auf selbstzerstörerische Verherrschaftli- chung in den Gutsherrschaftsgesellschaften verhinderten. Eigenkulturen und unterschiedliche Lebensstile gewinnen in kleinräumiger Perspektive allmählich feste Gestalt, und es wird deutlich, daß es in der ostelbischen ländlichen Gesellschaft keineswegs eine einseitige Handlungskompetenz nur „oben“ gegeben hat.
PUTZ: Welche Ansatzpunkte ergeben sich für eine gesamtdeutsche Geschichtsforschung in diesem Bereich?
Peters: Zu den Stichworten des etwas mühsamen Siegeszuges einer modernen deutschen Sozialgeschichtsforschung gehören Historische Anthropologie, Alltagsgeschichte, Mentalitätsgeschichte und Mikrohistorie. Wenn im Hinterkopf bleibt, daß es keine Königswege gibt, und wenn auf missionarisches Gehabe verzichtet wird, dann darf auf diesen Pfaden mit Erkenntniszuwachs gerechnet werden. Jedenfalls hat uns dieser Ansatz bei der Erforschung ostelbischer Gutsherrschaft geholfen.
PUTZ: Professor Peters, erlauben Sie mir eine abschließende Frage zur Situation der Max-Planck-Arbeitsgruppen, die ja mit der Intention gegründet wurden, Forschung und Forscher an die ostdeutschen Universitäten zurückzubnngen. Die Finanzierung läuft 1996 aus, die Mitarbeiter bewegt die Frage nach der Zukunft. Wie sehen die Vorstellungen und Realitäten im Fall der von Ihnen geleiteten Gruppe aus?
Peters: Die Max-Planck-Gesellschaft hat mit der Universität einen Vertrag über die Integration des Forschungspotentials der Arbeitsgruppe in die Universität nach Beendigung der Förderzeit geschlossen. Er sieht den Übergang auch unseres gesamten Inventars einschließlich einer wertvollen größeren Bibliothek in den Universitätsbestand vor. Für eine entsprechende Strukturbildung, also Anbindung im Fach Geschichte, sprechen auch, so darf ich wohl sagen, unsere bisherigen Ergebnisse. Sie haben gerade in Fachkreisen Anerkennung gefunden, wobei auch unser lebhafter Austausch mit Agrar- und Sozialhistorikern in Ost- und Ostmitteleuropa betont und die profilbestimmende Rolle der Arbeitsgruppe gerade an einer brandenburgischen Universität hervorgehoben werden. Für ein so tief in agrargeschichtlich-gutsherrschaftliche Strukturen eingebundenes Land wie Brandenburg sehe ich unsere Forschungsrichtung als unverzichtbares universitäres “feilstück an. Man kann nur hoffen, daß die tragende Idee der Arbeitsgruppen in den neuen Bundesländern (in diesem Falle also der unsrigen Gruppe) trotz der finanziellen Nöte und der damit einhergehenden Interessenkollisionen Bestand haben wird. Sonst wäre zudem noch das letzte verbliebene größere agrarhistonsche Forschungszentrum in Deutschland verloren.
C
DAS „UNIRADIO BB" KOMMT
Nun steht es also fest: In der Region Berlin-Brandenburg wird voraussichtlich ab dem 15. Oktober 1995 ein eigenes Uniradio auf Sendung gehen. Nachdem sich Vertreter sehr vieler Hochschulen aus Berlin und einer Hochschule aus Brandenburg mehrere Monate lang zusammengesetzt und nach auch finanziell tragfähigen Lösungen für einen solchen Radiosender gesucht hatten, konnte dem Medienrat Ende Mai dieses Jahres ein von allen getragenes Konzept für eine Sendestunde pro Tag eingereicht werden. Die Entscheidung des Medienrates fiel positiv für die Hochschulen aus. Wenn alles klappen und sich vor allen Dingen genügend Studierende finden sollten, die an der Produktion mitwirken möchten und können, dann steht einer Aufnahme des Radiobetriebes auf der UKW-Rrequenz 87,9 MHz von Radio Charlie nichts mehr im Wege.
