chen dafür, daß die Dinge sich gefestigt und stabilisiert haben, auf der anderen Seite müßte man sich aber mindestens einmal in der Woche fragen: Was können wir eigentlich neu und besser machen, auch verglichen mit den westlichen Universitäten? Es ist oft Enttäuschung darüber geäußert worden, daß die große Reform in den neuen Bundesländern im Universitätsbereich nicht gelungen ist. Dahinter steckt die Illusion, daß man sich hinsetzen, monatelang nachdenken oder ein Konzept entwerfen, und darauf basierend eine völlig neue Universität gründen konnte. Diese Voraussetzungen haben me bestanden; Reformen mußten und müssen bei laufendem Betrieb gemacht werden. Vielleicht kommt diese Aufgabe der Reform sogar jetzt erst nchtig auf uns zu, weil die Aufbruchsphase, der erste, mit sehr viel Improvisation und Mut verbundene Abschnitt, für so etwas viel weniger Spielraum ließ als die jetzige Konsolidierungsphase. Deswegen ist es sicherlich notwendig, daß man nun hier und da innehält und fragt: Was haben wir erreicht, wo sind wir in der Gefahr, einfach aus Gewohnheit bestimmte Dinge zu machen, und wo können wir Weichen in neue Richtungen stellen? Ich denke da sowohl an Inhalte, etwa an unsere Profilbereiche, an Studiengänge, die es anderswo nicht gibt, von der Astrophysik bis zur Ernährungswissenschaft. Ich denke aber auch an die Kooperationsformen. Jede Universität führt das Wort Interdisziplinarität im Munde; unsere ist so strukturiert, daß sie dies sehr intensiv betreiben könnte, sie muß es nur tun. Und ich denke insbesondere auch an den Bereich der Lehre. Das günstige Betreuungsverhältnis von Professoren zu Studenten muß unbedingt dazu genutzt werden, hier vorzuführen, wie Studium eigentlich sein könnte, wenn solche günstigen Relationen bestehen. Wir sollten uns darum bemühen, noch sehr viel intensiver Studienberatungen und Fachstudienberatungen zu betreiben. Und wir sollten versuchen, ein Thtorienprogramm in die Welt zu setzen,
Ich sehe zur %evoCutwn feinen Änfaß.
Prof. Dr. Wolfgang Loscheld
das wirklich Studium fördert und erleichtert. Wir sollten mit noch viel größerem Nachdruck darauf achten, unser Studium so anzulegen, daß auch auf Dauer die Regelstudienzeiten überall eingehalten werden. Wir sollten versuchen, die drei Modu- le, die die Denkschrift vorsieht, Sprachen, Informatik, Umweltwissenschaften, fächerübergreifend wirklich effizient anzubieten. Sie sehen, es ist ein weites Feld...
zentverschiebungen geben?
Loschelder: Ich sehe zur Revolution keinen Anlaß, aber ich denke schon, daß zumindest unter zwei Aspekten mit kontinuierlichen Übergängen auch Weichenstellungen und Umlenkungen erfolgen müssen. Den entscheidenden Ansatz habe ich schon genannt, das ist der Übergang von der Auf-
Pro/ Dr. Wolfgang Loschelder Foto: Fritze
bau- in die Ausbau- und Konsolidierungsphase. Damit ist zugleich auch der Punkt gekommen, sich Rechenschaft zu geben, wo man neue Impulse setzen, wo man vorhandene Innovationen vertiefen, wo man Profile deutlicher herausarbeiten muß. Der zweite Punkt liegt in der Notwendigkeit, diesem Übergang, der Phase einer Konsolidierung bei zunehmend knapperen Mitteln in den Methoden gerecht zu werden - das ist sicherlich ein Thema, das uns m den nächsten Jahren begleiten wird. Diese Phase setzt voraus, daß man das Instrumentarium entsprechend ändert. Um ein Beispiel zu nennen: In der Aufbauphase ist vieles mündlich und auf Zuruf geschehen. Das hatte damals auch seinen guten Sinn. In der gegenwärtigen Phase muß es aber unbedingt so sein, daß wir zu normalen, formalisierten Umgangsformen kommen, weil diese Phase vorrangig im Zeichen der Berechenbarkeit, der Stabilität stehen muß. Man wirft uns gelegentlich vor, daß wir Dinge getan haben ohne schriftliche Bescheide. Es ließe sich in einer langen Liste zeigen, wo wir alles keine schriftlichen Bescheide erhalten haben, obwohl wir sie gewünscht hätten. Das war eben der Stil dieser Aufbruchsphase. Nur ist die jetzt zu Ende. Es muß sich entsprechend auch einiges ändern im Umgang mit dem Ministerium unter dem Aspekt, daß nun die Universität mit eigenen Organen und Autonomie ausgestattet ist. Juristisch ist das schon seit einiger Zeit der Fall. Wir müssen es jetzt auch in der Realität nachvollziehen.
