Studien, oder Ausrichtung der Sprachwissenschaften und der Lehrerbildung) sind von Anfang an auch im Blick auf die Spezialisierungen der Berliner Universitäten und mögliche Kooperation entworfen worden. Diese Form praktizierter - und sicher ausbaufähiger - gleichberechtigter Zusammenarbeit ist für die Zukunft Berlins und Brandenburgs unverzichtbar.
2. In der von Sparakrobatik und populistischen Schlagwortattacken („eiserne Besen für sozialistische Wärmestuben“ - warum eigentlich nur für „sozialistische“?) geprägten Füsions-Debatte wünschte ich mir stärkeres Engagement der Wissenschaftler selbst. Wir sind im Gespräch, aber oft nicht zu hören! Im Moment bestimmt „die Politik“ zu sehr mit kurzschlüssigen wissenschaftsfernen (mitunter wissenschaftsfremden oder gar -feindlichen) Argumenten (z.B. „Abbau von Doppel- und Mehrfachangeboten“) die öffentliche Meinung. Fächer oder Studiengänge sind aber keine „Produkte“ wie Milchschnitten oder Fitnesskurse! Sollten sie dazu gemacht werden, verdienen sie das Attribut „wissenschaftlich“ nicht mehr!
3. Für die Zukunft ist „Planungssicherheit" das oberste Gebot. Wie soll man Berufungsverfahren sinnvoll durchführen (und noch fehlen uns wichtige, unverzichtbare Professuren!), wenn über Nacht ganze Institute oder Fachbereiche in der Nachbarschaft dem Rotstift zum Opfer fallen? Von der Motivation der Studierenden und Forschenden gar nicht zu reden. Aber auch das Konzept des Gründungssenats der Universität Potsdam steht ja bekanntlich nicht unangetastet im Raum. Die Debatte über mögliche strukturelle Veränderungen sollte in allen Gremien mit dem Blick über die eigene Institution hinaus geführt werden. Ich hoffe für die Zukunft auf eine gleichberechtigte, sinnvoll koordinierte Zusammenarbeit der Fächer und Universitäten. Berlin und Brandenburg werden es brauchen. In dieser Meinung weiß ich mich in Übereinstimmung mit vielen Kollegen in der Fakultät.
Prof. Dr. Jürgen Rode,
Dekan der Philosophischen Fakultät II:
1. Gespräche auf einer informellen Ebene gab es mit Amtskollegen der “technischen Universität Berlin, die vornehmlich Studienangebote, Studienstrukturen und Entwicklungsvorstellungen berührten. Darüber hinaus gab es auch einen Gedankenaustausch über erkennbare institutioneile Dopplungen, Kooperationsmöglichkeiten in Lehre und Forschung, die insgesamt auf einen beweglichen Umgang zwischen den Hochschulen abzielen.
2. - gründlich abgestimmte Eckdaten bei
der personellen Ausstattung und der baulichen Entwicklung unserer Fakultät dürfen nicht voreilig mit Blick auf die Berliner Hochschullandschaft korrigiert werden;
- das setzt voraus, der Philosophischen Fakultät II, die erst am 01.12.1994 eröffnet wurde, sowohl genügend Zeit zur Konsolidierung als auch Profilierung einzuräumen;
- parallel zu diesem Prozeß muß eine möglichst effiziente Hochschullandschaft für die Region Brandenburg-Berlin strukturiert werden, in deren Ergebnis die Stärken der jeweiligen Standorte im Sinne von Traditionen erhalten und auszubauen sind;
- diese Stärken liegen in unserer Fakultät m.E. in dem kognitionswissenschaftlichen Bereich mit Psychologie, Allg. Sprachwissenschaft, bestimmten “feilen der Musik; in dem bildungswissenschaftlichen Bereich mit den Grundlagenfächern und spezifischen Lehramtsstudiengängen; in der erziehungswissenschaftlichen und organisatorischen Einführung, Sicherung und Evaluation des Potsdamer Modells der Lehrerbildung sowie in der engen Verzahnung mit verschiedenen interdisziplinären Zentren an der Universität,so dem Zentrum für Jugend- und Sozialisations- forschung, dem Interdisziplinären Zentrum für Lern- und Lehrforschung, dem Zentrum für Kognitive Studien u.a.
