VOM EINFLUSS DER STASI IM SPORT
Potsdamer Forum Sport um Aufarbeitung bemüht
Der Sport in der ehemaligen DDR war international wie auch national von Erfolg geprägt. Sportler des kleinen 17 Mio Einwohner-Staates errangen während großer Wettkämpfe, Europa- und Weltmeisterschaften zahlreiche Medaillen. Bei Olympischen Spielen stritten die Mitglieder der Equipe zumeist um den dritten Platz in der Gesamtmannschaftswertung. Lediglich die USA und die damalige Sowjetunion konnten Besseres bieten. Aber nicht jene Leistungsstärke des DDR-Sports und deren Ursachen waren Gegenstand einer kürzlichen Veranstaltung des Potsdamer Forum Sport der Universität Potsdam. Vielmehr verständigten sich Initiatoren und Gäste zum Thema „Sport und Sportwissenschaft im Visier der Staatssicherheit“.
Spaß und Spiel
Grundlage zur Diskussion bildeten zunächst Kurzvorträge von Dr. Xenia Scheitz, Leiterin der Projektgruppe Medien in der Berliner Gauck-Behörde, sowie Dr. Giselher Spitzer, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Arbeitsbereiches Zeitgeschichte des Sports der brandenburgischen Alma mater. Demnach betätigten sich insbesondere Sportjournalisten, Sportärzte, Masseure, Kampfrichter, Mitglieder internationaler Sportorganisationen und Kommissionen als Informelle Mitarbeiter (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), weniger jedoch die Sportler selbst. Der Auftrag bestand in der Beschaffung neuester Erkenntnisse auf dem Gebiet der Sportwissenschaft und der Sportmedizin zum Zweck der Unterstützung des Prozesses der weiteren Entwicklung des Leistungssports. Mit dessen zunehmender Überlegenheit änderten sich bald die Prioritäten, so daß Abwehr -Aufgaben an Bedeutung gewannen.
Je nach Disziplin verliefen dann die Erkundungen. Ein Beispiel: Im Biathlon erhielten IM der Sportmedizin Informationen über das Sportmedizinische Zentrum in Ruhpol- ding sowie die Sportschule und das Sportmedizinische Zentrum Köln. IM aus dem Bereich der Leistungssportler bekamen Einsicht in den Biathlonclub Bad Reichenhall, den Sportbeirat Wintersport und den Deutschen Studenten- und Sportclub.
In den Ausführungen Xenia Scheitz 1 spielte das große Ausmaß der Durchsetzung des Sports mit IM eine herausragende Rolle. Sie nannte in diesem Zusammenhang einige Zahlen: „1989 verfügte die HAXX/3 in diesem Bereich (Staatssekretariat für Körperkultur und Sport- die Red,) ... über etwa 100 inoffizielle Mitarbeiter. In allen von ihr zu sichernden Bereichen, also den zentralen Einrichtungen, führte die HA XX/3 im Jahre 1989...insgesamt 238 inoffizielle Mitarbeiter." Entsprechend der Prinzipien geheimdienstlicher Arbeit gehörte paradoxerweise auch die Kontrolle der IM durch das MfS selbst zur gängigen Praxis. j\ uc }, dj e Das diente zwei Zielen: der Verifika- rium für
tion gewonnener Informationen sowie der Überprüfung der Einstellung und Arbeitsweise der sich dieser Institution Verpflichteten.
Übrigens: Für eine Manipulation einstiger DDR- Fußballmeisterschaften fanden die Wissenschaftler bisher keine Beweise. Im Gegenteil. JVön den derzeit fünf abgefragten Schiedsrichtern hat gerade derjenige eine Akte, der nicht als BFC-freundlich galt", erklärte dazu Prof. Dr. Hans Joachim Tbichler, Leiter des Arbeitsbereiches Zeitgeschichte des Sports der Potsdamer Hochschule. „Auch die Forschungen von Studenten der Arbeitsgruppe ‘Sozialgeschichte des DDR-Füßballs’ haben diesbezüglich nichts ergeben. Eine Bevorzugung des BFC können wir nicht erkennen.“
Am reibungslosen Ablauf sportlicher Großveranstaltungen dagegen lag dem MfS sehr. Den in mehrjährigem Abstand stattfindenden Türn- und Sportfesten in Leipzig schenkten die Sicherheitsfanatiker so eine rege Aufmerksamkeit. Sowohl die Stimmung der Bevölkerung als auch die der Tbilnehmer wurde genauestens eruiert. In den Übungsverbänden agierte zu diesem Zweck ein IM je 50 Türner. Über die damaligen Befindlichkeiten erfahren diejenigen Wissenschaftler jetzt mehr, die sich der Auf-
Die Sonne hatte sich in den vorangegangenen Wochen oft rar gemacht. Am Thg des Hochschulsports der Potsdamer Alma mater im Juni schien sie jedoch desto schöner. Glänzende Voraussetzungen für ein Gelingen der Veranstaltung. Deren Organisatoren um Dr. Erhard Buchholz konnten steigende Teilnehmerzahlen verzeichnen. 42 Mannschaften, davon 25 Fußball-, 13 Volleyball- und vier Streetballteams, ermittelten m drei verschiedenen Turnieren ihre Besten. Den Sieg trugen im Fußball die „Roadrunners", im Volleyball-Mixed „ Scheiß egal" und im Streetball „Drunter und Drüber“ davon. Neben diesen eher traditionell gefragten Sportarten fanden insbesondere Disziplinen me Aerobic, Badminton oder Basketball regen Zuspruch. Vor allem Studenten beteiligten sich an den Wettbewerben, aber auch Uni-Mitarbeiter maßen ihre Kräfte. Umgeben waren sie alle von zahlreichen Kindern, die sich an den für sie vorbereiteten Geräten ausprobierten. Das Sportereignis wurde durch die AOK, die Kindl-Brauerei sowie Coca Cola unterstützt. PG./Foto: Tribukeit
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Organisaüon und Durchführung der Leipziger Tum- und Sportfeste wurde wesentlich vom Ministe- Staatssicherheit beeinflußt. Foto: Frenkel
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arbeitung des Aktenfundus widmen. EG.
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