Heft 
(1.1.2019) 06
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IM GLEICHGEWICHT SEIN

Der Autor des BuchesSport, Psyche und Immunsystem'' greift ein Thema auf, das in den letzten Jahren zunehmend in das Inter­esse der Wissenschaft gerückt ist. Wie je­des andere Lebewesen auch, muß sich der Mensch ständig mit seiner inneren und äußeren Umwelt auseinandersetzen und seine Beziehungen zu ihnen optimieren. Das Nervensystem und das Hormonsystem spielen in diesem Gefüge eine überragen­de Rolle. Jedoch zeigte sich schon vor Jah­ren, daß auch das Immunsystem wesentli­chen Anteil am Erhält bzw. bei der Wieder­erlangung der sogenannten Homöostase (der Reaktionsbereitschaft, des Fließgleich- gewichtes zwischen Organismus und sei­ner Umwelt) hat.

Dem Autor Diether Findeisen ist es gelun­gen, in allgemeinverständlicher Form die Rolle des Immunsystems und dessen Be­ziehungen zu körperlichen und psychi­schen Gegebenheiten darzulegen. Er be­schreibt zunächst die anatomischen und physiologischen Grundlagen auf zellulä­rem Niveau sowie auf der Ebene wesentli­cher Organe und Systeme. Er schildert die Anpassungsmöglichkeiten der einzelnen Strukturen des menschlichen Organismus und gibt Auskünfte über die Belastbarkeit in verschiedenen Altersgruppen und im Hin­blick auf den Geschlechtsdimorphismus. Daraus leitet er einige Empfehlungen für die körperliche Belastung, insbesondere auch im Hinblick auf die Vermeidung von Überlastungsschäden und Fehlbelastungs­folgen, ab. Im letzten Tteil des Buches wird die Antwort des Immunsystems auf physi­sche und psychische Auslenkungen des Organismus aus seinem Ruhezustand nä­her beschneben.

Das Buch liest sich nicht immer leicht. Es enthält sowohl einen Schnelldurchgang durch die Biologie als auch durch die Phy­siologie und die Sportmedizin. Diese Aus­führungen sind sicher zumindest für den nicht vorgebildeten Leser nötig, konnten aber nur lückenhaft dargeboten werden. Einige Kapitel hätten zugunsten des Haupt­anliegens gekürzt oder gestrichen werden können, u.a. die Erkennung und Verhütung von Sportunfällen und Sportschäden oder Maßnahmen der Ersten Hilfe bei Sport­verletzungen.

Trotz dieser sicher in den nächsten Aufla­gen zu behebenden Schwächen ist das Buch eine Bereicherung für den an Rmktionszusammenhängen des menschli­chen Organismus interessierten Leser.

Gemot Badtke

Diether G. R. Findeisen, Sport, Psyche und Immunsystem, Frieling-Verlag, Berlin 1994, 240 Seiten, 49 Abbildungen und 31 Tabellen, 24,80 DM.

EIN PLÄDOYER FÜR DIE SPORTVEREINE

Im Land Brandenburg existieren mehr Sportvereine als Apotheken, Postämter oder Arztpraxen. 10,9 Prozent der Bevölke­rung sind dort in Vereinen organisiert. Im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen mit 26,6 Prozent ist das jedoch ein geringer Anteil. Untersuchungen belegen, daß es noch im­mer gravierende Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen Sportvereinen gibt. Mit der aktuellen Lage in den neuen Bundesländern und Entwicklungstendenzen in der Vereinslandschaft be­faßt sich das gerade erschie­nene BuchSportvereine im.

Übergang, das kürzlich auf einer Pressekonferenz an der Universität Potsdam vor­gestellt wurde. Denn als Au­toren fungierten der Leiter des Arbeitsbereiches Sport und Gesellschaft an der Um,

Prof. Dr. Jürgen Baur, sowie seine Mitarbeiter Uwe Koch und Stephan ffelschow. Letzterer studierte bis vor kurzem noch Mathematik, Physik und Sozialwissenschaften im Lehramt in Potsdam.

