NACHGEFRAGT BEI STEFFEN REICHE
PUTZ: Herr Minister Reiche, die Brandenburgi- sche Kommission für Wissenschaft und Forschung hat kürzlich zum Abschluß ihrer Beratungen eine Zusammenfassung von Empfehlungen vorgelegt. Was geht daraus für den weiteren Ausbau der wissenschaftlichen Infrastruktur in Brandenburg und speziell für den weiteren Ausbau der Universität Potsdam hervor? Wissenschaftsminister Steffen Reiche: Die Kommission für Wissenschaft und Forschung hat die Aufgabe, eine langfristige Konzeption zur Ausbauplanung des Hochschul- und Forschungsbereiches im band Brandenburg zu entwickeln. In der letzten Empfehlung vom Januar diesen Jahres unterstützt die Kommission das wissenschaftliche Konzept des Landes, ein markantes wissenschaftliches Profil zu entwickeln und vor allem besonders wettbewerbsfähige Einrichtungen gezielt zu unterstützen. Die wissenschaftlichen Profile der Universität Potsdam sieht die Kommission in deren enger Kooperation mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen im Wissenschaftspark Albert Einstein und mit Max-Planck- und Ftaunhofer-Instituten im Wissenschaftspark Golm. Es geht hierbei darum, eine unverwechselbare Ausrichtung des Standorts gegenüber dem Berliner Standort Adlershof zu schaffen. Des weiteren im Potsdamer Modell der Lehrerbildung. Die Kommission empfiehlt, dieses Modell auch im beruflichen Bereich zu entwickeln und dabei Prüfungs- und Studierleistungen anzuerkennen, die an Fachhochschulen erbracht wurden. Als weitere wesentliche Profilierung der Um Potsdam setzt die Kommission auf die Entwicklung der Verwaltungswissenschaften als Verbindung von Sozial- , Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, der ich als Minister ebenfalls nur zustimmen kann. Es wird bei der Universität Potsdam, wie bei den anderen Universitäten und Fachhochschulen in Brandenburg, darum gehen, diese zukunftsträchtigen Einrichtungen gezielt zu fördern. Der Weg modellhaften Zusammenarbeitens zwischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen soll weitergegangen und weiter unterstützt werden.
PUTZ: Im Zusammenhang mit der geplanten Rision von Berlin und Brandenburg scheint von der Finanzsenatorin Berlins und der Finanzmini- sterin Brandenburgs der gemeinsame Vorschlag gemacht worden zu sein, die FU Berlin und die Universität Potsdam zu fusionieren. Stimmt das? Und was meinen Sie als der bran- denburgische Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur dazu?
Reiche: Von einem solchen Vorschlag weiß ich auch nur aus der Zeitung. Selbst wenn er existieren sollte, so liegt doch die Verantwortung für die Gestaltung des Wissenschaftsbereichs in Brandenburg bei meinem Ministerium und mir. Gegen diesen Vorschlag spricht, daß das Konzept für den Aufbau der Universität Potsdam gezielt im brandenburgischen Landesinteresse erarbeitet wurde, wobei es vor allem darum ging, gegenüber Berlin ein eigenständiges Profil zu entwickeln.
Die Fragen stellte Myriam Hömg.
INTENSIVERE BEZIEHUNG
Die Potsdamer Universität wird in diesem Sommer fünf Jahre alt. Doch trotzdem ist sie im Bewußtsein vieler Potsdamer noch nicht präsent, gehört der Besuch eines vom Institut für Musik angebotenen öffentlichen Konzertes oder eines interessant klingenden Vortrages in den Räumen der „Alma mater“ immer noch zu einer Seltenheit. Damit sich in diesem Bereich etwas ändert und auch verstärkt studentisches Leben in die Innenstadt getragen wird, trafen sich Vertreter von Stadt und Universität während der vorlesungsfreien Zeit zu einem Arbeitsgespräch.
An diesem Gespräch nahmen von seiten der Stadt Oberbürgermeister Dr. Horst Grämlich und der Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport, Claus Dobberke, teil; die Uni war mit der amtierenden Rektorin, Prof. Dr. Bärbel Kirsch, den Prorektoren Prof. Dr. Helene Harth und Prof. Dr. Ralf Menzel, dem Kanzler Alfred Klein und Martin Weiß sowie Jan Martin Witte vom Studierendenrat (Stura) vertreten. Themenschwerpunkte bildeten die Komplexe studentisches Wohnen, studentisches Leben in der Innenstadt, Austauschmöglichkeiten bei der Kultur, bessere Verkehrsverbindungen zu den bzw. zwischen den einzelnen Uni-Standorten und Zusammenarbeit auf dem multimedialen Sektor.