Die grundlegende Idee des Uniradios besteht darin, die Öffentlichkeit in der Region über Wissenschaft, Kunst und Kultur sowie - mit dem in den Hochschulen vorhandenen Wissen - über Hintergründe aktueller Ereignisse zu informieren. Dies soll in Form eines einstündigen Magazins von Montag bis Freitag zwischen 18 und 19 Uhr geschehen, wobei die erste halbe Stunde den auch außerhalb der Hochschule aktuellen Thges- themen und die zweite den hochschulspe- zifischen Themen und Veranstaltungen Vorbehalten sein wird. An die Realisierung von Schwerpunktthemen - wie z.B. über Gentechnologie, Architektur oder auch Semestertickets - ist gedacht. Fest steht dagegen bereits, daß der Samstag Musiksendungen, Hörfunkexperimenten und Hörspielen Raum bieten und der Sonntag dem „langen Wort“ und einem Wissenschaftsmagazin zum Ausdruck verhelfen soll,
Insgesamt möchten die beteiligten Hochschulen - das sind in Berlin die FU, die TU, die Humboldt Univesität, die Hochschule der Künste, die Hochschule für Musik Hans Eisler, die Fachhochschule für Tbchnik und Wirtschaft, die Fachhochschule für Wirtschaft, die “technische Fachhochschule, die
Alice-Salomon Fachhochschule und die Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege, in Brandenburg ist es bis dato nur die Universität Potsdam - insgesamt möchten also die beteiligten Hochschulen mit Hilfe des Uniradios BB (für „Uniradio Berlin-Brandenburg“) die Diskussion zwischen Hochschule und Öffentlichkeit fördern, den an den Hochschulen vorhandenen Sachverstand auch zur Erläuterung und Interpretation des lägesgeschehens nutzbar machen und Veranstaltungstips geben.
Um dies zu realisieren, wird derzeit an der FU-Berlm ein zentrales Produktions- und Sendestudio eingerichtet, das auch von dezentralen Produktionsstudios einzelner Hochschulen beliefert werden kann. Ein solches besteht an der Universität Potsdam in Golm, und zwar dort in der Arbeitsstelle Medienpädagogik. Ebenso sieht es mit den Redaktionen aus: In Berlin sitzt die Zentralredaktion, die unterstützt wird von Mitarbeitern der einzelnen Hochschulen „vor Ort“. In Potsdam fungieren Dr. Horst Röpke und Dr. Hans-Jörg Pöttrich aus der Arbeitsstelle Medienpädagogik als Ansprechpartner und Betreuer, als erste Anlaufstelle kann ebenfalls das Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Uni dienen. Hg.
Lust auf Uniradio?
Wenn Sie an der Uni Potsdam studieren und sich am Uniradio beteiligen möchten, dann sollten Sie sich mit Dr. Horst Röpke oder Dr. Hans-Jörg Pöttrich in Verbindung setzen (Telefon 0331/977-2004 bzw. -2320); erste Auskünfte erteilt auch das Pressereferat (Ttelefon 0331/977-1496), In Zusammenarbeit mit der Diplom-Journalistin Heike Schüler wird ferner für die interessierten Studentinnen und Studenten vom 31. August bis zum 2. September ein erster „Radio-Crash-Kurs” angebo- ten. Da die Plätze für diesen Kurs eng begrenzt sind, ist eine Anmeldung unter obigen Nummern unbedingt erforderlich. Da auf Sendung letztlich nur derjenige gehen kann, der sein Hand- und Mundwerk hinlänglich beherrscht, ist eine Teilnahme an diesem Einführungskurs ratsam,
SEMESTERTERMINE
Die Rahmentermine für das Wintersemester 1995/96, das am 1. Oktober 1995 beginnt und bis zum 31. März 1996 dauert, sehen wie folgt aus:
18.09.95-29.09.95 Einschreibezeitraum für das 1. Semester Belegen der Lehrveranstaltungen und Praktika in den F ächern/Instituten Vorlesungszeitraum Rückmeldefrist für das Sommersemester 1996 Zeitraum für Prüfungen und Praktika
Lehrveranstaltungsfreie läge
02.10,95-06.10.95
09.10.95- 02.02.96
15.01.96- 15.02.96
05.02.96- 29.03.96
03.10.95
31.10.95
21.12.95-05.01.96
“1hg der deutschen Einheit
Reformationstag
Akademische
Weihnachtsferien
PUTZ 6/95
Seite 24