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(1.1.2019) 07
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HIER INTERESSIERT MAN SICH FÜR MICH"

Ein Amerikaner mit Fulbright-Stipendium an der Uni

Die beste, vielleicht sogar die einzige Möglichkeit, Zugang zu anderen Kulturen und Lebensweisen zu entwickeln, sah Se­nator J. William Rilbright (1905-1995) in der Erziehung und Ausbildung. Diesem Leitgedanken folgte der amerikanische Senator schon in seiner Gesetzesinitiati­ve 1946. Danach wurden Mittel aus dem Verkauf von Kriegsüberschuß-Gütern in Form des Fulbnght-Programms zur Verfü­gung gestellt. Ziel dieses Programms ist es bis heute, das Wissen über die Verei­nigten Staaten in anderen Ländern zu vertiefen und gleichzeitig in den USA ein besseres Verständnis der Lebensart und Kultur anderer Völker aufzubauen sowie internationale Beziehungen durch die Erweiterung von gemeinsamen Interes­sen zu unterstützen.

Derzeit beteiligen sich 130 Länder am welt­weiten Fulbright-Programm. Bislang haben über 200 000 besonders qualifizierte deut­sche und amerikanische Studierende, Leh­rer und Wissenschaftler die ihnen auf die­se Weise gebotenen Möglichkeiten genutzt. Das größte und vielfältigste Fulbright-Pro- gramm ist jenes der Bundesrepublik Deutschland. Zwischen 1952 und 1994 konnten rund 25 000 Deutsche und Ameri­kaner gefördert werden. Eine Kommission, bestehend aus je fünf Mitgliedern beider Länder, vergibt im offenen Wettbewerb Völl- und Tbilzeitstipendien in der Regel für die Dauer eines akademischen Jahres.

Zum Arbeiten, aber natürlich auch zum Kennenlernen von Land und Leuten ka­men in diesem Seme­ster vier Fulbright- Studenten an die Uni­versität Potsdam. Ei­ner derjenigen, der seine Potsdamer Zeit gerade beendet hat, ist Keith Allen. Der 1967 Geborene aus dem Bundes­staat Ohio nutzte das Sommer- und Wintersemester 1994/95 in Potsdam, um Forschungen für seine Disser­tation voranzutreiben, die er möglichst im Sommer 1996 beendet haben will. Gegen­wärtig ist er Promotionsstudent an der Car­negie Mellon University im Fach Geschich­te, vorher studierte er Volkswirtschaftsleh­re und Geschichte an der Miami University of Ohio und an der Kent State University, wo er die Abschlüsse B.A. und M.A. erlangte. Private und kommunale Maßnahmen auf den Gebieten der Völksernährung und Schulspeisung bzw. in Haushaltsschulen sowie die Rationierung von Lebensmitteln der Jahre 1880 bis 1930 in Deutschland sind die Schwerpunkte seiner wissenschaftli­chen Arbeiten, auf die er durch sein Inter­esse an der Alltagsgeschichte stieß. Dieses Thema sei in der Forschung relativ wenig

beachtet, obwohl die Ernährung ein we­sentliches Element des Alltags sei.

Im Berliner Raum die für seine Thema­tik wichtigen Archi­ve und Bibliotheken besuchen zu können, war verständlicher­weise der Wunsch des jungen Mannes.

Deshalb bewarb er sich um ein Fül- bright-Stipendium.

Keith Allenwürde gerne in Potsdam woh­nen. Im kulturellen Bereich ist hier viel los. Außerdem gefällt mir die Stadt." Er schätzt die Unterstützung der Mitarbeiter des Aka­demischen Auslandsamtes der Universität, die bei fachlichen Hagen sowohl Ansprech­partner vermittelten,Tore öffneten wie Un­terstützung beim Vertrautmachen mit der neuen Umgebung gewährten. Er habe deut­lich gespürt, daß man sich für ihn interes­siert hätte.Davon habe ich profitiert. Wert­volle Tips und Hinweise gaben mir auch Wissenschaftler aus dem Historischen Insti­tut der Universität Potsdam und dem Deut­schen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke für meine Arbeit. Da­durch hätte er wichtige Quellen erschlie­ßen, das Thema seiner Doktorarbeit kon­kretisieren und weitere Hypothesen formu­lieren können. B.E.

