Keine Besteuerung von Drittmitteln
Zu den Bestrebungen der Finanzminister des Bundes und der Länder, von der Wirtschaft eingeworbene Drittmittel der Hochschulen und außeruniversitärer gemeinnütziger Forschungseinrichtungen der Mehrwert- und Körperschaftssteuer zu unterwerfen, erklärte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Professor Dr. Hans-Uwe Erichsen, in Bonn: „Mit Drittmitteln aus der Wirtschaft durchgeführte Forschung gehört zu den Aufgaben der Hochschulen entsprechend dem Hochschulrahmengesetz und den Hochschulgesetzen aller Länder. Forschung mit Drittmitteln gehört demzufolge zu den hoheitlichen Aufgaben der Hochschulen, die Körperschaften des öffentlichen Rechts und zugleich staatliche Einrichtungen sind. Hoheitliche Aufgaben sind nicht einer Besteuerung unterworfen. Es ist unverständlich und weder für Hochschulen und Forschungseinrichtungen noch für die Öffentlichkeit nachvollziehbar, daß im Steuerrecht ein anderes Verständnis des Begriffs der hoheitlichen Aufgaben als in allen anderen Rechtsbereichen herrschen soll. Durch die mit Drittmitteln finanzierte Forschung entsteht keine Wettbewerbsverzerrung im Verhältnis zu Unternehmen oder anderen „Anbietern" von Forschung. Eine Besteuerung der Drittmittelforschung führt nach Berechnungen der Hochschulen zu einem erheblichen Verwaltungsaufwand mit der Notwendigkeit, in Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und in der Finanzverwaltung neue Stellen einzurichten. Mit einer Besteuerung wird staatliche Verwaltung und Bürokratie ausgebaut statt zurückgenommen. Es ist unverständlich, daß auf der einen Seite von Wirtschaft und Politik in der Öffentlichkeit eine Verkürzung der Wege zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Wirtschaft sowie eine erhebliche Beschleunigung der Umsetzung von Forschungsergebnissen in Methoden und Produkte gefordert und zu diesem Zweck ein Ttechno- logierat unter Leitung des Bundeskanzlers eingerichtet wird, während auf der anderen Seite die Finanzministerien des Bundes und der Länder mit einer Besteuerung der Drittmittelforschung zum Aufbau von Bürokratie und zur Forschungshemmung beitragen.
Die Hochschulrektorenkonferenz fordert die Finanzminister, aber auch die Bundesregierung und die Landesregierungen auf, von einer forschungshemmenden und lediglich Bürokratie ausweitenden Besteuerung der für Forschung eingeworbenen Drittmittel in Hochschulen und außerum- versitären Forschungseinrichtungen abzusehen.“ wz.
PUTZ 8/95
Alfried Krupp-Förderpreis vergeben
Das Kuratorium der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung hat den Alfried Krupp-Förderpreis für junge Hochschullehrer 1995 dem 36jährigen Bochumer Bio- psychologie-Professor Dr. Onur Güntürkün zuerkannt. Der Preisträger war zuvor vom wissenschaftlichen Beirat der Stiftung aus 64 Kandidatenvorschlägen von 47 Universitäten nominiert worden. Professor Güntürkün ist der 13. Wissenschaftler, der mit dem Alfried Krupp-Förderpreis ausgezeichnet wird. Der Preis ist mit 850.000 DM einer der höchstdotierten Wissenschaftspreise in Deutschland. Die gemeinnützige Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung hat seit Aufnahme ihrer Tätigkeit im Jahre 1968 in den Satzungsbereichen Wissenschaft in Forschung und Lehre, Erziehungs- und Bildungswesen, Gesundheitswesen, Kultur und Sport insgesamt rund 430 Mio. DM für Fördervorhaben aufgewendet. wz.
