegenwär­tigen Feuilletonclinches wider, z. B. um die Gesinnungsästhetik der Autoren. Einmal angenommen, Autoren und auch Literaturwissenschaftler meinten, sie könnten ohnegeistige" Konzeptionen auskommen, weil die manipulierbar und instrumentalisierbar seien, dann sind wir wirklich im Disneyland ange­kommen, wo alles gleich und egal ist. Wirbräuchten dann nur noch Lexika, in der der geballte Fleiß der Positivisten gesammelt ist. Wir könnten uns damit dann eineeigene Meinung" bilden. Aber worauf würde dieseeigene" Mei­nung projiziert? Wäre nicht eine ideen- und sozialgeschichtliche Literaturge­schichtsschreibung notwendig?

Käme es nicht für die Literaturge­schichtsschreibung, die sich mit der DDR-Entwicklung beschäftigt, darauf an zu erkunden, weshalb z. B. Georg Lu- käcs so eine Wirkungsmacht hatte und das, obwohl er nach 1956, nach den Un­garn-Ereignissen, eine politische per­sona non grata war?

Es gab in der DDR nicht nur die 12-bän­dige Literaturgeschichte, sondern es bildeten sich besonders anregende Ar­beitsgruppen um solche Wissenschaft­ler wie Dieter Schlenstedt, Manfred Naumann u. a die mit Rezeptionsästhe­tik und Tbxtverstehen als ästhetische Befähigung ein neues Literaturver­ständnis in die literaturwissenschaftli­che Diskussion einbrachten - schon in den frühen 70er Jahren. Wie ist das zu erklären, daß diese Wissenschaftsver­ständnisse nicht mit staatlicher Autorität - sprich Geld und Leuten - ausgestat­tet wurde, wie das Projekt der 60er Jah­re? Das wäre interessant und hoffent­lich bekommen die Leute um Rainer Ro­senberg aus der abgewickelten Akade­mie der Wissenschaften der DDR auch über die WIP-Zeit hinaus Gelegenheit und Mittel, um diese noch fehlenden Kapitel der Wissenschaftsgeschichte zu schreiben.

Um neue Manipulierbarkeiten zu ver­hindern, wäre es sehr wichtig, wenn Wissenschaftler ihre eigenen Prämis­sen ständig daraufhin abklopften, ob sie instrumentalisiert werden können, nicht nur dann, wenn sich Gesellschaftsord­nungen auflösen. Margrid Bircken

PUTZ 6/95

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