STUDENTISCHE WAHLEN MIT DEFIZITEN
Nur wenige Studierende beteiligten sich an den diesjährigen Wahlen zur akademischen Selbstverwaltung der Universität Potsdam und gaben den studentischen Interessenvertretern für das Konzil, den Senat und die Fakultätsräte ihre Stimme.
„Dabei hatte sich der Gemeinsame Wahlausschuß, dem ich Vorstand, große Mühe gegeben, die Studierenden rechtzeitig über alle Modalitäten des Verfahrens zu informieren“, versichert der Jurist Prof. Dr. Helmut Weber. Wie vorgeschrieben, erfolgte demnach sieben Wochen vor der Wahl das Aushängen der entsprechenden Bekanntmachungen an allen Uni-Standorten. 14 läge Zeit gab es, Wahlvorschläge einzureichen. „Die Frist wurde nur sehr zögernd genutzt“, so der Inhaber des Lehrstuhls deutsches und europäisches Zivilrecht und Zivilprozeßrecht. Interesse zeigten insbesondere die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler sowie die Juristen. Von der Philosophischen Fakultät I hingegen kam z. B. für den Fakultätsrat kein einziger Wahlvorschlag.
Das ließ bereits im Vorfeld eine geringe Resonanz erahnen. Zu den Urnen gingen schließlich im Durchschnitt 7% der Stimmberechtigten, wie etwa in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen oder der Philosophischen Fakultät I. Im Ergebnis bedeutet dies eine leichte Verschlechterung um 0,9% bezogen auf das Vorjahr, wenngleich die einzelnen Fakultäten große Un-
Stimmen zur Wahl
„Natürlich waren wir (der StuRa) ob der Wahlbeteiligung enttäuscht, denn wir wollen ja studentische Interessen vertreten. Das altbekannte Problem mangelnden Interesses von seiten der Studentenschaft sowie die wenig intensive öffentliche (Selbst-)Darstellung der Kandidaten und der Wahlen haben wohl zu diesem schlechten Ergebnis beigetragen. Als Studentenrat wollen wir daraus unsere Konsequenzen für die Wahlen der studentischen Selbstverwaltung im November ziehen. Hoffentlich funktioniert das auch."
Bertram Welker
.... Die Studentenvertreterin den zentralen Gremien der Universität üben gesetzlich vorgesehene Funktionen aus, zu denen such Kontroll- und Überwachungsaufgaben über die Universitätsleitung gehören. Schon von daher ist eine Einflußnahme der Universitätsleitung auf die Wahlen ausgeschlossen. Dies gilt sinngemäß ebenso für den Wahlausschuß... Die Verlegung des Wahllokals für den Standort Babelsberg vom Gebäude Griebnitzsee zum Park Babelsberg erfolgte wegen der Baumaßnahmen im Gebäude Griebnitzsee... Für alle Studenten stand alternativ die Briefwahl
terschiede aufwiesen. Während beispielsweise bei den Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern immerhin 14,95% der anwesenden Immatrikulierten wählten, fanden in der Philosophischen Fakultät II ganze 2,62% der künftigen Akademiker den Weg ms Wahllokal. Bei den Juristen beteiligten sich 8,3% der jungen Leute an der Prozedur. Lediglich 321 von insgesamt über 4.500 Direktstudenten plädierten für ihre Favoriten im Konzil bzw. Senat. Damit nahmen auch hier nur 7% der Kommilitonen ihr Wahlrecht wahr. Selbst durch die zu Beginn des Semesters an alle Studierenden ausgehändigten Briefwahlanträge enstand kein besseres Resultat. Bertram Welker, einer der beiden Vorsitzenden des Studentenrates, meint zu dieser Bilanz u. a.: „Die Informationen zur Wahl kamen zu spät und nur ungenügend, Das Fehlen eines Wahllokals in Griebnitzsee trug wesentlich zur niedngen Wahlbeteiligung bei.“ Allerdings stehen in diesem Zusammenhang die dem widersprechenden 14,95% der am Standort in der August-Bebel-Straße beheimateten Wi.-So.- Fakultät. Der Politikwissenschaftler in spe scheut jedoch zu Recht nicht den Vergleich zu anderen Unis. „Ähnliche Ergebnisse gibt
es auch dort. Wir müssen uns durchaus nicht verstecken“, sagt er. Dennoch, natürlich schmerzen auch ihn die blassen 2% an der Philosophischen Fakultät II. Die 15% der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler verstehen seine Mitstreiter und er dagegen als Orientierungspunkt und Ansporn.
„Die könnten im Durchschnitt durchaus drin sein, Notwendige Voraussetzung allerdings müßte eine engagiertere Vorbereitung auch unsererseits sein“, bekennt Welker. Diesmal jedenfalls mangelte es nicht nur an aktiven Wählern, auch die Anzahl der aufgestellten Kandidaten ließ Defizite erkennen. Nur sehr begrenzt bestand offensichtlich unter den Studiosis die Bereitschaft, sich durch eigene Mitarbeit in die Gremien der Alma mater einzubnngen. Ein Wahlkampf im Sinne des Vorstellens unterschiedlicher Positionen fand erst gar nicht statt. Dessen Organisation hätte im übngen wie bei jeder anderen Wahl auch in den Händen der Bewerber selbst liegen müssen.
Vielleicht gelingt nun im nächsten Jahr eine deutliche Verbesserung der Situation. Die Mitglieder des Studentenrates zerbrechen sich schon heute die Köpfe über das „Wie“. Erste Vorüberlegungen existieren bereits.
EG.
RAUM FÜR KÜNSTLERISCHE BETÄTIGUNG EROBERT
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„Sehr glücklich" zeigt sich Prof. Dr. Meike Aissen-Crewett, Inhaberin des Lehrstuhls für Grund- schulpädagogik/Lembereich musisch-ästhetische Erziehung mit dem Schwerpunkt Ästhetische Erziehung, darüber, daß seit einem Jahr in Golm für die Studierenden des Studienganges Kunst im Rahmen der Primarstufenausbildung die Möglichkeit besteht, ihre Vorstellungen künstlerischer Arbeit m einem 'richtigen'Atelier umsetzen zu können. Ca. 50 der in der Hauptklasse Freie Malerei entstandenen Werke wurden kürzlich dort mit großer Resonanz der Öffentlichkeit präsentiert. 15 Studierende ab viertem Semester zeigten dabei unterschiedliche „Handschriften". Jetzt sind ihre Arbeiten m den Fluren des Hauses 9 in Golm m Augenschein zu nehmen. Das Besondere der Freien Malerei, deren Bildkomposition eigenen Regeln folgt, besteht in der engen Verbindung zur Musik. Um diesen Bezug deutlich werden zu lassen, improvisierte der Musiker Lutz Andres bei der Ausstellungseröffnung auf verschiedenen Instrumenten. Als spannend für alle Beteiligten erweist sich das Werden des Bildes im ästhetischen Prozeß. „Diese ganz verdichtete, aktive Wahrnehmung ist eine unverzichtbare Voraussetzung für den zukünftigen Kunstpädagogen und Kunsterzieher", so Meike Aissen-Crewett. B.E./Foto: Tribukeit
PUTZ 6/95
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