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nieder, die eine in sich geschlossene Form besitzen und aus einer geradzahligen Anzahl von mehr als 32 Kohlenstoffatomen bestehen. Die Häufigkeit der „magischen“ Zahlen 60 und 70 ragt dabei besonders heraus. Das läßt sich damit erklären, daß die Oberfläche der so gebildeten Buckyballs aus genau 12 Fünfecken besteht, die von Sechsecken so umschlossen sind, das sich die Fünfecke nicht berühren. Daß diese Kombination zu einer runden Form führt, ist uns vom Füßball sehr wohl bekannt,
Das vorliegende populärwissenschaftliche Buch, was besser „Kohlenstoff in drei Modifikationen“ heißen sollte, führt umfassend und verständlich in die Chemie des Kohlenstoffs ein. Ausführlich werden dem Leser die Darstellung und die Eigenschaften des Graphits und des Diamants erläutert, ehe man sich den Fullerenen als dritter Modifikation zuwendet. Die Stereochemie der jeweiligen Modifikation wird an Hand ihrer chemischen Bindung beschrieben, nämlich daß der Kohlenstoff im Diamant sp 3 -hybri- disiert ist und damit eine tetraedrische Koordination bevorzugt, während die sp 2 -Hy- bndisierung die eher planare Koordination des Kohlenstoffs im Graphit verursacht. Die chemische Bindung der Fullerene liegt dagegen zwischen beiden. Hier macht der Autor auf einen interessanten Zusammenhang bei der Rußbildung aufmerksam, die in einem ausführlichen Kapitel beschrieben wird.
Im Buch nehmen stereochemische und kri- stallographische Aspekte einen großen Raum ein. In einem großen Kapitel zu Symmetrie und Topologie werden nach grundlegenden kristallographischen Einführungen die Buckyballs als Kunstwerke der Natur gedeutet, die der Ästhetik der Platonischen und Eulerschen Körper genügen. Dieser Tfeil der Arbeit ist gut geeignet, auch Nicht-Naturwissenschaftlern dieses neue Forschungsgebiet schmackhaft zu machen. Für den „Fachmann“ sind dagegen die aus geometrischen Aspekten folgenden weiterführenden Bauprinzipien wie „Bucky-tubes“ (ineinandergestellte Kohlenstoffzylinder) oder „Bucky-onions" (ineinandergestellte Kohlenstoffkugeln), die die eingangs erwähnten Komplexverbindungen ermöglichen, interessant.
Nicht unerwähnt für den „geplagten“ Universitätsforscher soll der Satz bleiben, daß die Füllereneforschung ein Paradebeispiel für den Nutzen ist, den man aus der reinen, nicht zielorientierten Grundlagenforschung gewinnen kann, In diesem Sinne ist das Buch auch all denen empfohlen, die über die Vergabe von Forschungsmitteln zu befinden haben. Ullrich Pietsch
Joachim Dettmann, Fullerene, Birkhäuser- Verlag 1994, 256 Seiten, 58,- DM
PUTZ 6/95
„GOLDBLAUES ENDE EINES HOCHBETAGTEN SOMMERS"
Lesung mit dem tschechischen Dichter Ivan Wernisch
Zur 8. Lesung im Rahmen der Reihe „Nachbarn aus Mitteleuropa. Dichterlesungen in Potsdam“ folgte der Einladung des Lehrstuhls für Westslavische Literaturen und Kulturen an der Universität Potsdam ein schon erheblich gewachsener Kreis neugieriger Interessenten, der dem ruhigen, manchmal fast lakonischen Vortrag Ivan Wemischs lauschten.
Nachdem der tschechische Autor Ivan Wernisch in der Zeit von 1961 bis 1970 fünf Gedichtbände veröffentlicht hatte, blieb ihm während der zwei Jahrzehnte „Normalisierung“ nichts anderes übrig, als „in aller Stille“ - so der Titel eines Gedichtes - zu schreiben. Daß er das neben seiner Broterwerbstätigkeit als Hilfsarbeiter und - oft anonymer - Übersetzer sehr intensiv betrieben hat, beweisen nicht nur die beiden in Exilverlagen gedruckten Publikationen, sondern vor allem seine zahlreichen, nach der „samtenen Revolution” veröffentlichten Gedichtbändchen und Prosaminiaturen. Doch als Vorsitzender der neugegründeten „Schnftstellergemeinde" und Redakteur der renommierten Prager Literaturzeitung „Lite- rämi noviny“ hatte er nach 1989 nur wenig Zeit für sein dichterisches Schaffen. Deshalb nahm er gerne das Jahresstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Berlin an. Wenn Ivan Wernisch in den nächsten lägen seine Zelte hier abbrechen wird, befinden sich in seinem Gepäck Tfexte für zwei Bücher, die hoffentlich auch bald ins Deutsche übertragen werden.
Für die Lesung, die in deutscher und tschechischer Sprache stattfand, hatte der Autor Tfexte und Gedichte ausgewählt, die in zwei bereits deutsch erschienenen Büchern enthalten sind. Natürlich kam es zu einer Begegnung mit Bedrich, dem eigenbrötlerischen, trottligen, dümmlichen und kautzi- gen Helden einiger Prosaminiaturen, mit
dem sich übngens der Dichter selbst durchaus identifizieren könnte. Diese Hauptfigur ist allerdings nicht ein Bedrich, sondern mal ein dichtender Bedrich und mal ein anderer Bedrich, über dessen Dummheit sich nicht zu reden lohnt, dann ist es wieder ein Bedrich, der an einem Ausschlag an der Nase so lange kratzt bis diese abfällt, und ein anderer, der gehängt wird, weil er sich mit seinem Interesse für den neuen Galgen verdächtigt gemacht hatte.
In einem anderen Tfext, der als Theaterstück angelegt ist, beschimpfen Johann und Wolfgang den achtzigjährigen Goethe wegen seiner Liebe zu Ulnke. Das Nationaltheater brannte ab, ohne daß Onkel Bedrich den mußmaßlichen Täter, einen deutschen Türnsportfreund mit Streichhölzern in der Täsche, hatte dingfest machen können. Als es abgebrannt war - so der Titel des dann folgenden Ttextes - kam das Gerücht auf, daß das Nationaltheater von einem Unterseeboot mit Bismarck an Bord torpediert worden sei.
Auch wenn Ivan Wernisch seinem Buch „Ausgewählte Schriften“ das Motto „Der gute Geschmack verhindert schließlich immer, daß das Wesentliche gesagt wird“ voranstellt, gelangt er mit einfacher Sprache und banalen Situationen zu einer effektvollen Dramatisierung des Alltags, den er dadurch in seiner Absurdität und Bombasti- zität entlarvt.
Wie bewußt Wernisch mit Sprache umgeht, zeigte auch die Diskussion, in der er die Relation von Realität, Bild und Sprache so beschrieb, daß das Wesentliche erst eine Lynk ohne Worte auszudrücken vermögen würde. Doch auf dem Weg zu diesem Ideal, das als solches außerhalb des Realisierbaren bleibt, wird Ivan Wernisch uns hoffentlich noch viele seiner stilistisch reizvollen und faszinierenden Tfexte präsentieren.
Birgit Krehl
Das Neue kommt!
Ab 18. September
im Universitätskokmplex
ÜRiljfR
am Neuen Palais
UNIVERSITÄT
Haus 8, Zimmer 0.08
POTSDAM
VORLESUNGS- UND
und in den Potsdamer
PERSONALVERZEICHNIS
WINTERSEMESTER
Buchhandlungen
& Preis 5 DM
1995/96
Seite 35