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(1.1.2019) 02
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MEIN DRAMA FINDET NICHT MEHR STATT"

Uni Potsdam ehrte Heiner Müller

Das Berliner Ensemble hatte es fast sen­sationell vorgeführt. In einem achttägigen Lese-Marathon sprachen Berliner Schau­spieler und Gäste aus Anlaß des Todes Heiner Müllers dessen Texte. Scharen von Zuschauern kamen, um stundenlang den Worten zu lauschen. Es war, als ob der Dichter unter ihnen säße.

Einen Täg vor der Beerdigung des großen Theater-Mannes fand auch an der Uni Pots­dam eine Hommage an ihn statt. Als Initia­toren fungierten Mitarbeiter des Bereiches Kultur, des Institutes für Germanistik sowie Studenten des lesecafes der Hochschule. Zu Gehör brachten die Vortragenden Ge­dichte, Szenisches, Kommentare, Inter­views, immer wieder auch Ausschnitte aus den StückenZement undDer Auftrag. Den Zuschauern blieb es dabei selbst über­lassen, die Zeilen zu reflektieren.Für mich ist Müller immer einer gewesen, der sehr präzise das Unaussprechliche sagt, mein­te im nachhinein Mitinitiator Prof. Dr. Hel­mut John. Damit unterscheide sich der Au­tor vontraditioneller Literatur.

Ende der 50er Jahre begann Heiner Müller seinen Weg am Maxim-Gorki-Theater. Zu DDR-Zeiten geriet er bald in Konflikt mit der herrschenden Kulturpolitik. Sehr zeitig sah er dann auch die Chancen einer Utopie ver­lorengehen. Im Rückblick auf jenes sozia­listische Experiment bezeichnete der im­mer Unbequeme die ostdeutsche Republik alsGeschenk für eine Generation von be­siegten Kommunisten, Emigranten, Zucht-

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1992 wurde Hemer Müller neben Peter Zadek, Fritz Marquardt, Peter Palitzsch und Matthias Langhoff Mitdirektor des Berliner Ensembles. Zuletzt führte er das Theater allein.

Foto: Bergstedt

Der am 9. Januar 1929 geborene Autor und Regisseur Heiner Müller verstarb am 30. Dezember 199S kurz vor seinem 67. Geburtstag.

Eine große Men­schenmenge trug ihn auf dem Berliner Dorotheenstädtischen Friedhof zu Grabe. Zeichnung: ~

Herbert Sandberg

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häuslern, Kzlern, die hier einen schönen Lebensabend verbringen durften". Für sein Schaffen jedoch erhielt der Wort-Künstler Anerkennung - und das in Ost und West. Die einen verliehen ihm beispielsweise 1985 den Georg-Büchner-Preis, die ande­ren 1986 den Nationalpreis 1. Klasse.

Mit dem ihm eigenen Werk verfolgte Mül­ler gleich mehrere Traditionslimen des mo­dernen Theaters: zum einen die Anregun­gen Antonin Artauds (Theater der Grau­samkeit) und Samuel Becketts (Absurdes Theater) aufnehmend, zum anderen das sowjetische Revolutionsdrama, die politi­schen Revuen Erwin Piscators, vor allem aber die Lehrstück-Theorie Bertolt Brechts fortführend. Von letzterer verabschiedete er sich 1977 in einem Brief an Rainer Steinweg bis zum nächsten Erdbeben". Der Gang der Menschheitsgeschichte blieb lebens­lang sein Thema. In dentexten beschrieb er sie als Apokalypse. Harmonien waren seine Sache me. Vielmehr sollten die Rezi­pienten durchSchock eine heilsame Wir­kung erfahren.

