Nicht immer einer Meinung: Dr. Peter-Michael Diestel (links) und Steffen Reiche (rechts)
Foto: Fritze
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schaftlern aus dem Westen besetzt werden, kehre Normalität ein. Solche Widersprüche müßten benannt, um überwunden zu werden.
Für Steffen Reiche gibt es keine DDR-Re- naissance, sondern eine neue Wertung der Vergangenheit. Die Bürger hätten im März 1990 eine klare Wahlentscheidung getroffen, die im nachhinein nicht revidiert oder uminterpretiert werden könne. Wolfgang Loschelder warnte energisch vor Rauschali- sierungen jeglicher Art und davor, eine mentale Kluft zwischen Ost- und Westdeutschen herbeizureden. Die Auffassung „laßt uns unsere Geschichte“ sei in Potsdam an der Uni ohnehin kein Problem. Hier sei der Prozeß gemeinsamer Geschichtsaufarbeitung relativ weit fortgeschritten.
Steffen Reiche trat dagegen auf, Fehler und Versäumnisse lediglich den Westdeutschen anzulasten. Oftmals verdrängten sich Ostdeutsche gegenseitig. „Ob jemand Chefarzt bleiben durfte oder nicht, hat uns keiner aus dem Westen implantiert, das waren wir selber". Als einer der wenigen Ostdeutschen, der Gestaltungsraum erhalten habe, wie Rolf Mitzner selbst sagte, wisse er um die menschliche und materielle Hilfe von den alten für die neuen Bundesländer.
Auf die Frage, was im Zuge der Wiedervereinigung anders hätte geregelt werden können, nannte Peter-Michael Diestel den Eini
gungsvertrag, der weiterzuentwickeln sei. Für notwendig hielt er ebenso die individuelle Bewertung von Biographien. Als Anwalt erfahre er an konkreten Beispielen, daß „wir bis auf die deutsche Sprache sehr viele Dinge haben, die uns unterscheiden". Zahlreiche Ostdeutsche vermißten soziale Wärme. Minister Reiche zeigte sich überzeugt davon, daß der Einigungsvertrag wie die Treuhand besser als ihr Ruf seien. Das blieb auch im Auditorium ohne zumindest hörbaren Widerspruch. Leo Montada brachte seine Überraschung darüber zum Aus
druck, „wie wenig aus der Revolution 1989 gemacht wurde“. Im Gegensatz zu Peter- Michael Diestel wertete Steffen Reiche die damaligen Ereignisse keineswegs als Revolution, sondern als „Implosion des Systems“ . Einen Vergleich zur gegenwärtigen Situation herstellend, zitierte Leo Montada eine Untersuchung zur Bewertung von Niederlagen vor Gericht. Danach sei die Art des Umgangs miteinander für die Betroffenen wichtiger als ein gerechtes Ergebnis. In diesem Sinne sind für den Wissenschaftler Täktlosigkeiten keine Lapalien. B.E.
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