Heft 
(1.1.2019) 03
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MUSIKANALYSE - EINTROCKENES THEMA"?

Anläßlich des 20jährigen Bestehens des Institutes für Musik und Musikpädagogik der Pädagogischen Hochschule bzw. der Universität Potsdam wurde ein musikwis­senschaftliches Kolloquium zum Thema Musikanalyse als Wissenschaftsdisziplin in der Ausbildung von Musiklehrern durchgeführt. Diese IV musikwissen­schaftliche Konferenz setzte auch eine erfolgreiche Tradition der Forschungsar­beit an der Universität fort, wie Prof. Dr. Otto Dobslaff, Forschungsbeauftragter der Philosophischen Fakultät II, in seiner Eröffnungsrede erwähnte.

In den Vorträgen waren vor allem zwei Grundprobleme erkennbar: der Stellenwert der Musikanalyse als Wissenschaftsdisziplin und als Bestandteil der musikpädago­gischen Ausbildung an Universitäten. So berichtete Prof. Dr. Peter Rummenhöller, Lehrstuhlinhaber Musikwissenschaft, von Erfahrungen mit dem Fach Musikanalyse an der Hochschule der Künste Berlin. In den Prüfungen zum Fach wird der oder die Stu­dierende mit einem musikalischen Werk von ca. zwei bis drei Minuten Länge konfrontiert, welches analysiert werden soll. Dabei sei es die Regel, daß sich die Aussagen der Prüf­

linge auf solch formale Dinge wie Täktzahl, Tteiligkeit und Besetzung des Stückes be­schränken. Der Referent demonstrierte hin­gegen an verschiedenen Tbnbeispielen, wie es möglich ist, sich über dieherausragen­den physiognomischen Merkmale (d.A.), denEssentials eines Musikstückes, die­sem zu nähern und auf einem wesentlich umfassenderem Wege Analyse zu betreiben. Wie viele Gesichter das Feld der Analyse inne hat, betonte auch Prof. Dr. Gottfried Scholz, Leiter des Institutes für Musikanalytik an der Hochschule für Musik und darstellen­de Kunst in Wien, der sich in seiner Darstel­lung über den Methodenpluralismus bei der Musikanalyse äußerte und anhand einer Vielzahl von Beispielen Sinn und Unsinn ein­zelner Methoden diskutierte. Mit diesen bei­den Vorträgen wurde bereits ersichtlich, wie intensiv sich an vielen musikausbildenden Universitäten mit musikanalytischen Aspek­ten beschäftigt wird. Dementsprechend hoch sind auch die Bemühungen des Insti­tutes für Musik der Universität Potsdam ge­wesen, ein Stundenkonzept zu schaffen, welches die Wichtigkeit des Faches Musik­analyse in der Lehreraus- und -Weiterbildung berücksichtigt, wie z.B. Institutsdirektor Prof. Dr. Günther Eisenhardt und Prof. Dr. Vera

Cheim-Grützner feststellten. Gerade in der Musiklehrerinnenausbildung müsse die Musikanalyse einen wichtigen Stellenwert einnehmen, werden doch später, in der musikpädagogischen Praxis, bei der Be­handlung und Erschließung musikalischer Werke aller Gattungen analytische Tätigkei­ten gefordert.

Prof. Dr. Günter Olias, Lehrstuhlinhaber Musikdidaktik der Universität Potsdam, sprach sich dafür aus, über musikalische Analyse Schülern Musik als erlebte Wirklich­keit nahe zu bnngen. Anhand zweier Beispie­le aus der gegenwärtigen Musikszene ging er mit den Zuhörern aufSpurensuche in Klanglandschaften. In der anschließend kontroversen Diskussion betonte er die Wichtigkeit, Möglichkeiten zu schaffen, wis­senschaftliche, künstlerische und soziale Belange von Musik zu vereinen sowie Schü­lern über das musikalische Kunstwerk ganz persönliche Sichtweisen des Komponisten zu vermitteln, unabhängig von der eigenen Akzeptanz der Musik. Musikanalyse also ein trockenes Thema?! Keineswegs, so urteil­ten die Tbilnehmer an dem Kolloquium und nahmen hoffentlich viele der differenzierten Anregungen mit in ihre eigene musikali­sche Praxis. Claudia Pauels

CHANCE FÜR EINEVERSPÄTETE REGION"

Zum Berlin-Brandenburg-Projekt Heinz Klegers an der Uni

Ob die Länderehe von Berlin und Brandenburg zustandekommt, entscheidet

|t| | sich am S. Mai 1996. Wissen-

f f f f schaftliches Interesse führte den an der Universität Potsdam tätigen Schweizer Prof. Dr. Heinz Kleger schon vor längerer Zeit zu dieser Region. Bereits seit Oktober 1994 besteht an sei­nem Lehrstuhl für Politische Theorie in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät ein Berlin-Brandenburg-Projekt.

