LAND UND LEUTE „PUR"
Zum Auslandsstudium an russische Partnerhochschulen
Für Slavistikstudenten ist laut Studienordnung ein mindestens vierwöchiger Studienaufenthalt im osteuropäischen Ausland obligatorisch. Hilfestellung geben die Lehrkräfte des Instituts für Slavistik, die beispielsweise gute Kontakte zur Staatlichen Pädagogischen Universität „ A. I. Herzen“ in St. Petersburg und zum Staatlichen Pädagogischen Institut in Smolensk unterhalten. Die Zusammenarbeit erstreckt sich u. a. auch auf die Durchführung längerer Studienaufenthalte. Jährlich gehen Potsdamer Slavistikstudenten im Rahmen dieser Programme für ein oder zwei Semester zum Studium nach St. Petersburg oder Smolensk.
Im vergangenen Semester konnte erstmalig ein Student des Instituts für Slavistik mit dem Schwerpunktfach Russistik im Rahmen eines Studentenaustauschs für ein Semester bei kostenloser Unterkunft und ohne Studiengebühren in St. Petersburg studieren. Währenddessen absolvierten einige Petersburger Studenten mit Hilfe eines Kontaktstipendiums u. a. ein Germanistik- teilstudium an der Universität Potsdam.
Darüber hinaus besteht gegenwärtig die Möglichkeit, an einem Praktikum mit sprachpraktischer, kulturkundlicher und literaturwissenschaftlicher Schwerpunktsetzung teilzunehmen, das jährlich - in der Regel im September - im Rahmen eines Studentenaustausches durchgeführt und in Zusammenarbeit mit dem Akademischen Auslandsamt vorbereitet wird.
Äußerst günstige Studienbedingungen herrschen in Smolensk. Diese sowie persönliche und wissenschaftliche Kontakte der Potsdamer Lehrkräfte zu den verantwortlichen Lehrkräften in Smolensk bieten günstige Voraussetzung dafür, daß die Studienwünsche der Potsdamer Studenten realisiert werden können.
Derzeit studiert eine Studentin zwei Semester Russistik am Institut in Smolensk, ein Student hat gerade seinen einsemestrigen Aufenthalt dort beendet. Begeistert schildert er die individuelle Betreuung durch die Lehrkräfte und bekundet - wie zahlreiche seiner Kommilitonen - den Wunsch, wieder dorthin zu fahren.
Kürzlich unternahm eine elfköpfige Studentengruppe eine Exkursion in die Stadt am Dnjepr. Einige nutzten den Studienaufenthalt zur Materialsammlung für ihre Magisterarbeit und arbeiteten in Bibliotheken, alle lernten dabei Land und Leute „pur“ kennen.
Neben den Kontakten zu Partnereinrichtungen in Rußland unterhält das Institut für Slavistik auch intensive Beziehungen zu Hochschulen in anderen (mittel-)osteuro- päischen Ländern. Desweiteren sollen in nächster Zukunft Partnerschaften mit Universitäten in Finnland aufgebaut werden.
Kerstin Berger
Staatliche Pädagogische Universität „A.I. Herzen“ in St. Petersburg
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VERTEIDIGER UND ANKLÄGER IM HÖRSAAL
Jura-Studenten organisierten Moot Court-Wettbewerb
Der Hörsaal 1 der Juristischen Fakultät der Universität Potsdam verwandelte sich kürzlich für zwei läge in einen Gerichtssaal. Anlaß war der von der Europäischen Jurastudentenvereinigung Potsdam (ELSA) organisierte Moot Court-Wettbewerb zwischen Jurastudenten aus Frankfurt/Oder und Potsdam. 250 Studierende verfolgten die Verurteilung von Straftätern in drei Verhandlungen. In die Rollen von Anklage und Verteidigung sowie von Zeugen und Angeklagten schlüpften Studenten aus Ffankfurt/Oder, Berlin und Potsdam. Als Richter betätigten sich Professoren der Universität Potsdam, Rechtsanwälte und Berufsrichter aus Berlin und Potsdam.
Eröffnet wurde der Wettbewerb mit der Verhandlung gegen den Angeklagten Bernhard G. Dieser war in der U-Bahn auf vier Amerikaner gestoßen, die ihn um DM 5,- baten. Auf diese Bitte reagierte der Angeklagte mit fünf Schüssen aus seinem Revolver, wobei die Vier schwere Verletzungen davontrugen. Die Beweisaufnahme ergab, daß der Angeklagte seit seiner Kindheit mit einem psychisch labilen Zustand zu kämpfen, panische Angst in geschlossenen U- Bahnen und vor der Begegnung mit Ausländern hat. Gegenüber den Opfern versicherte der Angeklagte, daß er die Tät bereue und sich bessern werde. Das hohe Gericht wies ihn auf unbestimmte Zeit in eine psychiatrische Anstalt ein, in der sein Zustand ständig überwacht wird.
Verteidiger- und Anklageteam lieferten sich ein heißes Wortgefecht, bei dem beide Sei
ten ihre Position mit Beweisen und Paragraphen untermauerten. Die besseren Argumente des Lfeams der Anklage aus Potsdam wurden mit einem Preis belohnt.
Zu Beginn der zweiten Verhandlung wählte sich das Gericht mangels eines dritten Richters einen „Saalkandidaten“ aus der Mitte der Zuschauer, der bis zum Eintreffen des verspäteten Richters sein Amt mit Würde wahrnahm. Bei diesem Prozeß stand der Polizist Heribert D. wegen Körperverletzung im Amt gemäß § 320 des Strafgesetzbuches (StGB) vor Gericht. Laut Aussage des Opfers, eines Zigarettenhändlers, hat Heribert D. diesen bei der polizeilichen Vernehmung beleidigt und geschlagen. Im Gegensatz dazu behauptete der Angeklagte, daß sich das Opfer seine Verletzungen unter dem linken Auge bei einem Sturz im Vernehmungsraum zugezogen hätte. Da Aussage gegen Aussage stand und die Zeugenbefragung keine Klarheit ergab, entschied sich das Gericht zugunsten des Angeklagten für Freispruch. Der Moot Court fand bei den Studierenden großen Anklang, die Jura einmal anders als im „trockenen“ Studium erleben konnten. Die Tfeams erprobten sich bereits in der Täktik der Prozeßführung und erhielten im Erfahrungsaustausch mit gestandenen Juristen wertvolle Hinweise für die spätere Praxis.
Katrin Rothe/Claudia Krause
Selbst an einen „Genchtszeich- ner“ wurde bei der Durchführung des Moot Court gedacht. Hier Prof. Küpper von der Juristischen Fakultät, Richter Baars und Rechtsanwalt Nick (v.l.n.r.) und im Vordergrund das Potsdamer Gewinnerteam Sven Prüfer und Ulrich Jahnke.
Zeichnung: A. Ressos
Seite 28 PUTZ 6/95