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(1.1.2019) 03
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ZIEHEN ALLE AN EINEM STRANG?

Vom Gelingen des Potsdamer Modells der Lehrerbildung

Fortsetzung von Seite 9 bedeutsame frage auf, wie die Grundschu­le die Chancengleichheit der Geschlechter umfassend fördert und hier ebenso die Ak­zente der Bildungsreform mitbestimmt. Daraus sei zu schlußfolgern, daß die Grundschule als Basis des allgemeinen Schulwesens auch auf diesem Gebiet einer umfassenden grundschulpädagogischen Forschung bedarf

Ein noch immer ungelöstes Problem ist beispielsweise folgendes: Im Vergleich zu den jungen verfügen die Mädchen heute über die besseren Schulabschlüsse, legen häufiger das Abitur ab, verlassen seltener vorzeitig die Schule, Dennoch ist die struk­turelle Benachteiligung der Frauen in der Gesellschaft nachweisbar. Ein Beispiel sei genannt: 32 der 178 bis Mitte Januar 1996 an die Universität Potsdam erteilten Rufe ergingen an Frauen. Das ist im Vergleich zu anderen Einrichtungen sogar noch ein re­lativ positives Verhältnis,

Zu den wichtigsten Erkenntnissen der femi­nistischen Schulforschung gehört es, daß sich die unterschiedliche Wertschätzung der Geschlechter in der Schule widerspie­gelt. So sind im Sportunterricht geäußerte abwertende Urteile über den Weiberkram Gymnastik und Geräteturnen keine Selten­heit. Tradierte Vorurteile prägen die Inter­aktionsprozesse im Unterricht. Es bleibt demnach eine wichtige Aufgabe, die Ge­schlechterverhältnisse kritisch in ihrer Aus­wirkung auf schulische Bildung und Erzie­hung zu beobachten und zu analysieren, so das Fazit der Tägungsteilnehmer. B.E.

Der ArbeitskreisNutzung und Bedarf der Flochschul-Informations-System (HIS) GmbH hat seine frühjahrssitzung 1996 an der Universität Potsdam durchgeführt. Das vor allem aus Ministerienvertretern der Länder bestehende Gremium wollte damit nicht nureine interessante Universität ken­nenlernen" , sondern auch einmal eine Zu­sammenkunft nach Brandenburg verlegen, das als einziges neues Bundesland vom Arbeitskreis noch nicht aufgesucht wurde. Die HIS GmbH ist eine vom Bund geförder­te eigenständige Einrichtung,die den Hoch­schulen der Bundesrepublik z.B.in Fragen der(Ausbau-) Planung, der Verwaltung oder auch der elektronischen Vernetzung bera­tend zur Seite steht. Die u.a. auf der Basis der alljährlichen frühjahrs- und Herbst­sitzungen entstehenden Empfehlungen und Planungsunterlagen der HIS GmbH fließen meist in Entscheidungsprozesse der Hoch­schulen und ihrer Fachministerien ein.

An der Universität Potsdam standen bei den

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Es gehört zu den Profilbereichen der Uni­versität: das Potsdamer Modell der Leh­rerbildung. Seine Besonderheit besteht in der integrierten und stufenübergreifenden Ausbildung in den erziehungswissen­schaftlichen Grundlagenfächem. Das Mo­dell zielt auf die Professionalisierung der pädagogisch-didaktischen Handlungs­kompetenz des Lehrers.

Potsdam gehört zu den traditionellen Leh­rerbildungsstätten. In den vergangenen fast 50 Jahren verließen über 30 000 Absolven­ten diese Einrichtung. Im Wintersemester 1995/96 haben sich für das Lehramt 1325 junge Leute eingeschrieben, was nahezu einem Viertel aller Völlzeitstudierenden der Um entspricht.

