um, welches neben Verkehr und Bau später auch die Landwirtschaft übernehmen sollte. Die Bereiche Jugend und Sport sollten - so Ellwein - an die Kommunen und somit dorthin, wo der Regelungsbedarf vor Ort besteht, abgegeben werden. Blieben noch ein Finanzministerium sowie ein Kultusministerium im klassischen Sinne übrig. Gezielte Reformen, so appellierte Thomas Ellwein nicht zuletzt an die anwesenden Manfred Stolpe und Volker Kähne, seien in Deutschland bislang immer die Ausnahme gewesen. Um so mehr hoffe er darauf, daß in Berlin und Brandenburg wirklich einmal gestaltet werden würde.
Wie wchtig ihnen das Gelingen einer Vereinigung der beiden Länder für eine bürgernahe und moderne, schlanke Verwaltung und Politik ist, machten auch Manfred Stolpe und Volker Kähne deutlich. „Die Aufgabe, zwei Verwaltungen zusammenzuführen, bringt einen starken Modernisierungsdruck'', erklärte der brandenburgische Ministerpräsident. Und der Leiter der Berliner Senatskanzlei betonte, daß der Neugliederungsvertrag bereits Kernelemente von Reformansätzen und -regelungen Berlins und Brandenburgs verbinde. Der Bedarf an Reformen scheint dabei auf beiden Seiten groß zu sein: während Kähne in der Brandenburger Funktionalreform „leider bisher nur ein Reförmchen" sieht, stellte Stolpe fest, daß Berlin in den letzten Jahren ein einem Urwald gleichendes Geflecht an Regelungen aufgebaut habe, welches nur durch die Fusion mit Brandenburg vernünftig gelichtet werden könne.
Einig war man sich in bezug auf die möglichen Vorteile einer Füsion und somit eines gemeinsamen Lebens- und Wirtschaftsraumes von mehr als sechs Millionen Einwohnern: Da z.B. jedes Bundesland zur bedarfsgerechten Erfüllung seiner Aufgaben eine bestimmte Ausstattung mit öffentlichen Einrichtungen benötige, sich deren Auslastung jedoch erst ab einer gewissen Ländergröße einstelle, seien bevölkerungsstarke Gebilde für den Steuerzahler einfach preiswerter. Auch könnten sie vor diesem Hintergrund stärker auf die Belange des Bürgers zugeschnitten werden.
Daß allerdings viele der Ängste von Berlinern und Brandenburgern gerade in solchen Einspareffekten (z.B. im Zusammenhang mit Arbeitsplätzen) liegen, machte u.a. eine Podiumsdiskussion zu Chancen und Risiken einer Neugliederung der Bundesländer deutlich. Vor diesem Hintergrund - so der Tenor - müßten der Bevölkerung bereits vereinbarte Sicherheiten, wie der Ausschluß von fusionsbedingten Beendigungen oder Herabgruppierungen von Beschäftigungsverhältnissen im öffentlichen Dienst, vor allem im Zuge der FUsionskampagne noch einmal vor Augen geführt werden. Hg.
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WÜRDE EINE MÖGLICHE FUSION IM HOCHSCHULBEREICH VIEL VERÄNDERN?
Abstimmung und Profilbildung standen an der Universität Potsdam von Anfang an im Mittelpunkt
Kommt sie nun oder wird sie abgelehnt? Und wenn sie befürwortet werden sollte in jener für den 5. Mai 1996 angesetzten Volksabstimmung, was bedeutet sie dann für den Hochschulbereich? Die Diskussionen über eine mögliche Füsion der beiden Bundesländer Brandenburg und Berlin sind jedenfalls in vollem Gange. Die Redaktion der PUTZ interessierte sich dafür, mit welchen Vorstellungen und Vorbereitungen man an der Universität Potsdam an das Thema herangeht und befragte die Dekane dazu. Dabei zeigte es sich, daß das Meinungsspektrum außerordentlich vielfältig ist und unterschiedliche Positionen mitunter guer durch eine Fakultät verteilt sind. So wiesen die Dekane der beiden Philosophischen Fükultäten sowie der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät darauf hin, daß ihre Antworten nicht als Standpunkt der Fakultät zu betrachten seien, sondern vielmehr einen Standpunkt neben anderen widerspiegelten.
