ZIEHEN ALLE AN EINEM STRANG?
Vom Gelingen des Potsdamer Modells der Lehrerbildung
Fortsetzung von Seite 9 bedeutsame frage auf, wie die Grundschule die Chancengleichheit der Geschlechter umfassend fördert und hier ebenso die Akzente der Bildungsreform mitbestimmt. Daraus sei zu schlußfolgern, daß die Grundschule als Basis des allgemeinen Schulwesens auch auf diesem Gebiet einer umfassenden grundschulpädagogischen Forschung bedarf
Ein noch immer ungelöstes Problem ist beispielsweise folgendes: Im Vergleich zu den jungen verfügen die Mädchen heute über die besseren Schulabschlüsse, legen häufiger das Abitur ab, verlassen seltener vorzeitig die Schule, Dennoch ist die strukturelle Benachteiligung der Frauen in der Gesellschaft nachweisbar. Ein Beispiel sei genannt: 32 der 178 bis Mitte Januar 1996 an die Universität Potsdam erteilten Rufe ergingen an Frauen. Das ist im Vergleich zu anderen Einrichtungen sogar noch ein relativ positives Verhältnis,
Zu den wichtigsten Erkenntnissen der feministischen Schulforschung gehört es, daß sich die unterschiedliche Wertschätzung der Geschlechter in der Schule widerspiegelt. So sind im Sportunterricht geäußerte abwertende Urteile über den Weiberkram“ Gymnastik und Geräteturnen keine Seltenheit. Tradierte Vorurteile prägen die Interaktionsprozesse im Unterricht. Es bleibt demnach eine wichtige Aufgabe, die Geschlechterverhältnisse kritisch in ihrer Auswirkung auf schulische Bildung und Erziehung zu beobachten und zu analysieren, so das Fazit der Tägungsteilnehmer. B.E.
Der Arbeitskreis „Nutzung und Bedarf“ der Flochschul-Informations-System (HIS) GmbH hat seine frühjahrssitzung 1996 an der Universität Potsdam durchgeführt. Das vor allem aus Ministerienvertretern der Länder bestehende Gremium wollte damit nicht nur „eine interessante Universität kennenlernen" , sondern auch einmal eine Zusammenkunft nach Brandenburg verlegen, das als einziges neues Bundesland vom Arbeitskreis noch nicht aufgesucht wurde. Die HIS GmbH ist eine vom Bund geförderte eigenständige Einrichtung,die den Hochschulen der Bundesrepublik z.B.in Fragen der(Ausbau-) Planung, der Verwaltung oder auch der elektronischen Vernetzung beratend zur Seite steht. Die u.a. auf der Basis der alljährlichen frühjahrs- und Herbstsitzungen entstehenden Empfehlungen und Planungsunterlagen der HIS GmbH fließen meist in Entscheidungsprozesse der Hochschulen und ihrer Fachministerien ein.
An der Universität Potsdam standen bei den
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Es gehört zu den Profilbereichen der Universität: das Potsdamer Modell der Lehrerbildung. Seine Besonderheit besteht in der integrierten und stufenübergreifenden Ausbildung in den erziehungswissenschaftlichen Grundlagenfächem. Das Modell zielt auf die Professionalisierung der pädagogisch-didaktischen Handlungskompetenz des Lehrers.
Potsdam gehört zu den traditionellen Lehrerbildungsstätten. In den vergangenen fast 50 Jahren verließen über 30 000 Absolventen diese Einrichtung. Im Wintersemester 1995/96 haben sich für das Lehramt 1325 junge Leute eingeschrieben, was nahezu einem Viertel aller Völlzeitstudierenden der Um entspricht.
