CAMPUS
TAKTLOSIGKEITEN SIND KEINE LAPALIEN
Podiumsdiskussion des Zentrums für Gerechtigkeitsforschung zu Veränderungserfahrungen nach der Wiedervereinigung
Die einen wollen die Begriffe „Ossis“ und „Wessis“ abschaffen, weil sie künstlich teilen würden. Andere meinen, daß aufgrund der äußerst unterschiedlichen Erfahrungen noch lange von zwei deutschen Befindlichkeiten auszugehen sein wird. Fünf Jahre im wiedervereinigten Deutschland haben für die Menschen nicht nur im Osten, aber vor allem dort, eine Fülle von Umstellungen mit sich gebracht. Soziologen verschiedener Universitäten und Einrichtungen gehen deshalb seither in empirischen Untersuchungen damit im Zusammenhang stehenden Fragen nach. Dies war auch der Anlaß für ein zweitägiges Symposium des Zentrums für Gerechtigkeitsforschung an der Universität Potsdam Ende vergangenen Jahres. Wissenschaftler stellten dort Ergebnisse ihrer Forschungen zum Thema Veränderungserfahrungen in den neuen Bundesländern seit der Wiedervereinigung“ vor.
Campus
Taktlosigkeiten sind keine Lapalien.2
Erinnerungen an ein
gemeinsames Kulturerbe.4
Ohne Visionen kein Europa.5
Gute Beziehungen gefestigt.5
Gedanken- oder kopflos?.5
„Ideologischer“ Umgang...6
Europäische Dimensionen.6
Sprachen in Grundschulen.7
Als war es keinem ernst mit der Kunst.... 8
Über jüdische Erfahrungen.8
Unterricht und Entwicklung in
der Grundschule.9
Rechenschaftsbericht.9
Verbesserung oder Fehlentwicklung.10
Auf dem Campus aufgeschnappt (IV) ..10
Fbauenforschung veraltet?.11
Die Gremische Dritteltheone.12
Wohin steuert Weißrußland?.12
Streetball attraktiver als Basketball.13
Empfang für ausländische Studierende 13 Ein Aufklärer im revolutionären Paris .... 14 Thgungsdienst und Gästeservice
für die Universität Potsdam.15
Aus dem Senat berichtet.15
Mineraliensammlung.1.16
Titel: Neues aus dem Elfenbeinturm - immer „Live at Five!“. 16/17
Wissenschaft aktuell
Zwischen Molekülen und Festkörpern 18
Studiosi
Kontakte über Borchert-Thgung.19
Der gewählte Studierendenrat.20/21
Der Studentenexpress ist gestartet.22
Stadt im Zugzwang...23
Polnisch-deutscher Austausch.23
BAföG-Broschüre erschienen.23
Tbxt und Theater.24
Lokale Erasmus-Initiativen in Potsdam 24 In 5 Jahren 11.000 Studierende mehr .... 24 Kaffeeklatsch mit DAAD-Stipendiaten ... 25
Stipendien für jüngere Juristen.25
Stipendien für Studien in Japan.25
Das Machbare heute durchsetzen.26
Personalia
Rufe.27
Neu ernannte Professoren.27
Klein im Beirat des Auswärtigen Amtes 28 Beauftragter für DFG-Angelegenheiten 28 Außerplanmäßige Professoren berufen 29 Schulz intensivierte Kanada-Kontakte.... 29
Zur Arbeit an Sonntagen.30
Hauer um Helmut Opitz.30
Großes Forschungsvorhaben bewilligt . 30 „Professor Belling soll bleiben!“.30
Buchtips.31/32
Kultur.32-34
Sport.34/35
Infothek .36
Impressum.36
Die Initiatoren der Tägung verfolgten das Anliegen, „das Verständnis zwischen den Menschen im ehemals geteilten Deutschland zu befördern sowie politischen Entscheidungen eine Orientierung zu geben". Bestandteil des Symposiums war eine öffentliche Podiumsdiskussion zu dieser Problematik mit dem Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Steffen Reiche, dem Anwalt und letzten Innenminister der DDR, Dr. Peter-Michael Diestel, dem ehemaligen Rek
tor der Universität Potsdam, Prof. Dr. Rolf Mitzner, und dem jetzigen Rektor, Prof. Dr. Wolfgang Loschelder.
Gerade wollen Demoskopen von Infratest in einer Umfrage herausgefunden haben, daß fünf Jahre nach der Wende" bei vielen Bürgern in den neuen Bundesländern große Skepsis gegenüber dem bundesrepublikanischen System herrsche. Die Zustimmung der ehemaligen DDR-Bürger zum „neuen politischen System“ sei von 51 Prozent 1990
auf gegenwärtig 33 Prozent gesunken. „Ist also der Beitritt zur Bundesrepublik angesichts der DDR-Renaissance in den Köpfen ein Irrtum, ein Fehler gewesen?", fragte Prof. Dr. Leo Montada, Direktor des Zentrums für Gerechtigkeitsforschung und Gesprächsleiter. Peter-Michael Diestel sah mit Unverständnis, daß man gravierende Veränderungen im Westen nicht konstatieren wolle. Von den Ostdeutschen verlange man eine lOOprozentige Wendung, „eine Abkehr von dem, was DDR gewesen ist“.
Die Einheit wäre ein Schritt in eine politisch gewollte Richtung gewesen, später hätte sich allerdings zwischen Ost- und Westdeutschen ein Verhältnis von Siegern und Besiegten ergeben. „Das war nicht ausgemacht“, so der an der Ausarbeitung des Einigungsvertrages Beteiligte. Erst wenn es zur Selbstverständlichkeit gehöre, daß ein Steffen Reiche Kultusminister in Bayern ist, C3- und C4-Professuren an ostdeutschen Universitäten nicht größtenteils von Wissen-
Für den Erhalt des asbestbelasteten Palastes der Republik in Berlin als einem wichtigen, in direktem Zusammenhang mit der deutschen Einheit stehenden Gebäude plädierte Dr. Peter-Michael Diestel.
Foto: zg.
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