Der Filmemacher Alexander Kluge erwähn­te es in der Trauerrede: im November 1989 arbeitete der Dramatiker wie ein Besesse­ner an der Inszenierung des Mammut­stücksHamlet/Hamletmaschine". Dann überfiel ihn eine Art Blockade. Er beschrieb sie inMommsens Block. Seine Produkti­vität mündete in neuen Wegen. Dietexte wurden noch dichter, komprimierter. Ge­meint waren sie, wie jene früheren, als ein Erbe des Jahrhunderts an das nächste. Ly­rik gewann für ihn verstärkt an Bedeutung, meisterhafte Gespräche und Essays folg­ten. Regieaufgaben nahmen schließlich zu. 1994 brachte der damals 65jährige in Bay­reuth denTristan auf die Bühne.

Sein großes Verdienst ist es aber, die Brecht-Dramaturgie revolutioniert zu ha­ben, sagte der Literaturwissenschaftler Dr. Christian Stillmark im Anschluß an die Le­sung. Ob sich Heiner Müller gern in die Reihe großer deutscher Dichter unbesehen hätte stellen lassen wollen? Seine Intention war es wohl me. EG.

LUST AN KUNST

Angehörige der Universität Potsdam vor­zustellen, die künstlerisch arbeiten, teils professionell, teilsnebenberuflich, ist das Anliegen der ReiheLust an Kunst. Jene interessierten und engagierten Mit­arbeiter und Studierenden sind aus eige­nem Antrieb und nicht zuletzt zum eige­nen Vergnügen kulturell-künstlerisch tä­tig. Deutlich werden sollen auch die Mo­tive für diese Arbeit.

...Ich wußte von ihr, daß sie den Wein bis zur Hälfte des Glases in kleinen Schlucken trank und den Rest mit einem Schwung aus dem Handgelenk, oder daß sie nachts T-Shirts trug, die die Farbe der Bettwäsche hatten, damit die Träume sie nicht finden konnten in den Laken. Und das war ge­nug...

Antje Strubel, von der diese Zeilen stam­men, kann auf Erfolge verweisen, von de­nen andere nur träumen. Die 1974 Gebore­ne veröffentlichte bereits eigene literarische Arbeiten infögeszeitungen, Literaturzeit­schriften und sogar Anthologien. Mit 16 Jah­ren begann sie mit ihren ersten Schreib­versuchen.Ernster wurde es mir damit 1993. Seit Sommer 1994 studiert sie Ger­manistik, Psychologie und Sport an der Potsdamer Hochschule. Vorher absolvierte sie eine zweijährige Buchhändler-Ausbil­dung. Neben Prosa und kritischen Beiträ­gen wie Buch- und Ausstellungsrezensio­nen wagt sich Antje Strubel auch an größe­res wie Theaterstücke, und das nicht nur für die Schublade. Denn auf dem 6. Frankfur­ter Autorenforum des Kinder- und Jugend­theaterzentrums Frankfurt am Main wurde geplatzt aufgeführt. Ihr zweites im Werden begriffenes Stück sollDie Wände heißen: Ein Mann und eine Frau treffen in einem geschlossenen Raum aufeinander. Mit Un­terstützung der Stiftung Kulturfond Berlin, die ein Stipendium gewährte, entsteht der erste Roman.

Gelegenheiten, um ihre Arbeiten der Öffent­lichkeit vorzustellen, packt sie beim Schop­fe, so alsfeilnehmerin am Deutsch-Polni­schen Treffen Junger Autoren 1995 oder als Mitorganisatonn des ersten Treffens junger europäischer Dramatiker INTERPLAY EU- ROPE 95 in Mainz. Die Qualität ihrer (texte führte 1991 und 1993 zur Beteiligung am bundesweiten Treffen Junger Autoren der Berliner Festspiele. Mit der Verleihung des Literaturpreises des Senates für Jugend und Familie Berlin 1992 und des Scripta-Litera- turpreises 1994 fand Antje Strubel weitere Anerkennung. 1994 konnte die junge Auto­rin als eines der drei Mitglieder der deut­schen Delegation beim 4th International Festival of Young Playwrights INTERPLAY nach Townsville/ Australien reisen.

Zum Enstehen ihrer Literatur sagt sie:Ich

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PUTZ 2/96