Wie weit ist es bisher gelungen, die Ideen und Vorstellungen des Potsdamer Modells umzusetzen? Noch scheinen nicht alle Hindernisse zum reibungslosen Funktionieren aus dem Weg geräumt. Prof. Dr. Thomas Jahnke, Vorsitzender der Senatsunterkommission für Lehrerbildung, sprach kürzlich im Rahmen der Podiumsdiskussion „Zustand und Zukunft des Potsdamer Modells“ über jene Gründe, die noch immer zu seinem Scheitern führen könnten. Er nannte in diesem Zusammenhang sowohl die gesellschafts- und bildungspoliti- schen Bedingungen als auch mangelnden Willen, Tätkraft und Phantasie der Beteiligten. Selbst auf zentraler Ebene habe das Potsda-
rund 40 Teilnehmern vor allem die Themen Wissenschaftliche Werkstätten an Hochschulen“, HIS-Gutachten zur baulichen Hochschulentwicklung“, „Bauliche Auswirkungen neuer Medien“ und „Alternative Finanzierungsverfahren im Hochschulbau“ im Mittelpunkt. Aber auch die Hochschulentwicklung in Potsdam und Berlin sowie die Vorstellung der Universität Potsdam selbst interessierten: So widmete man sich der derzeitigen strukturellen und baulichen Entwicklung der Potsdamer Universität z.B. durch eine Besichtigung der Standorte Am Neuen Palais und Golm, was für die Teilnehmer vor allem auch vor dem Hintergrund einer von derHIS-GmbH Ende 1992 vorgelegten Entwicklungsplanung für die Universität Potsdam interessant war. Fachmännisch betreut wurden die Gäste von Dr. Völker Pohl, dem Dezernenten für Betriebstechnik, Bauangelegenheiten und Hausverwaltung, in dessen Händen ebenfalls die Organisation der Tägung lag. Hg.
Noch steht das Potsdamer Modell der Lehrerbildung nicht wie em Fels m der Brandung.
Foto: zg.
mer Modell noch nicht ausreichend Gestalt angenommen. „Hier ist eine dem Modell eher abträgliche Diversifikation m einzelne Interessen, Aktivitäten der Interdisziplinären Zentren, Vortragsreihen, angehängte Forschungsprojekte, Stellungnahmen nach außen festzustellen, denen ein gemeinsames Band, ein gemeinsamer Kern fehlt."
Diese organisatorische Basis könnte nach Thomas Jahnke das Interdisziplinäre Zentrum für Pädagogische Forschung und Lehrerbildung, dessen Leiter er ist, übernehmen. Als personelle Struktur schlug er einen wissenschaftlichen Beirat, ein Direktonum, ständige und temporäre Mitarbeiter sowie dauerhafte und studentische Mitglieder vor. Um dem interdisziplinären Forschungsansatz Rechnung zu tragen/ müßten solche Themen wie Computereinsatz in den Fächern aus fachlicher und pädagogischer Sicht, Koedukation, Koinstruktion in allen Fächern und Jahrgangsstufen, Entstehung und Verbreitung von Nachhilfeschulen und deren Rückwirkung auf die öffentliche Schule oder Schule, Schulfächer und Methodik in der DDR und in der Bundesrepublik bearbeitet werden.
Es bedürfe einer baldigen Realisierung dieser zweiten Stufe des Potsdamer Modells der Lehrerbildung. Sie sollte von den Fachdidaktiken, den Erziehungswissenschaften, den für die Lehrerbildung an der Uni zuständigen Gremien, den Mitarbeitern, Mitgliedern und dem Direktorium des derzeitigen Interdisziplinären Zentrums für Pädagogische Forschung und Lehrerbildung unter Einbeziehung der Fachwissenschaften initiiert und getragen werden. Das Zentrum schaffe, so Jahnke, einen Raum, der allerdings betreten werden müsse, zur Etablierung von Strukturen,
Prof. Dr. Erhard Quaisser aus dem Institut für Mathematik konstatierte bezogen auf die gegenwärtige Situation, daß die inneren und äußeren Bedingungen für die Lehrerausbildung an der Um Potsdam gut seien. Viele Professoren hätten Schulen bereits von innen gesehen, was durchaus nicht überall die Regel sei. Leider waren jedoch die Professoren bei der Podiumsdiskussion nicht sehr zahlreich vertreten. B.E.
ZUM ERSTEN MAL IM BRANDENBURGISCHEN
PUTZ 3/96