LEHRERBILDUNG BEDARF KONTINUITÄT
ln Brandenburg Anstieg der Schülerzahlen bei gleichzeitigem Rückgang der Schulanfänger
Nach neuesten Angaben des Brandenburger Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik besuchen im laufenden Ausbildungsjahr 1995/96 insgesamt 406.420 Mädchen und Jungen die 1205 allgemeinbildenden Schulen des märkischen Bundeslandes. Damit setzt sich zunächst der Trend steigender Schülerzahlen weiter fort. Um rund 3000 stieg die Quote gegenüber dem vergleichbaren Zeitraum 1994/95. Die Zunahme resultiert vor allem aus den Übergängen zur Gymnasialen Oberstufe. In den Grundschulen bzw. im Pnmarbereich jedoch lernen schon heute deutlich weniger Kinder. Im August vorigen Jahres erfolgten noch 33.593 Einschulungen, davon 86 Prozent in Grund-, zwölf Prozent in Gesamt- und zwei Prozent in Förderschulen. Ursache dafür ist die rückläufige Bevölkerungszahl in dieser Altersgruppe. Immerhin sank sie gegenüber 1994 um fünf, gegenüber 1992 sogar um fast zehn Prozent.
matikdidaktiker weist weiter darauf hin, daß zudem bildungspolitische Entscheidungen sowie organisatorische Vorgaben wie etwa die Klassengröße, Stundentafel, das Betreuungsverhältnis und Wahlverhalten der Sprößlmge und ihrer Eltern die Nachfrage nach deren Tätigkeit bestimmen.
„Die Lehrerbildung an der Universität Potsdam kann man nicht an- und abdrehen wie einen Wasserhahn", stellt der Wissenschaftler fest. Es sei durchaus nicht sinnvoll, sie an kurzfristigen Kapazitätsbestimmungen zu onentieren. Vielmehr erforderten langfristige Entwicklungen und auch die Folgen für die Schulen Aufmerksamkeit. Den gegenwärtigen Tendenzen setzt Jahnke entgegen: „An der Schule sparen, heißt im wörtlichen wie im übertragenen Sinn an unseren Kindern und deren und unserer Zukunft zu sparen.“
Auch die amtierende Rektorin der Einrichtung, Prof. Dr. Bärbel Kirsch, plädiert für
Die Lücken in den Reihen der Schulanfänger werden größer. Lehrer aber braucht das Land auch in Zukunft ■ Foto: Tribukeit
Konkret sind derzeit 183.170 Sechs- bis circa Zwölfjährige in Grundschulen aufgenommen. Es folgen die Gesamtschulen mit 113.760 Anmeldungen, Gymnasien (65.320), Realschulen (22.080), Förderschulen (17.100), Gymnasialen Oberstufen an Oberstufenzenzentren (3.620) und Abendschulen/Kollegs/ Volkshochschulen/ltelekollegs (1.370).
Prof, Dr. Thomas Jahnke von der Universität Potsdam warnt in diesem Zusammenhang vor aus den summatorischen Angaben möglicherweise hervorgehenden pauschalen Schlüssen für den Lehrerbedarf. Dieser sei gründlich nach Schulformen und -fächern zu analysieren. „Lehrer ist eben nicht gleich Lehrer“, sagt er. Der Mathe
Kontinuität in der Lehrerausbildung. Aus den demographischen Erhebungen schließt sie aber die Notwendigkeit breit angelegter Studiengänge. Damit bestünde für die Absolventen zumindest die Chance eines schulstufen- und -formübergreifenden Einsatzes. Im Sinne der Gewährleistung von Qualität und Innovationsfähigkeit an brandenburgi- schen Schulen hält die Psychologin eine ausgewogene Balance von älteren, erfahrenen und neu einzustellenden Pädagogen für unerläßlich. Kirsch dazu: „Der Einstellungskorridor muß breit genug sein, um Studienanfängern Berufsperspektiven zu eröffnen und damit Motivation für ein Lehramtsstudium zu gestatten." PC.
WALTHER TRÖGER ZU AKTUELLEN FRAGEN
Seit 1994 ist der Präsident
t des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland (NOK), Walther Tröger, Honorarprofessor der Potsdamer Universität. Kürzlich wirkte er an einer Versammlung dieses Instituts zu Fragen des Diplomstudienganges und seiner Weiterentwicklung mit. Dabei berichtete er auch über Probleme und die derzeitige Perspektive bei der Vorbereitung der Olympiamannschaft.
In Deutschland ist das Auswahlkriterium traditionell an der Endkampfchance ausgerichtet (für diesen Sommer bedeutet das maximal 500 Aktive). An der deutschen Praxis hat sich letztlich auch das aktuelle Quotierungssystem des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) orientiert, mit dem das Problem der zu großen Tfeilnahmefelder gelöst werden soll: in Zukunft ist von einer Limitierung des IOC von insgesamt 10.000 Aktiven bei Olympischen Sommer- und 5.000 Athletinnen und Athleten bei Winterspielen auszugehen.
In bezug auf das Dopingproblem sowie die Überprüfung der Verstnckung von Sportlern mit dem ehemaligen Ministenum für Staatssicherheit vertrat Walther Tröger die Meinung, der Sport sei mit beidem besser umgegangen als die Gesellschaft insgesamt. Weiterhin gelte der Grundsatz des deutschen NOK, daß kein zu nominierender Athlet oder Betreuer in den letzten vier Jahren des Dopings überführt sein dürfe, was die Ernsthaftigkeit der Auseinandersetzung mit diesem Problem unterstreiche. Um der Öffentlichkeit zu zeigen, daß die Ehrenamtlichen nicht als Touristen zu den Spielen reisen, würde jeweils eine Liste veröffentlicht, aus der die jeweils ausgeübte Funktion hervorgeht. In der Diskussion antwortete der NOK-Präsident auf die Frage nach den laufenden Verhandlungen um die Übertragungsrechte, bei denen die Privatfernsehgesellschaften gerade „vorne lagen“, daß hier keine ideologischen Voreingenommenheiten Grundlage seien. Vielmehr sei das die Bundesrepublik lange Jahre prägende Prinzip der „Öffentlich-rechtlichen Rundfunkan- stalten“ international die Ausnahme, weshalb „Nicht-Private" nicht per se Anspruch auf den Zuschlag hätten, sondern sich dem harten Wettbewerb stellen müßten. Das IOC werde aber bei der endgültigen Entscheidung auf jeden Fall nicht nur finanzielle Erwägungen zugrunde legen. Bleibt nachzutragen, daß das IOC sich doch für die „Öffentlich-rechtlichen" entschieden hat - eine Trendwende bei der Bedeutungszunahme der „Privaten“! Giselher Spitzer
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PUTZ 3/96