EIGENE BUDE STEHT HOCH IM KURS
Studenten fordern städtisches Engagement bei Wohnraumversorgung
„Mehr Wohnraum für Studenten“ und „Leerstehenden Wohnraum vermieten“ waren nur einige der Forderungen einer jüngst anberaumten Studentenkundgebung auf dem Potsdamer Platz der Einheit. Aufgerufen dazu hatte der Studentenrat der Universität. Aktueller Anlaß: Aufgrund steigender Studentenzahlen zum Wintersemester 1995/96 kam es in der Landeshauptstadt verstärkt zu Defiziten in der Bereitstellung geeigneten Wohnraums.
Im Oktober dieses Jahres hatten sich immerhin rund 3000 Studierende an den drei Hochschulen der brandenburgischen Metropole neu eingeschrieben. Ihre Unterbringung gestaltete sich schwierig. Zusätzliche Wohnheimplätze fehlten. Im Gegenteil: deren reale Anzahl sank. „Schuld“ daran waren Grundnßveränderungen beinhaltende Baumaßnahmen in einzelnen Häusern. Aus ehemaligen Zwei- oder Dreibettzimmern entstanden vielfach moderne Einbettzimmer. Diese Tendenz werde sich fortsetzen, versicherte kürzlich Peter EU- mer, zuständig für Studentisches Wohnen im Studentenwerk Potsdam:“Wir gehen davon aus, daß sich künftig vier bis fünf Mieter eine Gruppenwohnung teilen.“ Auf ausgesprochenen Luxus dagegen wolle man verzichten. Ellmer dazu: „Ein-Perso- nen Appartements streben wir auch in Zukunft nicht an."
Anspruch auf Unterbnngung besäßen nicht alle Studierenden. Nur diejenigen von ihnen, deren Wohnsitz außerhalb des Bereiches öffentlicher Nahverkehrsmittel liege, könnten auf Berücksichtigung hoffen. Berliner und Brandenburger müßten demnach die längere Fahrzeit in Kauf nehmen.
Dem Studentenwerk Potsdam, auch verantwortlich für Wildau und Brandenburg, lagen zum Beginn des Wintersemesters 2174 Anträge auf Unterbnngung vor. Zu diesem Zeitpunkt gab es jedoch lediglich 879 freie Betten. Eine Diskrepanz, die sich schließlich etwas entschärfte. Hintergrund: Mehr als 1000 junge Leute aktualisierten ihr Begehren nicht. Damit standen dennoch Mitte Oktober 107 Bewerber auf der Straße. Abteilungsleiter Ellmer zeigte sich trotz allem optimistisch: „Ich denke, auch diesen Restbestand nicht versorgter Studenten bis Mitte/Ende November unterbringen zu können.“ Nach seiner Erfahrung kündigten gerade in diesen Wochen zahlreiche Mieter ihre Verträge, da sie die Ausbildung beendeten oder einfach wechselten. Andere zögen gar nicht erst ein. Jene Zuversicht stößt bei Martin Weiß vom Studentenrat der Uni Potsdam zumindest auf Skepsis. Auf Anfrage erklärte er: Wir gehen in unserem Gremium von nahezu 800 Wohnungssuchenden aus. Das ist eine Schätzung. Viele Kommilitonen haben sich zwar im Wohnheim einquartiert, wünschen aber eine Bleibe in der Stadt. Andere kommen täglich aus Berlin oder dem weiteren
Umfeld wie Tteltow, Hennigsdorf und Luk- kenwalde. Sie alle beziehen wir mit ein. In der Statistik des Studentenwerkes erscheinen sie aufgrund gegebener Richtlinien leider nicht.“ Um Abhilfe zu schaffen, nch- tete der Studentenrat vor. wenigen Wochen eine Wohnungsbörse ein.
Weiß im ersten Rückblick: „Bei den Betroffenen fand das Angebot großen Anklang. Über 100 Ratsuchende kamen bisher in die Sprechstunden (wochentags von 9.00 bis 16.00 Uhr, Ttel. 0331/977-1765 -dieRed). In über 30 Fällen konnten wir bisher helfen.“ Das allerdings sei ein Tropfen auf den heißen Stein.
Auch Kann Bänsch, Geschäftsführerin des Potsdamer Studentenwerkes, sieht Handlungsbedarf. Die Stadt müsse nun reagieren. Ihre eigene Einrichtung bringe derzeit 50 Prozent der zukünftigen Akademiker unter. Damit übererfülle sie die vom Land festgelegte Quote um 20 Prozent. Studentenrat und W/VP (Wohnungsverwaltungsgesellschaft Potsdam mbH) ringen derzeit um gemeinsame Lösungen. Die Schwierigkeit des Unterfangens: Etwa 8000 Nichtstudenten befinden sich gegenwärtig ebenfalls auf der Suche nach den eigenen vier Wänden. Die Forderungen beziehen sich insbesondere darauf, städtische Wohnungen aus dem kommunalen Bestand herauszulösen, Möglichkeiten zur Gründung von Wohngemeinschaften durch das Zusammenlegen von Wohnberechtigungs- schemen zu schaffen und leerstehenden Wohnraum in renovierungsbedürftigen Häusern befristet zu vermieten. EG.
Rahmentermine für das Wintersemester 1995/96
09.10.95 - 02.02.96
Vorlesungszeitraum
15.01.96 - 15.02.96
Rückmeldefrist für das Sommersemester 1996
05.02.96 - 29.03.96
Zeitraum für Prüfungen und Praktika
Noch verbliebene lehrveranstaltungs- freie läge im Vorlesungszeitraum:
21.12.95 - 05.01.96
Akademische Weihnachtsferien
„Uni-Szene von A bis Z“
Das Wintersemester 1995/96 ist erst wenige Wochen alt, die Eingewöhnung der „Neuen“ in vollem Gange. Gerade Erstse- mestlern fällt es oft nicht leicht, sich an der Hochschule zurechtzufinden. Viele Fragen sind offen: Wie hoch ist der aktuelle BAföG- Satz? Wo findet man eine Bleibe? Worauf muß man beim Jobben achten? Welches ist die günstigste Form der Krankenversicherung? Auf diese und andere Fragen gibt die Broschüre „Um-Szene von A-Z" für 1995/96, herausgegeben von der BARMER-Ersatz- kasse, Antworten. Von A wie Auslandsstudium über M wie Meldepflicht bis Z wie ZVS ist die „Um-Szene“ ein praktischer Ratgeber für alle, die nicht planlos in ihr Studium starten wollen.
Neben einem Extra-Infoteil für Erstseme- stler enthält sie zwei Semesterplaner für das individuelle Timing. Die Broschüre gibt es in den Potsdamer Geschäftsstellen der BARMER in der Helene-Lange-Straße 6/7, in der Lindenstraße 17 und in der Karl-Lieb- knecht-Straße lila, Potdam-Babelsberg.
zg.
i t
NMurf
m
ersteh WGhnraum
Mit einer kleinen Zeltstadt machten Studenten auf ihre Wohnungsnöte aufmerksam. Foto: Fritze
Seite 20
PUTZ 8/95