EIN NATURLIEBENDER PRINZ
Studierende spielen mit Kindern Theater
„Es war einmal in einem fernen Land, da lebte ein Kaiser mit seiner Tochter und seinem Hofstaat...“ So oder ähnlich beginnen alle Märchen. Da keiner ohne sie groß werden sollte, inszenierte das Kindermusiktheater Potsdam e.V (KiMuThe) „Der Schweinehirt“ nach Hans Christian Andersen. Vor Weihnachten hatte das von Kindern für Kinder gespielte Stück im Potsdamer „Treffpunkt Freizeit“ Premiere. Bis Ende Dezember gingen sieben Vorstellungen über die Bühne, weitere folgten im Januar und Februar.
Die Studentin Antje Strubel schaut m ihren Tbxten hinter die Alltäglichkeiten. /-, Foto: privat
habe ein Bild im Kopf, ein Thema fließt ein, welches dann in den Tfext fällt.“ Auf den ersten Blick erscheint ihr Geschriebenes unspektakulär. Aber „muß man immer große Worte finden?", entgegnet Antje Strubel. Sie will hinter die Dinge schauen, hinter den Alltäglichkeiten „einen zweiten Blick haben“ . Als Lieblingsautoren nennt sie Ernest Hemingway, Daniil Charms und den Stük- keschreiber George Thbori, B.E.
KUNST UND HEILUNG
Auch heute noch herrsche die Einstellung vor, Krankheiten als Defekte anzusehen, sagte Prof Dr. Meike Aissen-Crewett, Inhaberin des Lehrstuhls für Grundschulpädagogik/Lernbereich musisch-ästhetische Erziehung mit dem Schwerpunkt Ästhetische Erziehung, bei der Eröffnung der Ausstellung „Kunst und Heilung" im Unikomplex Golm Mitte Januar. „Unvollkommen beherrschen wir die Kunst, mit Krankheit umzugehen, unvollkommen noch sind wir, die Früchte der Krankheit zu ernten. Und dies, obwohl, nächst dem Tod, die Krankheit der faszinierendste Gegenstand unseres Nachdenkens über unser Dasein ist." Vor diesem Hintergrund entwickeln sich seit einiger Zeit Beziehungen zwischen dem Sankt Josefs-Krankenhaus Potsdam und der Universität Potsdam. So beschäftigen sich Studierende der Grundschulpädago- gik und kranke oder alte Menschen gemeinsam mit künstlerischen Techniken. Der Chefarzt der Neurologischen Abteilung des Krankenhauses, Privatdozent Dr. Hubertus K. Kursawe, ließ es sich deshalb auch nicht nehmen, an der Ausstellungseröffnung teüzunehmen. Die Exposition der 19S0 geborenen Kürtener Heilpraktikerin Ulla Langensiepen (auf unserem Foto) umfaßte Objekte verschiedener Materialien wie Holz, Sand, Stoff, Lehm und Papier. Das Spannungsfeld von Gesundheit und Krankheit will die Künstlerin mit ihren Installationen durch das Spiel der Elemente und den Kreislauf des Lebens verdeutlichen. Thematisch kehren bei ihr Kreise, Kreisläufe, die Elemente Feuer, Wasser, Erde, Luft oder die Zahl sieben immer wieder.
B.E./Foto: Fritze
Studierende verschiedener Semester und Mitarbeiter der Universität Potsdam haben entscheidenden Anteil an diesem Projekt. Denn im Rahmen des 1994 gegründeten KiMuThe inszenieren und spielen sie größtenteils in ihrer Freizeit mit Kindern. Nach dem im März 1995 aufgeführten Stück „Malle Stolperhans“, das fast ausnahmslos mit Studierenden besetzt war, richteten diesmal Dorit Lieberwirth, Ellen Thuge, Stefan Klucke und Udo Koloska den „Schweinehirt“ selbst ein. Kinder im Alter von zehn bis fünfzehn Jahren sind die Darsteller, die Studierenden fungieren als Regisseure. Ergebnis intensiver gemeinsamer Arbeit ist beispielsweise die beeindruckende Ttextsicherheit der kleinen Darsteller. „Wir können beim KiMuThe Erfahrungen auf pädagogischem und künstlerischem Gebiet für unsere spätere Berufstätigkeit sammeln, die unersetzbar sind“, so die im Lehramt Deutsch und Musik studierende Ellen Thuge.
