Heft 
(1.1.2019) 06
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nieder, die eine in sich geschlossene Form besitzen und aus einer geradzahligen An­zahl von mehr als 32 Kohlenstoffatomen be­stehen. Die Häufigkeit dermagischen Zahlen 60 und 70 ragt dabei besonders her­aus. Das läßt sich damit erklären, daß die Oberfläche der so gebildeten Buckyballs aus genau 12 Fünfecken besteht, die von Sechsecken so umschlossen sind, das sich die Fünfecke nicht berühren. Daß diese Kombination zu einer runden Form führt, ist uns vom Füßball sehr wohl bekannt,

Das vorliegende populärwissenschaftliche Buch, was besserKohlenstoff in drei Mo­difikationen heißen sollte, führt umfassend und verständlich in die Chemie des Kohlen­stoffs ein. Ausführlich werden dem Leser die Darstellung und die Eigenschaften des Graphits und des Diamants erläutert, ehe man sich den Fullerenen als dritter Modifi­kation zuwendet. Die Stereochemie der je­weiligen Modifikation wird an Hand ihrer chemischen Bindung beschrieben, nämlich daß der Kohlenstoff im Diamant sp 3 -hybri- disiert ist und damit eine tetraedrische Ko­ordination bevorzugt, während die sp 2 -Hy- bndisierung die eher planare Koordination des Kohlenstoffs im Graphit verursacht. Die chemische Bindung der Fullerene liegt da­gegen zwischen beiden. Hier macht der Autor auf einen interessanten Zusammen­hang bei der Rußbildung aufmerksam, die in einem ausführlichen Kapitel beschrieben wird.

Im Buch nehmen stereochemische und kri- stallographische Aspekte einen großen Raum ein. In einem großen Kapitel zu Sym­metrie und Topologie werden nach grund­legenden kristallographischen Einführun­gen die Buckyballs als Kunstwerke der Na­tur gedeutet, die der Ästhetik der Platoni­schen und Eulerschen Körper genügen. Dieser Tfeil der Arbeit ist gut geeignet, auch Nicht-Naturwissenschaftlern dieses neue Forschungsgebiet schmackhaft zu machen. Für denFachmann sind dagegen die aus geometrischen Aspekten folgenden weiter­führenden Bauprinzipien wieBucky-tubes (ineinandergestellte Kohlenstoffzylinder) oderBucky-onions" (ineinandergestellte Kohlenstoffkugeln), die die eingangs er­wähnten Komplexverbindungen ermögli­chen, interessant.

Nicht unerwähnt für dengeplagten Uni­versitätsforscher soll der Satz bleiben, daß die Füllereneforschung ein Paradebeispiel für den Nutzen ist, den man aus der reinen, nicht zielorientierten Grundlagenforschung gewinnen kann, In diesem Sinne ist das Buch auch all denen empfohlen, die über die Vergabe von Forschungsmitteln zu be­finden haben. Ullrich Pietsch

Joachim Dettmann, Fullerene, Birkhäuser- Verlag 1994, 256 Seiten, 58,- DM

PUTZ 6/95

GOLDBLAUES ENDE EINES HOCHBETAGTEN SOMMERS"

Lesung mit dem tschechischen Dichter Ivan Wernisch

Zur 8. Lesung im Rahmen der Reihe Nachbarn aus Mitteleuropa. Dichterle­sungen in Potsdam folgte der Einladung des Lehrstuhls für Westslavische Literatu­ren und Kulturen an der Universität Pots­dam ein schon erheblich gewachsener Kreis neugieriger Interessenten, der dem ruhigen, manchmal fast lakonischen Vor­trag Ivan Wemischs lauschten.

