Heft 
(1.1.2019) 03
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NOCH KEINE SYMBIOSE

Stadt Potsdam und ihre Universität suchen gemeinsame Wege

Die Universität wird, glaube ich, nur an den Rändern der Stadt wahrgenommen, eben dort, wo die Studenten auch leben und arbeiten. Im Zentrum der City weist nichts auf die Alma mater hin. Zu finden ist sie von diesem Standort aus aufgrund fehlender Beschil­derung schon kaum. Auch an entsprechendem kulturellem Flair mangelt es. Soweit die Stimme Martina Haufs, Einwohnerin der Stadt Potsdam. Die Reihe ähnlicher während einer Straßenumfrage erfaßter Meinungen ließe sich fortsetzen. Grund genug für Poli­tiker, Wissenschaftler wie auch Vertreter anderer Bereiche, sich der Thematik des Be­ziehungsgeflechts zwischen Hochschule und Landeshauptstadt verstärkt anzunehmen.

SIND SPRACHFUNKTIONEN IM GEHIRN LOKALISIERBAR?

Vor mehr als 17 Jahren schloß sich Prof. Dr. Ria De Bleser der interdiszi­plinären Forschungs­gruppeAphasie und ko­gnitive Störungen der Aachener Universität an.

Aus dieser Zeit resultiert die Zusammenarbeit der heutigen Ge­schäftsführenden Direktorin des Institutes für Linguistik/Allgemeine Sprachwissen­schaft an der Universität Potsdam mit ih­remMentor und Mäzen, Prof. em. Dr. med. Klaus Poeck (Foto), dem damaligen Leiter der Universitätsklinik. Der Neurolo­ge sprach kürzlich in einem von Studieren­den und Wissenschaftlern gut besuchten Kolloqium dieses Institutes zum Thema Sind Sprachfunktionen im menschlichen Gehirn lokalisierbar?.

Das aus Medizinern, Psychologen, Lingui­sten und Logopäden bestehende Aachener Tteam beschäftigte sich seinerzeit mit den Auswirkungen des Verlustes des Sprach­verständnisses infolge von Erkrankungen des Sprachzentrums im Gehirn. Wir haben Patienten unter anderem dahingehend unter­sucht herauszufinden, wo die Hirnschädi­gung innerhalb der Sprachregion lokalisiert ist", erläuterte Klaus Poeck den Arbeitsanteil der Mediziner. Bezugnehmend auf die im Thema formulierte Frage, antwortete der Ementus mitjein. Denn im Gehirn gäbe es eine über dem linken Ohr befindliche handflächengroße Sprachregion. Wenn die­se eine Schädigung erleide, sei der Fätient in seinen Sprachfunktionen gestört. Aber innerhalb des Sprachzentrums habe sich keine Lokalisation für die Fähigkeit, syntak­tische Konstruktionen zu bilden, Wörter zu finden oder mit Wörtern Gegenstände ge­nauer zu beschreiben, feststellen lassen. Das ist wohl auch unmöglich, weil das Sprachzentrum immer als Ganzes tätig wird und seine Verschaltungen so bildet, wie es die Aufgabe verlangt, begründete der Refe­rent die Forschungsergebnisse.

In der Arbeitsgruppe entwickelten die Betei­ligten weiterhin Methoden, um Sprachstö­rungen nach Hirnschädigungen zu analysie­ren und zu behandeln. Auch vor diesem Hin­tergrund betrachtet der Mediziner das im Entstehen begriffene Therapie- und Bera­tungszentrum an der Universität Potsdam als gar nicht hoch genug emzuschätzbar". 100 Jahre habe sich die Forschung nur damit befaßt, Sprachstörungen zu beschreiben. Das ist so eine Art Schmetterlingssamm­lung. Wir dürfen dabei nicht vergessen, daß die betroffenen Menschen Leidende sind, denen mit sprachtherapeutischen Methoden in Zusammenarbeit mit Linguisten geholfen werden muß. B.E.

