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(1.1.2019) 07
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ÜBER DIE LEHRE VOM STAATLICHEN HANDELN

Uni Potsdam bietet verwaltungswissenschaftlichen Studiengang an

Es ist keine unbedingt neue Weisheit, daß ein funktionierendes Staatswesen auch und vor allem von denen abhängig ist, die es verwalten. Das hat schon Rriedrich II. reflek­tiert, der z.B. 16 Jahre mit dem Kammerpräsidenten von Siegroth völlig verfeindet war, ohne ihn jedoch zu entlassen. Zuvörderst stand die Effektivität der Verwaltung, selbst unter dem Umstand, daßbey der churmärkischen Kriegs- und Domänen Cammer viele schlechte unbrauchbare Krieges-Räthe vorhanden seien. Man müsse, so der preußi­sche König,auf andere tüchtige, und besonders zur Vermeidung aller Connexion in der Provinz nicht zu Hause gehöriger Subjecta bedacht (...) seyn. Preußen zog schnelle und effektive Schlußfolgerungen; die Kameralistik (die Lehre von der Verwaltung, vom Rechnungs- und Finanzwesen) wurde zur wichtigen Stütze der Herausbildung eines unabhängigen Beamtentums. An diese herausragende Tradition, vor allem aber dem vorhandenen Bedarf an qualifizierten Verwaltungsfachleuten in der Bundesrepublik Deutschland nachkommend, knüpft nun die Universität Potsdam an. Mit dem Beginn des Herbstsemesters bietet sie nach Überwindung letzter formaler Hürden und vor­behaltlich der endgültigen Zustimmung durch das Ministerium einen verwaltungs­wissenschaftlichen Studiengang an.

Die Idee zu dessen Installation entstand allerdings schon viel früher. Bereits bei der Gründung des damaligen sozialwissen­schaftlichen Fachbereiches stand es fest: die Politikwissenschaft sollte einen verwaltungswissenschaftlichen Schwer­punkt erhalten. Die Entwicklung hm zum eigenen Studiengang erforderte Zeit und Durchsetzungsvermögen.Das stampft man nicht von heute auf morgen aus dem Boden, beschreibt Prof. Dr. Werner Jann, Prodekan der Wirtschafts- und Sozialwis­senschaftlichen Fakultät sowie Inhaber des Lehrstuhls für Verwaltung und Organisation den nicht immer leichten Weg.

Künftig existiert nun für die Politik- und Verwaltungswissenschaft ein praktisch identisches Grundstudium. Das gibt den Studenten schließlich die Möglichkeit einer relativ späten Entscheidung für die eine oder andere Richtung. Immerhin enthält das Hauptstudium Verwaltungs­wissenschaft solch attraktive Gebiete wieRegierungs­organisation ,Politikfelder, Europäische Politik und Ver­waltung. DieInternationale Organisation und Verwal­tung" bilden einen eige- nen Vertiefungsbereich. In allen Ausbildungsetappen aber spielen angrenzende Fächer eine erhebliche Rol­le.Unsere Studenten, er­klärt Jann,müssen bei­spielsweise Leistungs­nachweise in den Diszipli­nenÖffentliches Recht', 'Volkswirtschaftslehre' und ' Betriebswirtschaftslehre erbringen. Großen Wert legen die Väter des Studienganges demnach auf die breite interdiszipli­näre Ausbildung. Das wiederum erfor­dert eine unmittelbare Zusammenar- 8U *' K>

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beit von Lehrenden verschiedener Fächer. Die Voraussetzungen hierfür sind in Pots­dam besonders gut. Der Grund: Hier befin­den sich Juristen, Wirtschaftswissenschaft­ler und Sozialwissenschaftler unter einem Dach. Die gemeinsame Bibliothek komplet­tiert die glücklichen Umstände. Einsatzmöglichkeiten künftiger Absolven­ten bestehen auf verschiedenen Ebenen. Zum einen gibt es eine steigende Nachfra­ge im klassischen Verwaltungsbereich in Kommunen, Kreisen, Ministerien und inter­nationalen Organisationen - auch und ge­rade m den neuen Bundesländern. Zum an­deren steigt der Bedarf in privaten Unter­nehmen und in Verbänden.Sie alle benö­tigen in ihren Entscheidungspositionen Leute, die Kenntnisse über das Funktionie­ren des öffentlichen Sektors mitbringen. Gerade dessen Steuerungs- und Wirkungs­mechanismen sind es, die wir in Vorlesun­gen und Seminaren versuchen zu er­klären. Unser Gegenstand ist also das staatliche Handeln, der 'arbei­tende Staat, nicht wie im landläufi­gen Sinne oft vermutet, irgendeine langweilige Akten- und Behörden­kunde'', erläutert der Babelsberger Wissenschaftler.

Der geographische Standort der Alma mater birgt insbesondere für zukünftige Studierende der Wirt­schafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät Vorteile. Denn es ist fast schon eine Binsenweisheit: Mit dem Umzug der Regierung in die Bundeshauptstadt erge­ben sich auch veränderte Erfordernisse auf dem Arbeitsmarkt. Neue Strukturen und Institutionen werden entstehen oder alte überholt. Im Zusammenhang damit steht die Suche nach entsprechenden Mitarbeitern. Zu diesem Zeitpunkt möchte die Potsdamer Hochschule dann hervorragend ausgebildete junge Leute präsentieren, die die gestellten Anforde-

Maßgeblichen Anteil an der Einrichtung eines verwaltungswissenschaftlichen Studienganges hat Prof. Dr. Werner Jann. Von 1989 - 1993 war der frühere Ministerialrat Leiter der Denkfabrik Schleswig - Holstein" m der Staatskanzlei Kiel; heute ist er Prodekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschafthchen Fakultät sowie Inhaber des Lehrstuhls für Verwaltung und Organisation an der Universität Potsdam. Foto: Fritze

rungen meistern können. Bislang waren die Verwaltungswissenschaften kaum in einem Studienprogramm deutscher Hochschulen enthalten. Einzige Ausnahme bildet da die Universität Konstanz.An dem dortigen Pro­fil haben wir uns orientiert", bekennt Werner Jann. Das baden-württembergische Pen­dant zählt zu den erfolgreichsten sozialwis­senschaftlichen Studiengängen überhaupt. Nur eine NC-Klausel schützt vor Überfül­lung der Hörsäle. Dennoch wird sich Pots­dam von Konstanz unterscheiden. So schenken die Dozenten hier der methodi­schen Ausbildung im Grundstudium ver­stärkt Aufmerksamkeit, Im Hauptstudium vollzieht sich später eine europäische und internationale Ausrichtung. Eine süddeut­sche Besonderheit aber hat man übernom­men. Gemeint ist das verhältnismäßig lan­ge, achtmonatige Praktikum. Aus diesem Anlaß weilten bereits Konstanzer Studenten im Osten Deutschlands, auch in der Staats­kanzlei und verschiedenen Ministerien Brandenburgs.Einige von ihnen blieben sogar im Märkischen und wollen an unse­rer jungen Universität das Abschlußexamen machen, bemerkt der Hochschullehrer. Mit großer Zuversicht sieht er der Realisierung des neuen Lehrangebotes entgegen, wenn er meint: Wir haben in Potsdam beste Chancen, auch weil es bisher kaum ähnli­ches gab. Die Nische ist da. Alle Beteilig­ten wollen sie nun auf neuartige Weise aus­füllen." EG.

PUTZ 7/95

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