Heft 
(1.1.2019) 06
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WISSENSCHAFT AKTUELL

DEM GROSSENW" FOLGT DAS GROSSEI"

Zum Stand des Wissenschaftler-Integrationsprogramms

Die Neuorientierung und Umstrukturierung der Wissenschafts- und Forschungs­landschaft stand nach der Wende in den neuen Bundesländern auf der Tagesordnung. Um die Grundlagenforschung aus den Akademien der Wissenschaften der DDR in die ostdeutschen Hochschulen zurückzuführen, haben Bund und Länder im Mai 1991 ein vom Wissenschaftsrat empfohlenes und bis 1996 vereinbartes Hochschulemeuerungs- programm (HEP) abgeschlossen. In ihm enthalten sind Maßnahmen zur Eingliederung von 2000 positiv evaluierten Einzelwissenschaftlem und Forschergruppen im Rahmen des Wissenschaftier-Integrationsprogramms (WIP).

An der Universität Potsdam forschen in die­sem Programm 145 Wissenschaftler und 41 wissenschaftlich-technische Mitarbeiter, eine große Zahl im Vergleich zu den ande­ren Einrichtungen. Gründe dafür sind si­cherlich in der Aufbausituation der Alma mater und den damit verbundenen größe­ren Integrationschancen zu sehen. Der Kanzler der Universität Potsdam, Alfred Klein, bestätigt, daß Potsdam grundsätzlich und gern bereit war, auf diese Weise einen Tfeil des Forschungspotentials zu erhalten und für die Universität zu sichern. Er unter­streicht ebenso die damit verbundenen Chancen.Die Anbindung erfolgt(e) mit dem Ziel, erhaltenswerte Strukturen und anspruchsvolle Forschungsinhalte für den Ausbau und die Profilierung der Universi­tät zu nutzen und hochqualifizierte Wissen­schaftler für die Universität zu gewinnen, so formulierte es der Gründungssenat in seinem Rechenschaftsbericht. Mit Hilfe der zur Verfügung gestellten Finanzmittel wur­den solche Projekte integriert, die Bestand­teil der konzipierten Universitätsstruktur sind oder diese sinnvoll ergänzen.

Die einzelnen Bereiche erhielten seinerzeit die Projekte der Antragsteller mit dem Auf­trag, zu prüfen, ob das Forschungsthema in das Lehr- und Forschungsprofil einzuord­nen ist. Der Gründungssenat beriet dann die Integrationsvorschläge. Die Bestätigung erfolgte jedoch stets unter dem Vorbehalt, daß die finanziellen, materiellen und räum­lichen Voraussetzungen gegeben seien und aufgrund der befristeten Integration keine Rückschlüsse auf eine dauerhafte Einbindung in die Universität gezogen wer­den könnten, so Klein. Die daraufhin abge­schlossenen Arbeitsverträge der Mitarbei­ter enden spätestens am 31.12.1996.

Die Themen der unter Betreuung von Uni­versitätsprofessoren stehenden Gruppen umfassen ein breites Fächerspektrum. Es bezieht naturwissenschaftliche Projekte der Mathematik, Informatik, Physik, Astrophy­sik, Chemie, Biologie, Biochemie, Umwelt- und Geowissenschaften ebenso ein wie geisteswissenschaftliche Arbeiten der Ge­schichtswissenschaften, Anglistik/Amerika­nistik, Literaturgeschichte, Germanistik, Romanistik, Slavistik, Sozialwissenschaften und Psychologie, wobei diese sowohl grundlagenorientierten als auch anwen­

dungsorientierten Charakter tragen.

Der Leiter des WIP-Projektverbundes Funktionalisierte Schichten und Grenzflä­chen , Prof. Dr. Ludwig Brehmer, betrachtet die Integration deshalb als richtig,weil es keine Alternative zur schnellen Erlangung wirksamer Forschungspotentiale gibt, und sie ist notwendig, weil die absolut unzurei­chende Personalausstattung - beispiels­weise im Institut für Festkörperphysik - kei­ne konkurrenzfähige Forschung erlaubt". Den zentralen Punkt sehe er jetzt darin, daß sich die Gruppen selbst finanzieren und Unterstützung hinsichtlich ihrer Infrastruk­tur erhalten.