Untersucht wurde zunächst der Aufbau einer gemeinsamen Landesplanung. Im Mittel­punkt standen dabei insbesondere die poli­tisch-administrativen Bedingungen einer dezentral-konzentrierten Entwicklung, wel­che die Grundlage einer gemeinsamen Wachstumsregion bilden soll. Zahlreiche Anregungen in bezug auf Chancen und Schwierigkeiten einerverspäteten Region Berlin-Brandenburg entstammen den Unter­suchungen. Beispielsweise betrifft das die frühe Einbeziehung der Kommunen in die Landesplanung oder die Beobachtung der Umsetzung des Leitbildesdezentrale Kon­zentration. Auf die Offenlegung von Inter­essenkonstellationen und die Beseitigung von Koordinationsdefiziten zielten unter an­

derem Experteninterviews mit Vertretern von Umweltministerium, Städte- und Kom­munalverbänden, aber auch mit Bürgermei­stern und Kreisräten. Parallel dazu werteten die Wissenschaftler amtliche Dokumente wie Gesetze und Verträge sowie Gutachten aus. Heinz Kleger verfolgt nun mit den von der Deutschen Forschungsgemeinschaft weiterfinanzierten Forschungen eine verglei­chende Theone regionaler Handlungsfähig­keit in europäischen Stadtregionen.

Seit Mitte der achtziger Jahre erkenne man in europäischen Stadtregionen neue Hand­lungsweisen der politischen, administrati­ven und wirtschaftlichen Eliten. Den Ver­such, regionale Handlungsfähigkeit herzu­stellen, beschreibt Heinz Kleger als Aufbau eines urbanen Regimes. Damit definiert er die Fähigkeit der lokalen und regionalen Eliten, sich zu einem informellen, aber gleichwohl stabilen Netzwerk zusammen­zuschließen, um über die gemeinsame Mo­bilisierung ihrer institutionellen Ressourcen Politikziele zu formulieren, Entscheidungen zu treffen und diese zu implementieren. In diesem Kontext seien Verteilungsgerech­tigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und so­ziale Integration als Ziele sowie dezentrale Konzentration als Instrument der gemeinsa­men Landesplanung von Berlin und Bran­

denburg ein Ansatzpunkt für die Herstel­lung regionaler Handlungsfähigkeit. Bezogen auf Berlin-Brandenburg betrach­tet es Prof. Kleger als spannend herauszu­finden, wie sich der Stadt-Staat Berlin und der Flächenstaat Brandenburg in ihrer Un­gleichheit relativ gleich entwickeln. Eine schematische Abgrenzung von Berlin als Stadt und dem Umland lehnt er allerdings ab. Es sei davon auszugehen, daß eineei­nigermaßen vernünftige Wachstumsregion nur dann entstehen kann, wenn eine dezen­trale Konzentration einsetzt. Insofern hält er eine gemeinsame Landesplanung, ob mit oder ohne Fusion, für unabdingbar. Diese Kooperation gebe es ohnehin seit fünf Jah­ren, sie müsse fortgesetzt werden.

In der Möglichkeit, regionale mit europäi­scher Identität zu verknüpfen, erkennt der Wissenschaftler die große Chance derver­späteten Region". Sie habe aufgrund ihrer geopolitischen Lageals Osten des Westens und Westen des Ostens Europas den Vor­teil, alsTransferknotenpunkt zwischen West- und Osteuropa" dienen zu können. Das Ineinanderschachteln von Konzepten der dezentralen Konzentration von Europa über die Nation und die Region bis hin zu den Städten und Kommunen ist dabei sein Vor­schlag für ein Leitbild des Handelns. B.E.

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PUTZ 3/96