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(1.1.2019) 06
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EINE REISE DES ERINNERNS

Potsdamer Studenten leisteten diffizile Betreuungstätigkeit

Alles hatte mit einem Plakat angefangen. Sein Tfext warb für eine Mitarbeit während der Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Befreiung. Die Stiftung Brandenburgische(r) Gedenkstätten wandte sich damit über das Akademische Auslandsamt der Universität Potsdam an interessierte Studenten. Gleiches tat sie ebenfalls an anderen Einrichtun­gen. Vor allen Bereitwilligen sollte die Aufgabe liegen, ehemalige Häftlinge verschie­dener Konzentrationslager auf deren Reise in die Vergangenheit, aber auch in die deut­sche Gegenwart zu betreuen. Zu denen, die sich dies zutrauten, gehörten auch Viola Betz (Geschichte/Anglistik, 4. Semester) und der dank eines DAAD-Stipendiums in Potsdam weilende Amerikaner Peter Rigney (Geschichte/Germanistik, 5. Semester).

Die zukünftigen Betreuer, Studenten und Werktätige aller Schichten, absolvierten zunächst ein eintägiges Informations­seminar an der Berliner Humboldt-Uni. Im nachhinein meinen die beiden Potsdamer dazu:Die Initiatoren jener Veranstaltung konnten uns, auch aufgrund der bemesse­nen Zeit, nicht auf das vorbereiten, was tat­sächlich kam.

Peter Rigney erhielt schließlich gemeinsam mit weiteren Engagierten den Auftrag, ins­gesamt 150 jetzt in den USA beheimatete ehemalige jüdische Häftlinge und deren Familienmitglieder zu begleiten. Ein Tteil der Gruppe z.B. erfuhr das Grauen noch als Kinder im Lager Ravensbrück. Die heute ca. 60jährigen hatten das Glück, dem Tod zu entrinnen. Immerhin geht die Dokumen­tationDimension des Völkermords von mit Sicherheit 160 000 in Konzentrationsla­gern ermordeten deutschen Juden aus. Den Gästen fiel die Reise nach Deutsch­land - für viele die erste nach 50 Jahren - nicht leicht. Einige brachten, wie es Peter Rigney formuliert, zurmoralischen Unter­stützung Verwandte mit. Die einstigen Häft­linge artikulierten sich in zahlreichen Ge­sprächen zur Bedeutung ihres Aufenthaltes in der Bundesrepublik. So meinte beispiels­weise ein Holocaust-Betroffener:Ich kom­me auch stellvertretend für diejenigen, die diese Reise aus physischen oder psychi­schen Gründen nicht antraten. Meine Ge­neration besitzt eine besondere Verantwor­tung - die der letzten lebenden Zeugen des vor mehr als 50 Jahren geschehenen millio­nenfachen Verbrechens gegen die Menschlichkeit.

Viola Betz widmete sich in den vier lägen ihrer Tätigkeit norwegischen Staatsbür­gern. Insgesamt über 300 waren gekom­men, um an den Gedenkfeierlichkeiten teil­zunehmen. Viele der damals politischen Häftlinge wurden 1943 nach Sachsen­hausen deportiert. Übrigens den gleichen Weg hinter sich lassend, wie an jüngst ver­gangenen Tägen: zunächst mit der Fähre nach Kiel, dann mit weißen Doppeldecker- Bussen in den damals wie heute unschein­bar wirkenden Ort Sachsenhausen. Trotz der ungewollten Parallele, die Skandinavi­er begegneten ihren Gastgebern mit großer Offenheit und Herzlichkeit.Es war ein

Befreite Häftlinge vor dem geöffneten Schlag­baum im Konzentrationslager Sachsenhausen.

Fbto: Archiv Brandenburgische Gedenkstätten

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wahnsinniges Erlebnis. Es war toll, erin­nert sich Viola.Geschichte so lebendig zu erfahren, das leistet kein noch so gutes Seminar.

