WISSENSCHAFT AKTUELL
werden könnte so ein Effekt eventuell bei der Gewinnung von Solarenergie.
Kolloide als Transportmittel für Arzneimittel: das Drug Targeting
Bei dem angeführten Beispiel von kolloidalem Gold handelt es sich um eine Verteilung von Feststoffen in Flüssigkeit. Man kann aber auch ganz andere Kolloide mit völlig verschiedenen Eigenschaften designen. Ein Beispiel sind Polymerteilchen, an deren Oberfläche bestimmte Biomoleküle (wie beispielsweise Proteine) angebracht werden. Solche Polymere wird man in Zukunft eventuell als eine Art Paket benutzen können, welches bestimmte Arzneimittel transportiert, und das an einen bestimmten Empfänger adressiert ist. Dadurch könnte man verhindern, das sich der Wirkstoff im ganzen Körper verteilt - wie das bei seiner Injizierung in gelöster Form der Fall ist - und unter Umständen in dem zu behandelnden Organ nur ein kleiner Tfeil davon aufgenommen wird, während er sich anderswo viel stärker anreichert. Allerdings werden kolloidale Partikel vom Immunsystem normalerweise als Eindringlinge eingestuft und durch die Freßzellen (Makrophagen) von Milz und Leber aufgenommen. Falls eines der beiden Organe der gewünschte Adressat ist, ist man am Ziel. Was aber, wenn der Arzneistoff an ganz anderer Stelle benötigt wird? In diesem Fall muß das Kolloid mit einer Art Tärnkap- pe versehen werden, das heißt, die Oberfläche des Polymers muß so ausgestalltet werden, daß das Immunsystem es nicht als Eindringling identifiziert. Vereinfacht läßt sich sagen, daß hydrophobe (wasserabweisende) und geladene Oberflächen vom Immunsystem schnell erkannt werden. Versieht man sie jedoch mit hydrophilen (wasser- liebenden) Gruppen, so läßt sich das Abwehrsystem täuschen.
Dadurch kann das Polymer zwar in die Blutbahn emgeschleußt werden, muß aber nun noch zum richtigen Adressaten gelangen. Hierfür hofft man, die Blutproteine einspannen zu können, die sich an die Oberfläche des Tbnsids anlagern. Je nach Muster, das sie dort bilden, transportieren sie das Tbn- sid zu einem bestimmten Organ. Dieser Transportmechanismus wird als Drug Tärgeting bezeichnet.
Nicht bekannt ist allerdings, wie der Zusammenhang zwischen diesen Adsorptionsmustern und dem Transportziel ist, und wie die Tbnsidoberfläche bezüglich der Hydrophobie, der Ladungsverteilung und der Anwesenheit chemischer Gruppen beschaffen sein muß, um ein bestimmtes Adsorptionsmuster und damit auch ein bestimmtes Transportziel anzuwählen. Um das herauszufinden, werden in der Abteilung Kolloidchemie des Max-Planck-Insti- tuts für Kolloid- und Grenzflächenforschung Polymere, die unterschiedlich viele funktio
nelle Gruppen haben und mit wechselnden chemischen Nachbargruppen ausgestattet sind, synthetisiert und getestet. Damit diese Transportkolloide auch durch Filter im Körper passen und sich in Zellen bewegen können, sollten sie etwa so groß wie ein kleinerer Virus sein.
Transportkolloide werden hergestellt
Eines der Prinzipien, nach denen sich so kleine Polymerkugeln mit speziellem Oberflächendesign hersteilen lassen, ist die Polymerisation in Mikroemulsion, die auch im Max-Planck-Institut in Tfeltow angewendet wird. Dabei stellt man eine Mischung her, die aus Wasser und feinsten, 5 nm - 50 nm großen und dicht an dicht liegenden Öltröpfchen besteht, die von Tfensiden umhülltwerden. Da ffenside Kettenmoleküle mit einem hydrophilen (wasserliebenden) und einem lipophilen (fettliebenden) Ende sind, vermögen sie die Abgrenzung zwischen Wasser und Öltröpfchen zu überbrücken. Dies ist die Mikroemulsion. Für die Polyme- nsation werden die Tröpfchen sozusagen als Gußformen benutzt, deren Inneres man aushärten läßt. Die Größe der dadurch erhaltenen Polymere kann durch die Menge der verwendeten Tfenside weitgehend vorgegeben werden. Für die Oberflächengestaltung können der Mikroemulsion die unterschiedlichsten Tteilchen oder Moleküle beigefügt werden. Solange ihre Polarität zwischen der von Wasser und der des Polymers liegt, werden sie in die Grenzschicht der Tröpfchen eingebaut. Dabei kann man nicht nur die für die oben beschriebene medizinische Anwendung interessanten Moleküle und Gruppen einbauen, sondern je nach Verwendungszweck auch andere Verbindungen. So lassen sich beispielsweise Rezeptoren hersteilen, die selektiv Schwer- oder Übergangsmetalle in wässrigen Lösungen binden. Dazu wird die Oberfläche von Kolloiden mit entsprechenden metallbindenden „Ärmchen" bestückt.
Kolloid- und Oberflächenchemie, ob theoretisch oder experimentell, bilden ein weites und abwechslungreiches Feld, das sicher noch reiche Früchte tragen wird. Für Studenten, die sich für anschauliche Grundlagenforschung interessieren, ist hier sicher ein geeigneter Einstieg über eine Diplomarbeit möglich. ade
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ÜBER BORCHERT-TAGUNG KONTAKTE GEKNÜPFT
Wolfgang Borchert Äbb.: zg.
Warum wurde Wolfgang Borchert nach dem II. Weltkrieg so begeistert aufgenom- men? Was interessiert heute an ihm, daß die neue Inszenierung von „Draußen vor der Tür“ in den Hamburger Kammerspielen vor ausverkauftem Hause gespielt wird? Mit diesen und anderen Fragen befaßte sich Ende letzten Jahres eine wissenschaftliche Konferenz zum Thema: Wolfgang Borchert in neuer Sicht", die in Hamburg stattfand und an der Vertreter der Universität Potsdam als einzige aus den neuen Bundesländern teilnahmen. Unter ihnen war auch Dr. Marianne Lüdecke aus dem Institut für Germanistik, die am Rande wertvolle Kontakte über das eigentliche Thema hinaus knüpfte. So berichtet sie, daß Joseph Brockington aus den USA es z.B. sehr begrüßen würde, wenn einige „seiner“ Germanistikstudenten an der Potsdamer Universität studieren könnten. Über eine entsprechende Unterstützung des Akademischen Auslandsamtes der Universität Potsdam wäre er deshalb sehr erfreut. Als wünschenswert bezeichnete es der amerikanische Wissenschaftler dabei, wenn die US-amerikanischen Studentinnen und Studenten in einer deutschen Familie bei ihrem Aufenthalt Deutsch als Alltagssprache erfahren und Alltag in Deutschland erleben könnten.
Dr. Marianne Lüdecke jedenfalls versprach ihm in Ferch, wo sie wohne, schon einmal einen Anfang zu machen und bei Familien nachzufragen. Ein landschaftlich angenehmer Aufenthalt wäre dabei garantiert: stufte die Deutsche Welle tv Köln Ferch in einem kürzlich gesendeten Film der Reihe „Schauplatz Deutschland - Havelland" doch als das schönste Dorf im Havelland ein. L.M.
PUTZ 1/96
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