Heft 
(1.1.2019) 02
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EIN NATURLIEBENDER PRINZ

Studierende spielen mit Kindern Theater

Es war einmal in einem fernen Land, da lebte ein Kaiser mit seiner Tochter und sei­nem Hofstaat... So oder ähnlich beginnen alle Märchen. Da keiner ohne sie groß wer­den sollte, inszenierte das Kindermusiktheater Potsdam e.V (KiMuThe)Der Schwei­nehirt nach Hans Christian Andersen. Vor Weihnachten hatte das von Kindern für Kin­der gespielte Stück im PotsdamerTreffpunkt Freizeit Premiere. Bis Ende Dezember gingen sieben Vorstellungen über die Bühne, weitere folgten im Januar und Februar.

Die Studentin Antje Strubel schaut m ihren Tbxten hinter die Alltäglichkeiten. /-, Foto: privat

habe ein Bild im Kopf, ein Thema fließt ein, welches dann in den Tfext fällt. Auf den er­sten Blick erscheint ihr Geschriebenes unspektakulär. Abermuß man immer gro­ße Worte finden?", entgegnet Antje Strubel. Sie will hinter die Dinge schauen, hinter den Alltäglichkeiteneinen zweiten Blick ha­ben . Als Lieblingsautoren nennt sie Ernest Hemingway, Daniil Charms und den Stük- keschreiber George Thbori, B.E.

KUNST UND HEILUNG

Auch heute noch herrsche die Einstellung vor, Krankheiten als Defekte anzusehen, sagte Prof Dr. Meike Aissen-Crewett, Inhaberin des Lehr­stuhls für Grundschulpädagogik/Lernbereich musisch-ästhetische Erziehung mit dem Schwerpunkt Ästhetische Erziehung, bei der Eröffnung der AusstellungKunst und Heilung" im Unikomplex Golm Mitte Januar.Unvollkom­men beherrschen wir die Kunst, mit Krankheit umzugehen, unvollkommen noch sind wir, die Früchte der Krankheit zu ernten. Und dies, ob­wohl, nächst dem Tod, die Krankheit der faszi­nierendste Gegenstand unseres Nachdenkens über unser Dasein ist." Vor diesem Hintergrund entwickeln sich seit einiger Zeit Beziehungen zwischen dem Sankt Josefs-Krankenhaus Pots­dam und der Universität Potsdam. So beschäf­tigen sich Studierende der Grundschulpädago- gik und kranke oder alte Menschen gemeinsam mit künstlerischen Techniken. Der Chefarzt der Neurologischen Abteilung des Krankenhauses, Privatdozent Dr. Hubertus K. Kursawe, ließ es sich deshalb auch nicht nehmen, an der Aus­stellungseröffnung teüzunehmen. Die Exposition der 19S0 geborenen Kürtener Heilpraktikerin Ulla Langensiepen (auf unserem Foto) umfaßte Objekte verschiedener Materialien wie Holz, Sand, Stoff, Lehm und Papier. Das Spannungs­feld von Gesundheit und Krankheit will die Künstlerin mit ihren Installationen durch das Spiel der Elemente und den Kreislauf des Le­bens verdeutlichen. Thematisch kehren bei ihr Kreise, Kreisläufe, die Elemente Feuer, Wasser, Erde, Luft oder die Zahl sieben immer wieder.

B.E./Foto: Fritze

Studierende verschiedener Semester und Mitarbeiter der Universität Potsdam haben entscheidenden Anteil an diesem Projekt. Denn im Rahmen des 1994 gegründeten KiMuThe inszenieren und spielen sie größ­tenteils in ihrer Freizeit mit Kindern. Nach dem im März 1995 aufgeführten Stück Malle Stolperhans, das fast ausnahmslos mit Studierenden besetzt war, richteten dies­mal Dorit Lieberwirth, Ellen Thuge, Stefan Klucke und Udo Koloska denSchweinehirt selbst ein. Kinder im Alter von zehn bis fünf­zehn Jahren sind die Darsteller, die Studie­renden fungieren als Regisseure. Ergebnis intensiver gemeinsamer Arbeit ist beispiels­weise die beeindruckende Ttextsicherheit der kleinen Darsteller.Wir können beim KiMuThe Erfahrungen auf pädagogischem und künstlerischem Gebiet für unsere spä­tere Berufstätigkeit sammeln, die unersetz­bar sind, so die im Lehramt Deutsch und Musik studierende Ellen Thuge.

Bei den Vorbereitungen für die Aufführung eines neuen Stückes und die sich anschlie­ßenden Proben bringen alle Beteiligten glei­chermaßen Ideen ein, entscheiden mit. Das sei mit viel Spaß verbunden und biete gute Möglichkeiten, zu lernen, feinfühlig, konse­quent und individuell mit den Kindern auch umzugehen.Es wird schwer sein, eines Täges Abschied nehmen zu müssen. Wir haben uns so an die Kinder gewöhnt. Sie strahlend auf der Bühne zu erleben, ist ein unbeschreibliches Gefühl und läßt allen Streß vergessen, sagt die Musikstudentin Dorit Lieberwirth. Wenn Ellen Thude in ei­nem Kaufhaus Stoffe oder Knöpfe sieht, überlegt sie, ob sie für KiMuThe zu gebrau­chen sind, so stark ist sie mit dieser Tätig­keit verbunden. Rita Westphal, ehemalige Musikpädagogin an der Universität Pots­dam und jetzige Vereinsvorsitzende, be­trachtet das Theaterspielen nicht nur des­halb alsLebensschule für alle Bereiche. Mitarbeiter des Bereiches Musik und Mu­sikpädagogik der Philosophischen Fakultät II beteiligten sich gleichermaßen, so über­nahm Bringfried Löffler die musikalische Leitung und schrieb die Musik. Die instru­mentale Aufführung besorgten Kremena Zeidler (Klavier), Juliane Stephan (Vibra­phon), Marlies Jäger (Cello) und Udo Ko­loska (Klarinette). Für die Anfertigung von Bühnenbildern und Kostümen und die vie­len anderenKleinigkeiten", ohne die künst­lerische Erfolge undenkbar sind, zeichnen

Der Schweinehirt". Foto: Fritze

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die Studenten ebenso mitverantwortlich. Es werden die künstliche Welt des Kaiser­reiches dem vernünftigen, naturhebenden Lebensbereich, aus dem der Prinz kommt, gegenübergestellt. Die Prinzessin entschei­det sich am Ende für die Lebensart des Prinzen", erläutert Rita Westphal die Kon­zeption der Inszenierung. Für die Wahl ei­nes Märchenstoffes als Stückvorlage spre­che sowohl die Klarheit und Übersichtlich­keit der Aussage für das fünf- bis zwölfjäh­rige Publikum als auch die relativ problem­lose Rollengestaltung von Märchenfiguren für Kinder. Atemlose Stille, Trampeln, Bravo- Rufe und begeisterter Applaus geben allen Mitwirkenden Recht in ihren Bemühungen, künstlerische Qualität zu liefern. B.E.

IMPRESSUM ISSN 0947-1650

PUTZ. Die Potsdamer Universitätszeitung

Herausgeber: Der Rektor der Universität Potsdam,

Prof. Dr. Wolfgang Loschelder

Redaktion: Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit; Myriam Honig (Hg.) (v.i.S.d.P), Dr. Barbara Eckardt (B.E.), Petra Görlich (EG.), Gabriele Andre (adb) Ttexterfassung: Sigrid Penquitt Titelfoto: Eska Tnbukeit Anschrift der Redaktion:

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der April-Ausgabe: 25. März 1996

PUTZ 2/96

Seite 31