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(1.1.2019) 03
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Studien, oder Ausrichtung der Sprachwis­senschaften und der Lehrerbildung) sind von Anfang an auch im Blick auf die Spezia­lisierungen der Berliner Universitäten und mögliche Kooperation entworfen worden. Diese Form praktizierter - und sicher aus­baufähiger - gleichberechtigter Zusam­menarbeit ist für die Zukunft Berlins und Brandenburgs unverzichtbar.

2. In der von Sparakrobatik und populis­tischen Schlagwortattacken (eiserne Be­sen für sozialistische Wärmestuben - war­um eigentlich nur fürsozialistische?) ge­prägten Füsions-Debatte wünschte ich mir stärkeres Engagement der Wissenschaftler selbst. Wir sind im Gespräch, aber oft nicht zu hören! Im Moment bestimmtdie Politik zu sehr mit kurzschlüssigen wissenschafts­fernen (mitunter wissenschaftsfremden oder gar -feindlichen) Argumenten (z.B. Abbau von Doppel- und Mehrfachan­geboten) die öffentliche Meinung. Fächer oder Studiengänge sind aber keinePro­dukte wie Milchschnitten oder Fitness­kurse! Sollten sie dazu gemacht werden, verdienen sie das Attributwissenschaft­lich nicht mehr!

3. Für die Zukunft istPlanungssicherheit" das oberste Gebot. Wie soll man Berufungs­verfahren sinnvoll durchführen (und noch fehlen uns wichtige, unverzichtbare Profes­suren!), wenn über Nacht ganze Institute oder Fachbereiche in der Nachbarschaft dem Rotstift zum Opfer fallen? Von der Mo­tivation der Studierenden und Forschenden gar nicht zu reden. Aber auch das Konzept des Gründungssenats der Universität Pots­dam steht ja bekanntlich nicht unangetastet im Raum. Die Debatte über mögliche struk­turelle Veränderungen sollte in allen Gremi­en mit dem Blick über die eigene Institution hinaus geführt werden. Ich hoffe für die Zu­kunft auf eine gleichberechtigte, sinnvoll ko­ordinierte Zusammenarbeit der Fächer und Universitäten. Berlin und Brandenburg wer­den es brauchen. In dieser Meinung weiß ich mich in Übereinstimmung mit vielen Kol­legen in der Fakultät.

Prof. Dr. Jürgen Rode,

Dekan der Philosophi­schen Fakultät II:

1. Gespräche auf einer in­formellen Ebene gab es mit Amtskollegen der technischen Universität Berlin, die vornehmlich Studienangebote, Studi­enstrukturen und Entwicklungsvorstellungen berührten. Darüber hinaus gab es auch einen Gedankenaustausch über erkennbare institu­tioneile Dopplungen, Kooperationsmöglich­keiten in Lehre und Forschung, die insgesamt auf einen beweglichen Umgang zwischen den Hochschulen abzielen.

2. - gründlich abgestimmte Eckdaten bei

der personellen Ausstattung und der bauli­chen Entwicklung unserer Fakultät dürfen nicht voreilig mit Blick auf die Berliner Hochschullandschaft korrigiert werden;

- das setzt voraus, der Philosophischen Fa­kultät II, die erst am 01.12.1994 eröffnet wur­de, sowohl genügend Zeit zur Konsolidie­rung als auch Profilierung einzuräumen;

- parallel zu diesem Prozeß muß eine mög­lichst effiziente Hochschullandschaft für die Region Brandenburg-Berlin strukturiert werden, in deren Ergebnis die Stärken der jeweiligen Standorte im Sinne von Traditio­nen erhalten und auszubauen sind;

- diese Stärken liegen in unserer Fakultät m.E. in dem kognitionswissenschaftlichen Bereich mit Psychologie, Allg. Sprachwissenschaft, bestimmtenfeilen der Musik; in dem bildungswissenschaftlichen Bereich mit den Grundlagenfächern und spezifischen Lehr­amtsstudiengängen; in der erziehungswis­senschaftlichen und organisatorischen Ein­führung, Sicherung und Evaluation des Pots­damer Modells der Lehrerbildung sowie in der engen Verzahnung mit verschiedenen in­terdisziplinären Zentren an der Universität,so dem Zentrum für Jugend- und Sozialisations- forschung, dem Interdisziplinären Zentrum für Lern- und Lehrforschung, dem Zentrum für Kognitive Studien u.a.

