SIEDLUNGEN IM LANDE BRANDENBURG 1870-1945
Architektur und Gesellschaft sollten eine Einheit bilden. Für die Machbarkeit dieses Gedankens gibt es (im guten wie im unguten Sinne) reichlich steinerne Zeugen. Das Land Brandenburg verfügt über eine Fülle interessanter Wohnbauten, die den Laien staunen lassen und für das nach 1989 möglich gewordene en mannigfaltige Anregungen bereit halten. Was im Lande von 1870-1945 im Rahmen von Werks- und Gartensiedlungen entstanden ist, zeigt eine als Wanderausstellung konzipierte Foto- und Textdokumentation von großer Dichte. An der Werkstattausstellung ist neben dem Brandenburgischen Institut für Stadtentwicklung und Wohnen auch die Universität Potsdam beteiligt. Dr. Christian Hetze und Dr. Karl-Heinz Hüter, beide vom Historischen Institut, haben sich hier wissenschaftlich eingebracht.
Wie Dr Hüter anläßlich der Eröffnung in der Fachhochschule Potsdam beachtete, seien zwar die Siedlungen in Metropolen gut erforscht, nicht aber solche in der Provinz. Hier war ein Grundstock zu schaffen - angelegt wurde eine Datei Siedlungen. Dazu mußte man auf die glücklicherweise reichlich vorhandenen Materialien des Landeshauptarchivs in Potsdam zurückgreifen; in anderen brandenburgischen Städten waren die Unterlagen im Zweiten Weltkrieg häufig vernichtet worden. Die Ausstellung bietet dem Auge des Betrachters eine Vielzahl individuell gestalteter Häuser, und berühmte Architektennamen, z. B. Jean Krämer, Walter Gropius und Bruno Täut (Täuts Gesamtwerk ist noch bis Ende Juli in einer großen Präsentation an seinem Wirkungsort Magdeburg zu sehen) tauchen auf. Auch
den Namen Franz Oppenheimers findet der Besucher. Der Nationalökonom und erste Ordinarius für Soziologie an einer deutschen Universität (Frankfurt am Main) gehörte zu den Gründern der landwirtschaftlichen und gärtnerischen Siedlung in Bärenklau und Blumberg, die 1924-1930 und 1931/32 errichtet wurden. Später war er am Aufbau des ersten Kibbuz „Merchavia“ in Israel beteiligt. Die Ausstellung zeigt ferner, daß Werks- und Gartenbausiedlungen wie überhaupt viele Wohnbauten der zwanziger Jahre beachtliche Qualitäten aufweisen; durchweg handelt es sich dabei um Gebiete mit hoher Wohnzufriedenheit. Für diesen Wohn- und Kulturwert gilt es das öffentliche Bewußtsein zu schärfen. Emzelprivatisie- rung und Individualbaumaßnahmen könnten Gefährdungen bedeuten. Hier fühlt sich
Standorte der im Land Brandenburg zwischen 1870 und 1945 errichteten Werks- und Gartenbausiedlungen. Karte: Hüter/Koppe
auch das Ministenum für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr in der Pflicht, das sich von der Wanderausstellung eine Schärfung der öffentlichen Sensibilität für diese Fragen verspricht. Auf dem Reiseprogramm stehen die Städte Brandenburg, Luckenwalde (seit 17. Juli), Schwarzheide, Cottbus, Frankfurt, Oranienburg, Eberswalde und Wittenberge. De.
PODIUM '95
Ern Podium ist, laut Lexikon, eine „erhöhte Fußbodenfläche gegenüber dem Zuschauer- bzw. Hörerraum“. Oder einfach eine „Plattform“. PODIUM ’95, veranstaltet vom Bereich Kultur (BK) der Universität, fand zum sechsten Male statt und hat schon Tradition. An zwei Werkstatt-Abenden waren anregende künstlerische und andere kreative Versuche von Studierenden für Studierende, Lehrkräfte und Angestellte der Uni zu erleben. Das Programm war übervoll, ein vielfältiges Angebot schreibender, agierender, musizierender, spielender, fotografierender, inszenierender ... Akteure.
Die „erhöhte FUßbodenfläche“, auf der sich selbst genügend Darbietungskunst geboten worden wäre, gab es allerdings nicht. Podium ist dem Grundsatz, „Jeder darf auf- treten“, treu geblieben. Was an den langen
Abenden des 12. und 13. Juni zu hören, zu sehen, sportlich-ganzkörperlich zu erleben war, hatte Qualität, die einer „kleinen und feinen Universität“ gut zu Gesicht stehen. Eine sehr produktive, begeisternde und auf diese Weise ansteckende Atmosphäre künstlerischen Tins kennzeichnete alle Darbietungen. Es ist erstaunlich, welche Fülle an studentischen Beiträgen in Literatur, Musik, Rezitation, Theater, Fotografie das „Licht der Welt erblickten“, Vergnügen und Applaus eines begeisterten Publikums fanden. Der erste Täg: Mit Beiträgen der English Drama Group, der Literaturbühne ’90, einer l-Mann-ffextcollage und dem lücholsky-Programm waren programmatische, wortbe
zogene Schwerpunkte gesetzt. Aktionsreiche Sportdarbietungen (Karate u, a.) und musikalische Glanzpunkte (eine Liedfolge, Ausschnitte aus einem Gershwin-Programm) garantierten Abwechslungsreichtum und dramaturgische Bögen des Abends. Den einen oder anderen Beitrag hervorzuheben, verbietet sich von selbst. Viele Beiträge werden - so die Tteilnehmer - wiederholt, auch außerhalb der Uni. PODIUM '95 bot also auch Initialzündungen.
Der zweite lüg: Erstmals wurde das Foyer des Hauses 5 in Golm als Podiumsort probiert. Hier kamen agogisch angelegte, nachdenkenswerte Artikulationen (Literaturbühne '90, Schreib versuche) bis hm zu betroffen machenden biographischen Reflexionen zum Vortrag. Im populären Singen russischer Lieder fanden Darbietende und Zuhörende schnell zueinander, ebenso begeisterte die ausgefeilte Personen- und Stückedramaturgie der Theatergruppe „Die Panser“ (Beeskower Studenten). PODIUM '95 schloß mit dem DEFA- Lieblingsfilm „Grüne Hochzeit“ (Regie: H. fbchoche) von 1988. Allen Beteiligten - Künstlern, Akteuren, Helfern und Ideenlieferanten - ein herzliches Dankeschön. Auf Wiederhören und -sehen beim nächsten PODIUM! Thomas Rreitag
Das Podium '95 bestach durch Vielfalt: unser Bild zeigt eine von Studierenden zusammengestellte Fotoausstellung, die neben kulturellen Darbietungen für Aufmerksamkeit sorgte. Foto: Tribukeit
PUTZ 6/95
Seite 36