Wie weit ist es bisher gelungen, die Ideen und Vorstellungen des Potsdamer Modells umzu­setzen? Noch scheinen nicht alle Hindernis­se zum reibungslosen Funktionieren aus dem Weg geräumt. Prof. Dr. Thomas Jahnke, Vor­sitzender der Senatsunterkommission für Leh­rerbildung, sprach kürzlich im Rahmen der PodiumsdiskussionZustand und Zukunft des Potsdamer Modells über jene Gründe, die noch immer zu seinem Scheitern führen könn­ten. Er nannte in diesem Zusammenhang sowohl die gesellschafts- und bildungspoliti- schen Bedingungen als auch mangelnden Willen, Tätkraft und Phantasie der Beteiligten. Selbst auf zentraler Ebene habe das Potsda-

rund 40 Teilnehmern vor allem die Themen Wissenschaftliche Werkstätten an Hoch­schulen, HIS-Gutachten zur baulichen Hochschulentwicklung,Bauliche Auswir­kungen neuer Medien undAlternative Finanzierungsverfahren im Hochschulbau im Mittelpunkt. Aber auch die Hochschul­entwicklung in Potsdam und Berlin sowie die Vorstellung der Universität Potsdam selbst interessierten: So widmete man sich der derzeitigen strukturellen und baulichen Entwicklung der Potsdamer Universität z.B. durch eine Besichtigung der Standorte Am Neuen Palais und Golm, was für die Teil­nehmer vor allem auch vor dem Hinter­grund einer von derHIS-GmbH Ende 1992 vorgelegten Entwicklungsplanung für die Universität Potsdam interessant war. Fach­männisch betreut wurden die Gäste von Dr. Völker Pohl, dem Dezernenten für Betriebs­technik, Bauangelegenheiten und Hausver­waltung, in dessen Händen ebenfalls die Organisation der Tägung lag. Hg.

Noch steht das Potsdamer Modell der Lehrer­bildung nicht wie em Fels m der Brandung.

Foto: zg.

mer Modell noch nicht ausreichend Gestalt angenommen.Hier ist eine dem Modell eher abträgliche Diversifikation m einzelne Interes­sen, Aktivitäten der Interdisziplinären Zentren, Vortragsreihen, angehängte Forschungs­projekte, Stellungnahmen nach außen festzu­stellen, denen ein gemeinsames Band, ein gemeinsamer Kern fehlt."

Diese organisatorische Basis könnte nach Thomas Jahnke das Interdisziplinäre Zentrum für Pädagogische Forschung und Lehrerbil­dung, dessen Leiter er ist, übernehmen. Als personelle Struktur schlug er einen wissen­schaftlichen Beirat, ein Direktonum, ständige und temporäre Mitarbeiter sowie dauerhafte und studentische Mitglieder vor. Um dem in­terdisziplinären Forschungsansatz Rechnung zu tragen/ müßten solche Themen wie Computereinsatz in den Fächern aus fachli­cher und pädagogischer Sicht, Koedukation, Koinstruktion in allen Fächern und Jahrgangs­stufen, Entstehung und Verbreitung von Nachhilfeschulen und deren Rückwirkung auf die öffentliche Schule oder Schule, Schul­fächer und Methodik in der DDR und in der Bundesrepublik bearbeitet werden.

Es bedürfe einer baldigen Realisierung die­ser zweiten Stufe des Potsdamer Modells der Lehrerbildung. Sie sollte von den Fachdidaktiken, den Erziehungswissen­schaften, den für die Lehrerbildung an der Uni zuständigen Gremien, den Mitarbei­tern, Mitgliedern und dem Direktorium des derzeitigen Interdisziplinären Zentrums für Pädagogische Forschung und Lehrerbil­dung unter Einbeziehung der Fachwissen­schaften initiiert und getragen werden. Das Zentrum schaffe, so Jahnke, einen Raum, der allerdings betreten werden müsse, zur Etablierung von Strukturen,

Prof. Dr. Erhard Quaisser aus dem Institut für Mathematik konstatierte bezogen auf die gegenwärtige Situation, daß die inneren und äußeren Bedingungen für die Lehrer­ausbildung an der Um Potsdam gut seien. Viele Professoren hätten Schulen bereits von innen gesehen, was durchaus nicht überall die Regel sei. Leider waren jedoch die Professoren bei der Podiumsdiskussion nicht sehr zahlreich vertreten. B.E.

ZUM ERSTEN MAL IM BRANDENBURGISCHEN

PUTZ 3/96