WISSENSCHAFT AKTUELL
DEM GROSSEN „W" FOLGT DAS GROSSE „I"
Zum Stand des Wissenschaftler-Integrationsprogramms
Die Neuorientierung und Umstrukturierung der Wissenschafts- und Forschungslandschaft stand nach der Wende in den neuen Bundesländern auf der Tagesordnung. Um die Grundlagenforschung aus den Akademien der Wissenschaften der DDR in die ostdeutschen Hochschulen zurückzuführen, haben Bund und Länder im Mai 1991 ein vom Wissenschaftsrat empfohlenes und bis 1996 vereinbartes Hochschulemeuerungs- programm (HEP) abgeschlossen. In ihm enthalten sind Maßnahmen zur Eingliederung von 2000 positiv evaluierten Einzelwissenschaftlem und Forschergruppen im Rahmen des Wissenschaftier-Integrationsprogramms (WIP).
An der Universität Potsdam forschen in diesem Programm 145 Wissenschaftler und 41 wissenschaftlich-technische Mitarbeiter, eine große Zahl im Vergleich zu den anderen Einrichtungen. Gründe dafür sind sicherlich in der Aufbausituation der Alma mater und den damit verbundenen größeren Integrationschancen zu sehen. Der Kanzler der Universität Potsdam, Alfred Klein, bestätigt, daß Potsdam grundsätzlich und gern bereit war, auf diese Weise einen Tfeil des Forschungspotentials zu erhalten und für die Universität zu sichern. Er unterstreicht ebenso die damit verbundenen Chancen. „Die Anbindung erfolgt(e) mit dem Ziel, erhaltenswerte Strukturen und anspruchsvolle Forschungsinhalte für den Ausbau und die Profilierung der Universität zu nutzen und hochqualifizierte Wissenschaftler für die Universität zu gewinnen“, so formulierte es der Gründungssenat in seinem Rechenschaftsbericht. Mit Hilfe der zur Verfügung gestellten Finanzmittel wurden solche Projekte integriert, die Bestandteil der konzipierten Universitätsstruktur sind oder diese sinnvoll ergänzen.
Die einzelnen Bereiche erhielten seinerzeit die Projekte der Antragsteller mit dem Auftrag, zu prüfen, ob das Forschungsthema in das Lehr- und Forschungsprofil einzuordnen ist. Der Gründungssenat beriet dann die Integrationsvorschläge. Die Bestätigung erfolgte jedoch stets unter dem Vorbehalt, daß die finanziellen, materiellen und räumlichen Voraussetzungen gegeben seien und aufgrund der befristeten Integration keine Rückschlüsse auf eine dauerhafte Einbindung in die Universität gezogen werden könnten, so Klein. Die daraufhin abgeschlossenen Arbeitsverträge der Mitarbeiter enden spätestens am 31.12.1996.
Die Themen der unter Betreuung von Universitätsprofessoren stehenden Gruppen umfassen ein breites Fächerspektrum. Es bezieht naturwissenschaftliche Projekte der Mathematik, Informatik, Physik, Astrophysik, Chemie, Biologie, Biochemie, Umwelt- und Geowissenschaften ebenso ein wie geisteswissenschaftliche Arbeiten der Geschichtswissenschaften, Anglistik/Amerikanistik, Literaturgeschichte, Germanistik, Romanistik, Slavistik, Sozialwissenschaften und Psychologie, wobei diese sowohl grundlagenorientierten als auch anwen
dungsorientierten Charakter tragen.
Der Leiter des WIP-Projektverbundes „Funktionalisierte Schichten und Grenzflächen“ , Prof. Dr. Ludwig Brehmer, betrachtet die Integration deshalb als richtig, „weil es keine Alternative zur schnellen Erlangung wirksamer Forschungspotentiale gibt, und sie ist notwendig, weil die absolut unzureichende Personalausstattung - beispielsweise im Institut für Festkörperphysik - keine konkurrenzfähige Forschung erlaubt". Den zentralen Punkt sehe er jetzt darin, daß sich die Gruppen selbst finanzieren und Unterstützung hinsichtlich ihrer Infrastruktur erhalten.
