INTEGRATION DURCH KOOPERATION
Der WIP-Verbund „Funktionalisierte Schichten und Grenzflächen"
„Dünne organische und biochemische Schichten“ gehören zu den Forschungsschwerpunkten an der Uni Potsdam. Dieses Gebiet bearbeiten Wissenschaftler mehrerer Bereiche, darin eingebunden sind 19 Mitarbeiter der 26 Gmppen des WIP-Verbundes.
jektverbünde zu prüfen und entsprechende Gespräche und Verhandlungen mit den in Flage kommenden Forschungsförderungsorganisationen zu führen. Er sichert die Unterstützung seines Ministenums zu, „wann immer notwendig und sinnvoll, diesen Prozeß administrativ zu begleiten“.
Als einen wichtigen Ansatz bezeichnet er das sogenannte „Ratenschaftsmodeir. „Danach stellt ein Angehöriger der Hochschule einen Antrag auf Drittmittelförderung für bisher nach WIP geförderte Einzelwissenschaftler oder Projektgruppen. Wenn es gelingt, erfolgreich mit Drittmittelgebern zu verhandeln, dann wird dies ein gelungener Solidarakt von Professoren der Universität Potsdam gegenüber den Kollegen sein." Zum großzügigen Verhalten der Drittmittelgeber gehöre die Akzeptanz dieses Modells, aber ebenso die entgegenkommende Handhabung von Altersgrenzen und Stellendotierungen. Auch über andere Möglichkeiten denkt der Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Universität Potsdam, Prof. Dr. Gerhard Kempter, nach. ,Wir versuchen vieles.“ Die angestoßenen Entwicklungen müßten nach Auffassung des Staatssekretärs im Rahmen der Strukturen der Wissenschafts- und Hochschullandschaft weitergeführt werden. Dazu seien sowohl die Flexibilität und Einsatzbereitschaft der Wissenschaftler als auch der Hochschulen unabdingbar.
■* - / - Wird auch nach
1996 für WIPianer elfte Bank an der
. /'<
Potsdm ^ freigehalten werden können?
Foto: Eckardt
Der Brisanz der Problematik Rechnung tragend, setzte der Senat der Universität Potsdam in seiner Sitzung Anfang Juni 1995 eine Arbeitsgruppe ein, die sich mit den Fragen der Fortführung des WIP nach dem 31.12.1996 befassen soll. Zu deren Aufgaben gehört es, eine Auswertung zur Umsetzung des Programms an der Um, eine Darstellung der Auswirkungen des Auslaufens von WIP auf Lehre und Forschung sowie eine Ausarbeitung und Prüfung verschiedener Finanzierungsmodelle vorzunehmen. Die aus je einem Vertreter jeder Fakultät, des WIP-Beirates, der Verwaltung und dem zuständigen Prorektor, Gerhard Kempter, bestehende Arbeitsgruppe soll dabei eng mit dem Ministenum, den Drittmittelgebern u. a. Zusammenarbeiten. B.E.
Ihr Zusammenschluß spiegelt nach Auffassung seines Leiters und gleichzeitig Direktors des Institutes für Festkörperphysik der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, Prof. Dr. Ludwig Brehmer, „den hohen Grad der Integration und Kooperation der Gruppen wider und dient der Vorbereitung einer gemeinsamen Perspektive“. Auch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und technologie-orientierte Unternehmen sind beteiligt. Die Gesamtthematik wird vom Institut für Festkörperphysik koordiniert.
Die wissenschaftliche Zielstellung konzentriert sich auf die Untersuchungen der Struktur- und Eigenschaftsbeziehungen funktionalisier- ter Moleküle, Grenzflächen und dünnen Schichten. Dies beinhaltet sowohl deren Synthese, Präparation und Immobilisierung, als auch die Herstellung ultradünner Schichten einschließlich elektrischer und optischer Eigenschaften sowie inter- und intramolekularer Wechselwirkungen. Diese Grundlagenuntersuchungen zur molekularen Fünktionsweise künstlich organisierter „Organisate" und deren Applikationen (Mikrosensorik, Molekularelektronik) paßten sich gut in die vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie formulierten Schwer-punktaufgaben für die Ttechnologi- en des 21. Jahrhunderts ein, so der Wissenschaftler. Die Forschungskonzeption versteht sich als eine grundlagenorientierte und gleichzeitig anwendungsbezogene Aufgabenstellung. So können sich insbesondere die WIP-Gruppen anwendungsorientierten Fragen zuwenden und somit dazu beitragen, die Lücke zwischen Forschungsund Entwicklungsleistungen und technologischen Entwicklungen zu schließen.
Die Forschungsgruppe „Dünne organische Schichten“ bildet den Kern des Projektverbundes. Innovative Grundlagenforschung und angewandte Forschungen stehen dabei im Mittelpunkt. Dazu gehören die Synthese und Präparation dünner organischer Schichten, molekulares Engineering, spezifische Anwendungen in der Mikroelektronik, komplexe Methodenkombination wie beispielsweise Atomsondenmikroskopien (STM/AFM) und deren Nutzung in der Mikrosensorik. Die Gruppe „Grenzflächendynamik“ untersucht insbesondere die Wech
selwirkungen von elektrischen- und grenz - flächenrheologischen Eigenschaften orientierter Polymer/Tbnsid-Schichten an fluiden Phasengrenzen und ist mit der Entwicklung eines neuartigen oszillierenden Kapillarrheometers befaßt. Die Gruppe „Polymer- Grenzflächen" erforscht elektrostatische Wechselwirkungen zwischen den molekularen und atomaren Bestandteilen an den
Grenzflächen. Untersuchungen zur Abhängigkeit der Funktionalität und des Grenzflächenverhaltens der molekularen Struktur dünner Schichten und zur Modifizierung von Festkörperoberflächen bilden die wesentlichen Gebiete, mit denen sich die Wissenschaftler in der Gruppe „Fluorhaltige Polymere“ auseinandersetzen. Das „Hochdrucklabor“ stellt eine leistungsfähige Methode zur Druckerzeugung bei kleinen Probenvolumina dar, Die „Strukturuntersuchungen“ umfassen auch Messungen mit weichen Synchronstrahlungen am Speicherring BESSY 1.
39 eingeworbene Drittmittelprojekte, die insgesamt einem Wert von 3,8 Mio DM Sach- und Personalmitteln entsprechen, dokumentieren die Leistungsfähigkeit des Verbundes. Die wissenschaftlichen Ergebnisse wurden in über 300 Publikationen und Vorträgen dargestellt. Die Wissenschaftler schätzen die Integration der WIP-Gruppen als einen richtigen und notwendigen Weg ein, schnell effektive Forschungskapazität an der Universität zu etablieren. Neben der Interdisziplinarität der Bearbeitung wird großer Wert auf die internationale Einbindung der Forschung gelegt, bisher haben zwölf ausländische Fachleute einen längeren Arbeitsaufenthalt absolviert. Viele Gründe sprächen also dafür, über das Jahr 1996 hinaus den Wissenschaftler-Integrations- prozeß fortzuführen und zu vollenden. B.E.
PUTZ 6/95
Um dünne Schichten untersuchen zu können, arbeitet Physiker Jürgen Reiche an diesem Röntgenmeßplatz. Foto: Tribukeit
Seite 22