Zum Ausdruck kommt das Problem bei­spielsweise in einer vomPotsdamer Forum: Verein für Stadtmarketing" in Auftrag gege­benen Studie der Kienbaum-Unternehmens­beratung. Deren Ergebnisse liegen seit wenigen Monaten auf dem Tisch. Für Prof. Dr. Ingo Balderjahn, Vorsitzender des Ver­eins und gleichzeitig Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Marketing an der Wirtschafts­und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam, spielt neben der ent­haltenen Stärken/Schwächen-Analyse und den Ansätzen zur Leitlinien-Entwicklung vor allem der avisierte Maßnahmekatalog dabei eine Rolle. Nach Ansicht des Wirtschaftswis­senschaftlers berücksichtigt dieser insbe­sondere auch die Notwendigkeit der Kon- solidierungs- wie Entwicklungsmöglich­keiten der größten brandenburgischen aka­demischen Bildungsstätte. Deren Attraktivi­tät weise derzeit jedoch noch Defizite auf.

Im Straßenbild des Potsdamer Zentrums sind Studierende eher die Ausnahme. Foto: Fritze

Baustellen und nichtbesetzte Lehrstühle besitzen keine Ausstrahlungskraft, so Bal­derjahn. Hier stehe auch das zuständige Wissenschaftsministerium in der Pflicht. Die Hochschule könne aber bereits jetzt in zwei Richtungen intensiver wirken: zum einen als Leistungsanbieter, nicht zuletzt über den Am Neuen Palais ansässigen Informations- und Tfechnologie-Tiransfer (PITT).Diese Naht­stelle zwischen Stadt und Universität bedarf

unbedingt der weiteren Profilierung, meint er. Zum anderen aber sei es nötig, der Bevöl­kerung verstärkt Einblick in das Forschungs- wie Lehrgeschehen zu vermitteln. Der Grund: die Potsdamer bemerktenihre Um derzeit noch zu wenig.

Das gilt nicht nur für die Bürger der branden­burgischen Metropole. Auch die Stadtver­waltung selbst übte sich in der Vergangen­heit in Zurückhaltung. Änderung scheint jetzt allerdings in Sicht. Vor Monaten erst spra­chen die Prorektoren der Alma mater mit Oberbürgermeister Dr. Horst Grämlich und dessen Beigeordneten für Bildung, Jugend und Sport, Claus Dobberke. Dem Infor­mationsgespräch wohnten auch Mitglieder des Studentenrats bei (siehe dazu auch den ArtikelIntensivere Beziehung durchaus gewünscht" an anderer Stelle dieser PUTZ). Beide Seiten betonten während des Gedan­kenaustausches das Interesse an einer en­geren Zusammenarbeit.Im Augenblick je­denfalls läuft vieles noch nebeneinander, nicht koordiniert genug, beschrieb Gräm­lich den aktuellen Ausgangszustand. Die noch zu bearbeitenden gemeinsamen Auf­gabenfelder seien durchaus groß. Als ein Beispiel möglichen kooperativen Handelns nannte er die Mitwirkung des an der Uni be­stehenden Kommunalwissenschaftlichen In­stituts bei der Verwaltungsmodernisierung in seinem Hause. Hier gelte es schließlich, Qualitätszuwachs anzustreben.

Zusammenarbeit keine Einbahnstraße

Schon fruchtbar dagegen gestalten sich die Beziehungen zwischen Hochschule und örtlicher Industrie- und Handelskammer (IHK). Deren Hauptgeschäftsführer, Peter Egenter, wirkt gleichzeitig aktiv in der nun­mehr circa 70 Mitglieder zählenden, von einem Mittlergedanken getragenen Univer­sitätsgesellschaft. In vergangenen Jahren bot die IHK manche Hilfe an.Das wird sie auch weiter tun, versichert Egenter. Bisher beispielsweise seien Vorlesungen mit­initiiert, Sponsoren gewonnen worden, hät­te es Unterstützung bei der Förderung der Bibliothek oder auch afrikanischer Studie­render gegeben. Kontakte speziell zur Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät funktionierten bereits gut. In Zu­kunft wolle man eventuell auch das Zustan-

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