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(1.1.2019) 08
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Keine Besteuerung von Drittmitteln

Zu den Bestrebungen der Finanzminister des Bundes und der Länder, von der Wirt­schaft eingeworbene Drittmittel der Hoch­schulen und außeruniversitärer gemein­nütziger Forschungseinrichtungen der Mehrwert- und Körperschaftssteuer zu unterwerfen, erklärte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Pro­fessor Dr. Hans-Uwe Erichsen, in Bonn: Mit Drittmitteln aus der Wirtschaft durch­geführte Forschung gehört zu den Aufga­ben der Hochschulen entsprechend dem Hochschulrahmengesetz und den Hoch­schulgesetzen aller Länder. Forschung mit Drittmitteln gehört demzufolge zu den ho­heitlichen Aufgaben der Hochschulen, die Körperschaften des öffentlichen Rechts und zugleich staatliche Einrichtungen sind. Hoheitliche Aufgaben sind nicht einer Be­steuerung unterworfen. Es ist unverständ­lich und weder für Hochschulen und For­schungseinrichtungen noch für die Öffent­lichkeit nachvollziehbar, daß im Steuer­recht ein anderes Verständnis des Begriffs der hoheitlichen Aufgaben als in allen an­deren Rechtsbereichen herrschen soll. Durch die mit Drittmitteln finanzierte For­schung entsteht keine Wettbewerbsverzer­rung im Verhältnis zu Unternehmen oder anderenAnbietern" von Forschung. Eine Besteuerung der Drittmittelforschung führt nach Berechnungen der Hochschulen zu einem erheblichen Verwaltungsaufwand mit der Notwendigkeit, in Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtun­gen und in der Finanzverwaltung neue Stel­len einzurichten. Mit einer Besteuerung wird staatliche Verwaltung und Bürokratie ausgebaut statt zurückgenommen. Es ist unverständlich, daß auf der einen Seite von Wirtschaft und Politik in der Öffentlichkeit eine Verkürzung der Wege zwischen Hoch­schulen, Forschungseinrichtungen und Wirtschaft sowie eine erhebliche Beschleu­nigung der Umsetzung von Forschungser­gebnissen in Methoden und Produkte ge­fordert und zu diesem Zweck ein Ttechno- logierat unter Leitung des Bundeskanzlers eingerichtet wird, während auf der ande­ren Seite die Finanzministerien des Bundes und der Länder mit einer Besteuerung der Drittmittelforschung zum Aufbau von Büro­kratie und zur Forschungshemmung beitra­gen.

Die Hochschulrektorenkonferenz fordert die Finanzminister, aber auch die Bundes­regierung und die Landesregierungen auf, von einer forschungshemmenden und le­diglich Bürokratie ausweitenden Besteu­erung der für Forschung eingeworbenen Drittmittel in Hochschulen und außerum- versitären Forschungseinrichtungen abzu­sehen. wz.

PUTZ 8/95

Alfried Krupp-Förderpreis vergeben

Das Kuratorium der Alfried Krupp von Boh­len und Halbach-Stiftung hat den Alfried Krupp-Förderpreis für junge Hochschul­lehrer 1995 dem 36jährigen Bochumer Bio- psychologie-Professor Dr. Onur Güntürkün zuerkannt. Der Preisträger war zuvor vom wissenschaftlichen Beirat der Stiftung aus 64 Kandidatenvorschlägen von 47 Universi­täten nominiert worden. Professor Güntür­kün ist der 13. Wissenschaftler, der mit dem Alfried Krupp-Förderpreis ausgezeichnet wird. Der Preis ist mit 850.000 DM einer der höchstdotierten Wissenschaftspreise in Deutschland. Die gemeinnützige Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung hat seit Aufnahme ihrer Tätigkeit im Jahre 1968 in den Satzungsbereichen Wissenschaft in Forschung und Lehre, Erziehungs- und Bil­dungswesen, Gesundheitswesen, Kultur und Sport insgesamt rund 430 Mio. DM für Fördervorhaben aufgewendet. wz.

Jahresbericht der Humboldt-Stiftung

Die Zahl der durch die Humboldt-Stiftung im Inland geförderten Gastwissenschaftler ist infolge der Haushaltskürzungen 1994 zurückgegangen. Die Stiftung hofft jedoch, so ihr Präsident Prof. Dr. Reimar Lüst, daß der rückläufige Trend nunmehr zum Still­stand kommt.

