WISSENSCHAFT AKTUELL
Zur Kooperation der Potsdamer Universität mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen - heute:
ZWISCHEN MOLEKÜLEN UND FESTKÖRPERN
Das Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung
Alltag in der Abteilung Kolloidchemie am Max-Planck-Institut in Teltow: Dr. Stephan Förster und Ines Balorbeim Experiment. Mit diesem Aufbau können Spezialpolymere für die Stabilisierung von Metall- und Halbleiterkolloiden hergestellt werden. Foto: Tribukeit
* i*'
V fl
Eines der Markenzeichen der Potsdamer Universität ist ihre enge Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die sich in Potsdam und seinem unmittelbaren Umland sehr zahlreich angesiedelt haben. Für diese Kooperation, die über an anderen Standorten üblichen Verknüpfungen weit hinausgeht, wurden verschiedenartige Formen entwickelt: so z. B. gemeinsame Berufungen von Professoren, die Durchführung gemeinsamer Studiengänge und der Aufbau Interdisziplinärer Zentren. Auch laufen die Vorbereitungen für die Errichtung eines gemeinsamen Campus’ der Potsdamer Naturwissenschaften mit Instituten der Max-Planck-Gesellschaft und der Haunhofer- Gesellschaft in Golm derzeit auf Hochtouren. Mit diesem Artikel über das Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung wird in der PUTZ eine Reihe fortgeführt, in der nach und nach die Einrichtungen vorgestellt werden sollen, die vor allem auf naturwissenschaftlichem Gebiet mit der Universität Potsdam kooperieren.
Am 12. Dezember 1995 wurden an der Universität Potsdam die drei Direktoren des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung zu Honorarprofessoren ernannt: Prof. Dr. Reinhard Lipowski, Direktor der Abteilung Theorie, Prof. Dr. Markus Antonietti, Direktor der Abteilung Kolloidchemie, und Prof. Dr. Helmuth Möhwald, Direktor der Abteilung Grenzflächen, Dabei bedeutet „Honorarprofessor" für sie mehr als nur ein Ehrentitel, verknüpft mit seltenen Vorlesungen. Vielmehr werden sie regelmäßig ihr jeweiliges Fachgebiet für die Studenten lesen.
Das Institut selbst wurde 1992 gegründet und baute auf Instituten der Akademie der Wissenschaften auf, die zuvor positiv evaluiert worden waren. Eine Abteilung Kolloid- physik soll zusätzlich noch neu eingerichtet werden, allerdings erst, wenn das gesamte Institut nach Golm umzieht. Denn derzeit befindet sich die Abteilung Grenzflächen noch in Adlershof, während die beiden anderen Institutsteile in Tbltow-See- hof angesiedelt sind. Für den Neubau in Golm sind bereits zwei Grundstücke gekauft, Baubeginn soll im kommenden Frühjahr sein.
Finanziert wird die Max-Planck-Gesellschaft in erster Linie durch öffentliche Zuschüsse, die teils vom Bund, teils von den Ländern aufgebracht werden, - da an ihren Instituten hauptsächlich Grundlagenfor
schung betrieben wird, ist eine Eigenfinanzierung durch Auftragsforschung auch nicht möglich. Das bedeutet aber nicht, daß hier nur Wissenschaft um der Wissenschaft willen betrieben wird. Gerade am Beispiel des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung zeigt sich, daß oft Grundlagenforschung tatsächlich die Grundlage für anwendungsorienterte Forschung und Entwicklung bildet. Kolloide Systeme sind nämlich z. B für die Farben-, Foto- und Kunststoffindustrie und in der Pharmazie von Bedeutung. Derzeit arbeiten an dem Max-Planck-Institut etwa 25 Diplomanden und Doktoranden.
Kolloide - der „vierte Aggregatzustand" der Materie
Der Begriff Kolloid leitet sich von Kolla, dem griechischen Wort für Leim, ab. Man versteht darunter ein heterogenes System sehr kleiner,, mit bloßem Auge nicht erkennbarer Partikel, die in einem flüssigen, festen oder gasförmigen System verteilt sind. Die Größe dieser Partikel liegt zwischen 1 nm - 500 nm (lnm = 1 Nanometer ist der millionste Tfeil eines Millimeters). Zum Vergleich: Viren sind zwischen 10 nm - 300 nm groß. Die besonderen Eigenschaften von Kolloiden rühren daher, daß sie größer als einzelne Moleküle - die maximal einige Nanometer groß sind -, aber kleiner als Festkörper sind, von denen man ab Größen von minde
stens 500 Nanometern spncht. Bei Partikeln dieser Größe ist das Verhältnis zwischen Oberfläche und Volumen besonders groß, die Partikel „bestehen“ sozusagen aus besonders viel Oberfläche, im Gegensatz zu Festkörpern, wo die Oberfläche kaum ins Gewicht fällt. Da an Oberflächen die Eigenschaften anders sind als im Innern, verhalten sich Kolloide auch anders als Festkörper, sie sind „oberflächen-geprägt“.
Ein klassisches Beispiel sind Kolloide aus Gold, also kleinste Goldpartikel beispielsweise in einer Flüssigkeit. Man kann sie herstellen, indem man die Lösung eines Goldsalzes in heiße Zitonensäure tropft. Die Ionen werden zu Metall reduziert, aber anstatt goldgelb sind sie tief weinrot. Jedoch nicht nur die Farbe, auch weitere Eigenschaften wie Schmelztemperatur oder Leitfähigkeit sind in Kolloiden anders als im Festkörper. Man bezeichnet den kolloidalen Zustand deswegen auch manchmal als „vierten Aggregatzustand“.
Die elektronischen und optischen Eigenschaften der Kolloide sind nicht nur anders als im Festkörper, sie hängen auch in genau definierter Weise von der Rartikelgröße ab. Beispielsweise ist die Bandlücke, der Energieabstand zwischen den Elektronen im Valenzband und denen im Leitungsband, nicht nur vom Stoff, sondern auch von der Größe des Kolloids abhängig und kann quasi durchgestimmt werden. Angewendet
Seite 18
PUTZ 1/96