Die Abschlußveranstaltung selbst fand in der Gedenkstätte Sachsenhausen statt. Kurz zur Histone: Die Mehrzahl der Häftlin­ge dieses Lagers bestand nicht aus Juden, sondern zunächst aus politisch Verfolgten, dann Kriegsgefangenen aus der Sowjetuni­on, schließlich, 1944, Kämpfern des War­schauer Aufstandes. 1938 allerdings, nach der Reichspogromnacht, transportierten die Nazis 1800 Juden dorthin. 450 von ihnen überstanden das Martyrium nicht.

Viola Betz und Peter Rigney bemerkten den­noch bei den Angereisten keinen Haß. Im Gegenteil. Verfechter der Kollektivschuld­these gab es nicht. Letztlich trägt wohl auch diese Erkenntnis zum Fazit Violas bei:Zu jeder Zeit würde ich einen solchen Betreu­ungsdienst wieder übernehmen. Ein­schränkend jedoch fügt sie hinzu:Die Vor­bereitung auf eine derartig diffizile Arbeit müßte dann aber besser sein. Ansonsten besteht gerade für uns junge Leute die Gefahr der Überforderung. PG.

Studentischer Diskussionsclub gegründet

Studenten können, wenn sie wollen, viele Dinge bewegen, auch neu schaffen. So ent­stand - auf Initiative von Oliver Braun (Mit­glied des Studentenrats) und einiger Mit­streiter in akademischen Gefilden - im April derClub of Potsdam", wie sich die bislang zwölf Studenten ihr neues Diskussions­forum mit Selbstironie in seiner Perspekti­ve ausmalten. Themen gab und gibt es reichlich für die Befürworter einer offenen, der pluralistischen Demokratie verpflichte­ten Streitkultur. Bislang ist man der - jetzt wieder in London und Paris umstrittenen - Hage nach der Vereinbarkeit von nationa­ler Identität und europäischer Integration und natürlich den gewachsenen Verant­wortlichkeiten des neuvereinigten Deutsch­land in Europa und der Welt nachgegan­gen, auf ruhige, sachkompetente und tole­rante Art des Meinungsaustauschs. Das nächste Thema wird der Nord-Süd-Konflikt, der Streit der Zivilisationen und die globa­le soziale Ungleichheit sein. Fragen wie Genmanipulation und Gleichheit der Ge­schlechter sollen freilich ebenso behandelt werden wie das Problem des Arbeitsmark­tes für Akademiker und die Fragen der Umweltzerstörung. Nach den ersten vier Club-Tferminen wollen sich die Juristen und Sozialwissenschaftler (andere Studienpro­file sind ebenso gern gesehen) im Winter­semester wieder jeden Monat donnerstags (19.00 Uhr) um die Monatsmitte treffen, und zwar im ersten Stock des Gebäudes der August-Bebel-Str. 89 (Griebnitzsee) vor den Räumen des Lehrstuhls für Politische Bil­dung, der das Unterfangen des Clubs fach­lich unterstützt. Das Foyer ist übrigens mit Ledersesseln reich bestückt.

Eduard Gloeckner

Kein Budentausch mehr

1989 wurde vom Deutschen Studentenwerk erstmals die Aktion Budentausch durchge­führt. Studierende konnten kurzfristig ihre hochschulnahe Unterkunft am bisherigen Studienort unentgeltlich zum Täusch gegen eine Wohnmöglichkeit am gewünschten Studienort anbieten. Insbesondere sollte Erstsemestlern damit geholfen werden, übergangsweise eine Wohnmöglichkeit am oft zugewiesenen Studienort zu bekom­men, um von dort aus weitersuchen zu kön­nen. Die Aktion bezog sich auf das gesam­te Bundesgebiet und war angesichts der hohen Zahl von Hochschulstandorten auf eine große Beteiligung angewiesen.

Da nur wenige erfolgreiche Vermittlungen zustandekamen, wurde die Aktion Buden­tausch auf Beschluß des Vorstandes des Deutschen Studentenwerks zum 1. Juli 1995 eingestellt. p ra .

PUTZ 6/95

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