Bei den Vorbereitungen für die Aufführung eines neuen Stückes und die sich anschließenden Proben bringen alle Beteiligten gleichermaßen Ideen ein, entscheiden mit. Das sei mit viel Spaß verbunden und biete gute Möglichkeiten, zu lernen, feinfühlig, konsequent und individuell mit den Kindern auch umzugehen. „Es wird schwer sein, eines Täges Abschied nehmen zu müssen. Wir haben uns so an die Kinder gewöhnt. Sie strahlend auf der Bühne zu erleben, ist ein unbeschreibliches Gefühl und läßt allen Streß vergessen“, sagt die Musikstudentin Dorit Lieberwirth. Wenn Ellen Thude in einem Kaufhaus Stoffe oder Knöpfe sieht, überlegt sie, ob sie für KiMuThe zu gebrauchen sind, so stark ist sie mit dieser Tätigkeit verbunden. Rita Westphal, ehemalige Musikpädagogin an der Universität Potsdam und jetzige Vereinsvorsitzende, betrachtet das Theaterspielen nicht nur deshalb als „Lebensschule für alle Bereiche“. Mitarbeiter des Bereiches Musik und Musikpädagogik der Philosophischen Fakultät II beteiligten sich gleichermaßen, so übernahm Bringfried Löffler die musikalische Leitung und schrieb die Musik. Die instrumentale Aufführung besorgten Kremena Zeidler (Klavier), Juliane Stephan (Vibraphon), Marlies Jäger (Cello) und Udo Koloska (Klarinette). Für die Anfertigung von Bühnenbildern und Kostümen und die vielen anderen „Kleinigkeiten", ohne die künstlerische Erfolge undenkbar sind, zeichnen
„Der Schweinehirt". Foto: Fritze
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die Studenten ebenso mitverantwortlich. „Es werden die künstliche Welt des Kaiserreiches dem vernünftigen, naturhebenden Lebensbereich, aus dem der Prinz kommt, gegenübergestellt. Die Prinzessin entscheidet sich am Ende für die Lebensart des Prinzen", erläutert Rita Westphal die Konzeption der Inszenierung. Für die Wahl eines Märchenstoffes als Stückvorlage spreche sowohl die Klarheit und Übersichtlichkeit der Aussage für das fünf- bis zwölfjährige Publikum als auch die relativ problemlose Rollengestaltung von Märchenfiguren für Kinder. Atemlose Stille, Trampeln, Bravo- Rufe und begeisterter Applaus geben allen Mitwirkenden Recht in ihren Bemühungen, künstlerische Qualität zu liefern. B.E.
IMPRESSUM ISSN 0947-1650
PUTZ. Die Potsdamer Universitätszeitung
Herausgeber: Der Rektor der Universität Potsdam,
Prof. Dr. Wolfgang Loschelder
Redaktion: Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit; Myriam Honig (Hg.) (v.i.S.d.P), Dr. Barbara Eckardt (B.E.), Petra Görlich (EG.), Gabriele Andre (adb) Ttexterfassung: Sigrid Penquitt Titelfoto: Eska Tnbukeit Anschrift der Redaktion:
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der April-Ausgabe: Montag, 11. März 1996 Nachdruck gegen Belegexemplar bei Quellen- und Autorenangabe frei.
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Anzeigenschluß
der April-Ausgabe: 25. März 1996
PUTZ 2/96
Seite 31