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HORRORJOB LEHRER?
Studie zur Gesundheit im Lehrerberuf
Prof. Dr. Klaus Scheuch, Professor für Arbeits- und Sozialmedizin an der Technischen Universität Dresden, zeigte den Zuhörenden die Titelseite einer Ausgabe des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“. „Horrorjob und Lehrer“ war da zu lesen. Es geht um destruktive Schülerinnen und Schüler, um übervolle Lehrpläne und die den Problemen des Lehrerberufs ignorant gegenüberstehende Öffentlichkeit. An den letztgenannten Punkt knüpfte Prof. Scheuch in seinem Vortrag „Gesundheit und Belastung bei lehrenden Berufen nach dem gesellschaftlichen Umbruch“, den er an der Universität Potsdam hielt. In der arbeitsmedizinischen Diskussion um die gesundheitlichen Auswirkungen von Arbeit spielt der Lehrerberuf eine eher untergeordnete Rolle. Im Fokus der Arbeitswissenschaften stehen die klassischen „körperbetonten“ Berufe.
Statistiken zu Mortalität, allgemeiner Erkrankungswahrscheinlichkeit und Gesundheitsrisiken von unterschiedlichen Berufsgruppen weisen für Lehrerinnen und Lehrer sehr günstige Kennwerte aus: sie leben um Jahre länger als ihre Kollegen in der Produktion. Klaus Scheuch geht über diese globalen Aussagen hinaus: Er entdeckt Gruppen von Krankheiten, unter denen gerade - und mit großem Vorsprung vor anderen Professionen - die Lehrerinnen und Lehrer leiden, so Erkrankungen des Nervensystems, Neurosen und andere psychische Störungen. Diese wurden Anfang des Jahrhunderts mit dem Begriff der „Lehrerkrankheit" beschne- ben, heute mit „Burn-Out" bezeichnet.
Der Referent trat als Gastredner im Kolloquium „Arbeit und Gesundheit" einer Veranstaltungsreihe des Instituts für Psychologie der Potsdamer Universität auf. Dort wird
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jetzigen Kalenderjahr. Die voraussichtliche Bauest betrage bei der MPG circa 30, bei der Rraunho- jesellschaft 24 bis 28 Monate. Klärende Gesprä- zum Bebauungsplan hätte es zum "feil erst kürzet zwischen Land, Gemeinde und Bauherren gell :ien. Bei den einzelnen Projekten handele es sich ^wesentlichen um die Max-Planck-Institute für molare Pflanzenphysiologie, für Gravitationsphysik 0 rie für Kolloid- und Grenzflächenforschung einer- ets und das Institut für angewandte Polymer- X ichung der Fraunhofer-Gesellschaft andererseits, S i Etablierung der Mathematisch-Naturwissen- d laftlichen Fakultät der Universität Potsdam am i( ichen Standort ist derzeit kaum umstritten. Das S enfalls versicherte noch vor wenigen Wochen H fan Brandt aus dem brandenburgischen Mim- H rium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, fcs Land habe zumindest finanzielle Planungsvor- d ge getroffen. Als erster Neubau werde ein auch 4 dernste Laboratorien beherbergendes Verfü- h igsgebäude entstehen.
^ ines Licht zum Gesamtvorhaben muß noch °ln Wissenschaftsrat kommen, Alle Beteiligten n 'arten deshalb mit Spannung dessen Empfehlen zur Profilierung des Komplexes, aber auch Differenzierung im Zusammenhang mit ahnen Berliner Einrichtungen. EG.
auch an einem Forschungsprojekt zur Streß- belastung von Lehrennnen und Lehrern gearbeitet. Denn Streß sehen Psychologen als die zentrale Ursache der „Lehrerkrankheit“ an. Der an der Schnittstelle zwischen Arbeitspsychologie und Arbeitsmedizin arbeitende Scheuch betrachtet die Quelle der emotionalen Belastung für Lehrende noch in einem anderen Bereich. Seine zentrale Forschungsfrage ist: Wie beeinflussen und verändern gesellschaftliche Rahmenbedingungen das Erleben von Arbeit und damit auch die Arbeitsgesundheit?
Deshalb führte Scheuch 1985 in Dresden eine Untersuchung zu Belastungsfaktoren im Lehrerberuf durch. Sie war Tteil einer auf zehn Jahre angelegten Längsschnittstudie, an der ursprünglich 659 Lehrerinnen und Lehrer teilnahmen. Mit der politischen Wende in der DDR veränderten sich die Rahmenbedingungen für die Lehrberufe jedoch ebenso rasant wie für die arbeitsmedizinische Forschung, die, wie Scheuch beklagt, an Wichtigkeit einbüßte. Doch als eines der wenigen ostdeutschen Forschungsprojekte, die die Wendezeit überlebten, wurde die Längsschnittuntersuchung weitergeführt, ließ sich doch hier die Hypothese prüfen, daß gesellschaftliche Umbrüche eine Zunahme von Streßsymptomen wie die „Lehrerkrankheit“ mit sich bringen. Eine populäre Spielart und Erweiterung dieser Hypothese ist die verbreitete Ansicht, daß sich mit dem Systembruch die Arbeitsbedingungen in Ostdeutschland generell verschlechtert hätten.
Der Wissenschaftler warnt davor, die Ergebnisse seiner Studie „unter politischen Gesichtspunkten zu vermarkten“. Vielleicht hängt das damit zusammen, daß diese Ergebnisse die Vermutung einer allgemeinen „Nach-Wende-Depression“ nicht decken. Jedenfalls nicht für den Lehrerberuf. Scheuch stellte vielmehr fest, daß die erhobenen körperlichen und psychischen Streß- Indikatoren für Lehrerinnen und Lehrer nach 1989 im Mittel sogar einen Rückgang erlebten. Worauf diese Entwicklung allerdings im Einzelnen zurückzuführen ist, bleibt im Dunkeln und den Spekulationen der Zuhörerschaft überlassen.
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Stehen Lehrer unter einem ganz besonderen Druck? Zeichnung: Oliver Ufeiss
Er selbst verweist auf die psychologische Definition des Streßbegriffs, die einen Verlust von Kompetenz und Kontrolle über die Umwelt als einen zentralen Streß-Auslöser beschreibt. Das hieße also, daß die berufliche Selbständigkeit von Lehrerinnen und Lehrern nach „der Wende“ in entscheidendem Maße zunahm, was wiederum zum Abbau von Streßsymptomen geführt hätte. An diesem Punkt bedarf die sozialmedizinische Forschung durch psychologische Methoden und Sichtweisen einer Ergänzung.
Dem Referenten gelang es an diesem Nachmittag in Potsdam nicht, eine andere Erklärung der Untersuchungsergebnisse gänzlich zu widerlegen: Von den 1985 untersuchten 659 Lehrerinnen und Lehrern war die Stichprobe 1993 auf 289 Teilnehmende geschrumpft. Die Vermutung liegt nahe, daß sich zum großen Tteil nur diejenigen zur nochmaligen Untersuchung bereitfanden, für die 1989 nicht das Ende der beruflichen Karriere und der bisherigen Lebenswelt, sondern das Ende von Gängelung und begrenzten beruflichen Möglichkeiten bedeutete. Immo FHtsche
PUTZ 3/96
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