Heft 
(1.1.2019) 06
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KLEINE STATISTIK

Die Entwicklung der Studentenzahlen an der Universität Potsdam

An der Universität Potsdam haben sich im Sommersemester 1995 rund 7.680 Studie­rende und Studienkollegiaten eingeschrieben. Der Anteil der weiblichen Studierenden liegt bei rund 61% und ist damit im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich hoch (im Wintersemester 93/94 gab es rund 44% Studentinnen an deutschen Universitäten). Von den immatrikulierten Studierenden sind rund 63% im Vollzeitstudium, 33% im Teil­zeitstudium (Aufbaustudium) und 3% Promotionsstudenten. Der hohe Anteil an Tsilzeit- studenten ist vornehmlich auf die Durchführung des berufsbegleitenden Studiums für Lehrer in fast allen Fächern der Lehramtsstudiengänge zurückzuführen. Etwa 33% der Vollzeitstudenten streben das Staatsexamen in Jura an, 24% haben sich für einen Diplom­abschluß und 9% für einen Magisterabschluß entschieden, rund 32% belegen einen Lehramtsstudiengang. Das Studienkolleg bereitet derzeit 107 Kollegiaten auf ein Stu­dium an einer brandenburgischen Hochschule vor.

Seit der Gründung der Universität 1991 hat sich im Vergleich zur Bran­denburgischen Landeshochschule das Ausbildungsprofil stark verändert.

So wurde das vorhandene Fächer­spektrum um die neuen Fächer Roma­nistik, Allgemeine Sprachwissen­schaften, Sonderpädagogik, Rechts­wissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Soziologie, Politikwissenschaft, Bio­chemie, Informatik, Geoökologie, Geophysik, Geologie, Mineralogie, Ernährungswissenschaft und Um­weltwissenschaft ergänzt, In den nächsten Jahren soll die Einrichtung weite­rer Fächer wie Betriebswirtschaftslehre, Kunstgeschichte, Klassische Philologie und Philosophie zur Abrundung des Fächer­kanons beitragen. Die Studienmöglichkei­ten wurden auch um neue interdisziplinäre Magisterstudiengänge, z. B. Jüdische Stu­dien, und um weitere Diplomstudiengänge, z. B. Allgemeine Theoretische Linguistik, Computerlinguistik und Patholinguistik be­reichert. Bald sollen die Verwaltungswis­senschaften hinzukommen.

Die Universität gliedert sich in fünf Fakultä­ten mit über 50 Fächern. Im Sommerseme­ster 1995 hat die Juristische Fakultät einen Anteil von rund 22% an der Gesamtheit der Studierenden, in der Philosophischen Fa­kultät I haben sich 22% und in der Philoso­phischen Fakultät II

24% der Studenten eingeschrieben; 13% der Studentenschaft hat sich für ein Fach in der

Studenten im Vollzeitstudium nach Abschlußarten

. -O" Diplom i Magister

Studenten und Studienanfänger 1990-1994

Stundenten gesamt 1. Fbchsemester 1. Hochschulsemester

1000 ir-''

94/95

92/93

93/94

91/92

90/91

Wintersemester

Die Entwicklung der Studentenzahlen seit Gründung der Uni­versität dokumentiert auch die strukturelle Umgestaltung der Universität Potsdam, die gleichzeitig Einblick in Zusammenset­zung und Motivation der Studentenschaft gibt.

Veränderungen in der Studienwahl treten noch deut­licher zutage, wenn man sich die Entwicklung der Stu­dentenzahlen im 1. Fachsemester nach Abschlußarten und Fakultäten anschaut.

Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät und 19% haben sich für ein Studi­um in der Mathematisch-Naturwissen­schaftlichen Fakultät entschieden. Im Ver­gleich zum Wintersemester 91/92 verdop­pelten sich die Einschreibungen in den Rechtswissenschaften, in den Wirtschafts­und Sozialwissenschaften stieg die Zahl der Studenten sogar um das Vierfache an, wäh­rend in beiden Philosophischen Fakultäten nur ein geringfügiger Zuwachs und in den naturwissenschaftlichen Fä­chern sogar ein Rückgang zu ver­zeichnen ist. Sieht man sich die Ent­wicklung der Studienanfängerzah­len jeweils für das Vollzeit- und Tfeil- zeitstudium an, so ist zu erkennen, daß die starke Zunahme bei den Rechtswissenschaften offensichtlich nicht nur auf die gestiegene Zahl der Studienanfänger, sondern auch auf Hochschulwechsler und bei den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften vor allem auf ansteigende Studienanfän­gerzahlen im Aufbaustudium zurückzuführen ist.

Bei den Naturwissenschaften wirkt sich der starke Rückgang der Aufbaustudenten, das zeit­weise Aussetzen der Zulassung zu Diplomstudiengängen, aber auch die große Zahl zulas­sungsbeschränkter Studien­gänge mit sehr kleinen Auf­nahmekapazitäten von z. B. 20

Studenten auf die derzeitige Entwicklung aus. In der Philosophischen Fakultät I hat sich die Zahl der Studienanfänger im Voll­zeitstudium verdreifacht, im gleichen Zeit­raum nahm der Zugang im Aufbaustudium um mehr als ein Drittel ab.

Die Studienanfänger- und Studentenzahlen in den Lehramtsstudiengängen sind seit 1991 kontinuierlich gesunken. Dieser Trend spiegelt die derzeitige Situation im Land Brandenburg (sinkender Lehrerbedarf be­sonders in der Primarstufe und eine starke Nachqualifizierung schon im Schuldienst tätiger Lehrer) wider. Da die Lehramtsstu­denten bisher immer den größten TM der Immatrikulierten ausmachten, ist die Ge­samtzahl der Studierenden an der Univer­sität Potsdam seit dem Wintersemester 1991/92 lediglich um etwa 18% gestiegen. Die Entwicklung der Neueinschreibungen in den letzten Jahren zeigt aber auch eine deutlich zunehmende Nachfrage in den neu eingenchteten Magister- und Diplom­studiengängen. Vor allem die neuen, zum Tfeil interdisziplinär angelegten Diplomstu­diengänge, wie z. B. Ernährungswissen­schaft, Biochemie, Geoökologie und Psy­chologie, sind für Studiemnteressenten be­sonders attraktiv und verzeichnen hohe Be­werberzahlen. Da jedoch die genannten na­turwissenschaftlichen Studiengänge auf­grund fehlender Raumkapazität insbeson­dere im Laborbereich und wegen des noch nicht abgeschlossenen personellen Aus­baus der Fächer erheblichen Zulassungs­beschränkungen unterlagen, konnte sich dieser Trend in der Entwicklung der Ge­samtstudentenzahlen kaum niederschlagen.

Longina Schulze

Herkunft der Vollzeitstudenten nach Ort der HZB

Ql Land Brandenburg

übrige neue BL

Q alte BL (einschl. Berlin)

Ausland

Aufschluß über Veränderungen hinsichtlich der Wahl des Studienortes gibt die Auswertung der Vollzeitstudenten nach dem Ort des Erwerbs der Hochschulzugangsberechtigung (HZB). Da­bei fällt der weiterhin starke Zuspruch aus dem Land Brandenburg, ein etwa gleichbleibender Zustrom aus den neuen Bundesländern, aber ein deutlicher Zuwachs aus den alten Bundes­ländern und aus dem Ausland auf. Im Vergleich zum Wintersemester 92/93 hat sich der Anteil der Studenten aus den alten Bundesländern ver­vierfacht und der Anteil ausländischer Studen­ten stieg um das 7,S-fache. Das beweist, daß die Attraktivität der Universität Potsdam auch über die Landesgrenzen hinaus zugenommen hat.

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PUTZ 6/95