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(1.1.2019) 06
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Wohnung und Atelier des Architekten Hans Poelzig nach, schließlich als dunkler Punkt in der Geschichte dieReichsführerschule des Reichsarbeitsdienstes.

Spuren aus den späten dreißiger Jahren fin­den sich auch am Standort Babelsberg/ Griebnitzsee: Dem Präsidial- und Verwal­tungsgebäude des Deutschen Roten Kreu­zes -jetzt Sitz der Juristischen und der Wirt­schafts- und Sozialwissenschaftlichen Fa­kultäten - legt ein von Emil Fahrenkamp überarbeiteter Entwurf zugrunde; die um 1960 wiederaufgebaute Kasernenanlage im Golm war in den dreißiger Jahren Sitz von Admiral Wilhelm Canaris, dem Leiter der Spionageabwehr des3. Reiches und spä­teren Widerstandskämpfers.

Als Anfang 1994 die Mitglieder des ersten Rektorates der Potsdamer Universität ihr Amt antraten, waren vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur in der ersten Ausbaustufe folgende Eckwerte fest­gelegt: 10.400 Studienplätze, 239 Professo­ren, 411 Wissenschaftliche Mitarbeiter, 867 Nichtwissenschaftliche Mitarbeiter. Sie sind im Hinblick auf die Mitarbeiterzahlen sei­tens der Universität strittig. Ein Aufruf zur architektonisch-städtebaulichen Auseinan­dersetzung ist auch die Unterbringung an drei Standorten. Die Zukunftsplanung sieht Am Neuen Palais die zentrale Universitäts­bibliothek vor sowie in Golm Gebäude für die Naturwissenschaften. Hier bietet sich auch durch die prädestinierte Campuslage die Einrichtung eines Wissenschaftsparks an. Die Entfernung der Standorte voneinan­der verlangt nach einem umfassenden städ­tebaulichen Konzept unter Einbezug der Universität in das Verkehrsleitsystem der Stadt. Nicht zu vergessen, daß keine Uni­versitätauf der grünen Wiese geplant ist, sondern eine Durchdringung von Ge­schichte, Kultur und Wissenschaft ge­wünscht wird.

Folglich ist es Anliegen einer für den Herbst dieses Jahres geplanten Ausstellung, eine breite Öffentlichkeit auf das ThemaUniver­sität Potsdam 2000 aufmerksam zu ma­chen.

Weltkulturerbe - das bedeutet besonders behutsamen Umgang mit den Baudenkmä­lern Am Neuen Mais. Es soll gezeigt wer­den, daß die Universität als einzig potenter Nutzer m Frage kommt, nach den Beispie­len Bonn, Münster oder Mannheim, deren Hochschulen ebenfalls in Schlössern eta­bliert sind.

Alle derzeit zur Verfügung stehenden Pla­nungen zum Gesamtbereich der Universi­tät werden in der Ausstellung gezeigt wer­den, Als Attraktion findet noch bis zum 4. August dieSommerakademie Sanssou­ci in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Werkbund Berlin statt, auf der Professoren in- und ausländischer Universitäten mit ih­ren Studenten die städtebauliche und regio­

nalplanerische Konzeption fassen und die Entwürfe vorstellen wollen. Das Seminar ist offen für alle Hochschulangehörigen und interessierten Bürger, welche eigene Ideen einbringen können, Während der Ausstel­lung wird ein internationales Symposion stattfinden unter Mitwirkung von Vertretern des Denkmalschutzes, Architekten und Stadtplanern, Persönlichkeiten der Uni Potsdam und den Studentinnen und Stu-

Fast alles in unserem Leben im vereinigten Deutschland hat etwas mit diesem Datum, dem 8. Mai 1945, zu tun, stellte er dabei fest. So hätte es beispielsweise anläßlich des 50. Jahrestages der Beendigung des Ersten Weltkrieges keine Gedenk­veranstaltungen gegeben.Der Einschnitt des Jahres 45 war einfach zu elementar, als daß er nicht noch 50 Jahre danach für Auf­merksamkeit sorgen würde - und sorgen muß", erklärte Dittberner.

Dabei würde sich erst jetzt so langsam zei­gen, was wirklich bliebe von 1945: ein zu­mindest bei vielen verschärftes Bewußtsein hinsichtlich des eigenes Geschichtsbildes, in bezug auf Denkmale, Nationalbewußt­sein und Staatsfeiern sicherlich. Doch sieht der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten nach den Feiern zum 50. Jah­restag der Befreiung auch die Gefahr, daß

denten der Sommerakademie.

So wird die Ausstellung ein Forum der künstlerischen und wissenschaftlichen Si­tuation darstellen, vor dem Hintergrund ei­ner über 200jährigen Architektur- und Kul­turgeschichte. Sie wird im Bereich Zu­kunftsplanung einen Ist-Zustand, eine Mo­mentaufnahme festhalten und alle Besu­cher auffordern zur Beschäftigung mit ei­nem wichtigen kulturpolitischen Thema: Universität Potsdam 2000. Sonja Günther

man nun leichter dazu neigen könnte, die während der nationalsozialistischen Ge­waltherrschaft verübten Verbrechen einzu­ordnen in den Lauf der Geschichte. Genau dies dürfe jedoch nicht passieren:Der schlimmste Kulturverfall der Geschichte, die rational geplante und technisch perfekt durchorganisierte Völkervernichtung sei­tens der Nationalsozialisten, können nicht mit anderen Verbrechen verrechnet und ad acta gelegt werden, hielt Dittberner fest. Dies hieße allerdings nicht, daß es keiner differenzierten Auseinandersetzung mit der Zeit des sogenannten Dritten Reiches be­dürfe. Im Gegenteil. Jürgen Dittberner plä­diert für eine offene Auseinandersetzung mit den früheren Tätern, wo immer das noch möglich sei, er befürwortet das Nach­drucken des BuchesMein Kampf", um die darin formulierten Irrlehren z.B. in den

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"Äto Bedarf für teure künstliche Holocaust-Denkmäler sieht Prof. Dr Jürgen Dittberner, solange^ m,Land der Täter * die Qnginatstäiten der Gewaltherrschaft verfallen. Urner Bild stimmt aus* dem ehemaligen KZ Sachsenhausen. R>to: Stiftung Brandburgische Gedenkstätten ~

ÜBER DAS, WAS BLEIBT

Politische Ausblicke nach dem 50. Jahrestag der Befreiung

Das Bild eingestürzter, brandgeschwärzter Häuser, tote deutsche Landser - ein Infer­no, durchbrochen von der Erinnerung an Hitlerjungen, die ein paar läge zuvor mit klin­gendem Spiel vorbeigezogen waren. Das alles gehört zum persönlichen Erinnerungs­bild von Dr. Jürgen Dittberner, außerplanmäßiger Professor an der Wirtschafts- und So­zialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam und Direktor der Stiftung Bran­denburgische Gedenkstätten, wenn er an den 8. Mai 1945 denkt. Doch unabhängig von solchen persönlichen Reminiszenzen bleibt die Rage nach der politischen Bewertung dieses Täges. Dittberner, selbst Jahrgang 1939, ging ihr bei einem öffentlichen Vortrag auf Einladung der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät nach.

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