IM GLEICHGEWICHT SEIN
Der Autor des Buches „Sport, Psyche und Immunsystem'' greift ein Thema auf, das in den letzten Jahren zunehmend in das Interesse der Wissenschaft gerückt ist. Wie jedes andere Lebewesen auch, muß sich der Mensch ständig mit seiner inneren und äußeren Umwelt auseinandersetzen und seine Beziehungen zu ihnen optimieren. Das Nervensystem und das Hormonsystem spielen in diesem Gefüge eine überragende Rolle. Jedoch zeigte sich schon vor Jahren, daß auch das Immunsystem wesentlichen Anteil am Erhält bzw. bei der Wiedererlangung der sogenannten Homöostase (der Reaktionsbereitschaft, des Fließgleich- gewichtes zwischen Organismus und seiner Umwelt) hat.
Dem Autor Diether Findeisen ist es gelungen, in allgemeinverständlicher Form die Rolle des Immunsystems und dessen Beziehungen zu körperlichen und psychischen Gegebenheiten darzulegen. Er beschreibt zunächst die anatomischen und physiologischen Grundlagen auf zellulärem Niveau sowie auf der Ebene wesentlicher Organe und Systeme. Er schildert die Anpassungsmöglichkeiten der einzelnen Strukturen des menschlichen Organismus und gibt Auskünfte über die Belastbarkeit in verschiedenen Altersgruppen und im Hinblick auf den Geschlechtsdimorphismus. Daraus leitet er einige Empfehlungen für die körperliche Belastung, insbesondere auch im Hinblick auf die Vermeidung von Überlastungsschäden und Fehlbelastungsfolgen, ab. Im letzten Tteil des Buches wird die Antwort des Immunsystems auf physische und psychische Auslenkungen des Organismus aus seinem Ruhezustand näher beschneben.
Das Buch liest sich nicht immer leicht. Es enthält sowohl einen Schnelldurchgang durch die Biologie als auch durch die Physiologie und die Sportmedizin. Diese Ausführungen sind sicher zumindest für den nicht vorgebildeten Leser nötig, konnten aber nur lückenhaft dargeboten werden. Einige Kapitel hätten zugunsten des Hauptanliegens gekürzt oder gestrichen werden können, u.a. die Erkennung und Verhütung von Sportunfällen und Sportschäden oder Maßnahmen der Ersten Hilfe bei Sportverletzungen.
Trotz dieser sicher in den nächsten Auflagen zu behebenden Schwächen ist das Buch eine Bereicherung für den an Rmktionszusammenhängen des menschlichen Organismus interessierten Leser.
Gemot Badtke
Diether G. R. Findeisen, Sport, Psyche und Immunsystem, Frieling-Verlag, Berlin 1994, 240 Seiten, 49 Abbildungen und 31 Tabellen, 24,80 DM.
EIN PLÄDOYER FÜR DIE SPORTVEREINE
Im Land Brandenburg existieren mehr Sportvereine als Apotheken, Postämter oder Arztpraxen. 10,9 Prozent der Bevölkerung sind dort in Vereinen organisiert. Im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen mit 26,6 Prozent ist das jedoch ein geringer Anteil. Untersuchungen belegen, daß es noch immer gravierende Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen Sportvereinen gibt. Mit der aktuellen Lage in den neuen Bundesländern und Entwicklungstendenzen in der Vereinslandschaft befaßt sich das gerade erschienene Buch „Sportvereine im.
Übergang“, das kürzlich auf einer Pressekonferenz an der Universität Potsdam vorgestellt wurde. Denn als Autoren fungierten der Leiter des Arbeitsbereiches Sport und Gesellschaft an der Um,
Prof. Dr. Jürgen Baur, sowie seine Mitarbeiter Uwe Koch und Stephan ffelschow. Letzterer studierte bis vor kurzem noch Mathematik, Physik und Sozialwissenschaften im Lehramt in Potsdam.
