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(1.1.2019) 06
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übernehmen. Wir sind jedoch, glaube ich, alle losgeworden, die aus politischen Grün­den vorher berufen worden sind, oder eine so starke Systemnähe hatten, daß man sie hier nicht mehr sehen wollte. Durch die parallel erfolgte, insgesamt erfolgreiche Berufungspolitik haben wir in allen Berei­chen einen zwischen Ost und West ge­mischten Lehrkörper. Meiner Meinung nach ist es gelungen, die Erfahrung der Neuberufenen und die Erfahrung der Ein­gesessenen aus Potsdamer Verhältnissen ganz fruchtbringend zusammenzuführen. Insgesamt zeichnet die Gruppen eine Ver­meidung größerer Kluften zwischen ihnen aus. Wir pflegen doch ein etwas näheres Verhältnis untereinander als dies an ganz klassischen alten Universitäten, die ein paar hundert Jahre alt sind und an denen ein C4- Professor doch einen gewissen Abstand vor dem Rest der Welt hat, üblich ist.

PUTZ: Wenn Sie die Arbeit der Fakultäten ins Verhältnis setzen sollten zur Arbeit des Senats, wie würde Ihr Vergleich ausfallen?

Mitzner: Ein Ziel nach dem Aufheben des Gründungsstatus lag ja darin, die Fakultä­ten stark zu machen. U. a. auch, damit der Senat entlastet wird. Es sollte also mög­lichst viel in den Fakultäten erledigt werden. Ich kann sagen, daß die Fakultätsräte und die Dekane diese Aufgabe mit Bravour an­genommen haben. Besonders gefallen hat mir die Arbeit der Dekane im Senat. Die Senatssitzungen waren immer sehr kon­struktiv. Das ist unter anderem auch ein Ver­dienst der anwesenden Dekane. Da jedoch in Angelegenheiten, die die Professoren angehen, wie Berufungen, auch alle Profes­soren einer jeweiligen Fakultät etwas zu sagen haben, sind die Gremien zum Teil sehr unhandlich geworden. Dadurch erge­ben sich manchmal Entscheidungsfindun­gen erst nach einer recht langen Zeit. Ein bißchen beunruhigt mich schon, daß ein Beschluß, der eigentlich von allen avisiert wird, bis zu drei Monaten braucht, bis er endlich da ist, wo er hingehört. Wenn es Diskrepanzen auf dem Wege gibt, dann ist ein solch langwieriges Verfahren schon in Ordnung. Aber es gibt zu viele Verfahren, die ganz unstrittig sind und trotzdem so lan­ge brauchen.

PUTZ: Gibt es Ihrer Meinung nach struktu­relle Schwachpunkte in der Organisation und im Aufbau der Universität Potsdam? Wo liegen ihre diesbezüglichen Stärken?

Mitzner: Die Stärke liegt sicherlich dann, daß wir fünf Fakultäten haben und nicht mehr. Eine Stärke in der Struktur, viel mehr, als ich das je gedacht habe, sind die inter­disziplinären Zentren und überhaupt jede Form von interdisziplinärer Struktur, dazu

zählen auch die Innovationskollegs. Von Schwäche will ich eigentlich nicht direkt reden, aber das Verhältnis Fakultät - Insti­tut - Abteilung, diese Struktur ist noch nicht ganz klar. Ich glaube, die kann auch nicht allgemein geregelt werden. Ich weiß das ja aus meinem Fach selbst. Durchgängig den Entscheidungsprozeß und die Beteiligung von wissenschaftlichen Mitarbeitern und vor allem auch Studenten auf den verschiede­nen Ebenen immer zu sichern, das ist noch nicht gelungen. Nicht überall gelungen.

PUTZ: Haben Sie nach der Erfahrung der letzten Jahre für Ihren Nachfolger im Amt noch einen speziellen Ratschlag?

