Wohnung und Atelier des Architekten Hans Poelzig nach, schließlich als dunkler Punkt in der Geschichte die „Reichsführerschule des Reichsarbeitsdienstes“.
Spuren aus den späten dreißiger Jahren finden sich auch am Standort Babelsberg/ Griebnitzsee: Dem Präsidial- und Verwaltungsgebäude des Deutschen Roten Kreuzes -jetzt Sitz der Juristischen und der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultäten - legt ein von Emil Fahrenkamp überarbeiteter Entwurf zugrunde; die um 1960 wiederaufgebaute Kasernenanlage im Golm war in den dreißiger Jahren Sitz von Admiral Wilhelm Canaris, dem Leiter der Spionageabwehr des „3. Reiches“ und späteren Widerstandskämpfers.
Als Anfang 1994 die Mitglieder des ersten Rektorates der Potsdamer Universität ihr Amt antraten, waren vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur in der ersten Ausbaustufe folgende Eckwerte festgelegt: 10.400 Studienplätze, 239 Professoren, 411 Wissenschaftliche Mitarbeiter, 867 Nichtwissenschaftliche Mitarbeiter. Sie sind im Hinblick auf die Mitarbeiterzahlen seitens der Universität strittig. Ein Aufruf zur architektonisch-städtebaulichen Auseinandersetzung ist auch die Unterbringung an drei Standorten. Die Zukunftsplanung sieht Am Neuen Palais die zentrale Universitätsbibliothek vor sowie in Golm Gebäude für die Naturwissenschaften. Hier bietet sich auch durch die prädestinierte Campuslage die Einrichtung eines Wissenschaftsparks an. Die Entfernung der Standorte voneinander verlangt nach einem umfassenden städtebaulichen Konzept unter Einbezug der Universität in das Verkehrsleitsystem der Stadt. Nicht zu vergessen, daß keine Universität „auf der grünen Wiese“ geplant ist, sondern eine Durchdringung von Geschichte, Kultur und Wissenschaft gewünscht wird.
Folglich ist es Anliegen einer für den Herbst dieses Jahres geplanten Ausstellung, eine breite Öffentlichkeit auf das Thema „Universität Potsdam 2000“ aufmerksam zu machen.
Weltkulturerbe“ - das bedeutet besonders behutsamen Umgang mit den Baudenkmälern Am Neuen Mais. Es soll gezeigt werden, daß die Universität als einzig potenter Nutzer m Frage kommt, nach den Beispielen Bonn, Münster oder Mannheim, deren Hochschulen ebenfalls in Schlössern etabliert sind.
Alle derzeit zur Verfügung stehenden Planungen zum Gesamtbereich der Universität werden in der Ausstellung gezeigt werden, Als Attraktion findet noch bis zum 4. August die „Sommerakademie Sanssouci“ in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Werkbund Berlin statt, auf der Professoren in- und ausländischer Universitäten mit ihren Studenten die städtebauliche und regio
nalplanerische Konzeption fassen und die Entwürfe vorstellen wollen. Das Seminar ist offen für alle Hochschulangehörigen und interessierten Bürger, welche eigene Ideen einbringen können, Während der Ausstellung wird ein internationales Symposion stattfinden unter Mitwirkung von Vertretern des Denkmalschutzes, Architekten und Stadtplanern, Persönlichkeiten der Uni Potsdam und den Studentinnen und Stu-
„Fast alles in unserem Leben im vereinigten Deutschland hat etwas mit diesem Datum, dem 8. Mai 1945, zu tun“, stellte er dabei fest. So hätte es beispielsweise anläßlich des 50. Jahrestages der Beendigung des Ersten Weltkrieges keine Gedenkveranstaltungen gegeben. „Der Einschnitt des Jahres 45 war einfach zu elementar, als daß er nicht noch 50 Jahre danach für Aufmerksamkeit sorgen würde - und sorgen muß", erklärte Dittberner.
Dabei würde sich erst jetzt so langsam zeigen, was wirklich bliebe von 1945: ein zumindest bei vielen verschärftes Bewußtsein hinsichtlich des eigenes Geschichtsbildes, in bezug auf Denkmale, Nationalbewußtsein und Staatsfeiern sicherlich. Doch sieht der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten nach den Feiern zum 50. Jahrestag der Befreiung auch die Gefahr, daß
denten der Sommerakademie.
So wird die Ausstellung ein Forum der künstlerischen und wissenschaftlichen Situation darstellen, vor dem Hintergrund einer über 200jährigen Architektur- und Kulturgeschichte. Sie wird im Bereich Zukunftsplanung einen Ist-Zustand, eine Momentaufnahme festhalten und alle Besucher auffordern zur Beschäftigung mit einem wichtigen kulturpolitischen Thema: „Universität Potsdam 2000“. Sonja Günther
man nun leichter dazu neigen könnte, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verübten Verbrechen einzuordnen in den Lauf der Geschichte. Genau dies dürfe jedoch nicht passieren: „Der schlimmste Kulturverfall der Geschichte, die rational geplante und technisch perfekt durchorganisierte Völkervernichtung seitens der Nationalsozialisten, können nicht mit anderen Verbrechen verrechnet und ad acta gelegt werden“, hielt Dittberner fest. Dies hieße allerdings nicht, daß es keiner differenzierten Auseinandersetzung mit der Zeit des sogenannten Dritten Reiches bedürfe. Im Gegenteil. Jürgen Dittberner plädiert für eine offene Auseinandersetzung mit den früheren Tätern, wo immer das noch möglich sei, er befürwortet das Nachdrucken des Buches „Mein Kampf", um die darin formulierten Irrlehren z.B. in den
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PUTZ 6/95
"Äto Bedarf für teure künstliche Holocaust-Denkmäler sieht Prof. Dr Jürgen Dittberner, solange^ ■ m,Land der Täter * die Qnginatstäiten der Gewaltherrschaft verfallen. Urner Bild stimmt aus* dem ehemaligen KZ Sachsenhausen. R>to: Stiftung Brandburgische Gedenkstätten ~
ÜBER DAS, WAS BLEIBT
Politische Ausblicke nach dem 50. Jahrestag der Befreiung
Das Bild eingestürzter, brandgeschwärzter Häuser, tote deutsche Landser - ein Inferno, durchbrochen von der Erinnerung an Hitlerjungen, die ein paar läge zuvor mit klingendem Spiel vorbeigezogen waren. Das alles gehört zum persönlichen Erinnerungsbild von Dr. Jürgen Dittberner, außerplanmäßiger Professor an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam und Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, wenn er an den 8. Mai 1945 denkt. Doch unabhängig von solchen persönlichen Reminiszenzen bleibt die Rage nach der politischen Bewertung dieses Täges. Dittberner, selbst Jahrgang 1939, ging ihr bei einem öffentlichen Vortrag auf Einladung der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät nach.
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