In Kooperation mit dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg und dem Landessportbund Brandenburg führte der Arbeitsbereich Sport und Gesellschaft ein umfangreiches Forschungsprogramm zur Entwicklung des organisierten Sports in Ostdeutschland durch. Die daraus resultierenden Ergebnisse enthält die Monographie. So sind die
Besonderheiten ostdeutscher Sportvereine wie die Dominanz der Sportartenangebote und des Wettkampfsports, die Konzentration auf jugendliche Mitglieder und die soziale Geschlossenheit gegenüber Nichtmitgliedern detailliert dargelegt. Die ermittelten Daten ergeben sich aus Erhebungen in Potsdamer und Neuruppiner Sportvereinen, aus Gesprächen mit Funktionsträgern und Gruppenleitern sowie aus Untersuchungen des Deutschen Sportbundes und des Landessportbundes. Neben der Bestandsaufnahme unterbreiten die Autoren eine Reihe von Vorschlägen für die soziale Öffnung der Sportvereine und eine Erweiterung ihrer Sportangebote. Die Wissenschaftler nehmen eine relativ strenge, nicht allerseits geteilte Abgrenzung von Spitzen-, Leistungs- und Breitensport vor. Anliegen sei es, so Jürgen Baur, auch mit Hilfe der Publikation die Diskussion auf allen Ebenen zu dieser Thematik voranzutreiben. Er ist übrigens ein vehementer Verfechter von Vereinen, „da sie allen Bevölkerungschichten am preisgünstigsten Sportangebote unterbreiten können“. B.E.
Jürgen Baur, Uwe Koch, Stephan Tel- schow: Sportvereine im Übergang: Die Vereinslandschaft in Ostdeutschland. Edition Sport und Wissenschaft, Bd. 21, Aachen, Meyer & Meyer, 1995, 29,80 DM.
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„BUCKYBALLS" UND IHRE ZUKUNFT
Bisher dachte man, das Element Kohlenstoff käme nur in den zwei Modifikationen Graphit und Diamant vor. Inzwischen wurden die Füllerene als offenbar dritte Modifikation ausgemacht. Diese auch „Buck- minsterfullerene“ - nach dem berühmten amerikanischen Architekten - oder kurz „Buckyballs” genannten Moleküle aus z. B. 60 oder 70 Kohlenstoffatomen (C^ und C 70 ) lassen viele neue Anwendungen erhoffen und werden nun in einem populärwissenschaftlichen Buch „Füllerene“ beschrieben. Die „Buckyballs“ zeigen eine sehr hohe Elektronenbeweglichkeit, die über der des Gases liegt und Anwendungen in der Hochgeschwindigkeitselektronik (schnelle Transistoren) verspricht. Weiterhin zeigen sie nichtlineare optische Eigenschaften, die zur Firequenzverdoppelung in der nichtlinearen Optik eingesetzt werden können. Außerdem denkt man darüber nach, ob man die extreme Härte der „Buckyballs“ für die Erhöhung der Verschleißfestigkeit von Ku
gellagern einsetzen könnte. An die Füllerene lassen sich andere Moleküle „andok- ken“. Einige der so gefundenen Metall- Füllerene zeigen supraleitende Eigenschaften. Das C^-TDAE flfetrakis(dimethylami- no)ethylen) ist die erste chemische Verbindung, die ohne ein Metallatom zu enthalten, ferroelektrische Eigenschaften besitzt. Den Anstoß zur Füllereneforschung gaben nicht etwa Anregungen aus der Materialwissenschaft, sonderen Untersuchungen der interstellaren Materie. Die Versuche der Astronomen, interstellare Kohlenstoffverbm- dungen zu synthetisieren, führte 1985 zur Entdeckung des C^-Moleküls, Die eigentliche Füllerene-Forschung, spöttisch auch als Buckyball-Fieber bezeichnet, setzte aber erst 1990 ein, nachdem die Synthese der Moleküle gelungen war. Eine größere Menge läßt sich hersteilen, wenn man Graphit bei ca. 3000°C in inerter Athmosphäre verdampft. Dann schlagen sich an den Innenwänden der Rezipienten Moleküle
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PUTZ 6/95