Mitzner: Ich glaube, was von mir als Rat kommen kann, ist schon gekommen, näm­lich die zweijährige Zusammenarbeit im Rektorat. Das wird ganz kontinuierlich ab­laufen. Allerdings ist die Gründungszeit jetzt natürlich vorbei und bestehen zwi­schen Herrn Loschelder und mir auch ge­wisse mentale Unterschiede. Ich bin jedoch nicht sicher, ob man vernünftig jemandem etwas raten kann, Es sind ganz andere Ver­hältnisse. Während mein Schwerpunkt, ich denke auch meine Verdienste darin bestan­den, durch Konzeption und relativ schnelles Zugreifen Strukturen zu sichern und im Kern anzulegen, kommt es jetzt darauf an, das Geld, die Stellen und die baulichen Ka­pazitäten für alle diese Träume Täg für Täg zu erkämpfen, das sind ganz andere Aufga­ben. Doch ich denke, Herr Loschelder ist ganz gut geeignet dafür.

PUTZ: Herr Mitzner, vielen Dank für das offene Gespräch.

Rektor Prof. Dr. Rolf Mitzner (links) gratulierte als Erster seinem designierten Nachfolger Prof. Dr. Wolfgang Loschelder. Foto: Tribukeit

PUTZ: Herr Loschelder, aus einer Vorle­sung, die Sie in Potsdam halten wollten, wurde sehr schnell sehr viel mehr. Was hat Sie zu Ihrem großen Engagement, das Sie an der Potsdamer Universität von Anfang an gezeigt haben, bewegt?

Loschelder: Ich könnte jetzt abstrakt von der faszinierenden Aufgabe sprechen, zu­erst eine Fakultät, und dann eine Universi­tät mit aufzubauen. Doch eigentlich läßt es sich viel leichter darstellen an einem kon­kreten Erlebnis, nämlich dieser ersten Vor­lesung, die ich hier gehalten habe. Dies ge­schah in einer relativ schwierigen Situation in Babelsberg vor 600 Studenten, die gera­de erfahren hatten, daß die Hochschule für Recht und Verwaltung nach wenigen Mona­

Wir dürfen unser Äufhruchs- fhiidum nicht vertieren.

Prof. Dr. Wolfgang Loschelder

ten wieder abgewickelt wurde. Es war, wie gesagt, eine sehr schwierige Vorlesung, aber es war eine Vorlesung, die mir inten­siv gezeigt hat, was man tun kann, welche Notwendigkeiten und welche Chancen be­stehen. Diese Faszination der Aufgabe hat mich seitdem begleitet und mich auch in schwierigen Situationen nicht verlassen. Das ist der eigentliche Hintergrund.

PUTZ: Die erste Aufbauphase neigt sich an der Universität Potsdam ihrem Ende zu - dies wird noch verstärkt durch den perso­nellen Wechsel im Amt des Rektors. Auch Sie haben an diesem Aufbau als Dekan der Juristischen Fakultät, als Senatsmitglied, Prorektor und Ausschußvorsitzender mitge­arbeitet. Wo entspricht das Ergebnis in Form der Potsdamer Universität Ihren Inten­tionen, und wo noch nicht so ganz?

Loschelder: Wenn ich bei meiner eigenen Fakultät anfange, so muß ich einerseits sa­gen: Die Fakultät ist inzwischen voll besetzt, sie funktioniert, die Zahl der Studenten ist sehr hoch. Es ist eine Fakultät, die keinen Vergleich mit anderen, älteren Jristischen Fakultäten zu scheuen braucht. Trotzdem gibt es auch hier das eine oder andere, von dem ich sage, das es noch nicht zuende ge­bracht ist. Das gilt zum einen für das Pro­blem einer Intensivierung im Bereich der Lehre. Es ist sicherlich auch so, daß der Prozeß des Zusammenwachsens von hiesi­gen und westlichen Mitarbeitern nicht in so wenigen Jahren bewältigt wird und natür­lich weitergehen muß, Und trotz des wirk­lich guten Zuspruchs der Studierenden auch aus den westlichen Bundesländern - einschließlich des westlichen Tbils von Ber­lin - kann das Miteinander (ich hasse das Wort Durchmischung) noch sehr viel inten­siver werden. Das heißt also, es ist ein gu­ter Sockel erreicht, auf dem aber weiter aufgebaut werden muß - das gilt nicht nur für meine eigene Fakultät sondern generell. Man muß aufpassen, daß wir nicht diese Zukunftsbezogenheit, dieses Aufbruchsflui­dum verlieren. Natürlich ist Routine ein Zei-

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