In Kooperation mit dem Ministerium für Bil­dung, Jugend und Sport des Landes Bran­denburg und dem Landessportbund Bran­denburg führte der Arbeitsbereich Sport und Gesellschaft ein umfangreiches For­schungsprogramm zur Entwicklung des organisierten Sports in Ostdeutschland durch. Die daraus resultierenden Ergebnis­se enthält die Monographie. So sind die

Besonderheiten ostdeutscher Sportvereine wie die Dominanz der Sportartenangebote und des Wettkampfsports, die Konzentrati­on auf jugendliche Mitglieder und die so­ziale Geschlossenheit gegenüber Nichtmit­gliedern detailliert dargelegt. Die ermittel­ten Daten ergeben sich aus Erhebungen in Potsdamer und Neuruppiner Sportvereinen, aus Gesprächen mit Funktionsträgern und Gruppenleitern sowie aus Untersuchungen des Deut­schen Sportbundes und des Landessportbundes. Neben der Bestandsaufnahme unter­breiten die Autoren eine Rei­he von Vorschlägen für die soziale Öffnung der Sportver­eine und eine Erweiterung ih­rer Sportangebote. Die Wis­senschaftler nehmen eine re­lativ strenge, nicht allerseits geteilte Abgrenzung von Spit­zen-, Leistungs- und Breiten­sport vor. Anliegen sei es, so Jürgen Baur, auch mit Hilfe der Publikation die Diskussion auf allen Ebenen zu dieser Thematik voranzutreiben. Er ist übrigens ein vehementer Verfechter von Vereinen, da sie allen Bevölkerungschichten am preisgünstigsten Sportangebote unterbrei­ten können. B.E.

Jürgen Baur, Uwe Koch, Stephan Tel- schow: Sportvereine im Übergang: Die Vereinslandschaft in Ostdeutschland. Edition Sport und Wissenschaft, Bd. 21, Aachen, Meyer & Meyer, 1995, 29,80 DM.

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BUCKYBALLS" UND IHRE ZUKUNFT

Bisher dachte man, das Element Kohlen­stoff käme nur in den zwei Modifikationen Graphit und Diamant vor. Inzwischen wur­den die Füllerene als offenbar dritte Modi­fikation ausgemacht. Diese auchBuck- minsterfullerene - nach dem berühmten amerikanischen Architekten - oder kurz Buckyballs genannten Moleküle aus z. B. 60 oder 70 Kohlenstoffatomen (C^ und C 70 ) lassen viele neue Anwendungen erhoffen und werden nun in einem populärwissen­schaftlichen BuchFüllerene beschrieben. DieBuckyballs zeigen eine sehr hohe Elektronenbeweglichkeit, die über der des Gases liegt und Anwendungen in der Hoch­geschwindigkeitselektronik (schnelle Tran­sistoren) verspricht. Weiterhin zeigen sie nichtlineare optische Eigenschaften, die zur Firequenzverdoppelung in der nichtline­aren Optik eingesetzt werden können. Au­ßerdem denkt man darüber nach, ob man die extreme Härte derBuckyballs für die Erhöhung der Verschleißfestigkeit von Ku­

gellagern einsetzen könnte. An die Füllere­ne lassen sich andere Moleküleandok- ken. Einige der so gefundenen Metall- Füllerene zeigen supraleitende Eigenschaf­ten. Das C^-TDAE flfetrakis(dimethylami- no)ethylen) ist die erste chemische Verbin­dung, die ohne ein Metallatom zu enthalten, ferroelektrische Eigenschaften besitzt. Den Anstoß zur Füllereneforschung gaben nicht etwa Anregungen aus der Material­wissenschaft, sonderen Untersuchungen der interstellaren Materie. Die Versuche der Astronomen, interstellare Kohlenstoffverbm- dungen zu synthetisieren, führte 1985 zur Entdeckung des C^-Moleküls, Die eigent­liche Füllerene-Forschung, spöttisch auch als Buckyball-Fieber bezeichnet, setzte aber erst 1990 ein, nachdem die Synthese der Moleküle gelungen war. Eine größere Menge läßt sich hersteilen, wenn man Gra­phit bei ca. 3000°C in inerter Athmosphäre verdampft. Dann schlagen sich an den Innenwänden der Rezipienten Moleküle

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