Heft 
(1.1.2019) 06
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EIN KAPITEL ZUR DEUTSCHEN LITERATURGESCHICHTE

Rainer Rosenberg zu Gast bei den Germanisten

KeineZehn Kapitel zur Geschichte der Germanistik (wie eines seiner Bücher heißt), sondern nur ein Kapitel stellte Prof. Dr. Rainer Rosenberg vor, der in der Ring­vorlesung zur Geschichte des Fachs wäh­rend des Sommersemesters zu Gast an der Universität Potsdam weilte. Dieses Kapitel war dem großen Projekt der Lite­raturhistoriker der DDR gewidmet, eine Gesamtdarstellung der deutschen Litera­turgeschichte ,yon den Anfängen bis zur Gegenwart zu schaffen.

Rosenberg begann seinen Vortrag mit der These, daß die Literaturhistoriker der DDR mehr und anderes gedacht hätten, als sich in ihren Publikationen nachlesen lasse. Da aber nur das Gedruckte dokumentiert sei, müßte die Spaltung mitbedacht werden, be­sonders in solchen Prestige-Projekten wie der 12bändigen Literaturgeschichte. Zu be­rücksichtigen sei auch, daß auch, daß die Konzeption für dieses Mammut-Projekt schon Mitte der 60er Jahre abgeschlossen gewesen sei und bei einem Produktions­zeitraum von 20 Jahren sich verschiedene neue Ansätze zwar immanent in den Beiträ­gen von mehr als 100 Wissenschaftlern nie­derschlugen, aber eben nicht konzeptio­nell. So könne insgesamt von drei Haupt­komponenten gesprochen werden, die die­ser Literaturgeschichte" von den Anfängen bis zur Gegenwart unterlegt gewesen seien. Zum ersten ein gesellschaftstheoretisches Modell, das von der materiell-ökonomi­schen Basis abhängige Interessen und Be­dürfnisse beschrieb, diez.B. die Einschrän­kung von relativer Eigenbewegung von gei­stigen Prozessen nicht zuließ; zum zweiten ein Geschichtsbild, das von der gesetzmä­ßigen Abfolge von Produktionsverhältnis­sen ausging, die sich auf die klassenlose Gesellschaft zubewegt und zum dritten eine von Georg Lukäcs entwickelte Kunst­theorie, deren wesentliche Realismus-Auf­fassung (desmittleren Lukäcs) mit seiner mechanischen Widerspiegelungs­auffassung, seinem gnoseologischen Wirkungskonzept den beiden anderen Kom­ponenten (Gesellschafts- und Geschichtsbild) kongruent war. Literaturgeschichte ließ sich damit als ziel­gerichteter Prozeß beschreiben, der in den gesamtgesellschaftlichen Prozeß eingebet­tet war. Für die Auswahl von Autoren und Tbxten wurde zum entscheidenden Kriteri­um, inwieweit sie den zielgerichteten Pro­zeß, die Entwicklungsrichtung der Mensch­heitvom Niederen zum Höheren" darzu­stellen bzw. zu repräsentieren in der Lage waren. Prof. Rosenberg belegte an vielen Beispielen, wie die Konzeption zum Dilem­ma in den Bewertungen führte, z. B. wie

Georg Weerth auf den literarischen Thron gesetzt wurde, den Philosophen Marx und Engels an die Seite gestellt, wie die bürger­lichen Realisten alsUmweg" erscheinen mußten - wegen der verlorenen Bürgerli­chen Revolution von 1848 - und wie vor al­lem in der Literatur des 20. Jahrhunderts das Raster von Verfall und Fortschrittslite­ratur nicht mehr griff. Als Resümee wurde angeboten, daß dieses Großprojekt in be­sonderer Weise die deutsche ideenge­schichtliche Tradition bedient habe und daß sehr wenig - trotz des marxistischen An­spruchs - zur sozialgeschichtlichen Tradi­tionsbildung getan wurde. Rosenberg ging sogar soweit zu sagen, da es sich um eine ideologisierende Literaturgeschichtsschrei­bung handelte, könne man ihre Ergebnis­se nicht mehr gebrauchen: sie hätten jegli-

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Prof. Dr. Rainer Rosenberg Foto: Tnbukeit

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AUSSTELLUNGUNIVERSITÄT 2000"

Aufforderung zu Beschäftigung mit kulturpolitisch bedeutsamem Thema

Potsdam, Friedrich der Große und Sanssouci sind untrennbare Begriffe - Sanssouci Weltkulturerbe der UNESCO, Communs und Kolonnade einer der Standorte der Pots­damer Universität! Grund genug für eine Ausstellung? Grund genug für Architekten, Stadt- und Regionalplaner, sich intensiv mit den Bereichen der Potsdamer Uni zu be­schäftigen. Geschichtsträchtig sind sie alle drei: Die Communs Am Neuen Palais, von Jean Laurent Le Geay vorgeplant, der aber nach Ansicht des Bauherren Friedrichs II. zu eigensinnig auf seinen Entwürfen beharrte, so daß Carl von Gontard die Arbeiten fortführte und 1766 mit dem Bau begonnen werden konnte. EinForum FHderizianum sollte entstehen, in den Neubauten lediglich Küchen, Wirtschaftsräume, sowie Räume für Hofgefolge und Dienerschaft untergebracht.

Der Stil dieser Gebäude ist gänzlich ver­schieden vom eigentlichen Palais, ist leicht und nähert sich dem französischen Ge­schmack, thut aber dennoch eine unge­meine gute Würkung... nur schade, daß ihre Bestimmung so problematisch ist, hieß es in den BerlinerKritischen Anmerkungen zur Baukunst von 1776. Friedrich der Große wollte von seiner Wohnung im Neuen Palais

aus am liebsten auf einen Palast von Palla- dio blicken, was der grundlegende Gedan­ke für die Planung von Communs und Ko­lonnaden war.

Unter Kaiser Wilhelm II, wurde das Mar- stallgebäude hinzugefügt und die gesamte Schloßanlage Am Neuen Palais in neuba­rockem Sinne verändert. Das wechselhaf­te Schicksal der Communs nach 1918 weist

Die Kolonnade und die beiden Communs des ehemals Königlichen Palais Potsdams werden ebenfalls Ttsil der Ausstellung Universität Potsdam 2000" sein. Abbildung: eh.

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PUTZ 6/95

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