3. Wer neugierig ist, muß offen für die Ge­danken unserer Partner sein. Insofern kann es grundsätzlich nur eine partnerschaftli­che Zusammenarbeit geben, die sich von destruktivem Konkurrenzverhalten abgren­zen sollte. Konkrete Felder müssen in erster Linie in den Kollegien unserer Institute be­raten und benannt werden. So haben bei­spielsweise die Linguisten mit der Hum­boldt-Universität zu Berlin ein Graduierten- kolleg. Beide Standorte ergänzen sich ide­al, ohne sich zu überschneiden.

Prof. Dr. Helmut Mi- kelskis, Dekan der Mathematisch-Natur­wissenschaftlichen Fakultät:

1. Auf meine Initiative hin fand anläßlich unseres Täges der Mathema­tisch-Naturwissenschaft­lichen Fakultät 1995 eine Podiumsdiskussion mit den Dekanen aller Berlin-Brandenburgi- schen Universitäten im Audimax statt. Ausge­hend von den dort vereinbarten Intensivierun­gen der Kooperation haben wir alle Fächer, die an unserer Fakultät vertreten sind, aus den Berlin-Brandenburger Hochschulen zu einem Gespräch nach Potsdam eingeladen. In den meisten Fächern sind enge Fachkontakte bereits seit Gründung der Universität intensiv vorangetrieben worden. Die Kooperationen zwischen Berlin-Brandenburger Universitäten finden auf unterschiedlichen Ebenen statt, etwa durch gemeinsame Veranstaltung von

Kolloquien, Durchführung von lägungen bis hin zur Arbeit in Sonderforschungsbereichen. Das Gründungskonzept der Universität Pots­dam war in hohem Maße auf die Berliner Si­tuation abgestimmt. Die Komplementantät des Lehr- und Forschungsangebots wurde in allen Schritten vom Wissenschaftsrat sowie von der Landesstrukturkommission begleitet. Den diesbezüglichen Empfehlungen wurde gefolgt. Im Hinblick auf die Füsionsdebatte und vor dem Hintergrund der besonderen Sparzwänge durch den Berliner Senat haben sich die Gespräche und Kontakte in den letz­ten Wochen erneut intensiviert.

2. Aus meiner Sicht besteht kein Zweifel dar­an, daß das Gründungskonzept der Univer­sität Potsdam in vollem qualitativen Umfang an der Mathematisch-Naturwissenschaftli­chen Fakultät zu realisieren ist. Alle derzeit angebotenen Studiengänge an der Universi­tät Potsdam müssen erhalten werden. Emen Eingriff in die Fächerstruktur, bedingt durch die Berliner Finanzkrise, lehnen wir ab. Eine Akzentuierung von Schwerpunkten im Zuge der Vereinigung sollte selbstverständlich sein. Darüber hinaus sollte planmäßig die erste Ausbaustufe mit 85 Professuren für die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fa­kultät bis zum Jahr 2000 erreicht werden. Un­strittig ist ferner, daß das Raumangebot für Forschung und Lehre der Fakultät durch den Campus Golm unverzüglich und schnttwei- se zu verbessern ist. Die Naturwissenschaf­ten in Potsdam haben den großen Vorzug, daß sie sich mit einer Vielzahl potenter außeruniversitärer ortsansässiger Einrich­tungen m engem Forschungskontakt befin­den. Daraus ergeben sich enorme Vorteile für eine moderne Lehre.

3. Die Zusammenarbeit mit den Berliner Uni­versitäten ist vielfältig und eigentlich im Forschungsprozeß selbstverständlich. Ich halte es für vertretbar, daß man einzelne Stu­diengänge gemeinsam anbietet und die ge­genseitige Anerkennung von Leistungsnach­weisen und Zertifikaten verbessert. Die Ma­thematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät profitiert von der Kooperation mit Berlin. An­dererseits ist Potsdam teilweise einzigartig und komplementär zu Berlin, hatte doch der Gründungssenat bestimmte Lücken und De­fizite in Berlin an der Universität Potsdam po­sitiv ausgefüllt. In diesem Zusammenhang sei besonders auf die Studiengänge Ernährungs­wissenschaft, Geowissenschaften, Geoöko­logie und Biochemie hingewiesen, die in ih­rer Ausgestaltung und Ausnchtung einen be­sonderen Akzent für Potsdam setzen. Darüber hinaus gibt es einige Schwerpunktgebiete, etwa im Bereich der Informatik, der Nicht­linearen Dynamik, der Astrophysik oder der Polymerchemie, die insbesondere auch in Kooperation mit den Max-Planck- und den Blaue-Liste-Instituten ein besonderes Charak- tensükum für Potsdam darstellen, von denen auch die Berliner Institute profitieren können.

PUTZ 3/96

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