Alfred Klein hatnoch immer die Hoffnung, daß es zu einer Einigung mit Bonn kommt, was die weitere Finanzierung des WIP be­trifft. Die auslaufenden Hochschulsonder­programme könnten beispielsweise zu­sammengefaßt werden, um zumindest für die Hauptbetroffenen einen gewissen finan­ziellen Spielraum zu gewährleisten,

Der Landtag Brandenburg behandelte in seiner Sitzung am 18. Mai 1995 ebenfalls das Thema Anschlußfinanzierung für das WIP Einig schien man sich über Partei­grenzen hinweg, daß von seiten der Politi­ker alles unternommen werden müsse, die­se Wissenschaftler zu integrieren, in wel­cher Form auch immer, weil sie einen we­sentlichen Tfeil des brandenburgischen Forschungs- und Lehrpersonals repräsen­tieren. Der Vorsitzende des Landtagsaus­schusses für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Dr, Haus-Dietrich Krüger, forderte

zumindest eine politische Diskussion mit allen Beteiligten in einem parlamentari­schen Gremium..., damit man nicht Ende 1996 unvorbereitet vor einer nicht gewollten Situation steht. Man wolle sich darum be­mühen,daß die Chancen für die WIP-Leu- te bestehen bleiben", so der Abgeordnete Dr. Markus Vette. Der Parlamentarier Dr. Andreas Trunschke forderte eine Anschluß­finanzierung des WIP Steffen Reiche, Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Branden­burg, bedauerte, daß sowohl der Bund als auch die Länderfinanzseite die Verlänge­rung vom WIP ablehnen. Wenn der Bund weiter finanzieren würde..., könnte das Land seine Mitfinanzierung in diesem Rah­men noch einmal neu überdenken. Ich fürchte aber, daß der Bund - und sollten wir ihn noch so stark bedrängen - alles auf den Tisch legt und dann sagt, zu Lasten der Hochschulbauförderung, also zu Lasten von Investitionen und Bauten, würde er be­reit sein, das WIP auch weiter zu finanzie­ren. Ob dies aber im Sinne eines Aufbaus unserer Hochschullandschaft wirklich ziel­voll und sinnvoll ist, ob dies zu verantwor­ten wäre, da bin ich sehr skeptisch.

Das WIP für die Hochschulerneuerung zu nutzen, fordert der Staatssekretär im MWFK, Prof. Dr. Friedrich Buttler. Die Inte­gration solle im Rahmen hochschulüblicher Strukturen erfolgen. Die Hochschulen der neuen Bundesländer seien deshalb aufge­fordert, unbesetzte oder freiwerdende Stel­len in geeigneten Fächern mit WIP-Geför­derten zu besetzen. Bedingungen dafür seien Mobilität und Flexibilität dieser Wis­senschaftler. Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden an der Universität Potsdam neun Wissenschaftler und eine wissenschaftlich- technische Mitarbeiterin übernommen. Im Hinblick auf die Zukunft sei festzustellen, so Buttler, wiewichtige Forschungsvorhaben auch nach 1996 erhalten bleiben können. Der Staatssekretär begrüßt die Bemühun­gen der Uni, vorausschauend die Weiter­finanzierung einzelner Vorhaben und Pro-

Einrichtung

19

Wissen­

schaftler

95

wiss.-techn.

Mitarbeiter

Gesamt

Universität Potsdam

145

41

186

BTU Cottbus

7

1

8

EU Viadrina Frankfurt (Oder)

11

-

11

FH Eberswalde

13

15

28

FH Potsdam

3

1

4

FH Lausitz

1

-

1

TFH Wildau

17

14

31

Hochschulen insgesamt

197

72

269

An den Hochschulen des Landes Brandenburg sind gegenwärtig im Rahmen des WIP 269 Mitar­beiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, davon 197 Wissenschaftler und 72 wissenschaftlich-tech­nische Mitarbeiter Darüber hinaus arbeiten weitere 14 Mitarbeiter, die aus diesem Programm 1995 gefördert werden, an 3 außerhochschuhschen Forschungseinrichtungen des Landes Brandenburg.

PUTZ 6/95

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