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(1.1.2019) 06
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LAND UND LEUTEPUR"

Zum Auslandsstudium an russische Partnerhochschulen

Für Slavistikstudenten ist laut Studienordnung ein mindestens vierwöchiger Studienaufenthalt im osteuropäischen Ausland ob­ligatorisch. Hilfestellung geben die Lehrkräfte des Instituts für Slavistik, die beispielsweise gute Kontakte zur Staatlichen Päd­agogischen Universität A. I. Herzen in St. Petersburg und zum Staatlichen Pädagogischen Institut in Smolensk unterhalten. Die Zusammenarbeit erstreckt sich u. a. auch auf die Durchführung längerer Studienaufenthalte. Jährlich gehen Potsdamer Slavistik­studenten im Rahmen dieser Programme für ein oder zwei Se­mester zum Studium nach St. Petersburg oder Smolensk.

Im vergangenen Semester konnte erstma­lig ein Student des Instituts für Slavistik mit dem Schwerpunktfach Russistik im Rah­men eines Studentenaustauschs für ein Se­mester bei kostenloser Unterkunft und ohne Studiengebühren in St. Petersburg studie­ren. Währenddessen absolvierten einige Petersburger Studenten mit Hilfe eines Kontaktstipendiums u. a. ein Germanistik- teilstudium an der Universität Potsdam.

Darüber hinaus besteht gegenwärtig die Möglichkeit, an einem Praktikum mit sprachpraktischer, kulturkundlicher und li­teraturwissenschaftlicher Schwerpunkt­setzung teilzunehmen, das jährlich - in der Regel im September - im Rahmen eines Studentenaustausches durchgeführt und in Zusammenarbeit mit dem Akademischen Auslandsamt vorbereitet wird.

Äußerst günstige Studienbedingungen herrschen in Smolensk. Diese sowie per­sönliche und wissenschaftliche Kontakte der Potsdamer Lehrkräfte zu den verant­wortlichen Lehrkräften in Smolensk bieten günstige Voraussetzung dafür, daß die Studienwünsche der Potsdamer Studenten realisiert werden können.

Derzeit studiert eine Studentin zwei Seme­ster Russistik am Institut in Smolensk, ein Student hat gerade seinen einsemestrigen Aufenthalt dort beendet. Begeistert schil­dert er die individuelle Betreuung durch die Lehrkräfte und bekundet - wie zahlreiche seiner Kommilitonen - den Wunsch, wieder dorthin zu fahren.

Kürzlich unternahm eine elfköpfige Studen­tengruppe eine Exkursion in die Stadt am Dnjepr. Einige nutzten den Studienaufent­halt zur Materialsammlung für ihre Ma­gisterarbeit und arbeiteten in Bibliotheken, alle lernten dabei Land und Leutepur kennen.

Neben den Kontakten zu Partnereinrich­tungen in Rußland unterhält das Institut für Slavistik auch intensive Beziehungen zu Hochschulen in anderen (mittel-)osteuro- päischen Ländern. Desweiteren sollen in nächster Zukunft Partnerschaften mit Uni­versitäten in Finnland aufgebaut werden.

Kerstin Berger

Staatliche Pädagogische UniversitätA.I. Herzen in St. Petersburg

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VERTEIDIGER UND ANKLÄGER IM HÖRSAAL

Jura-Studenten organisierten Moot Court-Wettbewerb

Der Hörsaal 1 der Juristischen Fakultät der Universität Potsdam verwandelte sich kürz­lich für zwei läge in einen Gerichtssaal. Anlaß war der von der Europäischen Jurastudentenvereinigung Potsdam (ELSA) organisierte Moot Court-Wettbewerb zwi­schen Jurastudenten aus Frankfurt/Oder und Potsdam. 250 Studierende verfolgten die Verurteilung von Straftätern in drei Verhandlungen. In die Rollen von Anklage und Ver­teidigung sowie von Zeugen und Angeklagten schlüpften Studenten aus Ffankfurt/Oder, Berlin und Potsdam. Als Richter betätigten sich Professoren der Universität Potsdam, Rechtsanwälte und Berufsrichter aus Berlin und Potsdam.

Eröffnet wurde der Wettbewerb mit der Ver­handlung gegen den Angeklagten Bern­hard G. Dieser war in der U-Bahn auf vier Amerikaner gestoßen, die ihn um DM 5,- baten. Auf diese Bitte reagierte der Ange­klagte mit fünf Schüssen aus seinem Revol­ver, wobei die Vier schwere Verletzungen davontrugen. Die Beweisaufnahme ergab, daß der Angeklagte seit seiner Kindheit mit einem psychisch labilen Zustand zu kämp­fen, panische Angst in geschlossenen U- Bahnen und vor der Begegnung mit Auslän­dern hat. Gegenüber den Opfern versicher­te der Angeklagte, daß er die Tät bereue und sich bessern werde. Das hohe Gericht wies ihn auf unbestimmte Zeit in eine psychiatrische Anstalt ein, in der sein Zu­stand ständig überwacht wird.

Verteidiger- und Anklageteam lieferten sich ein heißes Wortgefecht, bei dem beide Sei­

ten ihre Position mit Beweisen und Paragra­phen untermauerten. Die besseren Argu­mente des Lfeams der Anklage aus Potsdam wurden mit einem Preis belohnt.

Zu Beginn der zweiten Verhandlung wählte sich das Gericht mangels eines dritten Richters einenSaalkandidaten aus der Mitte der Zuschauer, der bis zum Eintreffen des verspäteten Richters sein Amt mit Wür­de wahrnahm. Bei diesem Prozeß stand der Polizist Heribert D. wegen Körperverlet­zung im Amt gemäß § 320 des Strafgesetz­buches (StGB) vor Gericht. Laut Aussage des Opfers, eines Zigarettenhändlers, hat Heribert D. diesen bei der polizeilichen Vernehmung beleidigt und geschlagen. Im Gegensatz dazu behauptete der Angeklag­te, daß sich das Opfer seine Verletzungen unter dem linken Auge bei einem Sturz im Vernehmungsraum zugezogen hätte. Da Aussage gegen Aussage stand und die Zeugenbefragung keine Klarheit ergab, entschied sich das Gericht zugunsten des Angeklagten für Freispruch. Der Moot Court fand bei den Studierenden großen An­klang, die Jura einmal anders als imtrockenen Studium erleben konnten. Die Tfeams erprobten sich bereits in der Täktik der Prozeßführung und erhielten im Erfahrungsaus­tausch mit gestandenen Juri­sten wertvolle Hinweise für die spätere Praxis.

Katrin Rothe/Claudia Krause

Selbst an einenGenchtszeich- ner wurde bei der Durchfüh­rung des Moot Court gedacht. Hier Prof. Küpper von der Juri­stischen Fakultät, Richter Baars und Rechtsanwalt Nick (v.l.n.r.) und im Vordergrund das Potsda­mer Gewinnerteam Sven Prüfer und Ulrich Jahnke.

Zeichnung: A. Ressos

Seite 28 PUTZ 6/95