Nachdem der tschechische Autor Ivan Wer­nisch in der Zeit von 1961 bis 1970 fünf Ge­dichtbände veröffentlicht hatte, blieb ihm während der zwei JahrzehnteNormalisie­rung nichts anderes übrig, alsin aller Stil­le - so der Titel eines Gedichtes - zu schreiben. Daß er das neben seiner Broter­werbstätigkeit als Hilfsarbeiter und - oft an­onymer - Übersetzer sehr intensiv betrie­ben hat, beweisen nicht nur die beiden in Exilverlagen gedruckten Publikationen, sondern vor allem seine zahlreichen, nach dersamtenen Revolution veröffentlichten Gedichtbändchen und Prosaminiaturen. Doch als Vorsitzender der neugegründeten Schnftstellergemeinde" und Redakteur der renommierten Prager LiteraturzeitungLite- rämi noviny hatte er nach 1989 nur wenig Zeit für sein dichterisches Schaffen. Des­halb nahm er gerne das Jahresstipendium des Deutschen Akademischen Austausch­dienstes (DAAD) in Berlin an. Wenn Ivan Wernisch in den nächsten lägen seine Zelte hier abbrechen wird, befinden sich in sei­nem Gepäck Tfexte für zwei Bücher, die hof­fentlich auch bald ins Deutsche übertragen werden.

Für die Lesung, die in deutscher und tsche­chischer Sprache stattfand, hatte der Autor Tfexte und Gedichte ausgewählt, die in zwei bereits deutsch erschienenen Büchern ent­halten sind. Natürlich kam es zu einer Be­gegnung mit Bedrich, dem eigenbrötleri­schen, trottligen, dümmlichen und kautzi- gen Helden einiger Prosaminiaturen, mit

dem sich übngens der Dichter selbst durchaus identifizieren könnte. Diese Hauptfigur ist allerdings nicht ein Bedrich, sondern mal ein dichtender Bedrich und mal ein anderer Bedrich, über dessen Dummheit sich nicht zu reden lohnt, dann ist es wieder ein Bedrich, der an einem Aus­schlag an der Nase so lange kratzt bis die­se abfällt, und ein anderer, der gehängt wird, weil er sich mit seinem Interesse für den neuen Galgen verdächtigt gemacht hatte.

In einem anderen Tfext, der als Theaterstück angelegt ist, beschimpfen Johann und Wolf­gang den achtzigjährigen Goethe wegen seiner Liebe zu Ulnke. Das Nationaltheater brannte ab, ohne daß Onkel Bedrich den mußmaßlichen Täter, einen deutschen Türnsportfreund mit Streichhölzern in der Täsche, hatte dingfest machen können. Als es abgebrannt war - so der Titel des dann folgenden Ttextes - kam das Gerücht auf, daß das Nationaltheater von einem Unter­seeboot mit Bismarck an Bord torpediert worden sei.

Auch wenn Ivan Wernisch seinem Buch Ausgewählte Schriften das MottoDer gute Geschmack verhindert schließlich immer, daß das Wesentliche gesagt wird voranstellt, gelangt er mit einfacher Spra­che und banalen Situationen zu einer effekt­vollen Dramatisierung des Alltags, den er dadurch in seiner Absurdität und Bombasti- zität entlarvt.

Wie bewußt Wernisch mit Sprache umgeht, zeigte auch die Diskussion, in der er die Relation von Realität, Bild und Sprache so beschrieb, daß das Wesentliche erst eine Lynk ohne Worte auszudrücken vermögen würde. Doch auf dem Weg zu diesem Ide­al, das als solches außerhalb des Realisier­baren bleibt, wird Ivan Wernisch uns hof­fentlich noch viele seiner stilistisch reizvol­len und faszinierenden Tfexte präsentieren.

Birgit Krehl

Das Neue kommt!

Ab 18. September

im Universitätskokmplex

ÜRiljfR

am Neuen Palais

UNIVERSITÄT

Haus 8, Zimmer 0.08

POTSDAM

VORLESUNGS- UND

und in den Potsdamer

PERSONALVERZEICHNIS

WINTERSEMESTER

Buchhandlungen

& Preis 5 DM

1995/96

Seite 35