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(1.1.2019) 06
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INTEGRATION DURCH KOOPERATION

Der WIP-VerbundFunktionalisierte Schichten und Grenzflächen"

Dünne organische und biochemische Schichten gehören zu den Forschungsschwer­punkten an der Uni Potsdam. Dieses Gebiet bearbeiten Wissenschaftler mehrerer Be­reiche, darin eingebunden sind 19 Mitarbeiter der 26 Gmppen des WIP-Verbundes.

jektverbünde zu prüfen und entsprechende Gespräche und Verhandlungen mit den in Flage kommenden Forschungsförderungs­organisationen zu führen. Er sichert die Un­terstützung seines Ministenums zu,wann immer notwendig und sinnvoll, diesen Pro­zeß administrativ zu begleiten.

Als einen wichtigen Ansatz bezeichnet er das sogenannteRatenschaftsmodeir.Da­nach stellt ein Angehöriger der Hochschu­le einen Antrag auf Drittmittelförderung für bisher nach WIP geförderte Einzelwissen­schaftler oder Projektgruppen. Wenn es ge­lingt, erfolgreich mit Drittmittelgebern zu verhandeln, dann wird dies ein gelungener Solidarakt von Professoren der Universität Potsdam gegenüber den Kollegen sein." Zum großzügigen Verhalten der Drittmittel­geber gehöre die Akzeptanz dieses Mo­dells, aber ebenso die entgegenkommen­de Handhabung von Altersgrenzen und Stellendotierungen. Auch über andere Mög­lichkeiten denkt der Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Universität Potsdam, Prof. Dr. Gerhard Kempter, nach. ,Wir versuchen vieles. Die angestoßenen Entwicklungen müßten nach Auffassung des Staatssekretärs im Rahmen der Strukturen der Wissenschafts- und Hochschullandschaft weitergeführt wer­den. Dazu seien sowohl die Flexibilität und Einsatzbereitschaft der Wissenschaftler als auch der Hochschulen unabdingbar.

* - / - Wird auch nach

1996 für WIPianer elfte Bank an der

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Potsdm ^ freigehalten werden können?

Foto: Eckardt

Der Brisanz der Problematik Rechnung tra­gend, setzte der Senat der Universität Pots­dam in seiner Sitzung Anfang Juni 1995 eine Arbeitsgruppe ein, die sich mit den Fragen der Fortführung des WIP nach dem 31.12.1996 befassen soll. Zu deren Aufga­ben gehört es, eine Auswertung zur Umset­zung des Programms an der Um, eine Dar­stellung der Auswirkungen des Auslaufens von WIP auf Lehre und Forschung sowie eine Ausarbeitung und Prüfung verschiede­ner Finanzierungsmodelle vorzunehmen. Die aus je einem Vertreter jeder Fakultät, des WIP-Beirates, der Verwaltung und dem zuständigen Prorektor, Gerhard Kempter, bestehende Arbeitsgruppe soll dabei eng mit dem Ministenum, den Drittmittelgebern u. a. Zusammenarbeiten. B.E.

Ihr Zusammenschluß spiegelt nach Auffas­sung seines Leiters und gleichzeitig Direk­tors des Institutes für Festkörperphysik der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fa­kultät, Prof. Dr. Ludwig Brehmer,den ho­hen Grad der Integration und Kooperation der Gruppen wider und dient der Vorberei­tung einer gemeinsamen Perspektive. Auch außeruniversitäre Forschungseinrich­tungen und technologie-ori­entierte Unternehmen sind beteiligt. Die Gesamtthema­tik wird vom Institut für Fest­körperphysik koordiniert.

Die wissenschaftliche Ziel­stellung konzentriert sich auf die Untersuchungen der Struktur- und Eigenschafts­beziehungen funktionalisier- ter Moleküle, Grenzflächen und dünnen Schichten. Dies beinhaltet sowohl deren Syn­these, Präparation und Im­mobilisierung, als auch die Herstellung ultradünner Schichten einschließlich elek­trischer und optischer Eigenschaften so­wie inter- und intramolekularer Wechselwir­kungen. Diese Grundlagenuntersuchungen zur molekularen Fünktionsweise künstlich organisierterOrganisate" und deren Appli­kationen (Mikrosensorik, Molekular­elektronik) paßten sich gut in die vom Bun­desministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie formulierten Schwer-punktaufgaben für die Ttechnologi- en des 21. Jahrhunderts ein, so der Wissen­schaftler. Die Forschungskonzeption ver­steht sich als eine grundlagenorientierte und gleichzeitig anwendungsbezogene Aufgabenstellung. So können sich insbe­sondere die WIP-Gruppen anwendungsori­entierten Fragen zuwenden und somit dazu beitragen, die Lücke zwischen Forschungs­und Entwicklungsleistungen und technolo­gischen Entwicklungen zu schließen.

Die ForschungsgruppeDünne organische Schichten bildet den Kern des Projektver­bundes. Innovative Grundlagenforschung und angewandte Forschungen stehen dabei im Mittelpunkt. Dazu gehören die Synthese und Präparation dünner organischer Schichten, molekulares Engineering, spe­zifische Anwendungen in der Mikroelektro­nik, komplexe Methodenkombination wie beispielsweise Atomsondenmikroskopien (STM/AFM) und deren Nutzung in der Mi­krosensorik. Die GruppeGrenzflächendy­namik untersucht insbesondere die Wech­

selwirkungen von elektrischen- und grenz - flächenrheologischen Eigenschaften orien­tierter Polymer/Tbnsid-Schichten an fluiden Phasengrenzen und ist mit der Entwicklung eines neuartigen oszillierenden Kapillar­rheometers befaßt. Die GruppePolymer- Grenzflächen" erforscht elektrostatische Wechselwirkungen zwischen den moleku­laren und atomaren Bestandteilen an den

Grenzflächen. Untersuchungen zur Abhän­gigkeit der Funktionalität und des Grenz­flächenverhaltens der molekularen Struk­tur dünner Schichten und zur Modifizierung von Festkörperoberflächen bilden die we­sentlichen Gebiete, mit denen sich die Wis­senschaftler in der GruppeFluorhaltige Polymere auseinandersetzen. DasHoch­drucklabor stellt eine leistungsfähige Me­thode zur Druckerzeugung bei kleinen Probenvolumina dar, DieStrukturuntersu­chungen umfassen auch Messungen mit weichen Synchronstrahlungen am Spei­cherring BESSY 1.

39 eingeworbene Drittmittelprojekte, die insgesamt einem Wert von 3,8 Mio DM Sach- und Personalmitteln entsprechen, do­kumentieren die Leistungsfähigkeit des Ver­bundes. Die wissenschaftlichen Ergebnis­se wurden in über 300 Publikationen und Vorträgen dargestellt. Die Wissenschaftler schätzen die Integration der WIP-Gruppen als einen richtigen und notwendigen Weg ein, schnell effektive Forschungskapazität an der Universität zu etablieren. Neben der Interdisziplinarität der Bearbeitung wird großer Wert auf die internationale Einbin­dung der Forschung gelegt, bisher haben zwölf ausländische Fachleute einen länge­ren Arbeitsaufenthalt absolviert. Viele Grün­de sprächen also dafür, über das Jahr 1996 hinaus den Wissenschaftler-Integrations- prozeß fortzuführen und zu vollenden. B.E.

PUTZ 6/95

Um dünne Schichten untersuchen zu können, arbeitet Physiker Jürgen Reiche an diesem Röntgenmeßplatz. Foto: Tribukeit

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