PUTZ: Streben Sie als neuer Rektor konkrete Veränderungen an? Oder wird es nur Ak
PUTZ: Wie beurteilen Sie das mneruniver- sitäre Arbeitsklima an der Universität Potsdam - sowohl innerhalb als auch zwischen den Statusgruppen?
Loschelder: Das Verhältnis zwischen den Gruppen ist außerordentlich sachlich. Bisher wurde nicht unter Gruppenzwängen gehandelt, sondern man versuchte, gemeinsam die Dinge zu erledigen, die anstanden, Es ist nun sicherlich deutlich, daß die Gruppen zu einem stärkeren Selbstbewußtsein kommen, das ist auch gut so. Was nur nicht passieren darf, das ist, daß Gruppenideologien vor Sachlichkeit stehen. Ich denke aber, daß wir in dieser Hinsicht nach wie vor hervorragende Bedingungen haben, und dies scheint mir auch unverändert den Stil der Universität zu prägen. Das sollte auf Dauer ein Markenzeichen bleiben.
PUTZ: Wie würden Sie die Universität Potsdam im Vergleich zu den anderen Hochschulen Brandenburgs und natürlich auch Berlins heute ansiedeln wollen?
Loschelder: Gegenüber den Brandenburger Hochschulen ist das ganz eindeutig, die Universität Potsdam ist die 'normale' Volluniversität mit all den Aufgaben, die eine solche Universität im Lande übernehmen muß. Die beiden anderen Universitäten des Landes haben ja jeweils spezielle Aufgaben, die sich mit unseren nur teilweise dek- ken. Insoweit sind wir auf Kooperation geradezu festgelegt. Was die Berliner Universitäten angeht, so haben wir es hier nicht nur quantitativ mit anderen Dimensionen zu tun, sondern es ist ja auch so, daß die Universität Potsdam von vornherein auf den regionalen Bedarf hin strukturiert worden ist. Dies bedeutet auch, daß man von Anfang an auf die Vermeidung von Dubletten geachtet hat. Wenn man näher hinsieht, wird man feststellen, daß auch da, wo Berliner Universitäten und unsere Universität unter der gleichen Fachbezeichnung tätig sind, wie beispielsweise in der Chemie, sehr unterschiedliche Dinge getrieben werden. Entscheidend ist ja, daß an verschiedenen Orten bei vorhandenem Bedarf die Dinge eben jeweils in ihrem eigenen Profil getätigt werden - und dann kann man nicht von einer Dublette sprechen. So gibt es ganze Bereiche, die an der Universität Potsdam von vornherein nicht ins Auge gefaßt worden sind, wie etwa die Medizin oder die Theologie, weil in diesen Bereichen der Großraum Berlin-Brandenburg hinreichend ausgestattet ist. Deshalb denke ich, daß sich das Verhältnis zu den Berliner Universitäten als ein Verhältnis der Ergänzung und des Kontrastprogramms unter dem Gesichtspunkt der spezifischen Leistungen Potsdams im Bereich der Forschung und Lehre angesichts der günstigen Dimensionen heraussteilen wird. Dies sollte man weiterhin vertiefen.
PUTZ: Herr Loschelder, vielen Dank für das Gespräch.
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