Heft 
(1.1.2019) 06
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SIEDLUNGEN IM LANDE BRANDENBURG 1870-1945

Architektur und Gesellschaft sollten eine Einheit bilden. Für die Machbarkeit dieses Gedankens gibt es (im guten wie im unguten Sinne) reichlich steiner­ne Zeugen. Das Land Brandenburg verfügt über eine Fülle interessanter Wohn­bauten, die den Laien staunen lassen und für das nach 1989 möglich gewordene en mannigfaltige Anregungen bereit halten. Was im Lande von 1870-1945 im Rahmen von Werks- und Gartensiedlungen entstanden ist, zeigt eine als Wanderausstellung kon­zipierte Foto- und Textdokumentation von großer Dichte. An der Werkstattausstellung ist neben dem Brandenburgischen Institut für Stadtentwicklung und Wohnen auch die Universität Potsdam beteiligt. Dr. Christian Hetze und Dr. Karl-Heinz Hüter, beide vom Historischen Institut, haben sich hier wissenschaftlich eingebracht.

Wie Dr Hüter anläßlich der Eröffnung in der Fachhochschule Potsdam beachtete, seien zwar die Siedlungen in Metropolen gut er­forscht, nicht aber solche in der Provinz. Hier war ein Grundstock zu schaffen - an­gelegt wurde eine Datei Siedlungen. Dazu mußte man auf die glücklicherweise reich­lich vorhandenen Materialien des Landes­hauptarchivs in Potsdam zurückgreifen; in anderen brandenburgischen Städten waren die Unterlagen im Zweiten Weltkrieg häufig vernichtet worden. Die Ausstellung bietet dem Auge des Betrachters eine Vielzahl individuell gestalteter Häuser, und berühm­te Architektennamen, z. B. Jean Krämer, Walter Gropius und Bruno Täut (Täuts Gesamtwerk ist noch bis Ende Juli in einer großen Präsentation an seinem Wirkungs­ort Magdeburg zu sehen) tauchen auf. Auch

den Namen Franz Oppenheimers findet der Besucher. Der Nationalökonom und erste Ordinarius für Soziologie an einer deut­schen Universität (Frankfurt am Main) ge­hörte zu den Gründern der landwirtschaft­lichen und gärtnerischen Siedlung in Bä­renklau und Blumberg, die 1924-1930 und 1931/32 errichtet wurden. Später war er am Aufbau des ersten KibbuzMerchavia in Israel beteiligt. Die Ausstellung zeigt ferner, daß Werks- und Gartenbausiedlungen wie überhaupt viele Wohnbauten der zwanziger Jahre beachtliche Qualitäten aufweisen; durchweg handelt es sich dabei um Gebie­te mit hoher Wohnzufriedenheit. Für diesen Wohn- und Kulturwert gilt es das öffentliche Bewußtsein zu schärfen. Emzelprivatisie- rung und Individualbaumaßnahmen könn­ten Gefährdungen bedeuten. Hier fühlt sich

Standorte der im Land Brandenburg zwischen 1870 und 1945 errichteten Werks- und Garten­bausiedlungen. Karte: Hüter/Koppe

auch das Ministenum für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr in der Pflicht, das sich von der Wanderausstellung eine Schärfung der öffentlichen Sensibilität für diese Fragen verspricht. Auf dem Reiseprogramm stehen die Städte Brandenburg, Luckenwalde (seit 17. Juli), Schwarzheide, Cottbus, Frankfurt, Oranienburg, Eberswalde und Witten­berge. De.

PODIUM '95

Ern Podium ist, laut Lexikon, eineerhöhte Fußbodenfläche gegenüber dem Zuschau­er- bzw. Hörerraum. Oder einfach einePlattform. PODIUM95, veranstaltet vom Be­reich Kultur (BK) der Universität, fand zum sechsten Male statt und hat schon Traditi­on. An zwei Werkstatt-Abenden waren anregende künstlerische und andere kreative Versuche von Studierenden für Studierende, Lehrkräfte und Angestellte der Uni zu er­leben. Das Programm war übervoll, ein vielfältiges Angebot schreibender, agierender, musizierender, spielender, fotografierender, inszenierender ... Akteure.

Dieerhöhte FUßbodenfläche, auf der sich selbst genügend Darbietungskunst gebo­ten worden wäre, gab es allerdings nicht. Podium ist dem Grundsatz,Jeder darf auf- treten, treu geblieben. Was an den langen

Abenden des 12. und 13. Juni zu hören, zu sehen, sportlich-ganzkörperlich zu erleben war, hatte Qualität, die einerkleinen und feinen Universität gut zu Gesicht stehen. Eine sehr produktive, begeisternde und auf diese Weise ansteckende At­mosphäre künstlerischen Tins kennzeichnete alle Dar­bietungen. Es ist erstaun­lich, welche Fülle an studen­tischen Beiträgen in Litera­tur, Musik, Rezitation, Thea­ter, Fotografie dasLicht der Welt erblickten, Vergnügen und Applaus eines begei­sterten Publikums fanden. Der erste Täg: Mit Beiträgen der English Drama Group, der Literaturbühne90, einer l-Mann-ffextcollage und dem lücholsky-Programm waren programmatische, wortbe­

zogene Schwerpunkte gesetzt. Aktions­reiche Sportdarbietungen (Karate u, a.) und musikalische Glanzpunkte (eine Liedfolge, Ausschnitte aus einem Gershwin-Pro­gramm) garantierten Abwechslungsreich­tum und dramaturgische Bögen des Abends. Den einen oder anderen Beitrag hervorzu­heben, verbietet sich von selbst. Viele Bei­träge werden - so die Tteilnehmer - wieder­holt, auch außerhalb der Uni. PODIUM '95 bot also auch Initialzündungen.

Der zweite lüg: Erstmals wurde das Foyer des Hauses 5 in Golm als Podiumsort pro­biert. Hier kamen agogisch angelegte, nachdenkenswerte Artikulationen (Litera­turbühne '90, Schreib versuche) bis hm zu betroffen machenden biographischen Re­flexionen zum Vortrag. Im populären Sin­gen russischer Lieder fanden Darbietende und Zuhörende schnell zueinander, ebenso begeisterte die ausgefeilte Personen- und Stückedramaturgie der Theatergruppe Die Panser (Beeskower Studenten). PODIUM '95 schloß mit dem DEFA- LieblingsfilmGrüne Hochzeit (Regie: H. fbchoche) von 1988. Allen Beteiligten - Künstlern, Akteuren, Helfern und Ideen­lieferanten - ein herzliches Dankeschön. Auf Wiederhören und -sehen beim nächsten PODIUM! Thomas Rreitag

Das Podium '95 bestach durch Vielfalt: unser Bild zeigt eine von Studierenden zusammengestellte Fotoausstellung, die neben kultu­rellen Darbietungen für Aufmerksamkeit sorgte. Foto: Tribukeit

PUTZ 6/95

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