Heft 
(1.1.2019) 01
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WISSENSCHAFT AKTUELL

werden könnte so ein Effekt eventuell bei der Gewinnung von Solarenergie.

Kolloide als Transportmittel für Arzneimittel: das Drug Targeting

Bei dem angeführten Beispiel von kolloida­lem Gold handelt es sich um eine Verteilung von Feststoffen in Flüssigkeit. Man kann aber auch ganz andere Kolloide mit völlig ver­schiedenen Eigenschaften designen. Ein Beispiel sind Polymerteilchen, an deren Oberfläche bestimmte Biomoleküle (wie beispielsweise Proteine) angebracht wer­den. Solche Polymere wird man in Zukunft eventuell als eine Art Paket benutzen können, welches bestimmte Arzneimittel transpor­tiert, und das an einen bestimmten Empfän­ger adressiert ist. Dadurch könnte man ver­hindern, das sich der Wirkstoff im ganzen Körper verteilt - wie das bei seiner Injizierung in gelöster Form der Fall ist - und unter Umständen in dem zu behandelnden Organ nur ein kleiner Tfeil davon aufgenom­men wird, während er sich anderswo viel stärker anreichert. Allerdings werden kolloi­dale Partikel vom Immunsystem normaler­weise als Eindringlinge eingestuft und durch die Freßzellen (Makrophagen) von Milz und Leber aufgenommen. Falls eines der beiden Organe der gewünschte Adressat ist, ist man am Ziel. Was aber, wenn der Arzneistoff an ganz anderer Stelle benötigt wird? In diesem Fall muß das Kolloid mit einer Art Tärnkap- pe versehen werden, das heißt, die Oberflä­che des Polymers muß so ausgestalltet wer­den, daß das Immunsystem es nicht als Ein­dringling identifiziert. Vereinfacht läßt sich sagen, daß hydrophobe (wasserabweisen­de) und geladene Oberflächen vom Immun­system schnell erkannt werden. Versieht man sie jedoch mit hydrophilen (wasser- liebenden) Gruppen, so läßt sich das Ab­wehrsystem täuschen.

Dadurch kann das Polymer zwar in die Blut­bahn emgeschleußt werden, muß aber nun noch zum richtigen Adressaten gelangen. Hierfür hofft man, die Blutproteine einspan­nen zu können, die sich an die Oberfläche des Tbnsids anlagern. Je nach Muster, das sie dort bilden, transportieren sie das Tbn- sid zu einem bestimmten Organ. Dieser Transportmechanismus wird als Drug Tärgeting bezeichnet.

Nicht bekannt ist allerdings, wie der Zu­sammenhang zwischen diesen Adsorpti­onsmustern und dem Transportziel ist, und wie die Tbnsidoberfläche bezüglich der Hydrophobie, der Ladungsverteilung und der Anwesenheit chemischer Gruppen be­schaffen sein muß, um ein bestimmtes Adsorptionsmuster und damit auch ein be­stimmtes Transportziel anzuwählen. Um das herauszufinden, werden in der Abtei­lung Kolloidchemie des Max-Planck-Insti- tuts für Kolloid- und Grenzflächenforschung Polymere, die unterschiedlich viele funktio­

nelle Gruppen haben und mit wechselnden chemischen Nachbargruppen ausgestattet sind, synthetisiert und getestet. Damit die­se Transportkolloide auch durch Filter im Körper passen und sich in Zellen bewegen können, sollten sie etwa so groß wie ein kleinerer Virus sein.

Transportkolloide werden hergestellt

Eines der Prinzipien, nach denen sich so kleine Polymerkugeln mit speziellem Oberflächendesign hersteilen lassen, ist die Polymerisation in Mikroemulsion, die auch im Max-Planck-Institut in Tfeltow angewendet wird. Dabei stellt man eine Mischung her, die aus Wasser und feinsten, 5 nm - 50 nm großen und dicht an dicht liegenden Öltröpfchen besteht, die von Tfensiden um­hülltwerden. Da ffenside Kettenmoleküle mit einem hydrophilen (wasserliebenden) und einem lipophilen (fettliebenden) Ende sind, vermögen sie die Abgrenzung zwischen Wasser und Öltröpfchen zu überbrücken. Dies ist die Mikroemulsion. Für die Polyme- nsation werden die Tröpfchen sozusagen als Gußformen benutzt, deren Inneres man aus­härten läßt. Die Größe der dadurch erhalte­nen Polymere kann durch die Menge der verwendeten Tfenside weitgehend vorgege­ben werden. Für die Oberflächengestaltung können der Mikroemulsion die unterschied­lichsten Tteilchen oder Moleküle beigefügt werden. Solange ihre Polarität zwischen der von Wasser und der des Polymers liegt, wer­den sie in die Grenzschicht der Tröpfchen eingebaut. Dabei kann man nicht nur die für die oben beschriebene medizinische An­wendung interessanten Moleküle und Grup­pen einbauen, sondern je nach Verwen­dungszweck auch andere Verbindungen. So lassen sich beispielsweise Rezeptoren her­steilen, die selektiv Schwer- oder Über­gangsmetalle in wässrigen Lösungen bin­den. Dazu wird die Oberfläche von Kolloiden mit entsprechenden metallbindendenÄrm­chen" bestückt.

Kolloid- und Oberflächenchemie, ob theo­retisch oder experimentell, bilden ein wei­tes und abwechslungreiches Feld, das si­cher noch reiche Früchte tragen wird. Für Studenten, die sich für anschauliche Grundlagenforschung interessieren, ist hier sicher ein geeigneter Einstieg über eine Diplomarbeit möglich. ade

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ÜBER BORCHERT-TAGUNG KONTAKTE GEKNÜPFT

Wolfgang Borchert Äbb.: zg.

Warum wurde Wolfgang Borchert nach dem II. Weltkrieg so begeistert aufgenom- men? Was interessiert heute an ihm, daß die neue Inszenierung vonDraußen vor der Tür in den Hamburger Kammerspielen vor ausverkauftem Hause gespielt wird? Mit diesen und anderen Fragen befaßte sich Ende letzten Jahres eine wissenschaftliche Konferenz zum Thema: Wolfgang Borchert in neuer Sicht", die in Hamburg stattfand und an der Vertreter der Universität Pots­dam als einzige aus den neuen Bundeslän­dern teilnahmen. Unter ihnen war auch Dr. Marianne Lüdecke aus dem Institut für Germanistik, die am Rande wertvolle Kon­takte über das eigentliche Thema hinaus knüpfte. So berichtet sie, daß Joseph Brockington aus den USA es z.B. sehr be­grüßen würde, wenn einigeseiner Germanistikstudenten an der Potsdamer Universität studieren könnten. Über eine entsprechende Unterstützung des Akade­mischen Auslandsamtes der Universität Potsdam wäre er deshalb sehr erfreut. Als wünschenswert bezeichnete es der ameri­kanische Wissenschaftler dabei, wenn die US-amerikanischen Studentinnen und Stu­denten in einer deutschen Familie bei ihrem Aufenthalt Deutsch als Alltagssprache er­fahren und Alltag in Deutschland erleben könnten.

Dr. Marianne Lüdecke jedenfalls versprach ihm in Ferch, wo sie wohne, schon einmal einen Anfang zu machen und bei Familien nachzufragen. Ein landschaftlich angeneh­mer Aufenthalt wäre dabei garantiert: stuf­te die Deutsche Welle tv Köln Ferch in ei­nem kürzlich gesendeten Film der Reihe Schauplatz Deutschland - Havelland" doch als das schönste Dorf im Havelland ein. L.M.

PUTZ 1/96

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