Jahresbericht der Humboldt-Stiftung
Die Zahl der durch die Humboldt-Stiftung im Inland geförderten Gastwissenschaftler ist infolge der Haushaltskürzungen 1994 zurückgegangen. Die Stiftung hofft jedoch, so ihr Präsident Prof. Dr. Reimar Lüst, daß der rückläufige Trend nunmehr zum Stillstand kommt.
Insgesamt wurden 1994 Wissenschaftler aus 87 Ländern (28% Geistes-, 60% Natur-, 12% Ingenieurwissenschaftler) gefördert. In ihrer Dokumentation „Bibliographia Hum- boldtiana 1994“ weist die Stiftung fast 2.800 wissenschaftliche Publikationen nach, die als Ergebnisse der Forschungsaufenthalte in Deutschland entstanden sind.
Weiter konkretisiert hat sich das Programm zur Errichtung von Internationalen Begegnungszentren der Wissenschaft an ostdeutschen Hochschulorten. Zur Zeit werden acht Standorte mit ca. 140 Wohneinheiten geplant. Weitere Anträge für die Standorte Potsdam, Frankfurt/Oder, Cottbus, Erfurt und Leipzig werden vorbereitet.
Finanziert wurde die Arbeit der Humboldt- Stiftung im Jahr 1994 mit 79,5 Mio. DM aus dem Bundeshaushalt (minus 4,8 % gegenüber 1993), und zwar 48 Mio. DM vom auswärtigen Amt, 28 Mio. DM vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie und 3,5 Mio. DM vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Weitere 1,3 Mio. DM erhielt die Stiftung aus privaten Zuwendungen, vor allem vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, von der Fritz Thyssen Stiftung, dem Verband der Chemischen Industrie und der Volkswagen-Stiftung, wz.
Simon neuer Präsident
Der Rechtshistoriker Prof. Dr. Dieter Simon, Direktor am Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt/Main und von 1989 bis 1992 Vorsitzender des Wissenschaftsrates, löste am 1. Oktober 1995 Prof. Dr. Hubert Markl als Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ab. Markl war der erste Präsident der im Sommer 1992 in der Tradition der Preußischen Akademie der Wissenschaften neukonstituierten Akademie, Simon wurde 1994 bei den ersten Zuwahlen als ordentliches Mitglied in die geisteswissenschaftliche Klasse gewählt.
In seiner Antrittsrede erklärte der neue Präsident, daß - wenngleich der hohe Stellenwert der Zusammenarbeit mit den Universitäten und Hochschulen für ihn außer Zweifel stehe - doch auch den Akademien eine zentrale Verantwortung für die geisteswissenschaftliche Forschung zufallen werde, wenn sich die fast unbemerkte Entwicklung der Hochschulen zu höheren Berufsbildungseinrichtungen und die damit verbundene Gefahr für die Hochschulforschung nicht dauerhaft aufhalten ließe. Zu den Anforderungen gerade an die im Ergebnis des deutschen Einigungsprozesses entstandene, geographisch an der Nahtstelle zwischen Ost- und Westeuropa gelegene Akademie verwies er auf bislang nicht wahrgenommene Integrationsaufgaben, aus denen sich eine lange fällige europäisch-politische Diskussion entwik- keln könnte. pm.
IMPRESSUM
PUTZ, Die Potsdamer Universitätszeitung ISSN 0947-1650
Herausgeber: Der Rektor der Universität Potsdam,
Prof. Dr. Woifgang Loschelder
Redaktion: Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit; Myriam Honig (Hg.) (v.i.S.d.P), Dr. Barbara Eckardt (B.E.), Petra Görlich (PG.), Gabriele Andre (ade)
Ttexterfassung: Signd Pen quitt
Titelfotos: Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (1), Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (3), GeoForschungsZentrum Potsdam (2), Fntze (2), Tribukeit (1)
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Redaktionsschluß
der Dezember-Ausgabe: 13. November 1995 Nachdruck gegen Belegexemplar bei Quellen- und Autorenangabe frei.
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der Dezember-Ausgabe: 27. November 1995
Seite 31