Heft 
(1.1.2019) 06
Einzelbild herunterladen

VOM EINFLUSS DER STASI IM SPORT

Potsdamer Forum Sport um Aufarbeitung bemüht

Der Sport in der ehemaligen DDR war international wie auch national von Erfolg ge­prägt. Sportler des kleinen 17 Mio Einwohner-Staates errangen während großer Wett­kämpfe, Europa- und Weltmeisterschaften zahlreiche Medaillen. Bei Olympischen Spielen stritten die Mitglieder der Equipe zumeist um den dritten Platz in der Gesamt­mannschaftswertung. Lediglich die USA und die damalige Sowjetunion konnten Bes­seres bieten. Aber nicht jene Leistungsstärke des DDR-Sports und deren Ursachen waren Gegenstand einer kürzlichen Veranstaltung des Potsdamer Forum Sport der Uni­versität Potsdam. Vielmehr verständigten sich Initiatoren und Gäste zum ThemaSport und Sportwissenschaft im Visier der Staatssicherheit.

Spaß und Spiel

Grundlage zur Diskussion bildeten zu­nächst Kurzvorträge von Dr. Xenia Scheitz, Leiterin der Projektgruppe Medien in der Berliner Gauck-Behörde, sowie Dr. Giselher Spitzer, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Arbeitsbereiches Zeitgeschichte des Sports der brandenburgischen Alma mater. Demnach betätigten sich insbesondere Sportjournalisten, Sportärzte, Masseure, Kampfrichter, Mitglieder internationaler Sportorganisationen und Kommissionen als Informelle Mitarbeiter (IM) des Ministe­riums für Staatssicherheit (MfS), weniger jedoch die Sportler selbst. Der Auftrag bestand in der Beschaffung neuester Er­kenntnisse auf dem Gebiet der Sportwis­senschaft und der Sportmedizin zum Zweck der Unterstützung des Prozesses der weiteren Entwicklung des Leistungs­sports. Mit dessen zunehmender Überle­genheit änderten sich bald die Prioritäten, so daß Abwehr -Aufgaben an Bedeutung gewannen.

Je nach Disziplin verliefen dann die Erkun­dungen. Ein Beispiel: Im Biathlon erhielten IM der Sportmedizin Informationen über das Sportmedizinische Zentrum in Ruhpol- ding sowie die Sportschule und das Sport­medizinische Zentrum Köln. IM aus dem Bereich der Leistungssportler bekamen Einsicht in den Biathlonclub Bad Rei­chenhall, den Sportbeirat Winter­sport und den Deutschen Studenten- und Sportclub.

In den Ausführungen Xenia Scheitz 1 spielte das große Ausmaß der Durchsetzung des Sports mit IM eine herausragende Rolle. Sie nann­te in diesem Zusammenhang einige Zahlen:1989 verfügte die HAXX/3 in diesem Bereich (Staatssekretariat für Körperkultur und Sport- die Red,) ... über etwa 100 inoffizielle Mitarbeiter. In allen von ihr zu si­chernden Bereichen, also den zen­tralen Einrichtungen, führte die HA XX/3 im Jahre 1989...insgesamt 238 inoffizielle Mitarbeiter." Entspre­chend der Prinzipien geheimdienst­licher Arbeit gehörte paradoxerwei­se auch die Kontrolle der IM durch das MfS selbst zur gängigen Praxis. j\ uc }, dj e Das diente zwei Zielen: der Verifika- rium für

tion gewonnener Informationen sowie der Überprüfung der Einstellung und Arbeits­weise der sich dieser Institution Verpflich­teten.

Übrigens: Für eine Manipulation einstiger DDR- Fußballmeisterschaften fanden die Wissenschaftler bisher keine Beweise. Im Gegenteil. JVön den derzeit fünf abgefrag­ten Schiedsrichtern hat gerade derjenige eine Akte, der nicht als BFC-freundlich galt", erklärte dazu Prof. Dr. Hans Joachim Tbichler, Leiter des Arbeitsbereiches Zeit­geschichte des Sports der Potsdamer Hochschule.Auch die Forschungen von Studenten der ArbeitsgruppeSozialge­schichte des DDR-Füßballs haben diesbe­züglich nichts ergeben. Eine Bevorzugung des BFC können wir nicht erkennen.

Am reibungslosen Ablauf sportlicher Groß­veranstaltungen dagegen lag dem MfS sehr. Den in mehrjährigem Abstand stattfin­denden Türn- und Sportfesten in Leipzig schenkten die Sicherheitsfanatiker so eine rege Aufmerksamkeit. Sowohl die Stim­mung der Bevölkerung als auch die der Tbilnehmer wurde genauestens eruiert. In den Übungsverbänden agierte zu diesem Zweck ein IM je 50 Türner. Über die dama­ligen Befindlichkeiten erfahren diejenigen Wissenschaftler jetzt mehr, die sich der Auf-

Die Sonne hatte sich in den vorangegangenen Wochen oft rar gemacht. Am Thg des Hochschul­sports der Potsdamer Alma mater im Juni schien sie jedoch desto schöner. Glänzende Voraus­setzungen für ein Gelingen der Veranstaltung. Deren Organisatoren um Dr. Erhard Buchholz konnten steigende Teilnehmerzahlen verzeich­nen. 42 Mannschaften, davon 25 Fußball-, 13 Vol­leyball- und vier Streetballteams, ermittelten m drei verschiedenen Turnieren ihre Besten. Den Sieg trugen im Fußball dieRoadrunners", im Volleyball-Mixed Scheiß egal" und im Streetball Drunter und Drüber davon. Neben diesen eher traditionell gefragten Sportarten fanden insbesondere Disziplinen me Aerobic, Badmin­ton oder Basketball regen Zuspruch. Vor allem Studenten beteiligten sich an den Wettbewer­ben, aber auch Uni-Mitarbeiter maßen ihre Kräf­te. Umgeben waren sie alle von zahlreichen Kin­dern, die sich an den für sie vorbereiteten Gerä­ten ausprobierten. Das Sportereignis wurde durch die AOK, die Kindl-Brauerei sowie Coca Cola unterstützt. PG./Foto: Tribukeit

K

Organisaüon und Durchführung der Leipziger Tum- und Sportfeste wurde wesentlich vom Ministe- Staatssicherheit beeinflußt. Foto: Frenkel

PUTZ 6/95

arbeitung des Aktenfundus widmen. EG.

Seite 37