Die Fragen lauteten:
1. In welchem Rahmen führen Sie bereits jetzt Gespräche mit Berliner Amtskollegen hinsichtlich einer möglicherweise bevorstehenden Füsion Brandenburgs mit Berlin?
2. Mit welchen Prämissen gehen Sie dabei in die Diskussion?
3. Wo sehen Sie Felder der eventuellen Zusammenarbeit, aber auch Abgrenzung?
Prof. Dr. Eckart Klein, Dekan der Juristischen Fakultät:
1. Bereits bisher wurden Vereinbarungen mit der FU Berlin getroffen, die den gegenseitigen Besuch von Lehrveranstaltungen betreffen. Weitere Gespräche werden im Sommersemester 1996 aufgenommen.
2. Die Juristenausbildung ist weitgehend durch gesetzliche Vorgaben bestimmt, die zunächst erfüllt werden müssen. Der verbleibende, aus finanziellen Gründen enger werdende Spielraum muß zur Profilierung genutzt werden. Die starke internationale/ europäische Ausrichtung und die intensive Studentenbetreuung müssen erhalten und möglichst ausgebaut werden.
3. Absprachen zur vermehrten gegenseitigen Anerkennung von Studienleistungen sollten getroffen werden. Die Zusammenarbeit im Bereich der Forschung muß sich aus dem persönlichen Engagement und den gleichen Interessengebieten der Wissenschaftler ergeben. Sie folgt nicht zwangsläufig aus geographischer Nachbarschaft.
Prof. Dr. Dieter Wagner, Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät:
1. Zwischen den Fächern der WiSo-Fakultät und den Berliner Kollegen bestehen auf der Ebene persönlicher Kontakte diverse Formen der Zusammenarbeit. Dies gilt zum Beispiel auch für die gelegentliche Übernahme von Lehraufträgen, die Teilnahme an Workshops sowie die Zusammenarbeit bei
Forschungsproj ekten.
2. Die möglicherweise bevorstehende Fusion Berlin-Brandenburg spielt für die Art und Weise der Zusammenarbeit keine besondere Rolle, weil entsprechende Kontakte wie mit Berliner Universitäten auch zu anderen Brandenburger und ostdeutschen Hochschulen bestehen. Dies entspricht auch der allgemeinen Schwerpunktsetzung der Fakultät in Forschung und Lehre, d.h. in ihrem Regionalbezug einerseits und ihrer internationalen Ausrichtung andererseits.
3. Die bereits beschriebene Zusammenarbeit erfolgt im Zusammenhang mit dem speziellen Profil der Potsdamer WiSo-Fakultät, die es in Berlin-Brandenburg in dieser Form nur an der Universität Potsdam gibt. Sie ist interdisziplinär ausgerichtet, betreibt empirische und anwendungsorientierte Forschung und hat neben der bereits beschriebenen fachlichen Ausrichtung eine nicht zu verkennende Serviceorientierung auch für die anderen Fakultäten der Universität Potsdam.
Prof. Dr. Knut Kiesant,
Dekan der Philosophischen Fakultät I:
1. Wissenschaft bedeutet Kommunikation und Kooperation. Unsere junge Fakultät lebt davon, von Beginn der Universitätsgründung 1991 an. Auch - aber nicht nur! - Berliner Kolleginnen waren und sind in Planung, Forschung, Lehre, Kommissions- und Gutachtertätigkeit einbezogen. Die mit der Universitätsgründung ausgewiesenen Profilbereiche für unsere Fakultät (interdisziplinäre kulturhistorische Orientierung, in der Geschichtswissenschaft die Orientierung auf die Region, die europäisch-jüdischen
PUTZ 3/96