Alfred Klein hat „noch immer die Hoffnung, daß es zu einer Einigung mit Bonn kommt“, was die weitere Finanzierung des WIP betrifft. Die auslaufenden Hochschulsonderprogramme könnten beispielsweise zusammengefaßt werden, um zumindest für die Hauptbetroffenen einen gewissen finanziellen Spielraum zu gewährleisten,
Der Landtag Brandenburg behandelte in seiner Sitzung am 18. Mai 1995 ebenfalls das Thema Anschlußfinanzierung für das WIP Einig schien man sich über Parteigrenzen hinweg, daß von seiten der Politiker alles unternommen werden müsse, diese Wissenschaftler zu integrieren, in welcher Form auch immer, weil sie einen wesentlichen Tfeil des brandenburgischen Forschungs- und Lehrpersonals repräsentieren. Der Vorsitzende des Landtagsausschusses für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Dr, Haus-Dietrich Krüger, forderte
„zumindest eine politische Diskussion mit allen Beteiligten in einem parlamentarischen Gremium..., damit man nicht Ende 1996 unvorbereitet vor einer nicht gewollten Situation steht“. Man wolle sich darum bemühen, „daß die Chancen für die WIP-Leu- te bestehen bleiben", so der Abgeordnete Dr. Markus Vette. Der Parlamentarier Dr. Andreas Trunschke forderte eine Anschlußfinanzierung des WIP Steffen Reiche, Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, bedauerte, daß sowohl der Bund als auch die Länderfinanzseite die Verlängerung vom WIP ablehnen. Wenn der Bund weiter finanzieren würde..., könnte das Land seine Mitfinanzierung in diesem Rahmen noch einmal neu überdenken. Ich fürchte aber, daß der Bund - und sollten wir ihn noch so stark bedrängen - alles auf den Tisch legt und dann sagt, zu Lasten der Hochschulbauförderung, also zu Lasten von Investitionen und Bauten, würde er bereit sein, das WIP auch weiter zu finanzieren. Ob dies aber im Sinne eines Aufbaus unserer Hochschullandschaft wirklich zielvoll und sinnvoll ist, ob dies zu verantworten wäre, da bin ich sehr skeptisch.“
Das WIP für die Hochschulerneuerung zu nutzen, fordert der Staatssekretär im MWFK, Prof. Dr. Friedrich Buttler. Die Integration solle im Rahmen hochschulüblicher Strukturen erfolgen. Die Hochschulen der neuen Bundesländer seien deshalb aufgefordert, unbesetzte oder freiwerdende Stellen in geeigneten Fächern mit WIP-Geförderten zu besetzen. Bedingungen dafür seien Mobilität und Flexibilität dieser Wissenschaftler. Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden an der Universität Potsdam neun Wissenschaftler und eine wissenschaftlich- technische Mitarbeiterin übernommen. Im Hinblick auf die Zukunft sei festzustellen, so Buttler, wie „wichtige Forschungsvorhaben auch nach 1996 erhalten bleiben können“. Der Staatssekretär begrüßt die Bemühungen der Uni, vorausschauend die Weiterfinanzierung einzelner Vorhaben und Pro-
Einrichtung
19
Wissen
schaftler
95
wiss.-techn.
Mitarbeiter
Gesamt
Universität Potsdam
145
41
186
BTU Cottbus
7
1
8
EU Viadrina Frankfurt (Oder)
11
-
11
FH Eberswalde
13
15
28
FH Potsdam
3
1
4
FH Lausitz
1
-
1
TFH Wildau
17
14
31
Hochschulen insgesamt
197
72
269
An den Hochschulen des Landes Brandenburg sind gegenwärtig im Rahmen des WIP 269 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, davon 197 Wissenschaftler und 72 wissenschaftlich-technische Mitarbeiter Darüber hinaus arbeiten weitere 14 Mitarbeiter, die aus diesem Programm 1995 gefördert werden, an 3 außerhochschuhschen Forschungseinrichtungen des Landes Brandenburg.
PUTZ 6/95
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