Der Amerikaner Keith Allen verbrachte ein Jahr als Fulbright- Stipendiat an der Universität Potsdam. Foto: privat

Senator J. William Fulbright (1905-1995) maß schon 1946 dem deutsch-am erikani- schen Austausch große Bedeutung bei.

JÜDISCHE STUDIEN GEHEN INS DRITTE SEMESTER

Einer der jüngsten Studiengänge an der Universität Potsdam sind die Jüdischen Stu­dien, die zum Wintersemester 1994/95 fei­erlich eröffnet wurden. Von den Initiatoren - den Professoren Dr. Julius H. Schoeps und Dr. Karl E. Grözinger - wurde ein neuarti­ges, bundesweit einmaliges Konzept vor­gelegt, das viel Zustimmung erfährt, da Un­zufriedenheit mit der traditionellen Präsen­tation jüdischer Themen an den Universitä­ten herrscht. In Potsdam ist man bemüht, dem Studenten sowohl Wissen in den bei­den unverzichtbaren Grundsäulen, der jü­dischen Religion und der jüdischen Ge­schichte, als auch zu verschiedensten an­deren Themenkreisen anzubieten.

Auf dem Potsdamer Konzept basieren in­zwischen die Studienangebote der Univer­sitäten Halle, Leipzig, Oldenburg und Duis­burg, auch Mainz hat Interesse signalisiert. Der Studiengang ist den Jewish Studies in den USA vergleichbar und entspricht auch Erneuerungsbestrebungen in Israel. Der jetzt ins dritte Semester gehende Magisterstudien­gang (Haupt- und Nebenfach) an der Univer­

sität Potsdam ist interdisziplinär angelegt und setzt seine Schwerpunkte in den Bereichen Jüdische Geschichte, insbesondere deutsch­jüdische Geschichte, sowie jüdische Religi- ons-, Literatur-, Philosophie- und Geistesge­schichte. Der interdisziplinäre Zuschnitt folgt aus dem Gegenstand Geschichte und Ge­genwart des Judentums, das in seinen vielfäl­tigen Verflechtungen mit großer Fächer- und Methodenvielfalt auf diese Weise besser er­forscht und gelehrt werden kann. Lehrveran­staltungen werden in der Geschichte, in ver­schiedenen Literaturwissenschaften (Ger­manistik, Slavistik, Anglistik), in Religions­wissenschaft, Linguistik, Psychologie, Philo­sophie, Pädagogik, Soziologie, Politikwis­senschaft und Musikwissenschaft angebo- ten. Unverzichtbar sind Sprachkurse, die in z.Z. in biblischem, mittelalterlichem und mo­dernem Heberäisch sowie Aramäisch und Jiddisch möglich sind. Bedauerlicherweise ist es bisher aus finanziellen Gründen noch nicht gelungen, feste Sprachlektorate einzu­richten. Am Studiengang beteiligt sind die verschiedensten Fakultäten und Institute der

Universität sowie das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien (MMZ), eines ihrer An-Institute. Neben den Wissenschaftlern des Mendelssohn Zen­trums beteiligen sich in jedem Semester die Fellows des MMZ und andere Gastwissen­schaftler an der Lehre. In diesem Semester wird als Fellow der Religionswissenschaftler Prof. Dr. Zwi Werblowsky von der Hebräi­schen Universität Jerusalem in Potsdam leh­ren. In jedem Semester stehen eine Ringvor­lesung und das Forschungskolloquium des MMZ auf dem Programm. Die Ringvorle­sung dieses Semesters hat jüdische Erfah­rungen in den Kulturen Großbritanniens und Nordamerikas nach 1945 zum Inhalt, das Mendelssohn Kolloquium widmet sich der jüdischen Aufklärung HASKALA. Im Rahmen des Kolloquiums werden Forschungsarbeiten aus dem gesamten Spektrum der jüdischen Studien vorgestellt und auch methodische Ragen diskutiert. Für Interessenten liegt jetzt ein semesterübergreifendes Informations­materialMagisterstudiengang Jüdische Stu- dien/Jewish studies vor. Regine Derdack

PUTZ 7/95

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