Als Ergebnisse können hier festgehalten werden: Eine bevorzugte Vergabe von Wohnberechtigungsscheinen an Studierende wird es auch in Zukunft nicht geben. OB Grämlich betonte, daß alleine 4872 Anträge von Einheimischen vorlägen, der Bedarf also allgemein sehr groß wäre. Er schlug jedoch vor, eine Kooperation der Studierenden mit den kommunalen Wohnungsgesellschaften zu unterstützen mit dem Ziel, neue Varianten studentischen Wohnens in der Innenstadt zu prüfen. Dabei könnten Wohngemeinschaften, Wohnen zur Untermiete sowie das notdürftige Instandsetzen von leerstehendem Wohnraum (z.B. mit Rückgabeansprüchen) zur Debatte stehen.
Um die Innenstadt zu beleben, wollen Vertreter des Sturas mit Claus Dobberke die Einrichtung eines Studentenzentrums im Zentrum diskutieren. Im Gespräch war der Sanierungsträger Potsdam, der mit der Überprüfung geeigneter Räumlichkeiten betraut werden könnte. Damit sich darüber hinaus auch auf kulturellem Gebiet ein verstärkter Austausch ergibt, wurde eine Verwaltungsvereinbarung zwischen der Stadt und der Universität beschlossen, die einen Austausch von Räumlichkeiten zu günstigen Konditionen ermöglichen sollte. Helene Harth regte ferner an, einen Kulturstammtisch zu gründen, um den „Kulturfaktor Universität Potsdam“ in die Köpfe zu bringen
DURCHAUS GEWÜNSCHT
(siehe dazu auch die Dtelgeschichte „noch keine Symbiose“ an anderer Stelle dieser PUTZ). Diese Punkte sollen jetzt auf Arbeitsebene geprüft bzw. umgesetzt werden, damit zumindest mittelfristig eine intensivere Wechselbeziehung zwischen den Potsdamern und ihrer Universität entsteht. Daß der Weg dorthin noch lang ist, zeigte sich erst jüngst in einer Großen Anfrage der CDU-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung zur Universität Potsdam. Viele der dort formulierten Fragen hätten z.B. durch einen anwesenden Vertreter der Universität direkt beantwortet werden können - doch war von der Hochschule niemand benachrichtigt, geschweige denn eingeladen, worden. Hg.
ENGAGEMENT GEFRAGT
Für die akademischen Gremien Senat, Konzil und Fakultätsräte sind im Sommersemester 1996 in allen Statusgruppen neue Mitglieder zu wählen. Der gemeinsame Wahlausschuß der Universität Potsdam hat als Wahltage den Zeitraum 25.6.-27.6.96 vorgesehen. An allen drei Universitätsstandorten werden Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter, Studenten und Mitarbeiter aus Technik und Verwaltung Gelegenheit haben, für die Vertretung ihrer Interessen und die Wahrnehmung ihrer Rechte Vertreter in die Gremien der akademischen Selbstverwaltung zu wählen. Neben der Stimmabgabe an den Wahltagen in den Wahllokalen besteht darüber hinaus die Möglichkeit, sich per Briefwahl an den Gremienwahlen zu beteiligen. Briefwahlanträge können bis zum 19.6.1996 gestellt werden.
Zunächst sind alle Universitätsmitglieder aufgerufen, bis zum 20,5.1996 Wahlvorschläge, getrennt nach den vier Statusgruppen und den zu besetzenden Gremien, an den Wahlausschuß einzureichen. Die Amtszeit der gewählten Gremienmitglieder beträgt zwei Jahre, die der Studierenden ein Jahr. Weitere Informationen zu den Wahlen können den Wahlbekanntmachungen, die in allen Fakultäten aushängen, entnommen bzw. in der Geschäftsstelle des Wahlausschusses unter der Tbl.-Nr. 977-1732 erfragt werden.
Marina Zimmermann
030/6946070
• Banddurchsagen Tag + Nacht!
Seite 15
PUTZ 3/96