Insgesamt wurden 1994 Wissenschaftler aus 87 Ländern (28% Geistes-, 60% Natur-, 12% Ingenieurwissenschaftler) gefördert. In ihrer DokumentationBibliographia Hum- boldtiana 1994 weist die Stiftung fast 2.800 wissenschaftliche Publikationen nach, die als Ergebnisse der Forschungsaufenthalte in Deutschland entstanden sind.

Weiter konkretisiert hat sich das Programm zur Errichtung von Internationalen Begeg­nungszentren der Wissenschaft an ostdeut­schen Hochschulorten. Zur Zeit werden acht Standorte mit ca. 140 Wohneinheiten geplant. Weitere Anträge für die Standorte Potsdam, Frankfurt/Oder, Cottbus, Erfurt und Leipzig werden vorbereitet.

Finanziert wurde die Arbeit der Humboldt- Stiftung im Jahr 1994 mit 79,5 Mio. DM aus dem Bundeshaushalt (minus 4,8 % gegen­über 1993), und zwar 48 Mio. DM vom aus­wärtigen Amt, 28 Mio. DM vom Bundesmi­nisterium für Bildung, Wissenschaft, For­schung und Technologie und 3,5 Mio. DM vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Weitere 1,3 Mio. DM er­hielt die Stiftung aus privaten Zuwendun­gen, vor allem vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, von der Fritz Thys­sen Stiftung, dem Verband der Chemi­schen Industrie und der Volkswagen-Stif­tung, wz.

Simon neuer Präsident

Der Rechtshistoriker Prof. Dr. Dieter Si­mon, Direktor am Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte in Frank­furt/Main und von 1989 bis 1992 Vorsitzen­der des Wissenschaftsrates, löste am 1. Oktober 1995 Prof. Dr. Hubert Markl als Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ab. Markl war der erste Präsident der im Sommer 1992 in der Tradition der Preußischen Aka­demie der Wissenschaften neukonstituier­ten Akademie, Simon wurde 1994 bei den ersten Zuwahlen als ordentliches Mitglied in die geisteswissenschaftliche Klasse ge­wählt.

In seiner Antrittsrede erklärte der neue Prä­sident, daß - wenngleich der hohe Stellen­wert der Zusammenarbeit mit den Univer­sitäten und Hochschulen für ihn außer Zweifel stehe - doch auch den Akademien eine zentrale Verantwortung für die geistes­wissenschaftliche Forschung zufallen wer­de, wenn sich die fast unbemerkte Ent­wicklung der Hochschulen zu höheren Be­rufsbildungseinrichtungen und die damit verbundene Gefahr für die Hochschulfor­schung nicht dauerhaft aufhalten ließe. Zu den Anforderungen gerade an die im Er­gebnis des deutschen Einigungsprozesses entstandene, geographisch an der Naht­stelle zwischen Ost- und Westeuropa gele­gene Akademie verwies er auf bislang nicht wahrgenommene Integrationsaufga­ben, aus denen sich eine lange fällige eu­ropäisch-politische Diskussion entwik- keln könnte. pm.

IMPRESSUM

PUTZ, Die Potsdamer Universitätszeitung ISSN 0947-1650

Herausgeber: Der Rektor der Universität Potsdam,

Prof. Dr. Woifgang Loschelder

Redaktion: Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit; Myriam Honig (Hg.) (v.i.S.d.P), Dr. Barbara Eckardt (B.E.), Petra Görlich (PG.), Gabriele Andre (ade)

Ttexterfassung: Signd Pen quitt

Titelfotos: Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeres­forschung (1), Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (3), GeoForschungsZentrum Pots­dam (2), Fntze (2), Tribukeit (1)

Anschrift der Redaktion:

Am Neuen Palais 10, 14469 Potsdam,

Ttelefon 0331/977-1474 oder-1496, -1675, -1782

Ttelefax 0331/977-1145

Redaktionsschluß

der Dezember-Ausgabe: 13. November 1995 Nachdruck gegen Belegexemplar bei Quellen- und Autorenangabe frei.

Verlag und Anzeigenverwaltung:

News & Media - Public Relations, Marcus v. Arnsberg, Köpenicker Str. 9 b, 10997 Berlin Ttelefon 030/611 22 91, Ttelefax 618 92 93 Es gilt Anzeigen-Preisliste Nr. 1 (1.9.1994) Anzeigenschluß

der Dezember-Ausgabe: 27. November 1995

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