3. Wer neugierig ist, muß offen für die Gedanken unserer Partner sein. Insofern kann es grundsätzlich nur eine partnerschaftliche Zusammenarbeit geben, die sich von destruktivem Konkurrenzverhalten abgrenzen sollte. Konkrete Felder müssen in erster Linie in den Kollegien unserer Institute beraten und benannt werden. So haben beispielsweise die Linguisten mit der Humboldt-Universität zu Berlin ein Graduierten- kolleg. Beide Standorte ergänzen sich ideal, ohne sich zu überschneiden.
Prof. Dr. Helmut Mi- kelskis, Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät:
1. Auf meine Initiative hin fand anläßlich unseres Täges der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät 1995 eine Podiumsdiskussion mit den Dekanen aller Berlin-Brandenburgi- schen Universitäten im Audimax statt. Ausgehend von den dort vereinbarten Intensivierungen der Kooperation haben wir alle Fächer, die an unserer Fakultät vertreten sind, aus den Berlin-Brandenburger Hochschulen zu einem Gespräch nach Potsdam eingeladen. In den meisten Fächern sind enge Fachkontakte bereits seit Gründung der Universität intensiv vorangetrieben worden. Die Kooperationen zwischen Berlin-Brandenburger Universitäten finden auf unterschiedlichen Ebenen statt, etwa durch gemeinsame Veranstaltung von
Kolloquien, Durchführung von lägungen bis hin zur Arbeit in Sonderforschungsbereichen. Das Gründungskonzept der Universität Potsdam war in hohem Maße auf die Berliner Situation abgestimmt. Die Komplementantät des Lehr- und Forschungsangebots wurde in allen Schritten vom Wissenschaftsrat sowie von der Landesstrukturkommission begleitet. Den diesbezüglichen Empfehlungen wurde gefolgt. Im Hinblick auf die Füsionsdebatte und vor dem Hintergrund der besonderen Sparzwänge durch den Berliner Senat haben sich die Gespräche und Kontakte in den letzten Wochen erneut intensiviert.
2. Aus meiner Sicht besteht kein Zweifel daran, daß das Gründungskonzept der Universität Potsdam in vollem qualitativen Umfang an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät zu realisieren ist. Alle derzeit angebotenen Studiengänge an der Universität Potsdam müssen erhalten werden. Emen Eingriff in die Fächerstruktur, bedingt durch die Berliner Finanzkrise, lehnen wir ab. Eine Akzentuierung von Schwerpunkten im Zuge der Vereinigung sollte selbstverständlich sein. Darüber hinaus sollte planmäßig die erste Ausbaustufe mit 85 Professuren für die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät bis zum Jahr 2000 erreicht werden. Unstrittig ist ferner, daß das Raumangebot für Forschung und Lehre der Fakultät durch den Campus Golm unverzüglich und schnttwei- se zu verbessern ist. Die Naturwissenschaften in Potsdam haben den großen Vorzug, daß sie sich mit einer Vielzahl potenter außeruniversitärer ortsansässiger Einrichtungen m engem Forschungskontakt befinden. Daraus ergeben sich enorme Vorteile für eine moderne Lehre.
3. Die Zusammenarbeit mit den Berliner Universitäten ist vielfältig und eigentlich im Forschungsprozeß selbstverständlich. Ich halte es für vertretbar, daß man einzelne Studiengänge gemeinsam anbietet und die gegenseitige Anerkennung von Leistungsnachweisen und Zertifikaten verbessert. Die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät profitiert von der Kooperation mit Berlin. Andererseits ist Potsdam teilweise einzigartig und komplementär zu Berlin, hatte doch der Gründungssenat bestimmte Lücken und Defizite in Berlin an der Universität Potsdam positiv ausgefüllt. In diesem Zusammenhang sei besonders auf die Studiengänge Ernährungswissenschaft, Geowissenschaften, Geoökologie und Biochemie hingewiesen, die in ihrer Ausgestaltung und Ausnchtung einen besonderen Akzent für Potsdam setzen. Darüber hinaus gibt es einige Schwerpunktgebiete, etwa im Bereich der Informatik, der Nichtlinearen Dynamik, der Astrophysik oder der Polymerchemie, die insbesondere auch in Kooperation mit den Max-Planck- und den Blaue-Liste-Instituten ein besonderes Charak- tensükum für Potsdam darstellen, von denen auch die Berliner Institute profitieren können.
PUTZ 3/96
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